Sehr sehr sehr spontan habe ich letzten Freitag einen Schlenker gemacht. Eigentlich war ein Wanderwochenende in meiner alten Heimat angesetzt, aber die Wetterprognose war dürftig. Ich habe also im Web gesucht, wie ich den Aufenthalt abrunden kann und neben den Verabredungen und notwendigen Erledigungen die Zeit füllen kann. Donnerstag poppte mir auf Instagram eine Ausstellungseröffnung entgegen. Oft nervt Instagram, aber von dieser Ausstellung hätte ich ohne den Algorhythmus nicht erfahren. Donnerstag Abend im Kunstgewerbemuseum in Berlin. Hmm, das bedeutet eigentlich nur ein Umweg von ca. 2 Stunden, natürlich absurd viele Kilometer, aber auf manchen Teilabschnitten sind die ICE sehr schnell und für die Hinfahrt habe ich den Sprinter gewählt, der von Frankfurt bis Berlin durchfährt. Ich habe noch überlegt, ob ich irgendwen meiner Nähbekannten in Berlin informiere, aber ich wollte auch maximal flexibel bleiben, da ich Freitag Abend in Lippe erwartet wurde. Sorry an eine liebe Leserin, die die Ausstellung sicher auch besuchen und vielleicht beschreiben wird, sie wird sich hiermit angesprochen fühlen.
Ich habe mich im Zug über die Exponate und den Hintergrund ein wenig informiert. Den Namen Madame Grès kennen wir vermutlich alle, verbinden ihn mit Paris, mit Haute Couture, mit vergangenen Zeiten. Bewusst im Original habe ich noch keine Modelle von ihr gesehen und mich auch nicht mit dem Leben von Emilie Krebs, Mademoiselle Alix, Alix Barton, Alix Grès, Madame Grès - soviele verschiedene Namen und Marken - beschäftigt.
Madame Grès - als die sie am Ende in die Modegeschichte einging - wollte eigentlich Bildhauerin werden und das wird in ihren Modellen sehr deutlich. In der Ausstellung werden einige von ihnen Skulpturen gegenüber gestellt. Die Ähnlichkeit ist frappierend.
Spannender fand ich an der Ausstellung jedoch die Gegenüberstellung mit modernen Entwürfen von Modestudenten. Deren Ideen überzeugten mich sehr und daher habe ich ihnen auch mehr Aufnahmen gewidmet.
Dekonstruierte Hemden, Kleider, Faltenwürfe, Plissee, Stick, Blechornamente. Erläutert wurde jeweils der Bezug zu Madame Grès, die Ähnlichkeit oder der Kontrast, das Material oder das genaue Gegenteil davon. So kann man natürlich eigentlich immer eine Verbindung herstellen. Überrascht hat mich im Übrigen, dass Grès mit Jersey gearbeitet hat. Bei Plissee hätte ich das nicht erwartet. Aber die Falten sind nicht eingebrannt, sondern eingenäht.
Die Falten werden alle mit der Hand gelegt und fixiert, um zu halten, was für eine Arbeit. In den fließenden plissierten Kleidern steckt unfassbar viel Stoff. Im Rock oben über 8 m, im Oberteil fast 3 m. Verwendet wurde Jerseyseide, ein Material, das mir im Stoffladen noch nicht begegnet ist.
Auf bald, lieben Gruß, Anja












