Donnerstag, 26. März 2026

SCART - die schöne und nützliche Seite von Müll

Ich habe einige Tage in Triest verbracht und bin gleich am Anfang auf dem Weg vom Bahnhof zu meinem Zimmer an der alten Pescheria vorbeigekommen. Durch die großen Fenster konnte ich sehen, dass drinnen Kleider hingen. Nicht nur Kleider, sondern auch riesige Roboter, die interessierten mich aber weniger. Von dem Projekt SCART, das es schon seit über 20 Jahren gibt, hatte ich noch nie gehört. Wenn ihr in der Verlinkung nach ganz unten geht, gibt es den Bereich Fashion, wo noch mehr dazu steht. Irgendwie kann man es auch ins Englische umstellen. Im wesentlichen geht es darum, Müll sinnvoll weiterzuverwenden - ihn zu Kunst zu verarbeiten. In einem Video wurden auch junge Menschen gezeigt, die auf dem Recyclinghof mit Plastikhandschuhen den Müll, der gerade abgeladen wird, durchwühlen, um Dinge zu finden, die sie verwenden können. Und man kann viel verwenden, sehr viel. Mich würde interessieren, ob es so etwas auch in Deutschland gibt. Es wäre richtig cool, wenn die verschiedenen Ausstellungen, die offensichtlich bereits seit Jahren durch Italien touren, bekannter würden.

Wenn man in die Halle hineintritt, sieht es erstmal so aus, es sind gar nicht viele Kleider, aber jedes Einzelne ist ein Unikat. Deswegen habe ich diesem Post auch ziemlich viele Fotos beigefügt. 


Der Rock unten aus zerquetschten blauen Plastikflaschen:


Gefärbte gefundene Federn, an das Material des linken Kleides erinnere ich mich nicht mehr:


Lauter gefaltete Kassenzettel:


Die Rückansichten der meisten Kleider waren auch sehenswert, hier ein Beispiel, links das Kapselkleid, in der Mitte das Legokleid, rechts das Dosendeckelkleid.


Oben wurden Fischernetze, Korkreste und anderer Krimskrams verarbeitet, unten genauso, wenn man auf dem Kleid unten genau schaute, entdeckte man auch Tasten von Computern, Metallzeug, alte Knöpfe, Fransen, Ringe, alles mögliche. Der Rock ist aus Textilresten gearbeitet.
Mein Favorit unten rechts: das Crodinokleid, aus lauter Deckeln von kleinen Crodinofläschchen, ich mag den alkoholfreien Aperitiv sehr gerne. Das Kleid links besteht aus ineinandergefügten Abreißdingern von Dosengetränken. Viel Arbeit steckt in dem Verbinden der Elemente durch kleine Ringe.

Unten nochmal das Kassenzettelkleid sowie ein Kleid, das aus puscheligen rot eingefärbten Schmusetieren zusammengesetzt ist, vermutlich Produktionsüberhang.



Im Kleid oben wurden lauter Muster einer Textilkollektion miteinander verarbeitet, unten Schläuche, für einen Fahrradschlauch etwas zu breit an einigen Stellen, vermutlich ein Mischmasch von alten Schläuchen unterschiedlicher Fahrzeuge.


Ganz in Rot: unterschiedlichstes Zeug zu einem Kleid verbunden und dekoriert:



Das Kaffeekapselkleid hat mich auch sehr beeindruckt. Ich erinnere mich, dass meine Tochter bereits im Hort mit alten Kapseln gebastelt hat, wenn man sich überlegt, wieviele Kaffeekapseln jeden Tag verbraucht werden und im Müll landen, Horror!

Oben zwei kostümartige Kleider aus unterschiedlichem Zeug in einheitlicher Farbe, unten wurden alte Plastikhandschuhe gefärbt, aufgerauht, irgendwie verwandelt und miteinander verbunden, sehr cool:



Und zu guter Letzt ein Kleid aus übrig gebliebener oder abgehängtem Absperrband. Sind diese Ideen nicht allesamt der Hammer? Bei manch einem dieser Kleider habe ich gedacht, wow, absolut tragbar für eine Party. In Gedanken war ich noch ein bisschen bei Munichfrocktails, dort hätte man so etwas wirklich anziehen können. Einen Extrabericht zu den Frocktails werde ich allerdings nicht machen, ich habe einfach nur den Abend genossen, getanzt, getrunken, geredet und kein einziges Foto gemacht.

Herzlichen Gruß, Anja


Donnerstag, 5. März 2026

Organzabluse abgewandelt - La mia Boutique - Me made Mittwoch

Upps, das ging schnell. Montag Abend habe ich in geselliger Online-Runde den Stoff zugeschnitten. Dienstag und Mittwoch Abend genäht und heute bei Sonnenlicht schnelle Indoor-Fotos gemacht. Anziehen kann man die Bluse bei den Temperaturen freilich noch nicht. So nehme ich dann auch mal wieder beim Me made Mittwoch teil. Der gerät immer mehr in Vergessenheit aus unterschiedlichen Gründen.

