Donnerstag, 21. Mai 2026

Frühlingsjäckchen Knit Along - FJKA - Overlay gehäkelt - Zwischenstand und fertiges

Ich habe im Urlaub im April ein einfaches und wunderbares Oberteil gesehen, das jedes schlichte Kleid aufpeppt. In einer kleinen Boutique, die lauter Designs aus handgewebten Stoffen herstellt, alles sehr durchdacht, klare, dennoch besondere Designs in einer Verarbeitung, die ihresgleichen sucht. Fast jedes Stück in dem kleinen Laden hat mich geflasht, weil die Besonderheit im Detail lag: der eingearbeitete Wollfaden, die anders gewebte aufgesetzte Tasche, die Fransenabschlüsse - innen alle Säume mit Hand und alle Innennähte mit Schrägband.

Spannend fand ich ein einfaches Overlay/Poncho, das Original ist aus Makramee. Leider habe ich kein Foto, ich wollte in dem Laden keine Fotos machen, weil ich die ganze Zeit im Gespräch mit der Designerin war. Ich hatte die Hoffnung auf der Website etwas zu finden. Dem ist nicht der Fall.

Ich habe noch Garnreste aus grüner Baumwolle, aufgeribbelt von einem ehemals gestrickten Pullover (ebenfalls aus einem FJKA) - das über einem schwarzen schlichten Kleid wäre eine Augenweide. Makramee habe ich noch nie gemacht, würde vermutlich dekorativer aussehen, aber bevor ich mich einarbeite und das Ganze dann auch noch ohne eine gescheite Anleitung für ein Oberteil, habe ich Google befragt, ob es irgendeinen löchrigen Poncho gibt.

Gibt es: Angel Wings von Drops

Das ist mein Plan, ich habe mir die Anleitung ausgedruckt, die Häkelnadel bereit gelegt (der Lochponcho wird gehäkelt, quasi nur mit Stäbchen und Luftmaschen, alles easy peasy) und das Baumwollgarn ebenfalls rausgesucht. Ich hoffe, den Zeitplan noch einhalten zu können. 

Ich habe mich nach dem Sichten der anderen Beiträge auch auf der Seite der Initiative Handarbeit umgeschaut, sehr schöne Sachen gibt es dort. Mir gefällt auch das Top Maren. Das grüne Baumwollgarn würde dafür nicht reichen. Und ansonsten habe ich nur Wollreste, die Richtung Winter gehen.

Ich habe irgendwann nach dem 2. Termin des FJKA angefangen zu häkeln und bin nach ca. zwei Wochen fertig geworden, überwiegend bei Fahrten in der U-Bahn und teils die langen Reihen zuhause fertig gemacht. Auf die letzte Reihe der Anleitung habe ich verzichtet, d.h. ich habe 8 Reihen gehäkelt und am Ende noch einen Mäusezähnchenabschluss gemacht. Habe noch ein wenig überlegt, ob ich Fransen dran mache, aber das wäre etwas zuviel gewesen. Ein wenig erinnert das Ganze an eine umgehängte Häkeltischdecke in Groß (musstet ihr in der Grundschule früher auch diese Häkeldeckchen zum Muttertag fertigen? Niemand brauchte sowas, aber sie lagen überall in meinem Elternhaus herum). Ein Kettenhemd für Ritter wird eventuell auch so gemacht - aus anderem Material. Nun ja. Ich war kreativ, es gefällt mir mit dem schwarzen Kleid, ein blaues einfarbiges habe ich auch. So sieht der Poncho aus, noch ungebügelt:

Hier die Fotos vom angezogenen Zustand, das schwarze Kleid ist noch von meiner Mutter genäht, vor mindestens 50 Jahren oder mehr, es gibt auch noch ein passendes Jäckchen. Ich trage das Kleid seit einigen Jahren immer mal wieder zu Anlässen:




Damit reihe ich mich - wenn auch verspätet - in den FJKA 2026 ein und verblogge es noch bevor die Zeit abläuft. Bin mir nicht sicher, ob es passt, aber Poncho, gehäkelt, allerdings schnell und einfach und sehr im Übergang zu Accessoire.

