Mittwoch, 1. November 2023

M*ssoni Hose, Pulli, Jumpsuit oder was?

Selten, dass mir ein Stoff in die Hände fällt und ich sofort weiß, was ich daraus machen möchte. Letzten Freitag war usseliges Wetter und ich habe spontan beschlossen, mir etwas Gutes zu tun und nachmittags zu JP Stoff in Mörfelden zu fahren (nur 25 S-Bahn- und 10 Fahrrad-Minuten von mir entfernt), im Prinzip ohne Kaufabsicht. Beim Schlendern durch die Halle, speziell in der hinteren Reihe bei den italienischen Stoffen, fiel mir eine dicke Rolle "Strick" auf, ziemlich schwierig aus dem Regal zu räumen, die nette Verkäuferin half mir und berichtete von der "Chefin", die au Mailand immer wieder Missoni Stoffe mitbringt. Mir ist es eigentlich egal, ob er echt oder unecht ist, Hauptsache, Farbe, Haptik, Dichte passen. Der Blick in den Spiegel mit dem abgewickelten Stoff zeigte, er steht mir. Bei Missoni heißt die Farbkombination lime-purple wie ich recherchiert habe. Ich sah erstmal ein Grün bzw. einen Olivton und irgendwas Braunes, das Braun entpuppte sich bei näherer Betrachtung als Lila, etwas Rosa ist auch dabei.

Da es bei dem letzten Stoff mit der Hose nicht geklappt hat (hier seht ihr, was aus dem Stoff geworden ist), wollte ich jetzt eine Hose nähen. Ich habe 2 m mitgenommen. Zuhause habe ich den Stoff genauer untersucht. Es ist kein Strick, die Querelastizität ist minimal, die Webkante war klar gehäkelt und auf der Rückseite war auch eine Häkelstruktur erkennbar (Stäbchenmaschen in sehr, sehr dünnem Garn), dazwischen schien die grüne und lila bzw. rosa Wolle verwebt zu sein, aber in einem schrägen Verlauf, wie gestrickte Maschen sah es nicht aus. Im Missoni Shop bin ich mehrfach auf Produkte, die als Crochet-Knit bezeichnet werden, gestoßen. Es wäre nun interessant, einmal ein Original in die Hand zu nehmen, aber ich wüsste in Frankfurt keinen Laden, der Missoni vertreibt. Das Chevronmuster verläuft parallel zur Webkante. Üblicherweise sind Hosen aus diesem Muster im Querverlauf gemustert. Ich sah kein Risiko, den Stoff quer zum Fadenverlauf zuzuschneiden.

Um das Zickzackmuster nicht an der Seite umständlich zusammenfügen zu müssen, habe ich Vorder- und Hinterhose zusammen zugeschnitten und an der Seite einen kleinen Abnäher genäht. Oben ist ein breites Gummi eingezogen. Die Webkante bildet den Saum. Ein schnelles und zufriedenstellendes Projekt. Die Hose war ratzfatz fertig und ist ziemlich gemütlich.

Da ich quer zum Fadenlauf zugeschnitten habe, war noch ziemlich viel Stoff übrig. Genug, um ein Oberteil mit langen Ärmeln und evtl. sogar einem Rollkragen daraus zu schneidern. Auf den (abnehmbaren) Rollkragen habe ich erstmal verzichtet, der Stoff ist noch da, vielleicht wird es auch ein Tuch, mal sehen. Das schlichte Oberteil war auch schnell genäht. 


In der Winterkiste war noch ein Strickkragen, der passt dazu:

Für beide Teile habe ich meinen Grundschnitt verwendet, beim Oberteil habe ich die Ärmel verschmälert, den Ausschnitt vergrößert, alle Abnäher in die Taille gedreht und im Zuschnitt weggelassen, die Seitennaht allerdings nachträglich etwas eingestellt.

In den 90er Jahren besaß ich 2 relativ edle Strickhosen und jeweils dazu passende Strickpullover von Alba Moda, Loungewear. An diese Strickoutfits erinnert mich die fertige Kombination.

Ich kann mir allerdings im Moment nicht vorstellen, Hose und Pulli zusammen anzuziehen. Getrennt und mit einfarbigen Sachen kombiniert dagegen auf jeden Fall. Ich zeige euch beides zusammen trotzdem, auch wenn es etwas crazy aussieht:



Das mit dem Zusammenfügen des Zickzackmusters an der Schrittnaht hat hinten wie vorn leidlich geklappt, aber ich bin da nicht so perfektionistisch veranlagt.

Zusammenfassung:

Zeitaufwand für Zuschnitt und Nähen mit geringen Anpassungen: ca. 3, evtl. 4 Stunden

Schwierigkeit: babyeinfach, ich hatte etwas Bedenken hinsichtlich der Verarbeitung des Stoffes, aber er fusselte nicht, franste nicht, lag stabil und fest auf der Nähmaschine

Kosten: 36 Euro (es war nicht ganz klar, was der Stoff kosten sollte, die Rollen waren nicht beschriftet, erst wurden 22 Euro der Meter genannt (weil ein anderer Missoni so beschriftet war), aber als dann noch eine dicke Rolle von ganz oben auftauchte, ging der Preis auf 20, dann 18 Euro runter. Ich glaube, die wollten den Stoff gerne loswerden. 

