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Samstag, 31. Mai 2025

Dirndl oder so etwas ähnliches

Der Post war bereits fertig, aber noch nicht veröffentlicht - wie ich jetzt bei der Rückkunft aus den Ferien gemerkt habe. Die Schürze, nix Dolles, war schnell genäht und ist schon mehr als 3 Wochen fertig. Post jetzt mit Verspätung veröffentlicht.

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Mir ist bewusst, dass ich mit diesem Thema, mit diesem Post unterschiedliche Reaktionen hervorrufen werde. Als in Nordrhein-Westfalen geborene, die in den 90er Jahren eine Zeitlang als "Preussin" in München lebte, wo es aber schon damals massenhaft Zugezogene gab, habe ich bisher nie das Bedürfnis verspürt, ein Dirndl zu besitzen bzw. zu tragen. Selbst zur Wiesn war das in den 90ern nicht "notwendig".

Erst nach dem Besuch der Dirndl-Ausstellung in Augsburg, von der ich hier ausführlich berichtet habe, kam der Wunsch, mich für einen geplanten Termin im Juli (Kocherlball) derartig zu kleiden, manche würden sagen zu verkleiden. Durch die Ausstellung habe ich immerhin gelernt, Tracht von Dirndl zu unterscheiden und Dirndl als unterschiedlich zu interpretierendes Kleidungsstück zu sehen. Tradition ist nicht so meins.

In meinem bayrischen (und fränkischen) Bekanntenkreis gibt es sehr unterschiedliche Meinungen zum Dirndl, die einen lieben es und tragen es ganz selbstverständlich (selbst 50 km von Frankfurt entfernt zu Festen im Spessart/Unterfranken/Bayern), andere wiederum stellen es in Frage und würde so etwas niemals anziehen, außer (Zitat) "Zum Kocherlball würde ich gerne mal gehen, da zieht man ein Dirndl an". Die betreffende Person besitzt auch ein ca. 20 Jahre altes Festtagsdirndl, das zur Hochzeit eines Verwandten getragen wurde, wo eben alle in "Tracht" erschienen sind (in Oberbayern).

Here we go: als Basis für das Kleidungsstück, nennen wir es im Folgenden Dirndl, dient mein Weihnachtskleid von 2022, ein sehr selten getragenes Kleid (1 x Weihnachten, 4 x in die Oper/Festspiele), das es verdient, häufiger aus dem Schrank geholt zu werden.  Es passt und hat mit seinen Trägern und dem weiten 50er Jahre Rock die richtige Form.


Meine Ursprungsidee war eine Schürze, gerne handgestiftelt, rings um den Ausschnitt eine Froschgoscherlborte und darunter eine Dirndlbluse (ggf. mit einem zu kaufenden Dirndl-BH, den Unterschied habe ich bei Anprobe im Trachtenladen in Mammendorf vor dem Ausstellungsbesuch in Augsburg gemerkt, bis dato wusste ich nicht, dass es spezielle Dirndl-BH gibt).

Ich habe verschiedene Stoffreste, die für eine Schürze in Frage kommen, zur Diskussion gestellt. Es wurde der rote Futtertaft (Venezia aus der Karstadtauflösung), der exakt für die Schürze in der richtigen Länge und Breite und ein paar Bänder reichte.

Statt Handstifteln (immerhin Beleg innen oben und unten eine Kante zum Beschweren aus alter schwerer Tischdecke) habe ich dann doch lieber Falten gelegt, ich persönlich finde, dass sie weniger dick machen.

Dann habe ich verschiedene Anleitungen und Videos zu den verschiedenen Borten gelesen/geschaut. Und ausprobert. Aber schon nach dem ersten Versuch war ich mit meiner Geduld am Ende. Es braucht sehr ordentliches Arbeiten und viel Handarbeit. Dazu fehlte mir schlichtweg die Lust. Der Vorteil: dadurch, dass keine Borte am Ausschnitt festgenäht ist, kann ich das Kleid jederzeit wieder als Opernkleid tragen.

Auf den unten angefügten Fotos habe ich die Bänder in die Haare und um den Hals gewickelt, da kann man noch optimieren. Außerdem trage ich statt einer Bluse ein Unterkleid, das am Ausschnitt hervorblitzt wie es sein soll. 


Das Schürze binden muss ich noch lernen, ich glaube aber, links ist für mich die richtige Seite.

Meine Büropumps kann ich prima dazu anziehen. That's it. Für den Kocherlball wird es reichen. 


Zusammenfassung:

Aufwand: viel Recherche, Ausprobieren, Ausmessen über eine Woche, ein Wochenende

Schwierigkeitsgrad: einfach, weil ich auf die ganzen Handnähsachen verzichtet habe (die Borte insbesondere)

Kosten: Rest Venezia aus der Karstadtauflösung, vermutlich 2 Euro der Meter oder weniger, also quasi keine Kosten

Und damit verabschiede ich mich, lieben Gruß, Anja


P.S. am 18.7.2025: Der Kocherlball naht, übermorgen ist es soweit und ich habe mir eine last minute Dirndlbluse genäht. Aus meinem Block mit einem kleinen Stehkragen, den leicht längselastischen Spitzenstoff gab es für 12 Euro den Meter im örtlichen Laden, 80 cm haben gut gereicht. Ich habe Vorder-, Rückenteil nebeneinander längs und die Ärmel jeweils an die Webkante gelegt. Nach 3 Stunden Arbeit war die Bluse fertig. Tragebilder folgen. Auch bei dieser Bluse habe ich mich an das fertige Objekt herangetastet: Abnäher im Rücken und unter der Brust ergänzt nach Gefühl, die Ärmel nachträglich verschmälert, den Mini-Rollkragen mit Hilfe von 2 Abnähern nachträglich enger genäht. Alles ist mit einem kleinen Zickzackstich genäht. Hat wunderbar funktioniert, Spitze lässt sich gut verarbeiten.


 Und hier noch mit dem Outfit von oben:




Donnerstag, 11. April 2024

Vogue 8812 aus Waxprint

Das Schnittmuster Vogue 8812 habe ich bei einem Online-Nähtreffen zugeschickt bekommen/getauscht. Ich mochte vor längerer Zeit diese Retroschnitte sehr und habe sie gerne vernäht. Man findet glücklicherweise auch immer Besprechungen in meist englischsprachigen Blogs dazu. 

