Donnerstag, 17. November 2022

Ledermuseum Offenbach - Der Handschuh - Mehr als ein Mode-Accessoire

 Ich hatte Besuch von einer ebenso näh- und modebegeisterten Freundin wie ich es bin. Auffgrund eines - wie sagt man - Büroversehens - hatte sie eineinhalb Tage bei mir zu überbrücken bevor es für sie weiter nach Essen ging. Üblicherweise checken wir die Kunstausstellungen, diesmal ziemlich Fehlanzeige, aber ich hatte im Hinterkopf, dass das Ledermuseum im November eine neue Ausstellung avisiert hatte. Und tatsächlich, es war so: Thema Handschuhe. Meine Freundin war doppelt begeistert, denn seit einem Projekt bei Roeckl kennt sie den dortigen Werksverkauf und trägt Handschuhe. Sie hatte sogar ein wunderschönes Paar dabei. Ob mir früher ihre tollen Handschuhe nie aufgefallen sind? Nein, waren sie nicht, Handschuhe haben für mich in erster Linie einen funktionalen Charakter. Der Unterschied zwischen den beiden Roeckls, von denen die eine in München am Roecklplatz residiert, war mir auch nicht bekannt. Also nix wie los, Weiterbildung in Sachen Handbekleidung.

Entstanden ist die Idee zu der Ausstellung während der Pandemie, als das Handschuh tragen aus Hygienegründen einen neuen Stellenwert erlangte. 

Unterschieden wird in der Ausstellung zwischen allen Arten von Funktionshandschuhen, auch aus Bereichen, die ich nie auf dem Schirm hatte, und der Handschuhmode im Lauf der Zeit, teils gibt es natürlich auch Überschneidungen. Gezeigt werden Kopien der Handschuhe berühmter Persönlichkeiten, auch aus der heutigen Zeit, Karl Lagerfeld, Bernie Sanders.

Ein Teil der Ausstellung befasst sich mit der Herstellung von Lederhandschuhen, Größenerstellung, Schnittmustern, Werkzeug - wertige Handschuhe werden immer noch handgefertigt, das erklärt ihren Preis. Die verschiedenen Handschuhleder sind erklärt, die Verarbeitung ebenso.

Unten links: Hope Brothers, Kalbleder, England 20. Jh, unten rechts: Fendi, Kalbfell im Leolook bedruckt, 21. Jh.



Oben: vermutlich  Marc Jacobs für Louis Vuitton, 2008 (bin mir nicht mehr sicher)
Unten: Hermes, Seidenjersey, 21. Jh

Unten links: VEB Erzgebirge, 1984, unten rechts: Karibupelz, Kanada, um 1940



Und als es um die Handschuhe für das Autofahren früher ging, wurde uns bewusst, warum es im Auto ein Handschuhfach gibt und warum das so heißt. Vor dem Fach im Armaturenbrett hatten die Autos eine Schublade unter dem Fahrersitz, in die der Fahrer seine Handschuhe legen konnte. Zu Beginn des 20. Jh hatten Autos weder eine Windschutzscheibe noch ein Verdeck, erst in den 30er Jahren kam die Autoheizung auf und dünnere Modelle mit kurzem Schaft wurden populär.


Martin Margiela hat gerne Handschuhe verfremdet eingesetzt: unten eine Handschuh Geldbörse, Kooperation mit H&M 1999

Kurios die Handschuh Bralette Florence Icy Green, T-Label, 2021

In einem separaten Raum wurden Arbeiten von Studenten des Studiengangs Accessoire Design aus Pforzheim gezeigt, die neue und ungewöhnliche "Hanschuh"-Ideen übernommen haben.

Die Ausstellung geht noch bis weit ins nächste Jahr hinein. Klein, aber fein. Ich habe Lust bekommen, aus feinem Leder (Schnittmuster schon gefunden) Handschuhe mit langem Schaft selbst zu fertigen. Die wären perfekt zu Cape oder meiner neuen Indoor-Outdoor-Jacke (zeige ich am nächsten Me made Mittwoch).