Ich habe den Eindruck, dass plötzlich überall große Mengen an Deadstock Stoffen auftauchen. Das Angebot für Endkunden bei The Fabric Sales und Mahler Stoffe wird immer größer. Die Preise sinken. Neue Anbieter sind auf dem Markt. Auch in Frankreich und Italien (Beglarian, The Fabric House usw.) kann man mittlerweile bestellen, manchmal mit Mindestmengen und je mehr, umso günstiger). Ich finde die Entwicklung etwas beunruhigend, zeigt es doch, dass viel zu viel Stoff für zuviel Kleidung produziert wird.

Zu den Trageeigenschaften und -gelegenheiten kann ich noch nicht viel sagen, da die Kombination sozusagen frisch von der Nähmaschine gehüpft ist. Weswegen ich in Eile bei sonnigem Wetter gestern noch schnelle Fotos für heute gemacht habe. Aber ich vermute, der Fahrradsattel tut dem Material nicht so gut, Hundekrallen ebenfalls nicht und Handwäsche ist auch angesagt. 


Viele Grüße, Anja

P.S. Ergänzung vom 8. November: der Stoff hat mich nicht losgelassen, er ließ sich super vernähen und zuschneiden und ich bin in den Frankfurter Laden von JP Stoffe gegangen (da gehe ich regelmäßig rein, natürlich nur zum Gucken): der Stoff lag im Regal, die Verkäuferin nannte ihn "wie Missoni, ist kein echter Missoni" (mir im Prinzip egal, der Stoff ist prima, er steht mir super, ein Rock wäre eine tolle Ergänzung zum Pulli, aber da sieht man mal, die können einem alles erzählen, natürlich habe ich sie darauf angesprochen, dass bei JP in Mörfelden er als echter Missoni bezeichnet wurde). Und, er kostete in Frankfurt nur 12 Euro den Meter, das wiederum finde ich nicht so super, ich würde schon erwarten, dass in allen Niederlassungen für alle Stoffe der gleiche Preis gilt. Im Zweifel hätte ich eher erwartet, dass im Hauptlager in Mörfelder günstigere Preise gelten als in der Frankfurter Innenstadt. Fakt ist, ich habe weitere 1,5 m mitgenommen, um einen wadenlangen Rock im schrägen zusammengesetzten Musterverlauf zu nähen.




Dienstag, 31. Oktober 2023

Annäherung an ein Kleidungsstück

Bei Malhia Kent habe ich im September vom Grabbeltisch einen Coupon (ca. 180 x 140 cm) mitgenommen (mit einem Anschnitt 70 x 40 cm), also mehr Stoff als für das Tweedkleid

Ich nahm an, dass die Stoffmenge für eine Flared Hose reichen würde, aber auch das Hin- und Herschieben von Schnittteilen brachte nicht den gewünschten Effekt. Lange diskutierte ich in der Nähdelsgruppe und mit einigen befreundeten Hobbyschneiderinnen, ob ich vielleicht quer zum Fadenlauf zuschneiden könne: die überwiegende Meinung lautete, besser nicht, auch wenn in diesem Artikel nicht grundsätzlich abgeraten wird, denn bei einer Hose sei der Zug auf die Schussfäden stärker als bei Rock oder Kleid.

Eine neue Idee musste her, sicher keine Jacke und ein normales Kleid hatte ich ja schon. Die Internetrecherche führte mich zur Louis Vuitton Kollektion im Herbst 2022, dieses Latzkleid ist genau mein Stil, große Taschen liebe ich sowieso, in der Verlinkung kann man auch die Rückseite und einigermaßen die Konstruktion der Seiten erkennen, die komischen wulstigen Kanten sind allerdings nicht meins:

Ich habe meine Grundschnittteile hervorgekramt, mich langsam der Vorder- und Rückenträgerform angenähert, dafür habe ich tatsächlich ein kleines Probeteil gesteckt, denn die Träger müssen sitzen. Das Rockteil wirkt auf den ersten Blick banal, ich hatte jedoch beim ersten Versuch extrem viel Weite im unteren Bereich, habe dann an den Seiten je ca. 15 cm abgeschnitten. Der Rock war auch zu lang, er fiel schwer nach unten und längt sich vermutlich auch ein wenig. Hier exemplarisch das zugeschnittene Vorderteil. Das Kleid wird komplett gefüttert. Venezia Futter aus der Karstadt Auflösung liegt bereit.

So sieht der Zuschnitt des Rückens aus:


Wie ich bei einer weiteren Steckprobe feststellte, ist der Ausschnitt im Vergleich zum Modell deutlich zu klein, hingegen könnten die seitlichen Trägerteile schmaler sein, demzufolge habe ich weiteren Stoff heraus geschnitten. die Träger habe ich bewusst nicht ganz bis unten in die Taille laufen lassen, sondern ca. 5 cm oberhalb enden lassen:


So nähte ich die verschiedenen Stoff- und Futterteile zusammen. Es hat sich irgendwie entwickelt. Ein Glück, dass ich problemlos in passendem Garn von rechts nähen kann, ohne das es auffällt. So sind die Riesentaschen seitlich und die äußeren Träger und die Futterträger einfach eingeklappt und von rechts aufeinander genäht. Die Alternative wäre eine Handnaht gewesen. Foto vom Zwischenstand:


Mein letztes Etikett von Constanze habe ich eingenäht:


Das Ausfransen des Saums lief ähnlich gut wie bei diesem Kleid, ich habe wieder die Schussfäden ausgefranst, das ist einfacher. Ein Versuch mit Kettfäden scheiterte wegen der vielen hubbeligen Bänder und Fäden mit Verdickungen.

Fummelig wurde es am Ende, als ich das Innenfutter unten passgenau oberhalb der Fransen einnähen wollte, das musste dann tatsächlich Maßarbeit sein. Ich habe mich dann allerdings wieder der Einfachheit halber für einen eingeklappten Maschinensaum entschieden.

Die Fotos entstanden bei eiskaltem Wetter draußen, Jacke und Mantel passen über das Kleid, denn die seitlichen Taschen klappen sich nach innen/hinten. Wenn ich eine Cross-Over Tasche trage, verdreht sich das Kleid leider und ein Taschenbeutel hängt leicht hinten, insofern ist ein verdeckender Mantel die bessere Lösung:


Und nun einige Aufnahmen, auch mit erkennbaren Details:




Ich trage das Kleid/Trägerkleid/Latzkleid/Tunika inzwischen wirklich gerne und oft. Habe es auch bereits über eine Hose angezogen, sehr vielseitig einsetzbar, für die Oper oder die Gassirunde. Und eine zusätzliche Tasche brauche ich nirgends mehr, denn in die 4 Kleidtaschen passt alles rein: Handy, Schlüssel, Portemonnaie, aber auch eine Klapptrinknapf für den Hund. 

Hier noch eine Rückansicht:


Und die Zusammenfassung:

Zeitaufwand: als endlich feststand, was ich machen wollte, ca. eine Woche je 1 -2 Stunden. Der Prozess der Entwicklung hat jedoch viel länger gedauert, weil ich eigentlich auf eine Hose fixiert war.

Schwierigkeit: problemlos zu nähen, einfach und dadurch, dass ich auch von rechts durch die Lagen nähen konnte, gut Stück für Stück zu nähen

Kosten: Stoff 24 Euro, Futter 2 Euro, leider habe ich keine Preise für das Original gefunden


Viele Grüße, Anja







Mittwoch, 4. Oktober 2023

Chanelartiges Boucle-/Tweedkleid aus dem Grundschnitt

Bei meiner Recherche zum Halbtellerrock bin ich auch auf verschiedene weite Hosen von Chanel aus der Kollektion 22/23 und auf dieses Kleid aus der gleichen Kollektion wie der Halbtellerrock gestoßen, die Verlinkungen funktionieren leider nicht mehr:

Das Projekt mit dem Rock hat mir gut gefallen und mit dem Ergebnis war/bin ich auch sehr zufrieden. In der Folge schaute ich nach diesen Stoffen, die für mich in der Vergangenheit zu altbackenen Chanel Jäckchen gehörten. Bei einigen Händlern heißen sie Tweed, nach meinem Verständnis ist Tweed eher - oft in Fischgrat - gewebter Stoff aus Schottland, z. B. Harris Tweed. Es kursiert auch die Bezeichnung Chanel Bouclé, manchmal auch Chanel Tweed, genau kann ich nicht sagen, was korrekt ist. Beide Bezeichnungen werden synonym verwendet. Mir scheint, dass Bouclé ein Unterbegriff zu Tweed ist und lockerer gewebt ist, außerdem diese typischen Knötchen im Garn hat. 

Jetzt, wo es auf den Herbst zugeht, gibt es mehr Auswahl an derartigen Stoffen beim örtlichen Stoffhändler. Aber ich war vor 2 Wochen in Paris. Das oben gezeigte Kleid ist aus einem Stoff von Malhia Kent. Dort war ich vor Jahren schon mal ohne etwas zu kaufen, die Auswahl hat mich damals etwas überwältigt. Die Preise offen gestanden auch. Mittlerweile hat sich mein Stoffkaufverhalten geändert, da passt Malhia Kent ganz gut für eine Stippvisite. Und wunderbarerweise gab es gleich neben dem Eingang einen großen Tisch, auf dem Reste ausgebreitet waren. Die Stücke waren unterschiedlich groß, oft noch mit Zipfeln an den Enden. Abgerechnet wurde nur der Teil, wo die volle Stoffbreite vorhanden war. Ich habe 2 Stück mitgenommen und hätte noch mehr nehmen können. Das waren wirkliche Schnäppchen, verglichen mit den Originalpreisen etwa 70 % rabattiert. Aber wann soll ich das alles vernähen? Und ich habe ja auch eigentlich genug Winterkleidung.

Ist das überhaupt ein Winterkleid, nun ja, mein Stoff reicht gerade dafür, die Ärmel werden mglw. ein wenig kürzer ausfallen. Und wie bei anderen Winterkleidern ohne Ärmel kann/werde ich ein Jerseyshirt oder einen Rolli darunter tragen.

Der Schnitt ließ sich einfach aus dem Grundschnitt konstruieren, ein Shift Dress, ich beließ den Brustabnäher, veränderte den Ausschnitt ein wenig und ergänzte den Rückenabnäher. Außerdem verlängerte ich das Kleid ein wenig. Unten seht ihr auf dem Boden ausgebreitet meinen "Block" aus dem Behind the Seams Kurs, den ich minimal abgewandelt habe. Der Ärmel weicht stärker ab, da ich ein tieferes Armloch benötige.



Für die Fransenborte ging ich wie beim Halbtellerrock vor. Bei diesem Stoff ist sie viel einfacher herzustellen, die Fäden fallen schon beim Angucken aus dem Stoff. D. h. aber auch, dass ich beim Nähen aufpassen muss und die Ränder vorher mit Zickzack absteppe und an einigen Stellen verstärke, um ein Ausfransen zu vermeiden.

