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Donnerstag, 5. März 2026

Organzabluse abgewandelt - La mia Boutique - Me made Mittwoch

Upps, das ging schnell. Montag Abend habe ich in geselliger Online-Runde den Stoff zugeschnitten. Dienstag und Mittwoch Abend genäht und heute bei Sonnenlicht schnelle Indoor-Fotos gemacht. Anziehen kann man die Bluse bei den Temperaturen freilich noch nicht. So nehme ich dann auch mal wieder beim Me made Mittwoch teil. Der gerät immer mehr in Vergessenheit aus unterschiedlichen Gründen.

Es ist im Wesentlich das gleiche Modell wie dieses in diesem Post ausführlich beschriebene Teil. Selbst der Stoff ist am gleichen Tag in gleicher Menge beim gleichen Händler gekauft worden. Schwarz war geplant, im Endeffekt bin ich aber mit der anderen Farbe, Olivgrün, glücklicher. 

Vor der Fertigstellung habe ich noch überlegt, ob ich die Nähte in kontrastierender Farbe nähe, Rot zum Beispiel, habe es dann aber doch gelassen. Einfarbig lässt sich doch besser kombinieren.

Was habe ich anders gemacht als beim Organzakleid: die Länge ist die Originallänge der Bluse. Ich habe mehr Nahtzugabe geschnitten, weil ich das bei dem Überkleid aus Organza für französische Nähte knapp fand - die Bluse ist auch deutlich weiter geworden als das Kleid, fast ein bisschen mehr als ich wollte. Schon beim Auflegen auf den Stoff war klar, dass ich deutlich mehr Weite eingeplant hatte, vorstellen kann man sich das dann aber erst bei der Anprobe. Ich habe einen zusätzlichen Volant auf der anderen Seite eingesetzt, allerdings nicht über den Ärmel, sondern nur im Vorderteil über Eck. Man kann das auf den Fotos alles sehr schlecht erkennen. Das ist auf dem Foto des Originals im Schnittmuterheft in marineblau aber auch so. Dunkle Farben lassen sich einfach schlecht fotografieren.  Außerdem ist der Ärmel ohne Volant erheblich länger und weiter als im Originalschnitt. Ich habe jetzt nicht nur eine asymmetrische Form, sondern auch einen Längenunterschied. Die Volants hängen über den Saum schräg hinaus, es bilden sich unten also zwei Zipfel.


Ach ja, hinten habe ich diesmal die vorgesehene Teilungsnaht gelassen. Das hat die Knopfverschlusslösung vereinfacht. Das Original sieht einen Reißverschluss vor, wegen meiner Mehrweite hätte ich bei dieser Bluse vermutlich gar keinen Verschluss gebraucht. Aber auch das wusste ich vorher nicht. Schlimmer wäre es gewesen, wenn das Halsloch zu eng wird.


Ich habe die Bluse oben über einer Jeanslatzhose angezogen, unten über einer normalen Jeanshose:



Im Sommer gibt es sicher noch weitere Tragevarianten mit leichterer Kleidung, die noch in den Kisten verstaut ist. Aber grundsätzlich gefällt mir der Bruch, feiner Organza, derber Denim.

Die Bluse ist allerdings noch nicht fertig:

Der Beleg hinten und die Nahtzugabe am vorderen Beleg sind noch nicht befestigt. Auf diesem Foto wollte ich euch eigentlich auch noch den schönen Knopf, vermutlich Original 60er Jahre, zeigen, den ich aus dem Bestand meiner Mutter übernommen habe, der hier einen Ehrenplatz bekommen hat. Ebenfalls aus dem Bestand meiner Mutter sind die schwarzen Pailletten, die ich noch aufnähen werde, um die Belege zu befestigen, um Effekte an Vorder-/Rückenteil und an den Volants zu gestalten. Vermutlich mache ich das wieder freestyle wie mit den Perlen an dieser Bluse. Dafür nehme ich mir irgendwann Zeit.

Für die Kosten, den Schwierigkeitsgrad können einfach alle Angaben aus dem Post des Kleides übernommen werden. Zeit habe ich deutlich weniger gebraucht, weil der Schnitt kopiert war und ich im Organzanähen "drin" war und alles so übernommen habe wie vor 2 Wochen.

Gezeigt auf letzte Minute beim Me made Mittwoch im März, auch, um Manuela einen Eindruck zu verschaffen, die schon auf Bilder gehofft hat, das grüne Organzakleid nehme ich mit zu den Munichfrocktails und trage es dort nun über winterlicher Kleidung. Ein Foto packe ich dann in den alten Post von vor 2 Wochen. Hoffentlich treffe ich viele von euch in München....