Grüße aus Frankfurt, Anja



Dienstag, 15. November 2022

AnNäherung Süd 2022 bei Wiesbaden

Ich habe mich durchgerungen - nach vielen Jahren der Überlegungen, immerhin gibt es die AnNäherungen bereits seit 10 Jahren, einmal im Norden Deutschlands (in der Stadt, die es doch gibt: Bielefeld) und einmal im Süden (wechselweise Würzburg, Heidelberg und jetzt in der Nähe von Wiesbaden) - habe ich mich angemeldet. In meinem Fall konnte ich wunderbarerweise mit der S-Bahn durchfahren, vom Bahnhof Niedernhausen fährt ein Bus zum Tagungshaus, sonntags nicht oft, aber auf Vorbestellung gibt es auch Taxis. Dennoch ist die Gepäckfrage nicht unerheblich. Neben der Nähmaschine sind auch noch die Stoffe und Zutaten, Schnittmuster und ggf. Bügeleisen, Bügeldecke mitzunehmen. Da bleibt nur wenig Platz für Pyjama und Anziehsachen. Aber es geht. Auf dem Rückweg hatte ich glücklicherweise von meiner Haltestelle Tragehilfe, auf dem Hinweg war mein Arm vom Ziehen schon recht lahm. Ich bin es auch einfach nicht gewohnt, mit soviel Gepäck zu verreisen.


Der Nähraum war super ausgeleuchtet und wirklich groß. Genug Platz für 16 oder 17 Nähmaschinen und was die Teilnehmerinnen sonst noch so dabei hatten. Manche sehr viel mehr Equipment als ich. Wir waren in Doppelzimmern untergebracht, das Essen war wirklich lecker. Für Getränke und viel Wein, Baileys und Süßigkeiten war gesorgt (fast schon zu gut).
 
Vorab hat jede einen Steckbrief erstellt, an der Pinnwand waren die Nähprojekte das ganze Wochenende über sichtbar, mit Stoffproben usw. Einige haben das ganze Wochenende an komplizierten Mänteln, Trenchcoats gearbeitet, eine andere hat schnell viele Jerseykleider (8 oder 9, mitzählen war schwierig) produziert. 



Insgesamt war es ein sehr intensives, auch anstrengendes Wochenende. Ich habe noch nie in meinem Leben so viele Stunden genäht. Das lag sicher auch daran, dass ich - außer dem Essen und einem einstündigen Spaziergang im Wald - keine Pausen gemacht habe. Ich war extrem erledigt am Sonntag Nachmittag. Das lag natürlich an mir selbst, zum Stoffe kaufen und zur Stadtbesichtigung fahre ich nicht nach Wiesbaden, bin dort schon oft gewesen. Dafür habe ich fast 4 Projekte fertig genäht.



 An der Heldinnentasche, die ich bereits mehrfach genäht habe, fehlte nur noch das Gurtband, habe ich zuhause innerhalb von 5 Minuten eingeschoben und festgenäht. Die Tasche ist diesmal aus Echtleder, was viel besser aussieht, aber an einigen Stellen, wo zuviele Lagen übereinander liegen, schwer zu nähen war. Ich musste teils von der sowieso schwer verständlichen deutschen Anleitung abweichen. Zum Glück hatte eine Teilnehmerin die englische Anleitung, die viel besser bebildert ist und die Arbeitsschritte tatsächlich in teils abweichender Reihenfolge enthält. Das Handytäschchen innen habe ich weggelassen, Futter in Eigenregie ergänzt.

Die Pantalon Wrap, auch bereits mehrfach genäht, wurde schnell fertig, sie besteht ja nur aus 2 Schnitteilen und einem Bindeband, ergänzt habe ich aufgesetzte Taschen, die fehlen mir bei der Hose, die ich schon habe. Die Hose ist eher für das Frühjahr, ich werde irgendwann Fotos machen. Einen kleinen Aufnäher von Jule Futterstoff habe ich aufgenäht, danke. Meine anderen Aufnäher von der AnNäherung habe ich leider beim Packen verloren, ich weiß jedenfalls nicht, wo sie geblieben sind. Die Abreise gestaltete sich wegen einer ausfallenden Bahn am Sonntag etwas plötzlich.


