Dienstag, 17. Februar 2026

Klassische Hemdbluse - mit einigen Hindernissen

Kürzlich hat Tina ihre Hemdbluse beim Me made Mittwoch präsentiert und ein Kommentar lautete, dass eine weiße Hemdbluse die Königsdisziplin beim Nähen sei. Und bereits letzten Sommer beim von Tina und Manuela initiierten Hemdblusenkleid-Sew-Along stieß ich im Vorfeld auf diese Bluse aus der damals frisch im Urlaub erworbenen La mia Boutique. Ich bin eigentlich keine Hemdblusenträgerin, die Kaufhemdblusen, die ich jemals hatte, sind im Wesentlichen ausgemistet, Kombination und Bügeln bereiteten mir Schwierigkeiten. Ich ziehe lieber dehnbare dünne Rollis an. Aber das Nähen einer derartigen Bluse hat mich damals doch irgendwie angefixt. So ganz normal klassisch sollte sie allerdings nicht sein, das gibt der italienische Schnitt mit Brusttaschen, Klappen, Riegeln, interessanter Knopfposition und Teilungsnähten zum Glück her.


Im August fand ich den richtigen Stoff auf einer Belgienreise bei The Fabric Sales, eine rotorangeterrakottafarbene Baumwollpopeline, die sich super anfühlte, vor dem Spiegel mit anderen Hemdstoffen deutlich besser abschnitt als andere Rottöne (Weiß kam eh nicht in Frage, Blau besitze ich noch/schon).

Die Größenentscheidung ist immer schwierig, bei einer Bluse neige ich dazu, mich am Brustmaß zu orientieren. Bei diesem Schnitt habe ich dabei leider außer Acht gelassen, dass der Schnitt Richtung Taille und Hüfte nicht gerade herunter geht, sondern - ähnlich wie bei Tinas Hemdbluse - eine Sanduhr bildet. Insofern war die erste Anprobe am Oberkörper ernüchternd. Da ich glücklicherweise noch Stoff hatte, habe ich an den Seiten zwischen Rücken- und Vorderteil Streifen eingesetzt, um Mehrweite zu gewinnen, am Ärmel hatte ich reichlich Nahtzugabe, so dass das Ärmelloch einigermaßen aufging.

Kragen, Manschetten (habe ich mit einem der zahlreichen Videos aus dem Internet gemacht), Säumen klappte dann nähtechnisch problemlos. Bis es an die Knopflöcher ging. Die wollte ich besonders ordentlich machen, klappte auch, wenn man von dem obersten vorne absieht. Nur leider habe ich die beiden Knopflöcher an der Manschette (wegen des Hinweises in dem Video, dass man sie nicht zu nah an den Rand machen soll, weil die Knöpfe dann ggf. unschön über den Rand hinaus ragen) zu weit nach innen genäht. Um das auszugleichen, sind die Knöpfe sehr weit außen, ich kann einigermaßen in den geschlossenen Ärmel schlüpfen, aber 1 cm Mehrweite wäre prima. Außerdem steht die Manschette auch ein wenig ab. Nun ja, aus Fehlern lernt man. Für neue Manschetten hätte mein Stoff nicht mehr gereicht, die Ärmel sind absichtlich etwas länger, das mag ich so, in diesem Fall führt es natürlich dazu, dass der Ärmel etwas staucht.



Zu den Knöpfen, ich wollte welche aus dem Bestand verwenden: An den Manschetten sind 4 identische weiße, die gleichen sind auf dem Riegel, vorne habe ich 4 orange aus der Kiste und 3 weiße in gleicher Größe verwendet, eine Alternative wären sicher bezogene Knöpfe gewesen, ich habe auch noch solche Rohlinge, habe aber das Beziehen nicht in bester Erinnerung. Auf das Outsourcen bin ich nicht gekommen, ich glaube, so einen Laden gibt es hier in Frankfurt auch.

 

Hinten habe ich mittig ein kleines silbernes Herz aufgenäht, aus irgendwelchen Ketten-Fädel-Restbeständen. Auf der blauen Kaufhemdbluse ist auch sowas, das sieht tatsächlich wertig aus. Könnte 2 cm tiefer sein, so verschwindet es fast unter dem Kragen (unter den Haaren sowieso), aber bei sowas geht es ja um das Wissen, dass da noch was Besonderes ist.



In die farblich passende, aber selten getragene Hose bin ich nach Fertigstellung der Bluse schnell zuhause geschlüpft, fühle mich nur semiwohl, das liegt an der Hose mit dem Gummizug, der hinten sichtbar ist.

Mit dem Rock ist das Gefühl schon deutlich besser. Ich durchforste weiter meinen Kleiderschrank nach Kombinationen, grundsätzlich kommen wahrscheinlich auch alle Trägerkleider in Frage.




Zusammenfassung:

Schwierigkeitsgrad: schwierig, in der La mia Boutique ist auch ein Hinweise "per esperte", das kann ich nur unterstreichen. Wenn ich nicht schon mehrmals einen Kragen genäht hätte und die Videos zur Manschette gehabt hätte, wäre ich verloren gewesen.

Zeitaufwand: etwa eine Woche, fast jeden Abend, immer ein bisschen, das Schnitt kopieren mit den vielen Teilen, dann der Zuschnitt, viele Nähte, Gedanken zur Anpassung, das brauchte seine Zeit

Kosten: 1,5 m Baumwollpopeline von The Fabric Sales, nicht mehr erhältlich, insgesamt 18 Euro, alles andere aus dem Bestand.

Herzlichen Gruß, Anja