Leider ist mein Kleid heute am Me Made Mittwoch noch nicht fertig, weil ich über das verlängerte Wochenende noch anderes zu tun hatte. Aber hier schon mal eine fast fertige Ansicht, es fehlen noch die Fransenborten am Saum, die fertig, aber noch nicht angenäht sind:



Die Saumlänge wird in etwa so bleiben, unten wird dann ja ein Teil umgeklappt und die ca. 3 cm breite Fransenborte angenäht. Ich habe noch 2 kleine Stoffstücke übrig (ansonsten war es wirklich ein Zero Waste Projekt), aus denen könnte ich eine kleine aufgesetzte Tasche nähen, mit Fransenborte, mal sehen. 

Was mir erst im nachhinein aufgefallen ist: für die Borte hätte ich bei diesem Stoff eigentlich die andere Richtung nehmen müssen, aber das wäre sowieso nicht möglich gewesen, denn dafür hätte ich keinen Stoff an den Seiten übrig gehabt. Also ist sie etwas dezenter und besteht nur aus dünnen schwarzen und weißen Fäden. Hier ein Eindruck:


Die Ärmel und vor allem die hintere Mittelnaht müssen noch ordentlich gebügelt werden. Ich habe auch vorne zusätzlich zu den Brustabnähern 2 Längsabnäher eingearbeitet, ohne diese fiel das Kleid etwas formlos, der Rock ist leicht ausgestellt. Auf Reißverschluss oder Knopf hinten habe ich verzichtet, weil ich solche Kleider gut über den Kopf anziehen kann (der Ausschnitt ist ja recht groß).

Schwierigkeit: tricky, mit so einem Stoff, der unfassbar franst, habe ich noch nie genäht. bei Burda gab es ein Video zum Umgang mit schütteren Stoffen (den Begriff hatte ich auch noch nie gehört), daran habe ich mich ein bisschen orientiert. Vom Schnitt her allerdings einfach zu nähen.

Zeitaufwand: ein ganzer Samstag und Borte ausfransen ca. 2 Stunden, der Saum ist dann schnell angenäht, das schaffe ich nächstes Wochenende.

Kosten: ca. 20 Euro (Restecoupon, 1,5 m mit einem Stück aus dem ich einen Ärmel schneiden konnte)

Ich werde das Kleid nochmal fotografieren, wenn es endgültig fertig ist und die Bilder dann hier ergänzen. Das ist jetzt, 2 Tage später, der Fall, ich habe absichtlich langärmlige Sachen darunter angezogen, nichts ist zu eng oder unbequem, der Stoff ist weich wie Sweat und sehr, sehr warm, da kann die Heizung wieder abgeschaltet werden im Winter:



Der Ärmel endet minimal oberhalb des Ellenbogens, die Fransen stehen hinein, aber das schränkt die Beweglichkeit nicht ein. Mit einem Rolli geht es auch, ich finde es aber schöner mit einem langärmligen Jerseyshirt. Der Rolli ist braun, in dem Stoff sind ja auch kleine ockerfarbene Fäden verwebt, mir fehlt allerdings noch eine passende Strumpfhose.



Ja, und die Taschen, aber dafür sind mir genau diese beiden Stoffstücke geblieben, oben nutze ich die Webkante, unten franse ich aus, die Seiten werden eingeklappt und aufgenäht, 2 Taschen, damit die Front weniger langweilig ist.

Mit den fertigen Taschen und flott genähten Stulpen in olivgrün mit passender Strumpfhose sieht das Kleid dann so aus, gefällt mir fast am besten, weil der Kontrast nicht so hart ist wie bei den dunklen Farben:


Aus meinem anderen Stoffteil in schwarz-weiß-rot usw. mache ich dann diese Hose beim Nähtreffen im November in der Toskana, auf das m.E. spießige Jäckchen verzichte ich, nicht nur aus Stoffmangel. Die hing letzten Herbst im Schaufenster und ich habe sie nicht vergessen, aber nie solche Stoffe gesehen. Ich bin nicht in der Lage einfach so auszurechnen, wieviel günstiger mein Material im Vergleich zu dieser Hose ist.

Gezeigt beim Me Made Mittwoch im Oktober, vielen Dank fürs Schauen und Kommentare aller Art, lieben Gruß, Anja





Mittwoch, 27. September 2023

LV Dream und Gedanken zum Logowahn

Zufällig bin ich vor meinem Pariswochenende auf das Louis Vuitton Museum gestoßen. Davon hatte ich bisher nicht gehört und da ich diesmal noch Zeit hatte, habe ich ein Zeitfenster gebucht. Zentral gelegen zwischen Pont Neuf und Samaritaine, da kommt man immer irgendwann vorbei. Das Buchen des Fensters wäre nicht nötig gewesen, man kann auch noch direkt vor dem Hereingehen den Code bekommen. Es war angenehm leer - ganz im Gegensatz zu allen anderen Orten an diesem Sonntag in Paris. Ich hätte sogar an einer Führung (leider auf Französisch, aber bestimmt sehr interessant) teilnehmen können, alles gratis. Im Prinzip handelt es sich um eine abgespeckte und kleinere Version der Galerie Dior. Aber nicht uninteressant. Und für mich persönlich angenehmer, weil ich die Galerie Dior als überfrachtet erlebt habe, hier hingegen weniger Exponate, dennoch fokussiert auf das Wichtige.