Lieben Gruß, Anja

P.S. Die Bluse habe ich nun doch bei den Munichfrocktails getragen, hier in der Runde mit den Nähdels, meiner virtuellen Nähgruppe:


Unten in der Runde derjenigen, die bereits bei Milanfrocktails gewesen sind:



Mit meiner Freundin aus München, die am Samstag entschieden hat, zu kommen und noch etwas auf die Schnelle genäht hat:

Und auf der Weiterfahrt noch einmal in anderer ebenfalls eher winterlicher Kombination:





Freitag, 20. Februar 2026

Organzaliebe

Nachdem ich letztes Jahr meine Organza Hemdblusenjacke (in Italien ein gebräuchliches Kleidungsstück, jedenfalls tauchen diese Soprabiti in den Sommerheften der La mia Boutique wiederholt auf) genäht habe, war ich von dem Material und den Tragemöglichkeiten sehr angetan, so angenehm an warmen Sommertagen, so vielseitig zu kombinieren, so edel anzuschauen, so nobel das Tragegefühl.

Ich war dann bei Selfmade, ehemals Stoff & Stil, wo ich online Seidenorganza gesehen habe und habe sehr spontan 2 x 2 m Organza gekauft, einmal in schwarz (das war der Plan) und einmal in olivgrün (gab es nur im Laden), die Haptik des Stoffes war identisch mit dem von New Tess, ich habe allerdings den Eindruck, dass der günstige von Selfmade beim Nähen mehr ausfranste. Er kostete die Hälfte, lag allerdings nicht so breit, ca. 100 cm. Einen Plan hatte ich nicht, für eine Bluse sollten 2 m sicher reichen.

Der Stoff lag eine Weile in einer Tüte herum. Kürzlich zeigte Rebekka (bei Instagram Gemeine Wildrebe) ihre Bluse aus dem Organza von New Tess, den sie am gleichen Tag dort gekauft hat wie ich meinen blauen Organza. Da ich sowieso gerade im Nähflow war, holte ich meinen Stoff aus dem Schrank, durchforstete die Schnittmusterhefte und fand diesen Schnitt in einer La mia Boutique vom April 2017. Meine Schnittteile konnte ich genauso wie unten auflegen trotz schmalerer Stoffbreite und problemlos zu einem Kleid verlängern, um die Stoffmenge optimal zu nutzen.


Auf dem Foto unten kann man den Volant nur erahnen. Wie ihr seht, gehört noch eine Hose mit Volant zu der Kombination. Sehr cool das Ganze. Eine Organzahose brauche ich jetzt nicht, aber der Schnitt schien mir hinreichend simpel (wenige Teilungsnähte) und doch besonders, um den Organza zur Geltung zu bringen.


An einem verschneiten Tag war ich fast fertig. Der Stoff ruft nach Sommer. Dieser Winter ist wirklich unendlich lang. Deswegen gibt es auch erstmal keine Tragefotos, denn alles, was ich darunter tragen könnte, ist in den Kisten auf dem Schrank und ich müsste eine Leiter holen und ziemlich räumen.

Hier das fertige Kleid auf dem Bügel. Ich habe mich nur teilweise an die Anleitung gehalten. Ein Beleg wurde zu einem weiteren kleinen Volant am Halsausschnitt vorne. Hinten schließt das Kleid mit einem Knopf statt einem Reißverschluss. Die Seiten- und Schulternähte sind als französische Naht gearbeitet. 

Das Rollsäumen hat beim Volant nicht geklappt, die gebogene Linie wollte nicht mitfassen, also habe ich mich bei allen Säumen und der Dreifachnaht Vorderteile/Volant für einen ganz engen Zickzackstich entschieden. Das gibt dem durchscheinenden Organza einen etwas robusten Abschluss. 

Noch Fotos von einigen Details, Knopf und Saumabschluss:




Wie trägt man nun so ein Soprabito? 

Meistens mit einem Slipdress darunter, ich habe ein anthrazitfarbenes Unterkleid, das könnte gehen. Es geht aber vermutlich auch mit Hose/Jeans und Shirt/Top in gleicher Basisfarbe.

Möglich ist auch ein Etuikleid, das schwarze, das ich auch unter dem blauen Soprabito in der Verlinkung trage, geht sicherlich. Auch das gemusterte schlicht geschnittene Top ist prima, es enthält ein ähnliches Grün, Rock/Hose muss ich dazu noch finden

Aber insgesamt finde ich, sind das einige Möglichkeiten. Wenn ich im Frühjahr/Sommer die Kisten mit der luftigen Kleidung hervorhole, kommen mir sicher weitere Ideen.