Viel Zeit habe ich mit einer Indoor-Jacke aus wundervoller Wolle von Anita Pavani verbracht. Das Innenleben wurde mit Schrägband aufgehübscht, die Armlänge mehrfach geändert, Belege und Säume mit Hand angenäht. Ich zeige die Jacke beim nächsten Me Made Mittwoch. Ich liebe sie schon jetzt und in kühlen Innenräumen ist sie der Knüller.

Samstag Abend war ich mit den 3 Projekten, die ich sicher nähen wollte, fertig, zum Glück hatte ich noch ein Jeansjäckchen aus einer älteren La mia Boutique für die Tochter zugeschnitten. Viel Kleinkram und Abstepperei am Sonntag, aber eine logische verständliche Anleitung, ich mag die Schnitte aus dieser Zeitschrift wirklich sehr. Nun fehlen noch die Ärmel, Bündchen, Linguette (wie heißt da auf Deutsch, sowas wie Manschetten, nicht ganz) und natürlich muss ich Knöpfe kaufen.
  

Es war ein sehr inspirierendes Wochenende, ich habe viele Frauen kennen gelernt, die ich vorher nur aus dem Internet oder gar nicht kannte, gleichzeitig war es anstrengend. Fahre ich nochmal zu einer AnNäherung? Ich weiß es nicht, das Gepäck, das Doppelzimmer, die mangelnden Pausen sind Negativpunkte. Bei Online-Nähtreffen fällt es mir leichter, zwischendurch ein- und auszuschalten und auch mal etwas anderes zu machen oder mich einfach zu verabschieden, wenn ich fertig bin. Insofern sind sie eine gute Alternative für mich. Dazu Treffen zum Quatschen und Besichtigung von Mode-/Nähinhalten oder ein Workshop mit einem Thema, wo man etwas Neues lernt. Gemischte Inhalte eben, mehr Abwechslung. Ich lasse das Wochenende noch auf mich einwirken, werde hoffentlich bald an der Jeansjacke weiter nähen und auch aus dem Weihnachtsstoff irgendetwas zum WKSA 2022 fabrizieren.

Novembergrüße, Anja

Montag, 14. November 2022

WKSA 2022 - Ich starte ....

 ... und überlege. Den passenden Stoff habe ich schon seit einigen Jahren herum liegen. Genau genommen habe ich ihn gekauft, als der Karstadt in meiner Nähe vor 3 (?) Jahren schließen sollte und einen riesigen Abverkauf mit großen Prozenten gemacht hat. Ich war in dieser Zeit regelmäßig in der Stoffabteilung und immer wieder lagen neue Stoffe auf den Tischen. Schließlich sollte das gesamte Lager geräumt werden. Kaufhof, ein paar Hundert Meter weiter, hat keine Stoffabteilung, alles musste raus wie man so schön sagt. Einige Monate später haben sich Stadt, Betriebsrat und Konzern geeinigt, dass Karstadt doch noch einige Jahre bleibt (2024?) und erst dann endgültig schließt. Wann er nun schließt, wir werden sehen, denn ich nehme an, dass das Haus nach der Insolvenz wieder auf dem Prüfstand steht. Um die Stoffabteilung wäre es schon schade.

Wie gesagt, damals habe ich Stoffe gekauft, die ich nicht wirklich brauchte, an ein Weihnachtskleid habe ich bei diesem Stoff damals schon gedacht. Auch an ein Kleid für mich für den Abiball der Tochter. Den Abiball gab es aufgrund der Pandemie dann nur für die Schüler, nicht für die Eltern. Aber der Stoff eignet sich auch besseer für den Winter. Dunkel-nachtblau-schwarz schimmernd, etwas glänzendes Paisley Muster, leider sehr künstliche Haptik, reichlich Stand, dennoch sehr dünn, Futter ist zwingend notwendig. Mir wurde damals der Rest des Ballens, fast 5 m, für 10 Euro aufgenötigt. Damit kann ich nun eine ganze Menge machen. Doch habe ich noch keine wirkliche Idee. Vor allem will ich keine Reste übrig haben.

Voraussichtlich läuft es auf eine weit schwingendes Kleid hinaus, gerne im Stil der Fünfziger, vielleicht auch einen Zweiteiler, also Rock und Oberteil (das dann zusammen wie ein Kleid aussieht), denn tatsächlich passt ein schwingender Rock besser in meinen Kleiderschrank und wird nicht nach den Festtagen ungetragen herum dümpeln (wie es mit dem Weihnahtskleid 2017 geschehen ist, leider!). Bei dem Rock denke ich an eine Konstruktion des Lunaticarockes, dessen Versionen ich gerne trage und unterschiedlich kombiniere. Bei dem Oberteil fehlt mir noch jede Idee. Aber vielleicht wird es dann auch nur ein Rock. Einen passenden Unterrock habe ich sogar, insofern spare ich mir das Füttern.

Hier der Stoff:


Ihr seht schon, in Sonne und Kerzenlicht ergeben sich tolle Effekte. Das Muster ist ziemlich großflächig. Es gefällt mir immer noch gut, das ist auch der Grund, weshalb ich mich entschlossen habe, den Stoff jetzt endlich zu vernähen und nicht für den Stofftauschtisch zur AnNäherung mitzunehmen. Sorry. Wer weiß, was daraus geworden wäre. Der Sew-Along übt einen gewissen Druck auf mich aus, das ist gut in dieser Situation. Auch wenn ich noch rätsele, wann ich mir die Zeit zum Konstruieren und Nähen nehmen werde (aus dem Grund vermutlich doch nur ein Rock), denn ich habe noch etliche andere Sachen vor Weihnachten vor.

Der Post wird verlinkt beim Me Made Mittwoch WKSA. Wo ich sehr gespannt bin, was die anderen Damen so machen.

Viele Grüße

Anja


P.S. Letztes Wochenende war ich zum ersten Mal in meinem Leben auf einer AnNäherung (ich berichte), war dort sehr fleißig, habe aber aufgrund von Designentscheidungen, einem back-up Projekt, mit dem ich weiter als gedacht gekommen bin und einem fehlenden Gurtband, nicht alles fertig genäht. Ich gehöre ja zu den Menschen, die alles der Reihe nach abarbeiten, insofern rutscht das Weihnachtskleid leider weiter nach hinten (dieser Blogpost war schon vor dem Wochenende geschrieben).

Mittwoch, 2. November 2022

Me made Mittwoch - Gestrickt - Pullunder / Slipover

Bereits seit dem letzten oder sogar vorletzten Winter habe ich mit einem Slipover - wie es neudeutsch heißt - oder Pullunder - wie man es früher nannte - geliebäugelt. Ich war sogar mal fast soweit, einen zu stricken, aber da die damals vorhandene Wolle für einen Pullover reichte, habe ich sie auch dafür verwendet. Denn genauso wie Stoffreste sind mir Wollreste ein Gräuel.

Es gibt den Holiday Slipover, der auf der Webseite der Anleitung ansprechend präsentiert wird, mit getrennten Bündchen unten und sehr weiten Armausschnitten. Meine Wolle ist viel dünner als die Originalwolle, die für diesen Slipover verwendet wird, von daher hätte es keinen Sinn gegeben, die Anleitung zu verwenden. Ähnlich sieht auch der Isla Slipover von dropsdesign aus, einem Muster, das man sich kostenlos herunterladen kann. An dem habe ich mich letztendlich orientiert. Maschenzahl nach meiner Größe berechnet und dann Länge, Armausschnitt, Halsausschnitt und die Kanten in etwa wie in der Anleitung von drops. Als Abschluss habe ich mich für das italienische Abketten entschieden, das schöner aussehen soll (und es auch tut, auch wenn mir ein paar kleine Fehler unterlaufen sind, da ich die Nadel anders einsteche als es in dem Video, an dem ich mich orientiert habe, der Fall war). 