Als ich in Köln kürzlich Waxprint gekauft habe und die Tochter in den Semesterferien zu Besuch kam und meinte, sie braucht dringend ein Sommerkleid, fiel die Wahl schnell auf dieses hier:


Von den beiden Stoffen, die ich gekauft habe, hat sie sich den blauen ausgesucht. Aus dem roten habe ich mir dann das Karijini Kleid genäht. Der Prozess des Nähens von Vogue 8812 zog sich ein wenig, weil die Tochter zwischendurch in Urlaub und bei ihrem Freund war und ich wegen der notwendigen Anpassung nicht weitermachen konnte. Ich habe mich bei den ersten Schritten und dem Zusammensetzen von Ober- und Unterteil an den Maßen orientiert, aber es war klar, dass es im Brustbereich und beim Annähen der Träger nicht ohne Abstecken am Menschen geht.

Mittlerweile konnten die letzten Nähte und auch der Saum genäht werden. Das Kleid ist fertig und wird am Wochenende zum Semesterbeginn mit nach Bayreuth genommen.

Das Kleid schließt hinten mit 4 Knöpfen, ich habe dafür 4 Paspelknopflöcher genäht, was wirklich sehr ordentlich aussieht und im Schnittmuster gut erklärt ist. Das Verschließen der Knöpfe hinten ist allerdings ein Riesenproblem, benötigt wird eine Anziehhilfe. Die Knöpfe sitzen zudem ein bisschen eng, es könnten 1 - 2 cm mehr in der Naht sein, aber die Tochter meint, es ginge so, notfalls hätte ich einen Keil eingesetzt. Vorne und an den Seiten hingegen war durch das Gerüsche ziemlich viel Volumen, das schiebt sich allerdings nicht bis zur Knopfleiste. Wie ich bei Seamracer gelesen habe, braucht es wirklich reichlich Anpassung im Brustbereich. Da mein Stoff auch von dem für das Modell angedachten abweicht, was sich vor allem bei den Rüschen vorne auswirkt, war ich mir zwischendurch auch völlig unsicher, ob es überhaupt etwas wird.


Oben und unten Detailaufnahmen von vorne und hinten. Es gibt auch noch einen Gürtel, ob der getragen wird, ist fraglich. 


Zusammenfassung:

Schwierigkeit: das Nähen des sogenannten Korsetts war aufwändig, ebenso die Knopfleiste mit den Knöpfen und den Knopflöchern. Die Erläuterungen bei Vogue sind immer super, aber die Passform ist in diesem Fall schwierig, schmale Taille, große Brust, eben retro, aber die meisten Frauen heute sehen anders aus, die Brust mit dem Innen- und Außenteil, den Rüschen und dem Unterbrustbereich, der in 4 Teile geteilt ist, ist wahrlich nicht einfach anzupassen. Es ist auch nur semioptimal gelungen.

Zeitaufwand: irgendwie gefühlt sehr lange, weil zwischen Zuschnitt und Fertigstellung mindestens 3 Wochen vergangen sind. Genau kann ich es nicht beziffern.

Kosten: der Waxprint (5 m) kostete 15 Euro, es sind noch 2 m übrig, die Knöpfe und alles andere aus dem Bestand.

Viele Grüße, Anja

Sonntag, 18. Dezember 2022

WKSA - Finale mit Hose und Kleid

Die Stepphose ist bereits seit geraumer Zeit fertig und konnte mehrfach Probe getragen werden. Es gab schon im vorhinein  Fragen, wie sie sich trägt. Sie knirscht nicht, ist ungemein bequem, schneeregenfest, ohne lange Unterhose haptisch innen wie eine mit Taft gefütterte Hose, mit langer Unterhose wie eine Skihose.

Fotos habe ich drinnen mit dem Handy gemacht, einerseits war das Licht draußen usseliger als drinnen, andererseits hatte ich wenig Lust, bei Temperaturen knapp um und über dem Gefrierpunkt, den Mantel auszuziehen. Ihr seht die Hose mit den vorne nachträglich aufgesetzten Taschen mit den Schrägbandeinfassungen, auf die ich im nachhinein gerne verzichtet hätte.


Getragen wird sie mit langen Pullovern bzw. Sweatshirts, insofern sieht man nur das untere Schrägband. Am besten passen meine schwarzen Oberteile dazu. Ich besitze 2 Paar schwarze Stiefeletten, die sind perfekt für die Füße. Manteltechnisch sieht es etwas mau aus: mein anthrazitfarbener Wintermantel ist super, die graue Kurzjacke geht optisch auch (allerdings im Winter nicht warm genug), bei Schnee habe ich letzte Woche meine hellblaue Skisteppjacke angehabt, gefiel mir nicht, aber bei -7 Grad angenehm warm.


Die Rückansicht mit den nicht gut aneinandergesetzten Teilen. Wie beim letzten Termin berichtet, zu spät gemerkt, dass ich da was hätte beachten müssen.

Nun zum Kleid, das festlicher nicht sein könnte:

Was ich warum im Vergleich zum Schnittmuster (Vogue 2903) geändert habe, habe ich bereits letzte Woche geschrieben. In der Version ohne Pullover ist es im Winter nicht tragbar, mit dem flauschigen Pullover quasi wie ein Rock hat es aber auch das Potential absolut festtauglich zu sein. In der Dezemberburda wurde auch ein festliches ärmelloses Kleid vorgestellt, das in der Winterversion mit Pullover getragen wird.

Ich sehe das Kleid aber tatsächlich eher als Sommerkleid. Mir schwebt im Sommer ein Besuch der Bayreuther Festspiele vor. Auch wenn ich keine Karte bekomme (was durchaus möglich ist), kann ich mit dem Kleid vermutlich problemlos durch die Stadt und im Park rund um das Festspielhaus flanieren. Für das Frankfurter Theater und die Oper wäre ich damit vollkommen overdressed. Und solange es das WG-Zimmer in Bayreuth für mich zum Übernachten gibt, kann ich es jedes Jahr neu mit der Karte probieren.