Es beginnt mit einer Reise in die Vergangenheit. Alte Taschen/Koffer neben neuen, die teilweise die absolut gleiche Form haben. Oder aus dem gleichen Leder hergestellt sind, unten alte Koffer, neue Handtasche mit Tieren bedruckt. Ich lerne, dass eine Marke doch ihren Traditionen irgendwo treu bleibt, das war ja auch bei Dior ähnlich.


In einem anderen Raum werden ikonische Taschen vorgestellt. Ich kannte bisher nicht viele Modelle, irgendwie sehen die Taschen, die ich auf der Straße von LV sehe, alle gleich aus, der Logoprint dominiert. Aber es gibt eine breite Vielfalt. Zu den Verkaufszahlen gab es keine Informationen, vielleicht sind einzelne Modelle auch nur in kleinen Stückzahlen produziert worden. Und die meisten Leute kaufen eine Standardtasche, auf der das Logo gut sichtbar ist.


Louis Vuitton hat auch mit Künstlern zusammen gearbeitet. Dabei wurde der Taschenschnitt beibehalten, das Leder aber verfremdet, teils mit, teils ohne Logo. Leider habe ich vergessen, wie diese ikonische Tasche heißt, die Gestaltung hätte man mit der entsprechenden Idee leicht kopieren können.


Oben das gleiche Modell in weiteren Ausführungen, es gab noch 2 weitere Vitrinen derselben Tasche aus verschiedenen Zeiten und mit verschiedenen Kooperationen.


Louis Vuitton hat auch Reisebetten hergestellt. Ein uraltes Kofferbett steht neben einem neuen, vermutlich sündhaft teuren Feldbett (oben). In 3 weiteren Ausstellungsräumen kommen die Kleidungsstücke, sortiert nach verschiedenen Designern, oftmals in Kooperation. Da Louis Vuitton erst in der neueren Zeit angefangen hat (ab 1997), Kleidung zu verkaufen, sind die Modelle eher modern im Vergleich zu Dior. Ab und zu mit Logoprint, aber nicht so dominant wie im Bereich der Lederwaren.


Oben die in Frankfurt von jungen Männern gerne genutzte, wir nennen sie, "Dealertasche". Und aufgrund dieser Tasche und der Klientel, die sie trägt bzw. den jungen Frauen, die alle mit gleichen LV Taschen herumlaufen (in Kopie?) ist auch meine Assoziation bei LV eher negativ behaftet. Das hat sich durch die Ausstellung geändert. Die Vielfalt an Taschendesigns, an Kooperationen mit Künstlern und - siehe unten - an bemalten Tücher ist beeindruckend.


Bevor man LV Dream verlässt, kann man auf die Toilette gehen. Die ist etwas versteckt hinter einem Cafe (mit Warteschlange) und in einem, ich nenne es, "Fanshop". Dort gibt es Schokolade für 15 Euro und eine Blumenampel für 18000 Euro. Dazwischen sind alle Preise für nützlichen, aber überwiegend unnützen Kram vertreten. Die Hanteln kosten schlappe 2100 Euro, ein Surfbrett ist für 10300 Euro erhältlich. In dem Laden und dem Cafe war es richtig voll, ganz im Gegensatz zur Ausstellung. Vorwiegend Asiaten und andere Touristen kaufen Kleinkram und Taschen, lassen sich selbst bei den Pralinen noch eine weitere kleine Papiertüte geben. Man muss ja zeigen, wer man ist. Das Geschehen in dem Laden, ich habe mich ein wenig auf einer Sitzbank mit Kissen ausgeruht, ist kurios zu beobachten. Die Leute sehen nicht so aus, als ob sie soviel Geld haben. Ich frage mich, ob die, von denen ich in Frankfurt immer denke, dass sie Fälschungen tragen, vielleicht doch ein Original haben?
Schon in den 80er Jahren gab es Handtaschen, insbesondere so eine Beuteltasche, die oben geschnürt wird (Modell Papillon), auf den Straßen in Italien. Tatsächlich habe ich mir vor der Stazione Termini meine erste Handtasche gekauft, Louis Vuitton gefälscht für umgerechnet 4 DM (runtergehandelt natürlich), immerhin Lederschultergurt, gut eingenähter Reißverschluss, der Rest Plastik, irgendwann landete sie im Müll. Ersatz kam her, keine Marke, aber echtes Leder (auch von italienischen Märkten). Alle Mädchen, die ich kannte, sind damals mit diesen Fälschungen herum gelaufen, in Italien gab es auch Fendi (eher für Omas) und Gucci (auch für ältere Damen). Am häufigsten wurde aber Vuitton verkauft. Ich erinnere mich, dass dann in den späteren 80er Jahren und ganz besonders in den 90er Jahren den Fälschungen der Kampf angesagt wurde. Die Straßenhändler (meist Schwarzafrikaner) boten ihren Kram auf riesigen Laken an, um sie, wenn die Polizei anrückte, schnell zusammen zu falten und zu verschwinden. Seit ganz vielen Jahren habe ich in den italienischen Innenstädten diese Händler nicht mehr gesehen. Aber man soll in anderen Ländern (Türkei?) noch gut Fälschungen kaufen können, teils sehr gute Fälschungen, die auch teuer sind. Also mehr als die heute 2 Euro, die ich damals bezahlt habe.