Eine schöne Zeit, lieben Gruß, Anja


Dienstag, 19. Mai 2026

Many shades of Grès


Sehr sehr sehr spontan habe ich letzten Freitag einen Schlenker gemacht. Eigentlich war ein Wanderwochenende in meiner alten Heimat angesetzt, aber die Wetterprognose war dürftig. Ich habe also im Web gesucht, wie ich den Aufenthalt abrunden kann und neben den Verabredungen und notwendigen Erledigungen die Zeit füllen kann. Donnerstag poppte mir auf Instagram eine Ausstellungseröffnung entgegen. Oft nervt Instagram, aber von dieser Ausstellung hätte ich ohne den Algorhythmus nicht erfahren. Donnerstag Abend im Kunstgewerbemuseum in Berlin. Hmm, das bedeutet eigentlich nur ein Umweg von ca. 2 Stunden, natürlich absurd viele Kilometer, aber auf manchen Teilabschnitten sind die ICE sehr schnell und für die Hinfahrt habe ich den Sprinter gewählt, der von Frankfurt bis Berlin durchfährt. Ich habe noch überlegt, ob ich irgendwen meiner Nähbekannten in Berlin informiere, aber ich wollte auch maximal flexibel bleiben, da ich Freitag Abend in Lippe erwartet wurde. Sorry an eine liebe Leserin, die die Ausstellung sicher auch besuchen und vielleicht beschreiben wird, sie wird sich hiermit angesprochen fühlen.

Ich habe mich im Zug über die Exponate und den Hintergrund ein wenig informiert. Den Namen Madame Grès kennen wir vermutlich alle, verbinden ihn mit Paris, mit Haute Couture, mit vergangenen Zeiten. Bewusst im Original habe ich noch keine Modelle von ihr gesehen und mich auch nicht mit dem Leben von Emilie Krebs, Mademoiselle Alix, Alix Barton, Alix Grès, Madame Grès - soviele verschiedene Namen und Marken - beschäftigt.

Madame Grès - als die sie am Ende in die Modegeschichte einging - wollte eigentlich Bildhauerin werden und das wird in ihren Modellen sehr deutlich. In der Ausstellung werden einige von ihnen Skulpturen gegenüber gestellt. Die Ähnlichkeit ist frappierend.

Spannender fand ich an der Ausstellung jedoch die Gegenüberstellung mit modernen Entwürfen von Modestudenten. Deren Ideen überzeugten mich sehr und daher habe ich ihnen auch mehr Aufnahmen gewidmet.

Dekonstruierte Hemden, Kleider, Faltenwürfe, Plissee, Stick, Blechornamente. Erläutert wurde jeweils der Bezug zu Madame Grès, die Ähnlichkeit oder der Kontrast, das Material oder das genaue Gegenteil davon. So kann man natürlich eigentlich immer eine Verbindung herstellen. Überrascht hat mich im Übrigen, dass Grès mit Jersey gearbeitet hat. Bei Plissee hätte ich das nicht erwartet. Aber die Falten sind nicht eingebrannt, sondern eingenäht.


Unten ein Zweiteiler mit Maske, ein moderner Kontrast zu den weichen fließenden Gewändern von Madama Grès. Harte Kanten, architektonische Strenge, brutalistisch aufgebrochene Züge als Gegenteil von dem, was in den Modellen der Grès zu finden ist.



Im modernen (oben) und originalen (unten) Ensemble ist klar, wie der Bezug zwischen dem studentischen Entwurf und dem Original gedacht ist. Skizzen, Fotos usw. begleiteten die Modelle. Leider war der Raum sehr dunkel gehalten. Mich nervt immer, wenn es dunkel ist und man sich tief bücken muss, um Texte zu lesen. Aber so ist es leider ganz oft, wenn Kleider auf Figurinen ausgestellt sind.


Die Falten werden alle mit der Hand gelegt und fixiert, um zu halten, was für eine Arbeit. In den fließenden plissierten Kleidern steckt unfassbar viel Stoff. Im Rock oben über 8 m, im Oberteil fast 3 m. Verwendet wurde Jerseyseide, ein Material, das mir im Stoffladen noch nicht begegnet ist.




Oben 3 moderne, unten originale Kleider. Das Oberteil werde ich mir eventuell versuchen nachzuarbeiten, der Faltenwurf ist wirklich toll. Ich wollte mich sowieso einmal mit Drapieren beschäftigen.


Das weiße Modell unten ist eigentlich superschlicht, einfache Bahnen, die in der Taille hochgeschoppt werden. Bei diesen Modellen wurden transparente Stoffe als Overlay verwendet, mag ich sehr.



Eine tolle Rückenansicht einer studentischen Arbeit, leider konnte man in der Ecke die Vorderansicht gar nicht anschauen, Spiegel wären hilfreich gewesen. 



Zuletzt das Berlin Späti Modell mit Brustpanzer und - als spezielles Merkmal von Berlin - angeranztem und zerrissenen Stoff. Abendgarderobe der etwas anderen Art. Madame Grès hat in dieser Abteilung Modelle mit Pailletten, Steinen und aufwändigem Stick gezeigt.

Eine kleine feine Ausstellung, die noch bis Oktober andauert. Sehr genossen habe ich die Leere in den Räumen, die Lage am Tiergarten, durch den ich noch bis zur Weiterfahrt spaziert bin.

Auf bald, lieben Gruß, Anja