Seit der Fertigstellung trage ich den Pullunder fast täglich, er passt zu ganz vielem und hält den Oberkörper schön warm, gerade in Tagen, wo man noch nicht soviel heizt, wo es morgens und abends frischer als tagsüber ist. Mir schweben auch noch sehr viele weitere Kominationsmöglichkeiten mit dünneren Kleidern für kühle Sommertage vor. Dazu dann vielleicht nächstes Jahr.


Aus den Wollresten und anderen Wollresten der gleichen Wolle habe ich dann noch ein paar Fäustlinge gestrickt, auch nach einer Anleitung von drops. Die kann man immer gebrauchen und es werden vermutlich noch einige folgen. Denn es ist noch Wolle da. 


Verstrickt für den Pullunder habe ich ca. 200 g.  Und zwar Lettlopi von Istex, die ich im Sommer in einem Supermarkt in Reykjavik gekauft habe. Ich mag diese leichte wärmende und wasserabweisende natürliche Wolle total gerne. Es ist auch noch genug in anderen Farben für ein Strickkleid im Islanddesign da.

Als ich die Fotos letzte Woche gemacht habe, trug ich zum Slipover meine sehr gerne getragene weite Breitcordhose, einen dünnen Kaufrolle (trotz Marke miserable Qualität, er pillte bereits nach 4 Tragetagen, für drunter in Ordnung, aufgrund eines anderen aktuellen Falles beschäftige ich mich allerdings im Moment intensiv mit Gewährleistungsansprüchen und stelle fest, eigentlich geht das mit dem Pilling nach so kurzer Tragezeit überhaupt nicht) und darüber die geänderte Jacke in dunkelgrau, die früher ein blauer Mantel war. Die Ärmel der Jacke sind sehr eng, ich glaube, ich habe irgendwas am Ärmel verdreht, da muss ich nochmal ran. Aber mit den ganz dünnen Ärmeln des Kaufrollis geht es. Mittlerweile habe ich den Futterärmel rechts korrigiert und die Trageeigenschaften sind erheblich besser. Das Foto ist leider nicht gut. Aber von neuen Elektrogeräten (siehe oben, Beschäftigung mit Gewährleistungsrechten usw.) habe ich erstmal genug.


Das alles zeige ich beim Me Made Mittwoch im November, dem wunderbaren monatlichen Treffen für selbstgenähte Kleidung.

Heute Nachmittag im Zug werde ich viel Zeit (und hoffentlich funktionierendes Netz) haben, um andere Blogbeiträge anzuschauen.

Liebe Grüße

Anja


Mittwoch, 5. Oktober 2022

Me made Mittwoch in einem nochmal genähten Lieblingssweatkleid

 Es ist Herbst, richtig Herbst, wer hätte gedacht, dass das so schnell geht.

Zeit, um mein Sweatkleid ausgiebig zu tragen, dass ich schon im späten Frühjahr beim Montagsnähtreff zugeschnitten habe und dann kürzlich irgendwann genäht habe, da es bereits meine vierte Version ist, ging das ziemlich schnell, weil keine weiteren Anpassungen nötig waren. Ein bisschen mauschelig sind die Ärmelsäume, da hätte ich mehr Nahtzugabe gebraucht, damit der Stoff nicht nach innen schlägt. 

Hier die alten Versionen mit der Schnittbeschreibung, Nummer 1 nach dem Originalschnitt und Nummer 3 (abgewandelt mit Kapuze und später gekürzt) sind ausgemistet, Nummer 2 abgewandelt mit rundum Kragen und längeren Ärmeln, also ohne Stulpen) trage ich noch, allerdings selten aus den bereits im Blogpost genannten Gründen, es ist nicht aus Sweat und damit nicht so warm.

Den innen angerauten Sweat, der nicht pillt, habe ich letzten Winter im örtlichen Laden gekauft. aus dem gleichen Sweat habe ich einen schwarzen und einen olivgrünen Pulli genäht, mit beiden bin ich weiterhin sehr zufrieden. Die Taschen und die Schrägbänder innen am Hals sind aus Stoffresten, Karo von einem Sommerkleid.



Hier noch die Rückansicht, der Kragen ist super, die eingerollten Ärmel wenige, darunter sieht man die ergänzend genähten Stulpen, die Ärmellänge aus dem Schnittmuster ist nicht wintertauglich, verlängert sind die Ärmel zu weit (Erfahrung aus Nummer 2).

Dazu trage ich dieses Cape. Es gibt Zeiten, in denen ich es wirklich gerne anziehe, es fällt auf, es sieht gut aus, ich werde darauf angesprochen, aber es eignet sich nicht für jede Witterung und nicht jede Tasche passt dazu. Rucksäcke schon gar nicht. Nochmal werde ich kein Cape nähen.

Mit einer wunderbaren Kapuze, die auch fahrradgeeignet ist und plötzlich einsetzenden Regen abwehrt. Die Taschen sind gut gelungen, das nachträglich konstruierte Futter zersetzt sich langsam, ich habe aber auch keine Lust es andauernd fest und zusammen zu nähen. 

Die alte Ledertasche, vor etwa 30 Jahren in einem kleinen Laden in der Nähe der Piazza Venezia in Rom gekauft, hat leider am Wochenende aufgegeben, nach mehreren Reparaturen in den letzten Jahren ist endgültig die Lederbefestigung des einen Gurtes gerissen. Wenn man genau schaut, sieht man auf dem Foto schon die Schwachstelle. Die Tasche war toll, viele große Fächer, mehrere Reißverschlüsse, alles sicher verstaubar, na ja, ich habe sie ausgiebig genutzt.

Soweit mein Bericht für den ersten Me made Mittwoch im Oktober. 

Viele Grüße, Anja

P.S. Aus den Stoffresten des Capes ist ein Mantel für die inzwischen ältere Hündin entstanden, aber soviele Tragegelegenheiten hatten wir noch nicht zusammen, die Jeans auf dem Foto ist nach einem La mia Boutique Schnittmuster und das neue Handy der Tochter macht viel bessere Fotos als ihr altes Handy, das ich jetzt übernommen habe, weil meins defekt war.



Mittwoch, 7. September 2022

Me made Mittwoch im Hosenrock/Culotte

Der Sommer ist wirklich rasant vergangen, die Kastanie gegenüber hat fast nur noch trockene rostbraune Blätter, morgens ist es so frisch, dass ich ein langärmliges Oberteil überwerfen muss, abends wird es von Tag zu Tag spürbar dunkler (und die Straßenlampen geben nur noch ein Dämmerlicht ab, ist das anderswo auch schon so eingestellt?) 

Ich habe sogar schon etwas für den Herbst genäht, aber das kann ich noch nicht anziehen, dafür sind die Tage zu warm und zu sonnig. Und ein ganz schlichter Rolli für die Tochter ist auch fertig. Weitere Nähpläne hege ich bisher keine, aber ich habe mir aus dem Urlaub Wolle zum Verstricken mitgebracht. 

Ansonsten stand der Sommer im Zeichen von Resteverwertung, Sitzkissen für die Balkonstühle z.B., siehe unten, passend zum Hosenrock. Oder das ganz einfache gerade Oberteil aus einem Rest vom Pulli, das ich heute zeige. Nix Besonderes, aber der Stoff wirkt schon von alleine.

Ich zeige heute noch einmal einen bereits vor 2 Jahren genähten und besprochenen Hosenrock. Schade ist, dass ich den Hosenrock viel zu selten anziehe, obwohl ich ihn wirklich sehr schön finde. Er hat Taschen, eine super Länge, man kann sich prima damit bewegen, was sind die Nachteile: er wird über einen Reißverschluss hinten geschlossen und hat gleichzeitig einen Gürtel mit Schnalle, der vorne geschlossen wird, das bedeutet beim Toilettengang doppelte Arbeit (Jammern auf hohem Niveau, ich weiß), die Falten müssen eigentlich nach dem Waschen ordentlich eingebügelt werden, eine Heidenarbeit und der Effekt geht leider schnell verloren. Das Hauptargument aber ist: ich habe keine passenden bequemen Schuhe zu dem Hosenrock, also Schuhe, mit denen ich mindestens 5 km gut und flott laufen kann, denn das ist die Minimumstrecke, die ich einmal täglich mit dem Hund zurück lege. 