Der Vollständigkeit halber noch die Rückansicht. Ups, der kleine V-Ausschnitt hinten ist leider nicht mit auf dem Selbstauslöserbild:


Und dann schaue ich mal, was die anderen Damen beim Finale des WKSA auf dem Me Made Mittwoch Blog zeigen.

Viele Grüße und frohe Feiertage, Anja

Review nach ca. 2 Jahren:

Wer hätte das gedacht: das Kleid wurde 2 x zur Opernpremiere Bayreuther Festspiele im Kino und 2 x direkt bei den Bayreuther Festspielen getragen. Dann auch Weihnachten und 1 oder 2 x im Theater in Frankfurt. So soll es sein. Und im nächsten Jahr (2025) wird es sicher wieder zu besonderen Anlässen angezogen werden.

Die Stepphose ist der Knüller schlechthin. Warm, gemütlich, drinnen wie draußen. Sehr oft in der Freizeit getragen, auch zum Schlittenfahren, sozusagen der Ersatz für meine Winterwanderhose, aber auch stadtfein an besonders kalten Tagen.

Sonntag, 11. Dezember 2022

WKSA 2022 - Zwischenstand - beides fertig!

 Ich habe die Hose fertig genäht. Da liegt sie nun (und wurde auch schon 2 oder 3 Mal draußen getragen). Vorab schon mal: ich ziehe die Hose gerne an!


Bevor ich den Steppstoff zugeschnitten habe, habe ich mich informiert, was es zu berücksichtigen gibt: größere Nahtzugabe als üblich, Zuschnitt verriegeln und dann versäubern, Nähte ggf. mit Schrägband einfassen, nicht bügeln, keine Stecknadeln, Microtexnadeln verwenden, nicht Auftrennen, beim Nähen dehnen, damit die Füllung nicht verschoben wird usw.

Zugeschnitten habe ich eine einfache Hose, quasi wie meine Pyjamahosen, nach dem Grundschnitt mit sehr hohem Bund, den ich später umklappen wollte, um ein breites Gummi einzuziehen. Außerdem habe ich Nahttaschen und riesige Mengen an Schrägband zugeschnitten.

Hinterher habe ich gemerkt, dass ich beim Zuschnitt auf das Muster hätte achten müssen, es passt nun vorn und hinten nicht ordentlich aneinander. Bei gemusterten Stoffen achte ich darauf, hier bilden die gesteppten Nähte das Muster. 

Was mir hingegen auffiel war, dass auf der linken Stoffseite (die genauso sein soll wie die rechte Seite) an 3 oder 4 Stellen Fäden gezogen waren, an einer Stelle ganz schlimm, so wie wenn der Unterfaden spinnt. Bei einer Hose für innen o.k., für eine Jacke hätte mir das nicht gefallen. Eigentlich hätte der Stoff, ich erinnere, ein original Fibremood Stoff, als 2. Wahl oder fehlerhaft gekennzeichnet sein müssen. Oder muss man vor dem Zuschneiden bei Steppstoffen die linke Stoffseite gründlich inspizieren? Da der Stoff nicht ganz billig war, finde ich solche Fehler enttäuschend. 

Auf die schadhaften Stellen habe ich beim Zuschnitt geachtet, eine kleine Stelle war auch außen, leider - aufgrund meiner knapp bemessenen Stoffmenge (1,20 m) - konnte ich sie nicht umschneiden. Ich kann also original Fibremood Stoffe nicht wirklich empfehlen (auch wenn sie dauernd von irgemdwem empfohlen werden). Ich war sogar extra in einem Laden, bei Online Bestellung besteht ja überhaupt keine Möglichkeit, sowas zu reklamieren. Dummerweise wäre ich bei einem Stoff nicht auf die Idee eines Mangels gekommen (aufgrund einer zurückliegenden schlechten Erfahrung im Elektronikbereich bin ich derzeit für sowas total sensibilisiert).


Dann ging es ans Nähen, das war tatsächlich tricky, die Füllung verschob sich, ich konnte nicht viel dagegen machen. Da die Felder auch unregelmäßiger waren als bei einem einfachen Steppstoff, der in Reihen gesteppt ist, wusste ich nicht, wohin ich die Füllung schieben sollte. Aber es hielt sich im Rahmen. Es ist kein Meister vom Himmel gefallen, wie ein Sprichwort sagt. Fröhlich habe ich die Seitennähte gesteppt und leider die Nahttaschen vergessen. Auftrennen soll man ja nicht, da liegen sie nun, kann man irgendwann für etwas anderes verwenden. Dann weiter zusammengenäht. Sitzt ganz gut, sieht aber bei der Anprobe monoton aus, also habe ich mir für nachträglich aufgesetzte Taschen entschieden. 

Da ich gerade dabei war, den Saum unten und oben mit Schrägband zu ummanteln, kam mir der Gedanke, das Band auch als Hingucker bei den Taschen zu verwenden. Es war alles etwas fummelig einzunähen, weil die Hose ja schon zusammengesetzt war, aber es ließ sich machen. Schlussendlich noch der Gummizug oben und die Säume unten auf die richtige Länge bringen. Fertig.

Bin ich zufrieden? Hmm. Technisch habe ich mein Bestes gegeben. Das Design mit den grünen Streifen an den aufgesetzten Taschen geht so, vielleicht wäre eine klare Linie doch besser gewesen. Wegen der Löcher, die die Nadel in den Stoff setzt, kann ich die Schrägstreifen leider nicht mehr abmachen. Die Hose ist wirklich superwarm, trägt sich angenehm, auch wenn sie ein wenig merkwürdig für eine Stadthose aussieht. Es ist eben eine Daunenhose, erinnert an eine Skihose und eigentlich könnte sie das auch sein. Aber eine Skihose der schöneren Art. Die Farbe ist auch anders als alles, was mir tagtäglich an Stepper auf der Straße begegnet. Auch wenn es schönere knalligere Farben gibt. Ich habe mich mit der Farbe arrangiert.

Die Hose wird mir sicher bei der weihnachtlichen Waldwanderung und noch bei vielen anderen Winterwanderungen gute Dienste leisten. Nochmal sowas nähen, eher nein, es sei denn, der ultimaltive Steppstoff hinsichtlich der Farbe läuft mir über den Weg. Dann weiß ich wenigstens, was ich anders mache und wo ich noch einen Tick sorgfältiger arbeite. Dass man Steppstoff nicht nur als Jacke und als Mantel tragen kann, habe ich letztes Wochenende beim Besuch des MoMu in Antwerpen gesehen und gleich fotografiert. Erstmal reicht mir jedoch eine Hose.

Verlinkt beim 3. Treffen des WKSA beim Me Made Mittwochs Blog. Und weiter geht es mit dem Kleid. Tatsächlich, unterschiedlicher können beide Projekte nicht sein:


Das Kleid hängt auf dem Kleiderbügel - es ist mittlerweile ebenfalls vollendet. 

Ich habe gemerkt, als ich mit dem Zuschnitt beginnen wollte, dass ich doch 1 m weniger Stoff als notwendig gewesen wäre, habe. Irgendwie mit viel Trickserei, dem Weglassen einer halben Kellerfalte an jedem der 4 sehr weiten Rockteilen und der groben Nichtbeachtung des Fadenlaufs bei allen möglichen Kleinteilen, auch den Ärmeln, ist es mir dennoch gelungen, alle Schnittmusterteile auf dem Stoff zu platzieren und zuzuschneiden. Da der Stoff sowieso sehr viel Stand hat, scheint die Nichtbeachtung des Fadenlaufs auch keine sichtbaren Auswirkungen zu haben. 

Bei der ersten Anprobe war alles zu weit (ich hatte ja großzügig zugegeben, da eine zu kleine Größe ausgeschnitten war). Da der Schnitt 2 Seitennähte, 2 Mittelnähte und weitere 4 Prinzessnähte zwischen Seite und Mitte hat, war es leicht, das Kleid an Brust und Taille anzupassen. Dabei bemerkte ich auch, dass ich den Reißverschluss getrost weglassen kann. Nachteilig war/ist, dass die Schultern zur Seite rutschten. Das Problem wurde hier so gelöst. Ich wollte dann aber erstmal den Yoke, der auf dem Foto unten liegt, und die Ärmel einarbeiten. Das wird etwas anders als üblich gemacht, vielleicht hält es die Schulter, so mein Gedanke.

Die Anleitung ist an einigen Stellen nicht wirklich schlüssig und erst durch die Recherche in mehreren Blogs (2010 - 2014 wurde das Kleid mehrfach in der englischsprachigen Community genäht) und ein Video, das versprach, den Prozess von Vogue 2903 zu erklären, wurde mir die Konstruktion von Yoke, Ärmeln, Facing und Kleid klar. Die Anprobe mit den zusammen gesteckten Teilen gefiel mir überhaupt nicht. Ich fand die "besondere" Optik auch nicht schön, Vermutlich mag ich lieber klare, schlichte Schnitte. 

Ich habe dann eine Nacht vor der Weiterverarbeitung vergehen lassen (teils schlaflos) und mich erneut dem Prozess gewidmet. Erstmal wurden die Schultern tiefer gezogen, was den Ausschnitt auch verkleinerte, die etwas kleinen Armlöcher habe ich dann unten verbreitert, die recht engen Ärmel weggeschmissen, der Yoke liegt noch zusammengenäht herum, er ist nicht am Kleid befestigt. Ich könnte ihn über dem Ausschnitt tragen, aber will ich das, wahrscheinlicher ist, dass ich ihn auch wegwerfe. 

Mein fertiges Kleid gefällt mir gut, es ist allerdings nur zum Teil das Ursprungsmodell. Und überhaupt nicht für wenig geheizte Innenräume geeignet. Ich habe allerdings schon eine Idee, wo und wann ich es im Sommer anziehen werde. 

Der Stoff ließ sich zwar gut verarbeiten, allerdings zog er ständig Fäden und fusselte ungemein. Da ich innen viele nur mit Zickzack versäuberte Nähte habe, sieht es innen entsprechend unordentlich aus. Das ist mir jetzt egal, Hauptsache, es ist fertig. 

Winterliche Grüße, Anja


Sonntag, 27. November 2022

WKSA - Ich habe mich entschieden ... und wieder umentschieden

... und zwar für ein Kleid (zur Umentscheidung weiter unten). Auch wenn ein Rock praktischer gewesen wäre, schneller zu nähen gewesen wäre und ich ihn vermutlich auch häufiger tragen würde. Hintergrund meiner Entscheidung ist der Fund dieses Schnittmusters, das ich beim Sortieren meiner Schnittmusterschublade gefunden habe. Ich habe es bei einem Online-Nähtreffen getauscht. Enthalten sind Größe 12-16, allerdings habe ich beim Auspacken festgestellt, dass Größe 12 bereits ausgeschnitten ist. 

Die Vogueschnitte enthalten eine großzügige Nahtzugabe und ich hätte den Schnitt vermutlich sowieso in Taille und Brust anpassen müssen. Dann passe ich eben ein bisschen mehr an. 

Tatsächlich entscheide ich mich für die Version mit kurzem Ärmel und breitem Ausschnittbund, die ist schon vorgeschnitten. Und ich hoffe, das Kleid als Kleid im Sommer zu tragen. Mit langem Ärmel ist es mir im Winter zu kalt, im Sommer zu warm, eine Übergangszeit gibt es ja praktisch nicht mehr, also kurzer Ärmel und darüber ein flauschiger Wollpullover. Das kommt der Lösung mit der Rock sehr nahe.



Aber es erhöht den Anspruch an den Sew Along. Außerdem spricht für das Kleid, dass ich Stoff in ausreichender Menge habe. Ich nehme ja immer gerne Herausforderungen an. Die Arbeit liegt jetzt vor mir, aber da ich mit den Sachen von der AnNäherung fertig bin und ansonsten nur Kleinkram und Strickzeug hier liegen habe, wird dieses Kleid mein Weihnachtsprojekt.