Ich habe gelesen, dass Louis Vuitton eigentlich durch den Aufdruck des Logos beabsichtigte, die Kopien zu vermeiden. Doch genau das Gegenteil passierte. Die Tasche galt/gilt als Statussymbol und haufenweise Plagiate landen auf dem Markt. Mittlerweile geht der Konzern radikal gegen die Fälscher vor. Dennoch ist es anscheinend ein Fass ohne Boden.

Ich habe mich beim Besuch der Ausstellung an meine Tasche von damals erinnert, mir sagte die Marke Louis Vuitton sicher nichts, ich kam vom Land, aber da ziemlich viele Leute diese auffällige Tasche mit Logoprint trugen, wollte ich vermutlich dazu gehören. Ich war damals Au-pair in Italien. Zurück in Deutschland kannte ich ein "reiches" Mädchen mit einer Louis Vuitton Tasche (vermutlich echt, aber den Unterschied habe ich nicht gesehen, für Marken habe ich mich nicht interessiert, ich glaube, es hat sich niemand dafür interessiert). 

Und seit irgendwann, ich weiß nicht genau seit wann, hat es mit sozialen Medien zu tun, hat es damit zu tun, dass das verfügbare Einkommen gestiegen ist, ist es in bestimmten Kreisen wichtig, die richtige Marke zu haben. Als meine Tochter im Kindergarten war, haben Bekannte, deren Kinder in Westend Schulen gingen, das thematisiert. Abercrombie&Fitch, Hollister, Hilfiger, Nike, später Apple usw. Wer nicht die richtige Marke trug, war ein Außenseiter. Die Eltern haben bereitwillig bezahlt. Oder geschimpft und bedauert, dass ihr Kind nicht in einem anderen Stadtbezirk zur Schule geht. Irgendwann war es an allen Schulen gleich. Die jungen Leute (und die danach geborenen) sind inzwischen zwischen 20 und 30 kaufen Marken. Das ist die Generation, die den Fanshop von Louis Vuitton bevölkerte.

Warum ist das so? Erinnert sich noch jemand an die No Logo Bewegung und das Buch von Naomi Klein, Anfang der Nullerjahre war das ungefähr. Geändert hat sich dadurch leider irgendwie nichts, im Gegenteil. Ein wie ich finde, sehr interessantes Aufgabenfeld für Soziologen. Hier ein persönlich geschriebener Artikel dazu, kann ich voll und ganz so unterschreiben. Habe ansonsten im Netz wenig Kritisches gefunden.

Was hat das Ganze jetzt mit Nähen zu tun, schließlich ist das hier ein Nähblog? In letzter Zeit werden mir bei Instagram immer wieder Stoffverkäufer hochgespielt, die gezielt Werbung mit Markenstoffen machen. Deadstock, das ist gut für das Gewissen, weil Müllvermeidung. Aber der Name und ggf. auch noch ein Logoprint auf dem Stoff oder sogar der ganze Stoff mit Logoprint übersät, hmmm, das Geschäft scheint zu boomen. Bei einer dieser Verkäuferinnen wird immer wieder der Name der Marke hervorgehoben, es geht kaum um die Stoffzusammensetzung, Qualität, Gewicht, ist es jetzt bei uns, die wir nähen, auch schon so, dass nicht unser selbst genähtes Kleidungsstück wichtig ist, sondern wir es mit einem Logo von einer der "angesagten" Marken schmücken müssen. Ich finde, das ist eine traurige Entwicklung. Sind wir, die wir nähen, nicht eigentlich unsere eigenen Designer, indem wir Stoff, Schnitt, Farbe miteinander auf einzigartige Weise verbinden. Wir haben es doch nicht nötig mit Dior, Gucci, Fendi zu konkurrieren.

Ich habe bei The Fabric Sales auch schon Markenstoffe gekauft, aber dort erfahre ich gezielt, um was für einen Stoff es sich handelt, anhand des Gewichts und der Zusammensetzung bekomme ich einen Eindruck, letztendlich ist die Qualität entscheidend. Die ist ziemlich gut (auch wenn die Farben am Bildschirm abweichen können), auch bei den Stoffen, deren Marke nicht benannt ist. Bei The Fabric Sales sind die Preise absolut niedrig für das, was ich erhalte (ähnlich auch im Outlet von Annette Görtz oder Dorothee Schumacher und anderen Herstellern), Deadstock ist eigentlich Abfall. Der Stoffschrottplatz in Münster ist dafür ein Beispiel, auch dort finden sich Markenstoffe. Der Inhaber ist ein Verwerter. Bei den Stoffhändlerinnen in Instagram wird - so scheint mir - ziemlich aufgeschlagen, wenn es sich um Haute Couture insbesondere mit Logo handelt (dabei werden auch Stoffe gefälscht, insbesondere die mit Logo, der italienische Zoll beschlagnahmt immer wieder Fälschungen, hier 2021). Trotzdem wird gekauft wie verrückt. Wir sind doch empfänglicher für Statussymbole als wir denken. Und wir wollen das, was die anderen haben.

Mit diesen Gedanken und einigen wenigen Stoffen im Gepäck endete mein Kurzwochenende in Paris. Da ist schon der Gare de l'Est.


Kommentare willkommen.

Viele Grüße, Anja


Dienstag, 26. September 2023

Galerie Dior

Letztes Wochenende war ich in Paris. So ein Besuch bedarf immer einer gewissen Vorbereitung, denn etliche Museen muss man buchen, um ohne große Wartezeit hinein zu kommen. Ich finde das recht umständlich, weil damit Flexibilität und Spontaneität verloren gehen. Außerdem weiß ich manchmal nicht genau, wie lange ich von A nach B brauche. Das beste Fortbewegungsmittel in Paris ist m.E. das Fahrrad (Velib Tagespass 5 Euro, man kann unendlich oft bis zu 30 Minuten radeln). Die Galerie Dior, ein Museum von und über Dior, ist im Dior Stammhaus an der Avenue Montaigne, wo sich die alteingesessenen Haute Couture Häuser befinden. Tatsächlich gab es am Einlass auch eine Schlange für Damen (Herren habe ich quasi nicht gesehen) ohne Ticket, die war aber ziemlich lang, wer ein Ticket aus dem Vorverkauf hatte wurde sehr schnell herein gelassen. Sämtliche Informationen rund um den Besuch finden sich in der Verlinkung. Es gibt auch ein Restaurant, dort war ich nicht.


Das ganze Haus ist verwinkelt, aber der Rundgang ist klar beschildert. Die Besucher drängen sich im ersten Raum mit den Fotos und Berichten zu Diors Jugend und Werdegang, danach verteilt es sich angenehm über die Räume und alle Exponate sind super zu sehen. Alles ist sehr für die Sinne dargestellt, tolle Lichteffekte, schöne Dekoration, Filme, Fotos im Hintergrund, angenehme Musik, manchmal auch ein passendes Parfüm von Dior. In der Form habe ich eine Ausstellung noch nicht erlebt. Das Atelier von früher (nachgebaut) kann man von oben betrachten.


Abendkleider (viel zu viele) werden in einem großen hohen Raum, der ständig sein Licht mit Funkeln, Glitzern verändert, präsentiert. Wie im Theater, es gibt Sitzplätze, um auszuruhen.


Am Ende schreitet man das berühmte Treppenhaus herunter, auf dem früher die Modelle gezeigt wurden (nachgebaut). Dahinter ist eine riesige Vitrine, deren verkleinerte Objekte (Handtaschen, Schuhe, Kleider, Flakons) entsprechend des Farbkreises von oben nach unten aufgebaut sind. Dort werden Unmengen von Selfies gemacht.
Zur Ausstellung selbst: manchmal werden Kleider aus verschiedenen Epochen nebeneinander präsentiert. Oft haben Designer alte Ideen aus den frühen Jahren wieder aufgegriffen: Blumenmotive, Schleifen, Tellerrock usw. Die Ausstellung ist nicht chronologisch, tatsächlich hatte ich das Gefühl, dass auch die neuen Sachen noch so sind wie das, was in den 50er Jahren kreiert wurde. Sehr interessant der Raum mit den Skizzen, den Probeentwürfen und einer Dame, die Techniken erklärte: handgenähte Knopflöcher und das Innenleben einer Jacke. Dort durfte man anfassen und Fragen stellen. Leider ist mein Französisch nicht so, dass ich alles verstanden habe. Dieser Raum hat mich am meisten fasziniert.
Es gab auch Fotos und daneben die Originale, Erläuterungen zur Zusammenarbeit mit Künstlern und Originale von deren Arbeiten. Gezeigt wurde der Schritt von der Haute Couture zum Pret-a-porter in den 60er Jahren mit der Entwicklung der Miss Dior Linie für jüngere Kundschaft, die modern sein wollte. Dazu habe ich kein Foto, die Modelle gefielen mir überhaupt nicht, in der Zeit wurde in London viel interessanter gestaltet.
Unten ist ein Bustier mit dazugehörigem Mantel. Der Stoff ist einfach der Hammer, leider kommt das auf dem Bild nicht raus, Dreidimensionale Blüten in mehreren Pastelltönen, wahnsinnig schön. Bei den wertvollen Materialien waren die Räume stark abgedunkelt. Dennoch fand ich die Ausleuchtung besser als bei der Chanel Ausstellung im Palais Galliera.




Natürlich gab es auch Schuhe und Flakons und Handtaschen. Oben ein sehr extravagantes Paar. Das Museum ist riesig, die Informationen sind ausreichend, irgendwann kann man sowieso nicht mehr alles lesen und verarbeiten, leider. Mein Besuch dauerte ca. 1.45 h. Ich hätte mir ein bisschen mehr Chronologie gewünscht, vor allem bei den späteren Chefdesignern, irgendwie war dann doch alles gleich (außer bei Yves Saint Laurent, aber der war auch nur kurz da), vielleicht sollte das auch so sein wegen des Wiedererkennungswerts. Auf jeden Fall lohnt es sich, die Galerie Dior zu besuchen.

Auch wenn ich persönlich der Kleidung und den Handtaschen von Dior eher gespalten gegenüber stehe. Beim Schaufensterbummel in Frankfurt habe ich eigentlich noch nie irgendwas richtig Tolles entdeckt. Aber das ist ja auch persönlicher Geschmack/Stil. Mit seinem New Look (zumindest weiß ich nun, wer den Begriff geprägt hat) mit einengender Korsettwirkung hat er m.E. nichts Neues geschaffen, sondern Mode aus früheren Jahrhunderten wiederholt. Natürlich laden die Kleider und Stoffe zum Träumen ein und in der entsprechenden Epoche zum Vergessen der Zeiten davor. Die Verarbeitung ist gigantisch. Kopien von Taschen mit Logo und T.-Shirts mit Logo habe ich auf einem Straßenmarkt in Neuilly zufällig entdeckt. Warum ist es den Menschen so wichtig, etwas von einer bestimmten Marke zu haben?