Auf dieser Aufnahme sieht man, dass die gesamte Weite aus den Falten vorne kommt, mir ist es nicht gelungen, ein Foto zu machen, auf dem man von vorne sieht, dass es eine Hose ist, hinten hingegen, ist es offensichtlich. Die Fotos sind am Sonntag entstanden, wo ich "nur" mit dem Fahrrad in den Yachtclub gefahren bin und dort rumsaß.

Hier noch die Sitzkissen aus dem Stoffrest, der dritte Stuhl passte nicht mehr auf das Foto. Und wie man an der Tischdecke sieht, Bügeln ist nicht meine Lieblingstätigkeit.


Ich bin sehr gespannt, wen ich nach dem langen, heißen, trockenen Sommer alles beim Me made Mittwoch wiedersehe. Ich freue mich jedenfalls sehr darauf, weil ich gefühlt lange nicht mehr teilgenommen habe.

Viele Grüße, Anja


Mittwoch, 29. Juni 2022

Burdastyle Jackenmantel #105 aus 2/21

Schon mehr als ein halbes Jahr habe ich mit diesem Modell aus einer Burda vom letzten Jahr geliebäugelt. Eine gute Beschreibung und gute Fotos gibt es hier und hier bei Cyberdaze, die mich schon mehrfach inspiriert hat, etwas zu nähen. Das Burdafoto und auch das Foto von dem gemusterten identischen Mantel im Heft sind nicht wirklich aussagekräftig.

Anfang Juni habe ich den legendären "Stoffschrottplatz" in Münster besucht, beschrieben u. a. von Piek&Fein. Natürlich habe ich etliche Stoffe gekauft, mein Stofflager war zu dem Zeitpunkt auch ziemlich leer. Unter anderem waren ca. 3 m schwarzer Jeans dabei, so genau wird dort nicht abgemessen und die Preise werden dann eher nach unten abgerundet.

Mir ist wieder der Jeansmantel eingefallen, der meine Garderobe im Herbst und Frühjahr wunderbar ergänzen würde. Erst dachte ich, ich nähe ihn für meine Tochter, die ist schlechter ausgerüstet als ich, habe den Mantel auch mit ihren Maßen zugeschnitten, aber er fällt wirklich sehr groß, sehr weit aus, dieses ist eine 40 mit schmalen Nahtzugaben, normalerwiese trage ich 42. Und er ist wirklich lang. Es ist im Heft eine Langgröße, obwohl ich 176 bin, hätte er mir etwas kürzer sein können.

Für die Absteppnähte in Weiß hat mich das Modell von Cyberdaze inspiriert, so ist der Mantel vielseitig zu kombinieren. Hier direkt nach der Fertigstellung noch ungebügelt.



Die Rückseite sieht so aus, den Kragen kann man auch hochklappen:




Und nun noch ein paar Tragefotos mit einem Kleid mit Statement Ärmeln, passt wunderbar:




Ich kann mir den Mantel zu vielen meiner Kleider oder Röcke vorstellen, die sind derzeit oft wadenlang. Zu den weiten Marlenehosen, die ich im Winter meist trage, kann ich mir den Mantel nicht so gut vorstellen. Aber das wird sich alles im Herbst zeigen, denn erstmal ist nicht die richtige Saison. Ich glaube, auch in kühlen Innenräumen eine tolle Ergänzung der Garderobe oder draußen bei unterschiedlichen Temperaturen, auch mit Rolli/langärmlig drunter vorstellbar. Bin gespannt!

Viele Grüße, Anja