Diesen Blogpost habe ich am letzten Wochenende geschrieben nachdem ich meine Entscheidung gefällt hatte. Und dann sah ich bei Sabine eine Hose, ich hoffe, dass sie sie noch verbloggt, aber diese Hose brauchte ich unbedingt. Sie ist schön, nützlich, ersetzt eine Hose, die nicht mehr die Funktion gewährleistet, kurz: diese Hose will ich unbedingt haben. Ich habe erstmal gegoogelt, ob man derartige Hosen wirklich trägt und bin auf wenige Bilder gestoßen, Miu Miu im letzten Jahr, diesen Winter bei Woolrich

Dort gibt es auch ein Kleid, auch hübsch, aber weniger funktional, am liebsten hätte ich beides gemacht, aber ich werde wohl erstmal die Hose nähen. Von dem Stoff, bei dem es sich um einen Fibremood Stoff handelt, gab es in dem kleinen Laden/Cafe in Langens Altstadt (vorher wusste ich nicht mal, dass Langen eine Altstadt hat), der auf der Fibremoodseite als Bezugsquelle benannt war, zwei Farben: grün und kupfer/orange. Mir ist immer wichtig, die Stoffe zu sehen und anzufassen.


Ich laufe mit dem Hund regelmäßig in den Streuobstwiesen bei Langen Flugsicherung. Von dort ist es ein Katzensprung nach Langen, bisher hat mich allerdings nichts dorthin gezogen. Das Jenefea Stoffcafe war in einem Fachwerkhaus, sehr dunkel, aber bereitwillig wurden mir die Ballen ans Tageslicht geschleppt. Es gab auch einen Spiegel, etwas klein und auf Bückniveau, aber immerhin konnte ich beide Farben anhalten, beide suboptimal, aber ich wollte so eine Hose, also habe ich mich für grün entschieden. Kupfer/Orange sah ein bisschen Beige aus. Es gab auch noch einen weißen dünnen Steppstoff, der innen Baumwolle hatte, was sicher die Trageeigenschaften verbessert hätte, aber Weiß geht bei mir leider nicht. Meine Farbe sieht wirklich bei jedem Licht anders aus. In der Wohnung erinnerte sie mich nach der Rückkunft bei beginnender Dunkelheit teils an Khaki, was ich völlig gruselig finde. Zugeschnitten wurde übrigens auf 1x1m großen Cafehaustischen.



Die Bilder von der Designerhose oben haben mich wieder etwas friedlicher gestimmt. So in etwa könnte meine Hose werden, allerdings verzichte ich auf den Reißverschluss, arbeite Nahttaschen ein, oben ein breites Gummibündchen, dreiviertellang und damit matschresistent. Da wir Weihnachten selten festlich begehen, sondern mit dem Hund täglich in den Wald gehen, wird die Hose dann sicher getragen werden. Mit der Zuschnitt der Hose starte ich hoffentlich heute, wenn sie fertig ist, fange ich mit dem Kleid an. Soviel zu meinen Plänen.

Verbloggt beim 2. Treffen des WKSA 2022 auf dem Me Made Mittwochsblog.

Grüße, Anja


Mittwoch, 22. Dezember 2021

Die Weihnachtshose ist fertig ...

Zur Hose gibt es nicht mehr viel zu ergänzen, das Schnittmuster, die Abwandlungen und den Entstehungsprozess habe ich in den letzten Wochen bereits beschrieben.

Ich bin vorhin mit der Hose etwa eine dreiviertel Stunde mit dem Hund gegangen, es war verdammt kalt, diese Anzugwolle hat ganz andere Trageeigenschaften als meine Tweedwollhose, vielleicht wäre ein Futter doch keine schlechte Idee gewesen. Aber es ist heute einfach superkalt, deswegen habe ich auch nicht draußen fotografiert. Außerdem hatte ich unterwegs den Eindruck, dass die Nahttaschen, je nachdem wie ich mich bewege, aufklaffen. Bei Röcken passiert das nicht, üblicherweise haben Hosen natürlich keine Nahttaschen. Aber diese sind sehr groß, so dass man viel Zeug hinein tun kann (oder die ganze Hand versenken).

Meine weinrote gefütterte Jacke passt sehr gut dazu. Da das Handy auf einem Stuhl etwas schief an die Rückenlehne angelehnt ist, sieht die Jacke vorne etwas schief aus. Wie sie in echt geraten ist, seht ihr in der Verlinkung.


Hier mit dem Pullover von vorletzter Woche, immer gerne getragen, von vorne sieht sie wirklich nicht nach einer reißverschlusslosen Hose aus.


Die vom Original abweichende Rückansicht mit den beiden Taschen, meist ziehe ich den Pullover nicht so hoch, so dass normalerweise der Gummizugbund verdeckt ist. Bezüglich des Musters gibt es noch Verbesserungspotentiale, aber bei Kaufhosen wird darauf ja auch nicht so geachtet. Die Taschenklappe ist asymmetrisch geschnitten, siehe letzter Post.


Der Stoff schwingt wunderbar beim Gehen, fühlt sich sehr angenehm an. Und ich habe noch etwas mehr als einen Meter von dem Coupon übrig, so dass ich daraus voraussichtlich diesen Burda Trägerrock nähen werde. Ich habe bereits mit der Schnittanpassung begonnen. Eigentlich ist der Stoff ein klassischer Herrenanzugstoff, gut abgelagert aus Restbeständen einer Weberei. Nicht mein Farbschema, aber prima zum Kombinieren.

Verlinkt beim WKSA des Me Made Mittwoch Blogs - auch wenn es kein wirkliches Weihnachtskleid ist, sondern ein Restprojekt aus 2021.

Frohe Festtage an alle, vielen Dank an das Team für die Organisation, liebe Grüße, Anja


Mittwoch, 15. Dezember 2021

WKSA - es läuft mal besser und mal schlechter

Ich muss meine Weihnachtshose nur noch säumen. Das mache ich nächsten Montag Abend in netter Zoomgesellschaft. Eine Anprobe ergab ein schönes Gesamtbild der neuen Hose - auch wenn der Weg dahin von einigen Stolpersteinen gepflastert war.