Zusammenfassung:

Schwierigkeitsgrad: da ich mich letztes Jahr bereits mit Organza beschäftigt habe, wusste ich auf was ich zu achten habe und was mich erwartet. Organza ist ein wenig steif, insofern nicht rutschig und flutschig wie Seide, das Nähen ist viel einfacher. Der gebogene Volant war schwierig, Rollsaum klappte garnicht, zum Glück funktionierte der enge Zickzackstich gut und hat keinen Stoff eingezogen. Der Schnitt ist an sich simpel.

Zeitaufwand: manchmal finde ich, das Kopieren eines Schnittmusters, das Anpassen (Abnäher verlegen, Weite kontrollieren, vor allem am Halsausschnitt) und der Zuschnitt brauchen mehr Zeit als das eigentliche Nähen, das war hier so.

Kosten: Grünes Garn hatte ich, Knöpfe auch, der Stoff kostete 35 Euro für 2 m

Herzlichen Gruß und anziehen werde ich das Teil - in welcher Kombi auch immer - hoffentlich bei Swissfrocktails, zu dem ich mich wagemutig angemeldet habe,

Anja


P.S. Ich hatte mein Organza Overlay jetzt in München dabei und am Tag nach den Munichfrocktails in dieser Kombination an:


Und nochmal ganz anders kombiniert habe ich das Organzaoberteil bei sommerlicher Hitze - wie tatsächlich oben bereits angekündigt - auf der MS Evolutie bei den Swissfrocktails getragen, einfach mit einem Unterkleid/Slipdress nach einem Burdaschnitt darunter:







Dienstag, 17. Februar 2026

Klassische Hemdbluse - mit einigen Hindernissen

Kürzlich hat Tina ihre Hemdbluse beim Me made Mittwoch präsentiert und ein Kommentar lautete, dass eine weiße Hemdbluse die Königsdisziplin beim Nähen sei. Und bereits letzten Sommer beim von Tina und Manuela initiierten Hemdblusenkleid-Sew-Along stieß ich im Vorfeld auf diese Bluse aus der damals frisch im Urlaub erworbenen La mia Boutique. Ich bin eigentlich keine Hemdblusenträgerin, die Kaufhemdblusen, die ich jemals hatte, sind im Wesentlichen ausgemistet, Kombination und Bügeln bereiteten mir Schwierigkeiten. Ich ziehe lieber dehnbare dünne Rollis an. Aber das Nähen einer derartigen Bluse hat mich damals doch irgendwie angefixt. So ganz normal klassisch sollte sie allerdings nicht sein, das gibt der italienische Schnitt mit Brusttaschen, Klappen, Riegeln, interessanter Knopfposition und Teilungsnähten zum Glück her.


Im August fand ich den richtigen Stoff auf einer Belgienreise bei The Fabric Sales, eine rotorangeterrakottafarbene Baumwollpopeline, die sich super anfühlte, vor dem Spiegel mit anderen Hemdstoffen deutlich besser abschnitt als andere Rottöne (Weiß kam eh nicht in Frage, Blau besitze ich noch/schon).

Die Größenentscheidung ist immer schwierig, bei einer Bluse neige ich dazu, mich am Brustmaß zu orientieren. Bei diesem Schnitt habe ich dabei leider außer Acht gelassen, dass der Schnitt Richtung Taille und Hüfte nicht gerade herunter geht, sondern - ähnlich wie bei Tinas Hemdbluse - eine Sanduhr bildet. Insofern war die erste Anprobe am Oberkörper ernüchternd. Da ich glücklicherweise noch Stoff hatte, habe ich an den Seiten zwischen Rücken- und Vorderteil Streifen eingesetzt, um Mehrweite zu gewinnen, am Ärmel hatte ich reichlich Nahtzugabe, so dass das Ärmelloch einigermaßen aufging.

Kragen, Manschetten (habe ich mit einem der zahlreichen Videos aus dem Internet gemacht), Säumen klappte dann nähtechnisch problemlos. Bis es an die Knopflöcher ging. Die wollte ich besonders ordentlich machen, klappte auch, wenn man von dem obersten vorne absieht. Nur leider habe ich die beiden Knopflöcher an der Manschette (wegen des Hinweises in dem Video, dass man sie nicht zu nah an den Rand machen soll, weil die Knöpfe dann ggf. unschön über den Rand hinaus ragen) zu weit nach innen genäht. Um das auszugleichen, sind die Knöpfe sehr weit außen, ich kann einigermaßen in den geschlossenen Ärmel schlüpfen, aber 1 cm Mehrweite wäre prima. Außerdem steht die Manschette auch ein wenig ab. Nun ja, aus Fehlern lernt man. Für neue Manschetten hätte mein Stoff nicht mehr gereicht, die Ärmel sind absichtlich etwas länger, das mag ich so, in diesem Fall führt es natürlich dazu, dass der Ärmel etwas staucht.



Zu den Knöpfen, ich wollte welche aus dem Bestand verwenden: An den Manschetten sind 4 identische weiße, die gleichen sind auf dem Riegel, vorne habe ich 4 orange aus der Kiste und 3 weiße in gleicher Größe verwendet, eine Alternative wären sicher bezogene Knöpfe gewesen, ich habe auch noch solche Rohlinge, habe aber das Beziehen nicht in bester Erinnerung. Auf das Outsourcen bin ich nicht gekommen, ich glaube, so einen Laden gibt es hier in Frankfurt auch.

 

Hinten habe ich mittig ein kleines silbernes Herz aufgenäht, aus irgendwelchen Ketten-Fädel-Restbeständen. Auf der blauen Kaufhemdbluse ist auch sowas, das sieht tatsächlich wertig aus. Könnte 2 cm tiefer sein, so verschwindet es fast unter dem Kragen (unter den Haaren sowieso), aber bei sowas geht es ja um das Wissen, dass da noch was Besonderes ist.



In die farblich passende, aber selten getragene Hose bin ich nach Fertigstellung der Bluse schnell zuhause geschlüpft, fühle mich nur semiwohl, das liegt an der Hose mit dem Gummizug, der hinten sichtbar ist.

Mit dem Rock ist das Gefühl schon deutlich besser. Ich durchforste weiter meinen Kleiderschrank nach Kombinationen, grundsätzlich kommen wahrscheinlich auch alle Trägerkleider in Frage.




Zusammenfassung:

Schwierigkeitsgrad: schwierig, in der La mia Boutique ist auch ein Hinweise "per esperte", das kann ich nur unterstreichen. Wenn ich nicht schon mehrmals einen Kragen genäht hätte und die Videos zur Manschette gehabt hätte, wäre ich verloren gewesen.

Zeitaufwand: etwa eine Woche, fast jeden Abend, immer ein bisschen, das Schnitt kopieren mit den vielen Teilen, dann der Zuschnitt, viele Nähte, Gedanken zur Anpassung, das brauchte seine Zeit

Kosten: 1,5 m Baumwollpopeline von The Fabric Sales, nicht mehr erhältlich, insgesamt 18 Euro, alles andere aus dem Bestand.

Herzlichen Gruß, Anja


Montag, 28. Juli 2025

Seidentaffetta A-Line Kleid

Als ich Ende Mai aus Italien zurück kam, durchblätterte ich online die Juni La mia Boutique, die ich in Deutschland leider nicht mehr im Bahnhof finde (in Mailand habe ich vergessen zu suchen). Sehr gut gefallen hat mir diese unten gezeigte Bluse. Im Übrigen habe ich auch in Mailand in der U-Bahn (da hat man Zeit, sich die gegenüberliegenden und herumstehenden Leute anzugucken) viele Blusen in sehr leichter, dünner Qualität (es war ja auch sehr heiß) gesehen, die sehr schlicht, geradlinig, aber mit irgendeinem Dekozeug vorne waren, keine Schluppen oder Schleifen, sondern andere Elemente. Ein bisschen auch wie in dem japanischen Nähbuch Pattern Magic, von dem es mehrere Bände ins Englische übersetzt gibt.


Da ich bereits mehrere Kleider/Blusen ohne Ärmel habe und ich lieber ein bisschen was über der Schulter habe, auch um Sonnenbrand zu vermeiden, fand ich die Miniärmellösung unten auch sehr schön.

Vernähen wollte ich die ca. 1,50 m Seidentaffetta in grünblau oder blaugrün, je nachdem wie das Licht fällt. Ein Rest, den ich mit 70 % Rabatt gekauft habe. Bei der Suche nach Taffettamodellen, stieß ich auf die Homepage von Katharina Hovman. Dort werden ausschließlich Modelle aus Taffetta angeboten, zeitlos, clean, ganz einfache Schnitte. A-Line gefällt mir sowieso, ein selbst erstelltes Schnittmuster hatte ich noch von einem anderen Kleid. Hinsichtlich der Länge war klar, dass ich aus 1,5 m bei meiner Körpergröße von 1,76 kein wadenlanges Kleid heraus bekomme. Reste wollte ich möglichst auch keine haben, weshalb eine Bluse suboptimal gewesen wäre.

Ich habe erstmal mit Ärmelformen experimentiert, auch mit Längen, bis ich die ideale Form als leichten Flügelärmel zugeschnitten hatte. Ein Miniprobemodell aus Bettlaken habe ich nur für den Ausschnitt und die Ärmelform erstellt. Außerdem habe ich mit den aufzunähenden Teilen experimentiert. Eine Variante wäre auch ein mit wattiertem Innenleben gewesen, aber das Wenden dieses Teils hätte mich bei der zu erwartenden größeren Anzahl überfordert. Ich bin schon eher faul, was Details angeht.

Der Zuschnitt verlief störungsfrei. Allerdings brauchte ich gefühlte Millionen von Probenähten, bis meine Nähmaschine den papierartig superdünnen und feinen Stoff ordentlich nähte. Ich musste sogar die Spulenspannung verstellen. Das musste ich nicht einmal bei dem Organza und bei der letzten Satinseide. Dann ging es an die Festlegung der aufzunähenden Stoffstreifen. Ich habe mich an der Vorlage orientiert, aber ein paar Elemente weniger aufgenäht. Dabei habe ich hin- und herprobiert. Da jeder Nadelstich sichtbar war, habe ich die Teile mit Tesafilm aufgeklebt, die Klammern konnte ich ja schlecht mittig auf dem Stoff platzieren. Aufgenäht habe ich später Pi x Daumen ohne zu stecken.


Überhaupt die Nadelstiche in dem Stoff, ein Drama. Selbst meine vor längerer extra für Seide gekauften superdünnen Stecknadeln hinterließen Löcher. Aber irgendwann waren alle Nähte zusammengenäht. Das Armloch musste ich nach der ersten Anprobe noch ein wenig vergrößern, ich fühlte mich eingeengt. Ggf. führt das dazu, dass der Stoff um die Brust spannt, auf dem Foto sieht es so aus, gespürt habe ich es nicht, im Gegenteil, es ist reichlich Platz und ich kann mich gut bewegen. 


Das Foto oben ist nach einer Zwischenanprobe entstanden, den Saum habe ich mit dem Blindstich genäht, an einigen Stellen etwas schrumpelig, weil durch die Rundung im Saum ein ordentliches Stecken mit dem großen Abstand zur Unterkante an den Seiten nicht möglich war. ein Handnähen hätte viel zu große Löcher hinterlassen, denn ich besaß keine Nadel, die derart fein wie die kleinste Microtexnadel war.

Mir kam dann oder eigentlich schon vorher der Gedanke, dass ich in den genähten Saum einen Gummi einnähen könnte, um die Kante unsichtbarer zu machen. Hier ein Bild der Anprobe, nicht perfekt gerafft, mit Klammern gehalten. Dazu habe ich mich vorher ein wenig mit Balenciaga beschäftigt und mir verschiedene Modelle aus den späten 50er Jahren angeschaut. Schon irgendwie cool und speziell. Aber im Endeffekt war mir das zuviel. Eine Abfrage auf Instagram ergab ein identisches Ergebnis, weswegen ich keinen Gummi eingezogen habe und auch kein Schrägband genäht habe, dass man bei Bedarf hätte ein- und wieder ausziehen können (mit so einem Stopper wie bei Kapuzen). Vermutlich hätte ich das nie genutzt und da habe ich mir diese Zusatzarbeit lieber gespart.


Bisher habe ich das fertige Kleid leider nicht  getragen, es ist für heiße Temperaturen gedacht, die wir zuletzt im Juni hatten, dafür dann wirklich perfekt wie alle dünnen Seidenkleider, so luftig und leicht. Mal sehen, ob es diesen Sommer noch etwas wird.

Zusammenfassung:

Schwierigkeit: der Schnitt, das Tüfteln, alles kein Thema, aber dieser Stoff war sehr empfindlich, sehr sehr sehr empfindlich

Kosten: ca. 1,5 m Seidentaffetta Rest von einer Rolle von New Tess, rabattiert um 70 % und bezahlt habe ich immer noch ca. 50 Euro, also handelt es sich wohl um einen sehr wertvollen Stoff.

Zeit: ich habe 2 Wochen lang immer wieder getestet und ein Wochenende zugeschnitten und genäht, aber natürlich auch noch ein paar andere Sachen gemacht.

Bei einem Spaziergang durch die Goethestraße entdeckte ich Mitte Juli  A-Linien Kleider von Valentino, für round about 3000 Euro, merkwürdige Farbe das eine und merkwürdige Schleifendrappage an beiden. In der ersten Folge der Great British Sewing Bee wurden auch mehrere genäht, überwiegend mit Falten, das war die Aufgabe, sehr schöne Exemplare, aber dafür hätte mein Stoff nicht gereicht und die Folge kam auch zu spät, mein Kleid war schon fertig.



Viele Grüße, Anja


Sonntag, 20. Juli 2025

Hemdblusenkleid Sew Along - Teil 4 - Finale

Mein Hemdblusenmanteljackenkleid ist bereits seit einer Weile fertig. Und ich habe es zu verschiedenen Anlässen in unterschiedlicher Kombination getragen. Ich bin sehr begeistert. Die Möglichkeiten sind riesig, ich fühle mich immer angezogen und gleichzeitig gut angezogen. Ich schwitze nicht, was an der Seide, aber vermutlich noch mehr an dem Nichts, was ich trage, liegt. Kein Gewicht, quasi kein Material, wind- und luftdurchlässig, perfekt für die Tage, an denen es auch am Arbeitsplatz sehr warm wurde. 


Oben zugeknöpft über einem Hemdchen, reingesteckt gefiel es mir nicht, theoretisch aber auch möglich, vielleicht mit einem anderen Rock oder einer Hose. Unten mit einem anderen Kleid, wo die Schleife seitlich etwas stört.



Ich habe spaßeshalber das Etikett von den Frocktails auf die Rückseite gestichelt, nur an den 4 Ecken mit wenigen Stichen, dann verknotet, leider hat sich das an Tag 3 bereits wieder abgelöst, mittlerweile ist es ganz abgetrennt. Das Organzateil wollte ich ursprünglich für die Frocktails zum Überziehen am Abend auf der Dachterasse nähen, fand aber keinen Stoff (das war noch vor dem Sew Along), hatte dennoch im Kopf, so etwas brauchen zu können. Den Stoff fand ich dann in Mailand, genäht war es schneller und einfacher als ich dachte. Details in Teil 2 und 3 des Sew Alongs.

Wenn ich geahnt hätte, wie einfach sich der Organza verarbeiten lässt und wie er sogar Fehler verzeiht, hätte ich mir noch eine andere Farbe mitgenommen, um ein ähnliches Kleid zu nähen oder eine Bluse oder eine Hose, Organza ist anscheinend im Kommen, was möglicherweise am Klimawandel liegt. Wer will bei den Temperaturen schon richtige Jacken anziehen?

Ganz unten seht ihr die aufgesetzten Taschen und die Knopfleiste. Noch weiter unten ein Bild der fake Manschetten. Fake deshalb, weil ich sie nachträglich angenäht habe und sie nicht offen sind. 



Nun noch Bilder von einem anderen "Unterkleid", wieder zugeknöpft - alles ist möglich. Und nur mit einem Slipdress darunter ginge auch (ich habe ein anthrazitfarbenes, das ich eigentlich als Unterkleid trage, das aber vom Material her Satin ist), wäre abendfein, ist noch auszuprobieren.




Es ist ein bisschen komisch, Blogposts erst zu veröffentlichen, wenn das Kleidungsstück schon längst fertig ist. Auch wenn ich anfangs dachte, hmm, entsteht da Zeitdruck durch die Planänderung, am Ende bin ich doch der Typ, der - wenn er etwas anfängt - es zeitnah fertigstellt. An dem erst verregneten Sonntag und den dann sehr heißen Wochenenden, gab es auch Sinn, in der Wohnung zu bleiben. Nur das Bügeln stellte wegen der Temperaturen eine Herausforderung dar.

Danke an Manuela und Tina für die Organisation. Das Finale ist ab heute bei Sie näht schon wieder ....

Zusammenfassung:

Schwierigkeitsgrad: eher schwierig, aber nicht so schwierig wie flutschige Seide, flutschige Viskose, flutschiger Jersey, der Schnitt war ja erprobt, Kragen, Blende nach eigenem Ermessen und damit keine Verständnisprobleme wie manchmal bei einem Schnittmuster

Kosten: 2 m Stoff zu je 38 Euro, 8 Knöpfe zu je 20 Cent, Garn, alles in allem ca. 80 Euro

Zeitaufwand: kann ich nicht genau beziffern, aber insgesamt habe ich mich mit dem Thema, dem Vorbereiten, der Stoffauswahl sehr lange beschäftigt, das Nähen ging dann innerhalb von 2 Wochen abends und am Wochenende

Weil im Vorfeld viele Fragen hinsichtlich der Kombinationsmöglichkeiten kamen, hier eine Auswahl, es geht sicher noch mehr.



Sommergrüße

Anja

P.S. Um das Thema Hemdblusenkleid noch weiter zu führen: ich habe beim Ausräumen des Kleiderschranks meiner verstorbenen Mutter im Winter ein Kleid gefunden, den Gürtel hatte ich schon mit einer anderen Tüte entsorgt, die Knöpfe wollte ich abtrennen. Bei näherer Betrachtung gefiel mir der Schnitt sehr gut. Der Stoff, vermutlich aus einer alten Übergardine genäht, jedenfalls definitiv kein Kleiderstoff. Ich habe es mit dem Ziel, es zu färben nach Frankfurt genommen. Vorletzte Woche habe ich Farbe gekauft und mit kochendem Wasser gefärbt. Alle Knopflöcher sind als Paspelknopflöcher gearbeitet, was für eine Arbeit! Das hätte ich bei meinem Organzakleid natürlich auch machen können.


Beim Färben weiß man nie, wie das Ergebnis wird: ich habe Ultramarinblau dunkel gekauft, erhalten habe ich ein jeansblaues Kleid, das mit der Zeit vermutlich immer heller wird, was mir gut gefallen würde.

Aber auch so ist es tragbar, insbesondere in der Doppel-Hemdblusenversion oben in der Collage.




Sonntag, 6. Juli 2025

Hemdblusenkleid Sew Along - Teil 3

Ich bin derzeit wirklich im Blogschreibe- und Nähmodus wie schon lange nicht mehr. Und natürlich habe ich flott an meinem Teil weiter gearbeitet. Nach dem letzten Treffen habe ich mich erstmal mit der Verarbeitung von Organza beschäftigt (wie Seide, also völlig machbar, da habe ich inzwischen Routine), außerdem verlangte mein Schnittmuster in Teilen leichte Einlage, kurz vor der Beschaffung (ich hatte nur weiß zuhause), kam der Hinweis, dass in der Couture auch Organza als Einlage verwendet wird, Christiane schickte mir noch eine Anleitung für ein Organzahemd aus der frisch erschienenen Juli Burda (Foto unten), wo ebenfalls auf Einlage verzichtet wird. Damit hatte sich der Ladenbesuch erübrigt.

Danke an alle, die mir Tipps gegeben haben.


Ich habe dann noch ein paar ähnliche Mäntel gegoogelt, um festzustellen, wie diese verarbeitet sind. Dabei fiel mir auf, dass meist deutlich einfachere Schnitte verwendet werden. Wozu soll ich eine Manschette machen, wenn diese irgendwie nicht notwendig ist? Der Kragen hingegen ist ein markantes Element der Soprabiti, die ich gesehen habe. In meiner Schnittsammlung ist eine bereits mehrfach genähte gut passende und ebenfalls als Überwurf geeignete Manteljacke. Unten die beiden Schnittmuster im Vergleich. Ich habe nun die Hauptelemente von dem Burdamantel, den ich bereits zweifach genäht habe und der gut passt, genommen, ohne Taschen, ohne Teilungsnähte. Die Ärmel hingegen verlängert und deren Form nach unten zulaufen lassen, außerdem einen großen Kragen, nochmal deutlich größer als im LMB Beispiel, ohne Steg allerdings. Ob ich Taschen nähe, wollte ich im Verlauf entscheiden, eher nicht, die werden bei diesem Teil kaum genutzt.

Hier seht ihr meine Schnittmuster, der neue Ärmel wird noch um ca. 11 cm verlängert. Ich habe mich für die untere Kragenform entschieden, die obere ist das Original, die mittlere dann doch zu groß. Von dem Kragen habe ich aus Bettwäsche ein Modell geschnitten und an den Hals gelegt. Auf den Kragensteg verzichte ich, da ich den Kragen auf der gesamten Breite an das Hauptteil nähen möchte.
Im Bild oben die geänderten Hauptteile, eine Mischung aus beiden Schnitten und oben ebenfalls ein Modell von Max Mara, vielleicht ist es das sogar, das ich im Frühjahr im Schaufenster gesehen habe. Denn ich will mir schon lange so etwas nähen, hatte aber nie das richtige Material.