Dazu plane ich noch einen Blogpost in den nächsten Tagen, denn eine Marke wird noch häufiger kopiert und begegnete mir schon auf meinen ersten Italienreisen auf den Straßenmärkten. Es gibt dazu auch ein Museum in Paris: LV Dream.

Viele Grüße aus Frankfurt, Anja


Donnerstag, 14. September 2023

Grasser 959

Da ist es fertig geworden, schneller als beim ersten "Versuch", dem Probemodell. Der schwere Sweat von The Fabric Sales weicht deutlich von dem Probewollstoff ab, das ganze Kleid ist wirklich winterfest, für verschneite kalte Tage. Insofern hadere ich im Moment ein wenig mit dem Ergebnis, ich hoffe, dass es sich ändern wird.


Im Vergleich zu Nummer 1 habe ich die Ärmel ca. 4 cm verlängert, jetzt passt mein Daumen gut durch das Daumenloch. Ich habe Seitennahttaschen ergänzt, es war genug Stoff da, sie sitzen etwas tief, weil ich sie unterhalb des grünen Einsatzes haben wollte, das ist Absicht. Ich habe das Oberteil um 3 cm verlängert und die Brustabnäher etwas verkleinert und um 3 cm tiefer gesetzt. Der schwere weniger elastische Stoff sitzt allerdings an der Schulter nicht gut, eigentlich müssten dort an jeder Seite 1 - 1,5 cm mehr sein, beim Probemodell fiel das nicht so auf, weil es sich eben mehr dehnte. So toll die Anleitung dieses Grasser Schnittmusters ist, so wenig kann ich mich mit der Passform anfreunden, einfach mal so an einigen Stellen größer machen, finde ich gewagt, weil ich nur eine Größe habe. Es war schon schwierig genug, sich für diese Größe zu entscheiden. Ich glaube nicht, dass ich noch oft Grasser Schnitte nähen werde. Kurioserweise komme ich mit Burda gut zurecht.


Unzufrieden bin ich auch mit dem Rollkragen, geschlossen drückt er mich ein, das war bei Nummer 1 auch so, ich weiß allerdings nicht genau, was ich hätte ändern können, hinten ist zu wenig Stoff, dann muss der ganze Ausschnitt geändert werden. Natürlich hätte ich verschiedene Probekrägen nähen können, aber das war ja auch nicht mein Hauptproblem bei Nummer 1. 

Wie ihr seht, habe ich auch den Reißverschluss unten wieder etwas murksig eingenäht. Das war bei Nummer 1 auch so, ich kriege es einfach nicht gut hin. Ich habe auch keine Lust, den Reißverschluss erneut heraus zu trennen. Immerhin ist der Stoff der innen dagegen genäht ist, wesentlich besser vernäht.

Diesmal habe ich beim Rockansatz auf die genaue Passung beim Muster geachtet (zumal ich auch die Taille angesichts des weniger elastischen Stoffes etwas verbreitert habe). Warum diesmal das Muster am Ärmel nicht passt, erschließt sich mir nicht, ich hätte das obere blaue Stoffstück vergrößern müssen, aber tatsächlich habe ich diesen Fehler erst auf den Fotos bemerkt.

Ebenfalls gibt es genau wie bei Nummer 1 ein Passungsproblem am Einschnitt des Reißverschlusses. Bei Nummer 1 dachte ich, der Fehler liegt bei mir. Inzwischen ist mir klar, der Fehler liegt im Schnittmuster. Eigentlich müssten die Linien am Einschnitt rechtwinklig verlaufen, tun sie nicht, also kann es mit eingeklapptem Stoff nicht mehr linientreu verlaufen. Auf Instagram sieht man Kleider, wo das Problem auch sichtbar ist. Beim Modell in der Grasser Vorschau allerdings nicht. Ich überlege tatsächlich, ob ich Grasser anschreibe und auf das Problem hinweise. Ich finde, dass an dieser so sichtbaren Stelle die Farben in ihrem Verlauf weiterfließen müssten. Das stört mich persönlich mehr als die eine schiefe Naht beim Reißverschluss.

Mehr gibt es nicht zu bekritteln. Warum ich diesmal so negativ drauf bin, ich weiß nicht. Vielleicht brauche ich auch erstmal wieder eine Näh- und Inspirationspause. In letzter Zeit gab es mehr Misserfolge als Erfolge (das Calvari Dress mit unfassbar vielen Änderungen, der Named Mantel, der zu eng ist und dieses Kleid, das auch trotz diverser Änderungen suboptimal ausfällt). Alles Indie Schnittmuster, an die ich höhere Erwartungen als an Burda knüpfe. Also vermutlich hilft auch ein Realitätscheck mit meinen Erwartungen.

Zusammenfassung:

Zeitaufwand: Zuschnitt 1,5 Stunden, Nähen 6 - 8 Stunden

Schwierigkeit: top Anleitung, daher gut machbar, vielleicht mehr Sorgfalt/Genauigkeit nötig

Kosten: 42 Euro Stoff, Schnitt, Garn vorhanden, ich habe noch 0,5 m einer anderen Farbe übrig, weil ich mir bei der Bestellung nicht sicher war, ob ich Oliv oder Rot als Kontrastfarbe wähle. Das Rot war dann sehr knallig, was auf den Fotos im Online Store nicht so rauskam.

Viele Grüße, Anja