Ich begann mit den Paspeltaschen hinten, entsprechend einer bebilderten Anleitung in einem Buch, das klappte ganz o.k., ich habe Paspeltasche Nummer 3 und 4 in meinem Leben genäht und es ist noch Luft nach oben, wie man sieht. Vermutlich hätte ich an den Ecken noch viel dichter in den Stoff hineinschneiden müssen. Aber so dicht wie auf dem Foto wird hoffentlich niemand meine Tasche betrachten.


Paspeltasche 2 wird von einer nachträglich aufgenähten Klappe überdeckt. Zufällig ergab sich das Karo wie auf dem Bild, ich wollte es nicht ganz harmonisch, sondern einen Bruch im Design. Das ist ganz praktisch, damit - falls ich etwas hinein tue - nichts rausfällt. Beim Zuschneiden der Tasche hatte ich mich ursprünglich verrechnet und dann auch noch die falsche Form gewählt. Aber das habe ich nach Betrachtung des Fotos der Originaltasche gleich gemerkt. Es war schnell neu zugeschnitten. Hier sieht man die oben hinten eingezogenen Gummis, das ist ungewohnt. Es ist sehr bequem, aber eigentlich gefallen mit Hosen mit Reißverschluss dann doch besser. Aber insgesamt ist die Optik nicht jogginghosenmäßig, immerhin.


Am dramatischsten war dann, dass ich die Seitennahttaschen versetzt eingenäht habe und auch vor der Kontrolle eine Ziersteppung in Stichlänge 2 vorgenommen habe. Das war eine Heidenauftrennarbeit und Lust hatte ich dann irgendwann keine mehr. Aber ich habe durchgehalten. Mittlerweile habe ich die Länge ausgemessen, abgeschnitten, 2 mal umgebügelt und muss nur noch den Saum von Hand annähen. Tragefotos irgendwann nächste Woche. Danke an das Me Made Mittwochs Team für die Motivation, diese Hose in Angriff zu nehmen - auch wenn ich sie nicht wirklich brauche. Aber sie wird gut.


mmm


Mittwoch, 6. Oktober 2021

Me Made Mittwoch - Vogue 9112 als Herbst- und Winterversion

 Nach einem häufig getragenen Sommer V9112 und einem nur zwei Mal getragenen festlichen V9112 habe ich letzte Woche die Herbstversion genäht. Und ich bin mehr als zufrieden, auch wenn sich die dickere Wolle natürlich ganz anders verhalten hat als die beiden anderen Stoffe.


Zu den Änderungen im Vergleich zum Original: die Säume sind um ca. 5 cm verlängert (wie bei dem Waxprintmodell), der Kragen ist gedoppelt (auch wie bei dem Waxprintkleid), statt Schrägstreifen habe ich Belege an den Armausschnitt genäht, damit bin ich glücklicher, auch wenn das Armloch jetzt ca. 1 cm enger ist. Genäht habe ich Größe M bei einer Körpergröße von 176 cm. Für diese Winterversion hätte ich vermutlich nicht soviel verlängern müssen, 2 bis 3 cm wären mir jetzt fast lieber, aber ich will nicht den ganzen Saum nochmal auftrennen. Denn ich habe Belege, Kragen, Saum mit der Hand festgenäht. Das Kleid ist nicht gefüttert, ich bevorzuge Unterkleider.


Zum Stoff: ich habe ihn (100 % Wolltuch, leichte Salz und Pfeffer Optik) im Sommer 2020 auf einem "Wühltisch" mit ziemlich vielen "Anzugstoffen" im Hof bei LTS gefunden. Als ich dorthin kam, war ich erst enttäuscht, den Weg aus München angetreten zu haben und nur im Erdgeschoß Stoffe zu finden (und den Hof mit Tischen unter Plastikzelten), die oberen Etagen sollten wohl renoviert werden. Wie auch immer, nach kurzem Rundgang im Erdgeschoß, habe ich mich den unscheinbaren Tischen gewidmet - und Schätze gefunden. Einige habe ich bereits vernäht, hier und hier. Aus einem anderen Stoff plane ich Ende Oktober ein weiteres Winterkleid. Die Wolltuche fühlten sich wunderbar an, sehr hochwertig, keine zugesetzte Kunstfaser, gut gewebt. Es waren Musterstücke, denke ich, denn es waren jeweils Zuschnitte von 2 oder 3 Metern. Sie rochen sehr muffig, als ob sie schon lange in einem Keller lagen. Das völlig vergilbte Etikett verwiese auf den Hersteller: Wülfing & Sohn. Ich weiß nicht mehr, was ich bezahlt habe, Auf jeden Fall weniger als 10 Euro den Meter.

Zuhause habe ich Wülfing & Sohn gegoogelt. Die Tuchfabrik in Radevormwald hat 1996 geschlossen. Es gibt dort jetzt ein Museum, das ich mir bestimmt irgendwann einmal anschauen werde. D. h., dass mein Stoff mindestens 25 Jahre alt ist. Zuhause habe ich ihn in der Waschmaschine gewaschen, getrocknet, gebügelt und jetzt vernäht, 

Hier noch eine Ansicht von hinten, das Bügeln finde ich nicht ganz einfach, aber es muss für mich nicht perfekt sein:


Und so hatte ich es am Samstag draußen an, bei spätsommerlichen Temperaturen ohne Jacke:


Mittlerweile ist es frischer geworden. Einen schönen Me Made Mittwoch, viele Grüße

Anja


Mittwoch, 2. Juni 2021

Me Made Mittwoch - Vogue 9112

Fast hätte ich angefangen, auf Englisch zu schreiben, so nah ist der Me Made May noch. Am letzten Tag war es endlich sommerlich und ich hatte Gelegenheit mein relativ neues noch nicht getragenes Kleid aus Waxprint vom Online Nähtreffen mit Muriel und Chrissy anzuziehen. So habe ich etwas Neues, das ich am Me Made Mittwoch zeigen kann. Im Vergleich zu der ersten Version dieses Kleides (das ich bedauerlicherweise noch gar nicht getragen habe - außer zu Fotografieren) habe  ich den Saum weiter nach unten verlegt, etwa 7 oder 8 cm, genau erinnere ich mich nicht mehr. Das führte dazu, dass an einigen Teilen innen viel Stoff war, weil die Schnittteile ja alle irgendwie gebogen sind. Aber man sieht das Innenleben ja nicht.


Den Fake Waxprint habe ich extrem günstig in Paris erstanden, vor mindestens 2 Jahren. Fake deshalb, weil er nur einseitig bedruckt ist und doppelt breit lag, aber die Haptik entspricht Waxprint, etwas steif also, reine Baumwolle (in einem Afrikaladen habe ich tatsächlich mal Waxprint aus Polygemisch erstanden und es erst hinterher gemerkt).


Ich mag den Schnitt seit ich ihn das erste Mal gesehen habe, ich kann mir noch viele verschiedene Versionen aus unterschiedlichen Stoffen vorstellen. Das Zuschneiden und Nähen kostet etwas Zeit, aber das Ergebnis ist einfach toll. Diesmal habe ich den Kragen übrigens entgegen der Anleitung gedoppelt, das sieht einfach ordentlicher aus. Hier noch die Schnittzeichnung und der Stoff im Detail.


Viele Grüße, Anja

Review im Herbst 2024:

Das Kleid war und wird vermutlich noch ein bis zwei Sommer ein Hitzedauerbrennerkleid sein. Sehr oft und gerne getragen. Leider verliert der Stoff bereits ein wenig die intensive Farbigkeit durch die Wäsche. Dann muss unbedingt Ersatz her. Der Schnitt ist toll, das Stoffmuster war es auch. Die Stoffqualität, dieser Fake Wax Print leider nicht gut.

Dienstag, 9. Februar 2021

Vogue 9112 - Traumkleid? Ja!

Vor sehr, sehr langer Zeit sah ich dieses Kleid in diesem Post und habe mich augenblicklich darin verliebt. Nun sind Vogueschnitte ziemlich teuer und teilweise nicht so einfach zu beschaffen (jedenfalls hatte mein Karstadt Kaufhaus diesen nicht in seinen Schubladen).

Also träumte ich immer mal wieder von dem Kleid, vergaß es irgendwann auch, es gab ja auch genug andere tolle Schnitte. Außerdem träumte ich wahrscheinlich nicht nur von dem Schnitt sondern auch von dem Stoff. Jedenfalls mit der Möglichkeit auf Instagram andere Modelle dieses Schnittes zu sehen, fand ich vor allem die Kombination von Stoff und Schnitt besonders toll. Und so einen Stoff habe ich hier noch nie gesehen. Beim Bestellen habe ich schon diverse schlechte Erfahrungen, was Haptik und Farbe betrifft, gemacht, daher kommt Bestellen für mich eigentlich nicht in Frage (außer mit vorheriger Bestellung einer Stoffprobe, aber das macht das Ganze schon wieder umständlich).

Vor etwa 3 Jahren begegnete mir auf einer Kurzreise zwecks Familienbesuch im Stoffverkauf von Annette Görtz in Rheda-Wiedenbrück ein interessanter schimmernder Stoff, der sehr steif fiel, aber dennoch dünn war, eine Mischung aus braun, bronze, manchmal leicht bläulich, je nach Lichteinfall. 2 m für 12 Euro, mitgenommen! Das Label am Rand wies auf einen Hersteller technischer Stoffe hin, nie davon gehört, klang interessant. Aus was mein Stoff besteht, keine Ahnung. Ich vermute aufgrund der Beschriftung handelte es sich um ein Muster, das Annette Görtz bestellt hatte.

Vor etwas mehr als einem Jahr machte mich eine Bekannte gegen 22 Uhr darauf aufmerksam, dass es in den USA einen Vogue Schnittmuster Sale gab, bis 24 Uhr (wahrscheinlich US-Zeit, welche auch immer), jedenfalls habe ich danach noch mitten in der Nacht Schnittmuster, Porto, Verzollung usw. gecheckt und letztendlich (rechtzeitig) eine größere Bestellung aufgegeben. Irgendwann nach 10 - 20 Tagen trafen die Schnittmuster bei mir ein, selbst mit den hohen Portokosten ein akzeptabler Preis. Ich habe die Bestellung auf 2 Briefe aufgeteilt, dadurch konnte ich die Verzollung umgehen und musste nur Porto zahlen. Das hing vom Warenwert ab, der blieb bei 3 Schnittmustern genau unter der Obergrenze.

Und dann brauchte es nochmal richtig lange bis ich angefangen habe zu nähen. Obwohl ich immer genau wusste, das Stoff und Schnitt füreinander geschaffen sind, für ein tendenziell festliches Kleid, ich werde es zur Abschlussfeier meiner Tochter diesen Sommer in der Schule anziehen (ich gehe davon aus, dass es eine Feier gibt, letztes Jahr gab es jedenfalls eine Abiturzeugnisverleihung, schlimmer kann es dies Jahr auch nicht kommen). Es liegt dann auch noch Schnittmuster für ein Abiballkleid von Vogue herum, einen Abiball wird es vermutlich nicht geben. Für das Kleid hätte ich 10 m Stoff gebraucht und es wäre auch eine echte Herausforderung gewesen. Der stelle ich mich erstmal nicht.

Der Schnitt Vogue 9112 besteht aus ziemlich vielen Teilen, wie man am Foto unten sehen kann. Das Ausschneiden der Teile (Größe M) dauerte ziemlich lange. Ich hatte danach auch keine Lust mehr auf Verlängern des Schnittes irgendwo im Brust- oder Taillenbereich wegen der Proportionen (3 cm wären schon ganz gut gewesen, der Saum ist jetzt nur ca. 0,7 cm eingeschlagen und es ist ziemlich kurz).

Das Nähen war einfach, die Anleitung wie immer bei den amerikanischen Schnittmustern sehr gut und verständlich, alles passte perfekt zusammen, es reichten etwa 1,60 m Stoff (2,1 m waren angegeben).

