Selten, dass mir ein Stoff in die Hände fällt und ich sofort weiß, was ich daraus machen möchte. Letzten Freitag war usseliges Wetter und ich habe spontan beschlossen, mir etwas Gutes zu tun und nachmittags zu JP Stoff in Mörfelden zu fahren (nur 25 S-Bahn- und 10 Fahrrad-Minuten von mir entfernt), im Prinzip ohne Kaufabsicht. Beim Schlendern durch die Halle, speziell in der hinteren Reihe bei den italienischen Stoffen, fiel mir eine dicke Rolle "Strick" auf, ziemlich schwierig aus dem Regal zu räumen, die nette Verkäuferin half mir und berichtete von der "Chefin", die au Mailand immer wieder Missoni Stoffe mitbringt. Mir ist es eigentlich egal, ob er echt oder unecht ist, Hauptsache, Farbe, Haptik, Dichte passen. Der Blick in den Spiegel mit dem abgewickelten Stoff zeigte, er steht mir. Bei Missoni heißt die Farbkombination lime-purple wie ich recherchiert habe. Ich sah erstmal ein Grün bzw. einen Olivton und irgendwas Braunes, das Braun entpuppte sich bei näherer Betrachtung als Lila, etwas Rosa ist auch dabei.
Da es bei dem letzten Stoff mit der Hose nicht geklappt hat (hier seht ihr, was aus dem Stoff geworden ist), wollte ich jetzt eine Hose nähen. Ich habe 2 m mitgenommen. Zuhause habe ich den Stoff genauer untersucht. Es ist kein Strick, die Querelastizität ist minimal, die Webkante war klar gehäkelt und auf der Rückseite war auch eine Häkelstruktur erkennbar (Stäbchenmaschen in sehr, sehr dünnem Garn), dazwischen schien die grüne und lila bzw. rosa Wolle verwebt zu sein, aber in einem schrägen Verlauf, wie gestrickte Maschen sah es nicht aus. Im Missoni Shop bin ich mehrfach auf Produkte, die als Crochet-Knit bezeichnet werden, gestoßen. Es wäre nun interessant, einmal ein Original in die Hand zu nehmen, aber ich wüsste in Frankfurt keinen Laden, der Missoni vertreibt. Das Chevronmuster verläuft parallel zur Webkante. Üblicherweise sind Hosen aus diesem Muster im Querverlauf gemustert. Ich sah kein Risiko, den Stoff quer zum Fadenverlauf zuzuschneiden.
Um das Zickzackmuster nicht an der Seite umständlich zusammenfügen zu müssen, habe ich Vorder- und Hinterhose zusammen zugeschnitten und an der Seite einen kleinen Abnäher genäht. Oben ist ein breites Gummi eingezogen. Die Webkante bildet den Saum. Ein schnelles und zufriedenstellendes Projekt. Die Hose war ratzfatz fertig und ist ziemlich gemütlich.
Da ich quer zum Fadenlauf zugeschnitten habe, war noch ziemlich viel Stoff übrig. Genug, um ein Oberteil mit langen Ärmeln und evtl. sogar einem Rollkragen daraus zu schneidern. Auf den (abnehmbaren) Rollkragen habe ich erstmal verzichtet, der Stoff ist noch da, vielleicht wird es auch ein Tuch, mal sehen. Das schlichte Oberteil war auch schnell genäht.
In der Winterkiste war noch ein Strickkragen, der passt dazu:
Für beide Teile habe ich meinen Grundschnitt verwendet, beim Oberteil habe ich die Ärmel verschmälert, den Ausschnitt vergrößert, alle Abnäher in die Taille gedreht und im Zuschnitt weggelassen, die Seitennaht allerdings nachträglich etwas eingestellt.
In den 90er Jahren besaß ich 2 relativ edle Strickhosen und jeweils dazu passende Strickpullover von Alba Moda, Loungewear. An diese Strickoutfits erinnert mich die fertige Kombination.
Ich kann mir allerdings im Moment nicht vorstellen, Hose und Pulli zusammen anzuziehen. Getrennt und mit einfarbigen Sachen kombiniert dagegen auf jeden Fall. Ich zeige euch beides zusammen trotzdem, auch wenn es etwas crazy aussieht:


















