Unten habe ich den Organza ordentlich vor dem Zuschnitt ausgebreitet. Damit er beim Schneiden nicht verrutscht auf einem Bettlaken. Zuerst habe nur die Vorderteile und das Rückenteil im Bruch zugeschnitten. Nach einigen Probenähten mit dem feinen Material wurden diese aneinander genäht. Danach habe ich den Ärmel zugeschnitten und die Länge definiert. Das funktioniert am besten, wenn der Körper angezogen ist, so dass ich bestimmen kann, wo mein Ärmel enden soll.


Die Knopfentscheidung habe ich erstmal vertagt, aber grundsätzlich wollte ich die schönen in der Farbe passenden und leicht changierenden Knöpfe aus dem Fabrikverkauf von Annette Görtz schon verwenden. Doch erstmal sehen, wie sich der teure und empfindliche Stoff verarbeiten lässt.


Unten seht ihr den Rohling mit bereits angenähten Ärmeln und aufgesetzten Taschen. Im Anschluss habe ich gesäumt, kein Rollsaum, ich fand es schön, unten eine sichtbare Kante zu haben. Des Weiteren habe ich mich entschieden, doch Ärmelmanschetten zu nähen. Dazu habe ich dieses wunderbare Video gefunden. Sprachlich ist es zwar etwas - nennen wir es - kurios, aber ich konnte prima folgen und mir wurde klar, wie akkurat man arbeiten muss.

Aus meinem dünnen Organza wollte ich allerdings keinen Schrägstreifen zuschneiden. Also habe ich den oberen Teil geschlossen gelassen und unten den Ärmel in 2 kleine Falten gelegt, diese fixiert und nach Gutdünken einem breiten Streifen zugeschnitten, dreifach gelegt und um die unteren Ärmel genäht - mit einem Teilstück, das sich über den anderen Abschnitt legt. Versteht man, was ich meine? Das ist sozusagen eine fake Manschette. Foto folgt, wenn alles fertig ist.


Großen Respekt hatte ich vor den Knopflöchern. Ich habe einige Probeknopflöcher genäht, die alle gut funktionierten und gut aussahen. Beim ersten richtigen Knopfloch habe ich leider aus Versehen an der Nähmaschine zu weit oder zu schnell gedrückt, jedenfalls merkte ich, dass ich einige Stiche des oberen Riegels statt der linken Raupe nähte: oh Gott. Aber zum Glück ließ sich das trennen. Vorher hatte ich gelesen, dass man unbedingt jegliche Nähfehler vermeiden soll, weil Nähte nicht aufgetrennt werden können und sich der zarte Stoff "zerlegt". Kann ich nicht bestätigen. Die Ränder fransten bei mir auch nicht aus. In diesem Fall war es einfacher, die Stiche zu trennen als kürzlich bei meinem Seidenkleid, wo ein Knopfloch auch nochmal gemacht werden musste. Das lag aber glücklicherweise unter der großen Schleife.


Beim Einnähen der Knopflöcher bin ich auch anders vorgegangen als sonst, da ich oft Schwierigkeiten mit gleichen Abständen habe. Ich habe mit einem Knopfloch zwischen den Brüsten angefangen und mich dann mit gleichem Abstand jeweils von der unteren Raupe in 12 cm Schritten vorgearbeitet. 

Ich glaube, es liegt mir eher, selbst etwas zu entwickeln als strikt nach einer Anleitung oder einem Schnittmuster vorzugehen. Ich habe eigentlich noch nie verstanden, warum in Schnittmustern die genaue Position der Knöpfe eingezeichnet ist. 

Jedenfalls bin ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Einen Probeknopf habe ich ebenfalls mit der Maschine aufgenäht. Und damit müssen jetzt noch 4 Knöpfe an die vordere Blende, 2 an die Manschetten und die restlichen 2 als Dekoration auf die Taschen genäht werden (dort dann mit der Hand. Im nachhinein denke ich, eine Rückenpasse wäre auch schön gewesen, aber zum Zeitpunkt des Zuschnitts wusste ich überhaupt noch nicht, wie sich der Stoff verhält. Da ich gelesen habe, so wenig Nähte wie möglich, habe ich die Passe weggelassen. 

Ich fand es im Übrigen auch viel einfacher französische Nähte in Organza als in anderem Stoff zu nähen, weil man genau sieht bis wohin der Stoff der vorherigen Naht liegt. Bügeln war auch einfach, alles in allem ein gelungenes Projekt, vor dem ich viel Respekt hatte.

Auch wenn mein Hemdblusenmantel fertig ist, zeige ich euch die finalen Bilder erst in 2 Wochen.

Wie weit die anderen mit ihren Projekten sind, zeigt Manuela von Twill und Heftstich ab heute auf ihrem Blog.

Liebe Grüße 
Anja