Hier das Ergebnis (heute mal mit guten Licht, zum 3. Mal in 2021 Sonne):


Ich plane auf jeden Fall, das Kleid nochmal zu nähen, ich kann es mir gut im Winter (nächsten Winter) aus einer Wolle vorstellen, wie auf den Fotos mit einem Rolli, im Sommer aus leichter Baumwolle (das ist ja eigentlich die Idee), schneide ich vielleicht demnächst zu, ob ich die Möglichkeit Stoffe verschiedener Muster miteinander zu kombinieren wie ich es im Netz gesehen habe, eher nein.

Jedenfalls habe ich wieder Lust bekommen, zu nähen und mich mit dem Inhalt meines Stoffschranks zu beschäftigen. Das ist in letzter Zeit ziemlich zu kurz gekommen. Dafür treibe ich mehr Sport und nutze jede Gelegenheit, um mit dem Hund in den Schnee zu gehen

Viele Grüße

Anja


P.S. Juni 2025

Das Kleider wurde leider superselten getragen. Der Abiball der Tochter fand nicht statt, einmal hatte ich es auf einem Fest, einmal in der Oper an, ansonsten schlummerte es vor sich hin: richtig gut gefühlt habe ich mich darin bei den Milanfrocktails 2025, wo ich es zu zwei Abendessen anhatte, auch in der Metro passte ich mit dem Kleid gut in die Stadt und bei den hochsommerlichen Temperaturen waren die Trageeigenschaften perfekt. Für die Abendveranstaltung hätte es auch gepasst. Ein tolles Kleid, muss es einfach häufiger aus dem Schrank holen.




Freitag, 29. November 2019

Weihnachtskleid Sew Along Teil 1 und 2

Wenn der Weihnachtskleid Sew Along auf dem Me Made Mittwoch Blog losgeht, merke ich, dass bald Weihnachten wird. Ich habe erst einmal mitgemacht. Sew Alongs passen eigentlich nicht in meinen Nährythmus: wenn ich einmal mit etwas angefangen habe, will ich es so schnell wie möglich fertig stellen, ich hasse es, wenn Sachen lange rumliegen (mal abgesehen, dass in unserer kleinen Großstadtwohnung dafür auch kein Platz ist) und jedes Mal, um ein paar Nähte zu nähen, den Esstisch frei zu räumen (auf dem jetzt auch noch ein irgendwann nadelnder Adventskranz steht) und dann die Nähmaschine auf- und abzubauen - das ist nicht mein Ding.

So bin ich auch letztes Mal lange vor Zeitplan fertig geworden. Wie es diesmal aussieht, mal sehen. Denn eigentlich brauche ich kein festliches Kleid. Das Weihnachtskleid von vor 2 Jahren habe  ich maximal 4 x getragen, was sehr schade ist. Das liegt vor allem daran, dass der Stoff winterlich schwer ist, aber die Ärmel nur 3/4 lang und das Kleid einen Ausschnitt hat. Das wird mir im Winter schnell zu kalt und für das Frühjahr ist der Stoff schon zu warm. Außerdem: Frühjahr gibt es nicht mehr, es wird ja immer gleich so heiß, dass kurzärmlig angesagt ist.


Aber ich habe vor 1 Jahr (oder 2?) im Lagerverkauf von Annette Görtz 2 m einen sehr festlichen Stoffes gekauft (für 12 Euro). Der Stoff kommt ursprünglich von Serates, ein Stoffhersteller in Norditalien. Selten, dass man weiß, woher der Stoff kommt, dieser war beschriftet, auch klebte ein Zettel auf der rechten Stoffseite (beide Seiten würden sich als rechte Stoffseite eignen, aber die eine schimmert noch ein wenig stärker). Allerdings habe ich keine Ahnung, ob und wie man diesen Stoff waschen kann. Wahrscheinlich (Hand-) Reinigung wegen der beschichteten metallischen Seite. Falls jemand etwas über derartige Stoffe weiß, freue ich mich sehr über Hinweise. Der Stoff rief damals nach Weihnachtskleid. Aber eigentlich habe ich ihn nur gekauft, weil ich so wenig kaufen konnte: ich war schlichtweg zu spät in Rheda. Um die Mittagszeit gab es nur noch wenig Auswahl, vor allem viel beige und weiß und braun und ecru, Farben, die mich nicht begeistern.

Jedenfalls habe ich mir vorgenommen, nächsten Freitag beim Nähtreffen den Schnitt auszuschneiden und den Stoff zuzuschneiden. Es wird ein kurzärmliges Kleid, das ich an Heiligabend mit einem schwarzen Rolli drunter und dann wenigstens zum Abiball meiner Tochter in 1,5 Jahren anziehen kann. Am 25.12. wandern wir hoffentlich bei viel Schnee im Taunus und am 26.12. bin ich den ganzen Tag unterwegs in die Ferien.  Vielleicht ergibt sich die Gelegenheit, das Kleid mal ins Theater oder Konzert oder zu einer der seltenen Filmpremieren in Frankfurt anzuziehen. Der Stoff ist mit 2 m 10 cm weniger als angegeben, das sollte zu schaffen sein. Ich habe den Schnitt erst jetzt im November beim Vogue Sale in USA bestellt, hat problemlos geklappt. An Vogue 9112 war ich schon lange interessiert, aber die Normalpreise von Vogue finde ich ziemlich übertrieben. Letztendlich habe ich jetzt 3 Schnitte bestellt und incl. Porto ca. 30 Euro bezahlt. Bei nur einem Schnitt hätte sich das Porto von 15 $ nicht gelohnt.


Meine Inspiration ist dieses Kleid von Cyberdaze. Es ist leicht zu nähen, ich werde ausmessen, ob ich es auch verlängere. Für den anderen Schnitt hätte ich 2,3 m gebraucht und einen weich fallenderen Stoff. Selbst hätte ich Vogue 9112 definitiv nicht konstruieren können. Probemodelle gibt es bei mir nie. Ich messe vorher aus und passe an. Aber der Anpassungsaufwand dürfte sich hier maximal auf die Länge beziehen.

Ich verlinke diesen Post bei Teil 2 nächsten Sonntag, denn Stoff und Schnitt stehen fest. Der "Start mit dem konkreten Projekt" kann beginnen.

Auf bald, vorweihnachtliche Grüße

Anja