Es ist im Wesentlich das gleiche Modell wie dieses in diesem Post ausführlich beschriebene Teil. Selbst der Stoff ist am gleichen Tag in gleicher Menge beim gleichen Händler gekauft worden. Schwarz war geplant, im Endeffekt bin ich aber mit der anderen Farbe, Olivgrün, glücklicher. 

Vor der Fertigstellung habe ich noch überlegt, ob ich die Nähte in kontrastierender Farbe nähe, Rot zum Beispiel, habe es dann aber doch gelassen. Einfarbig lässt sich doch besser kombinieren.

Was habe ich anders gemacht als beim Organzakleid: die Länge ist die Originallänge der Bluse. Ich habe mehr Nahtzugabe geschnitten, weil ich das bei dem Überkleid aus Organza für französische Nähte knapp fand - die Bluse ist auch deutlich weiter geworden als das Kleid, fast ein bisschen mehr als ich wollte. Schon beim Auflegen auf den Stoff war klar, dass ich deutlich mehr Weite eingeplant hatte, vorstellen kann man sich das dann aber erst bei der Anprobe. Ich habe einen zusätzlichen Volant auf der anderen Seite eingesetzt, allerdings nicht über den Ärmel, sondern nur im Vorderteil über Eck. Man kann das auf den Fotos alles sehr schlecht erkennen. Das ist auf dem Foto des Originals im Schnittmuterheft in marineblau aber auch so. Dunkle Farben lassen sich einfach schlecht fotografieren.  Außerdem ist der Ärmel ohne Volant erheblich länger und weiter als im Originalschnitt. Ich habe jetzt nicht nur eine asymmetrische Form, sondern auch einen Längenunterschied. Die Volants hängen über den Saum schräg hinaus, es bilden sich unten also zwei Zipfel.


Ach ja, hinten habe ich diesmal die vorgesehene Teilungsnaht gelassen. Das hat die Knopfverschlusslösung vereinfacht. Das Original sieht einen Reißverschluss vor, wegen meiner Mehrweite hätte ich bei dieser Bluse vermutlich gar keinen Verschluss gebraucht. Aber auch das wusste ich vorher nicht. Schlimmer wäre es gewesen, wenn das Halsloch zu eng wird.


Ich habe die Bluse oben über einer Jeanslatzhose angezogen, unten über einer normalen Jeanshose:



Im Sommer gibt es sicher noch weitere Tragevarianten mit leichterer Kleidung, die noch in den Kisten verstaut ist. Aber grundsätzlich gefällt mir der Bruch, feiner Organza, derber Denim.

Die Bluse ist allerdings noch nicht fertig:

Der Beleg hinten und die Nahtzugabe am vorderen Beleg sind noch nicht befestigt. Auf diesem Foto wollte ich euch eigentlich auch noch den schönen Knopf, vermutlich Original 60er Jahre, zeigen, den ich aus dem Bestand meiner Mutter übernommen habe, der hier einen Ehrenplatz bekommen hat. Ebenfalls aus dem Bestand meiner Mutter sind die schwarzen Pailletten, die ich noch aufnähen werde, um die Belege zu befestigen, um Effekte an Vorder-/Rückenteil und an den Volants zu gestalten. Vermutlich mache ich das wieder freestyle wie mit den Perlen an dieser Bluse. Dafür nehme ich mir irgendwann Zeit.

Für die Kosten, den Schwierigkeitsgrad können einfach alle Angaben aus dem Post des Kleides übernommen werden. Zeit habe ich deutlich weniger gebraucht, weil der Schnitt kopiert war und ich im Organzanähen "drin" war und alles so übernommen habe wie vor 2 Wochen.

Gezeigt auf letzte Minute beim Me made Mittwoch im März, auch, um Manuela einen Eindruck zu verschaffen, die schon auf Bilder gehofft hat, das grüne Organzakleid nehme ich mit zu den Munichfrocktails und trage es dort nun über winterlicher Kleidung. Ein Foto packe ich dann in den alten Post von vor 2 Wochen. Hoffentlich treffe ich viele von euch in München....

Lieben Gruß, Anja

P.S. Die Bluse habe ich nun doch bei den Munichfrocktails getragen, hier in der Runde mit den Nähdels, meiner virtuellen Nähgruppe:


Unten in der Runde derjenigen, die bereits bei Milanfrocktails gewesen sind:



Mit meiner Freundin aus München, die am Samstag entschieden hat, zu kommen und noch etwas auf die Schnelle genäht hat:

Und auf der Weiterfahrt noch einmal in anderer ebenfalls eher winterlicher Kombination: