Montag, 26. Oktober 2026

Jupe Crayon aus "Mon cours de style"

Manchmal gibt es Schnitte, die ich gerne ausprobieren möchte, die ich nicht vergesse, die ich aber eigentlich nicht brauche. Die Jupe Crayon aus meinem absoluten Nählieblingsbuch "Mon cours de style" gehört dazu. Ein Bleistiftrock, der nicht wirklich zum Radfahren geeignet ist, der eher elegante Kombinationen verlangt, der nicht in mein Leben passt. Dennoch bin ich seit ich das Buch habe - und ich habe es schon ziemlich lange und habe schon fast alles daraus genäht - immer an dem Schnitt hängen geblieben (übrigens auch an der Origami Bluse, die das Model auf dem Foto zu dem Rock trägt). Manchmal frage ich mich auch, was aus den talentierten Nachwuchsdesignern geworden ist in all den Jahren...


Der Rock ist nicht schwer zu nähen, man braucht nicht exorbitant viel Stoff, er ist besonders, die Anleitungen in dem Buch sind superverständlich. Und da ich im Sommer von einer Kollegin etliche Stoffe aus einer Wohnungs-/Keller-/Garagenauflösung geschenkt bekommen habe, nahm ich einen davon zur Hand. Es ist eine tolle klare blaue Farbe, Samt, ich habe keine Brennprobe gemacht, er fühlt sich aber sehr wertig an. Da es ein alter Stoff ist und die anderen Stoffe auch alle ziemlich wertig wirkten, glaube ich einfach mal, dass es sich um Baumwollsamt handelt. Es war etwa ein Meter, der doppelt breit lag.

Zu wenig für eine Hose, genau richtig bzw. ein bisschen zuviel für einen Rock. Was liegt da näher, als den oben gezeigten Rock mit der Extra Schleppe an der Seite zu nähen.

Ich habe den Rock gegenüber dem Original ein wenig verlängert (5 cm), eine Tasche nachträglich aufgesetzt, die Schleppe quer zum Fadenlauf geschnitten, was aber nicht stört. Gefüttert ist der Rock mit nachtblauem Max Mara Futter von Intrend aus Trieste (apropos, ich habe gelesen, dass am 23.10. ein Intrend in München eröffnet hat). An der Seite sitzt ein Reißverschluss, das hintere Rockteil ist demzufolge im Bruch zugeschnitten.



Um dem Rock das Strenge und den Business Charakter zu nehmen, habe ich ihn jetzt an den kühlen Tagen mit Bluse und Strickpullunder kombiniert. Erstmal für das Foto, aber so kann ich mir gut vorstellen, ihn zu tragen. Die Sneakers gehen jetzt noch, wenn es richtig kalt wird, habe ich keine passenden Schuhe, denn meine schwarzen Stiefel würden mir nicht gefallen, wobei ich natürlich ein schwarzes Sweatshirt anziehen könnte. Mal sehen. Der Radfahrtest steht noch aus, üblicherweise habe ich früher die engen Röcke immer über das Knie hochgezogen, das wäre hier sicher möglich.


Kurzzeitig hatte ich überlegt, ob ich die Schleppe in einem kontrastierenden Hemdenstoff nähe, aber ich habe es dann gelassen. Sie fällt in dem Samt weniger auf als im Original, sie ist auch nicht so hyperakkurat gebügelt.

Zusammenfassung:

Schwierigkeit: einfach

Zeitaufwand: schnell, Röcke gehen immer schnell, einzig die Futterbefestigung per Hand am Reißverschlusse dauerte ein wenig.

Kosten: Das Futter lag bei 4 Euro, der Rest war geschenkt, der RV aus einem alten anderen Teil getrennt, Garn vorhanden.

Lieben Gruß, Anja


Montag, 19. Oktober 2026

Einfacher edler Rock

Letztes Woche - auch inspiriert durch meinen Urlaub, an dessen Ende ich mich mit Regina getroffen habe - hatte ich mal wieder Lust zum Nähen bekommen, ist schon eine Weile her, dass ich zuletzt kreativ war. Ich wollte ein schnelles Erfolgserlebnis und habe mich entschieden, einen Stoff anzuschneiden, den ich im Juli in Münster im Stoffschrottplatz für einen edlen Rock gekauft habe. Ein Rock im Stil meines Lunaticarocks. Der Stoff geht eher in die Richtung Dekostoff, Gardine oder ähnlich und fällt damit nicht locker.

Leider liegt er nur ca. 1,25 m breit, gekauft habe ich den Rest des Ballens, etwa 1,40 m. Das Erstellen des Schnittes wurde damit schwierig. Ich habe der Einfachheit halber den bereits konstruierten Missonirock genommen und genauso verwendet. Weil der Stoff allerdings nicht elastisch ist und ich die gesamte Länge ausnutzen wollt, hatte ich Bedenken, dass es beim Gehen unbequem sein könnte. Deshalb kam mir der Gedanke, hinten mittig zur Abwechslung statt eines Schlitzes ein Godet einzunähen - auch nicht die beste Idee bei einem Stoff mit Stand.

Die Schnittmusterteile habe ich so auf den Stoff aufgelegt, dass es genau passte. Ein Hinterteil lag quer auf dem Stoff, die restliche Ecke ergab das Godet. Der Stoff hat keinen Fadenlauf, deshalb war das unkritisch.



Das Godet hat ein bisschen was von einem Entenschwanz. Nochmal würde ich es so nicht machen, aber da ich den gesamten Saum mit rotem Schrägband umnäht habe, von dem leider nur noch ca. 40 cm übrig seind, sehe ich keine Möglichkeit, das Godet einfach wieder rauszuschneiden, es sei denn, ich lasse das Schrägband dann an einem Schlitz enden, das würde mir aber auch nicht gefallen. Mal sehen, wie er sich so trägt und ob mich das nachhaltig stören wird. Fahrradtauglich ist die Weite schon mal, das ist wichtig.


Hier oben sieht man die Struktur des steifen und schweren Stoffes noch ein wenig besser. An der Taille habe ich aus einem Rest rotem Taft ein Minibündchen geschaffen, es schließt mit Haken und Öse, mittig hinten ist ein Reißverschluss. Zur Deko vorne noch ein kleiner aufgenähter silberner Schmetterling. Ich verbrauche langsam all den Kleinkram, der sich im Laufe der Jahre angesammelt hat.




Zusammenfassung:

Schwierigkeitsgrad: einfach, wenige Nähte, vorhandener bereits genähter Schnitt

Zeitaufwand: Zuschnitt und Nähen insgesamt max. ein Tag (mit Pausen logischerweise)

Kosten: Stoff 17 Euro, Reißverschluss, Schrägband, sonstiger Verschluss aus dem Bestand

Vielleicht komme ich ja demnächst dazu, wieder etwas mehr zu machen, Stoff ist noch da, eine Kollegin hat mir eine Menge aus dem Bestand ihrer verstorbenen Schwiegermutter überlassen. Und ich habe nur das genommen, was mich wirklich interessierte., aber das ist nicht wenig.

Viele Grüße

Anja


Mittwoch, 7. Oktober 2026

ReDesign - Jeansrock

Ich bin nicht wirklich produktiv zur Zeit, weil ich wirklich genug Sachen habe. Ich habe den Sommer genutzt, um zu versuchen auszusortieren, das ist nur mäßig gelungen, weil die meisten Sachen noch gut passen und in gutem Zustand sind. Nicht alles gefällt mir noch, aber ich weiß, dass manchmal nach Jahren der Zeitpunkt kommt, wo etwas plötzlich wieder tragbar wird, in diesem Sommer war das ein ca. 20 Jahre altes grünes Leinentopp und für den Herbst wird es die 30 Jahre alte Lederbermudas sein. Ich werfe nicht leichtfertig weg, andere Abnehmer habe ich nicht, die Altkeidertonne ist überhaupt keine Alternative und für Oxfam oder Ebay sind meine selbst genähten Sachen dann doch zu wenig perfekt. Vielleicht denke ich das auch nur, aber ich scheue mich auch, etwas komplett unter Preis zu verkaufen von dem ich weiß, wie lange ich daran gesessen habe.

Meine Tochter hat ein Jeanslatzkleid aussortiert, wenig getragen. Es gefiel nicht mehr, passte in der Taille nur noch knapp. Es handelt sich um das Pendant zu diesem Latzkleid von mir, dass ich sehr gerne anziehe. Mir passte es in der Taille gar nicht. Erst lag es mehrere Monate auf dem Auftrennstapel, dann kam mir die Idee, daraus einen Rock zu machen. Wobei machen schon viel ist. Ich habe es oben abgeschnitten, dann einen dehnbaren Jerseybund dran genäht. Damit der ganze Rock etwas besonders daher kommt, habe ich unten viele gemischte Knöpfe aufgenäht. Die Idee habe ich bei Talbot&Runhof geklaut, die so eine Lösung an einem trachtigen Oberteil in der Ausstellung in Augsburg (im verlinkten Post ungefähr in der Mitte) gezeigt haben.

Die Knöpfe ziehen den Rock nach unten, die ersten Trageversuche endeten dann auch damit, dass der Jerseybund ausleierte, der Rock stark rutschte, ich in der Not ein Oberteil wie einen Gürtel darüber knotete (ich war mit dem Teil ein paar Tage unterwegs und konnte nichts anderes machen außer beobachten, dass der Rock von Tag zu Tag mehr rutschte - oder meine Wanderhose anziehen, was ich dann auch auf der Rückfahrt gemacht habe).

Zuhause habe ich einen neuen breiten Gummi eingezogen und jetzt geht es wieder. Ich mag diesen einfachen langen Rock. Ich hatte ihn mit Strümpfen und Wanderschuhen kombiniert, aber es geht auch mit Sneakers und Clogs und im Winter mit Stiefeln. Auch oben rum ist Jeans unendlich variabel. Ich bin also froh, dass ich dieses ReDesign gemacht habe.

Auf dem Foto unten seht ihr den angesetzten Jerseystreifen, ein Reststoff.


Oben nochmal die Knopfsammlung von Leder, Gold, Horn, Grau, Blau, Braun, lauter Einzelstücke aus der Sammelkiste oder abgetrennt, viele von meiner Mutter. Das kleine Label kommt aus der Geschenktüte der Frocktails.

Zusammenfassung:

Supereasy, keine Kosten, wenig Zeitaufwand - und trotzdem ist etwas sehr Tragbares und sehr Spezielles entstanden.

Verlinkt beim Me Made Mittwoch, zum Schauen komme ich erst nach meinem kleinen verlängerten Wochenendurlaub. In einer Stunde geht es los.

Anja