Als ich im März in Italien war, zeigte Anna von Oh Chiffon (früher Blog, jetzt Instagram) ihr neu erworbenes Heft der Cartamodelli, wir haben ein wenig getextet, ich habe bisher immer La Mia Boutique gekauft und sie hat mich überzeugt, auch mal die Cartamodelli auszuprobieren, sie sei frischer, moderner. Tatsächlich war die La Mia Boutique früher interessanter, das ist mir auch im Laufe der Jahre aufgefallen, das April Heft war noch nicht da, also habe ich das aktuelle Heft der Cartamodelli gekauft. Interessanter als Burda finde ich sie allemal, das liegt allerdings möglicherweise auch daran, dass manche Trends immer mit einem Jahr Zeitverzögerung in Deutschland ankommen.
Aus dem April Heft hat mich sofort der Trenchrock angesprochen. Vor allem, weil ich einen gut geeigneten Stoff aus einem zurückliegenden Stoffverkaufstag bei Annette Görtz herumliegen hatte, mein ältester Stoff aus 2023. Im Laden sah er weinrot aus, draußen dann eher braun. Ursprünglich für eine Hose gekauft, dann für eine Jacke als geeigneter befunden (Sybille von Feovogt bei Instagram hat daraus eine Bomberjacke genäht). Und nun wird es ein Rock, aber ein Trenchrock, für den ein Jackenstoff ja genau richtig sein dürfte. Ich hatte ca. 2,3 m, das entsprach der Stoffmenge, die benötigt wurde und die ich letztendlich auch komplett verbraucht habe. Der Stoff hat eine Köperbindung, die genaue Zusammensetzung ist bei Annette Görtz Stoffen nie bekannt, ich könnte noch eine Brennprobe machen. Aber solange die Stoffe haptisch angenehm und wertig sind, verzichte ich darauf meist.
Weiteres Material wollte ich nicht kaufen. Vor allem, weil meine Knopfkiste immer noch aus der Karstadt Auflösung gut gefüllt ist. Allerdings fehlte die richtige Farbe, man braucht hier 8 große Knöpfe. Dann kam mir die Idee, die Knöpfe zu mischen. Es gab einige, die zum Stoff passten, andere, die kontrastierten, die eine gute Größe hatten und die außerdem zusammen irgendwie gut aussahen. Das Problem: der Durchmesser schwankte zwischen 2,4 und 3,2 cm. D. h. ich musste für 3 verschiedene Knopfgrößen Knopflöcher machen. Die im Idealfall auch noch gut aussehen, also am besten Paspelknopflöcher. Dazu 2 Paspeltaschen mit Klappe. Viel zu tun, ein neues Slow-Sewing Projekt.
Unten eine Auswahl der Knöpfe: es sind jetzt 2 schwarze Knöpfe von Karstadt, 2 riesige grüne aus der Knopfkiste meiner Mutter (mglw. abgetrennt von einem grünen Mantel, den ich in meiner Jugend getragen habe und der von meiner Tante kam - Original 60er, ein Traumstück, den ich supergerne mal nachnähen würde), 3 graue dicke Knöpfe, die an meinem ersten Businesskostüm waren, das meine Mutter 1992 für mich genäht hat und 2 weitere Knöpfe, deren Herkunft ich nicht klären kann.
Da ich generell wenig Lust habe, Probeteile zu nähen und auch Probeknopflöcher oft nicht den gewünschten Erfolg bringen, habe ich mich an Richtwerten für Paspelknopflöcher aus dem Internet orientiert, die die Länge und die Dicke der Knöpfe berücksichtigen und so die Maße festgelegt. Das einmal außen und auch noch innen. Dort habe ich die Löcher mit einem rostroten Baumwollstoff unterlegt und dabei einen Denkfehler gemacht. Da der Stoff viel dünner ist als der Originalstoff, habe ich die Löcher etwas kleiner gemacht - in der Annahme, dass der dicke Stoff sich schlechter durch das Loch ziehen lässt als der dünne Stoff und ich am Ende die gleiche Lochgröße habe. Leider war dem nicht so. Die inneren Knopflöcher sind teils zu klein. Bei einem Knopfloch (oben links, siehe Foto) so sehr, dass ich den geplanten Knopf wieder abgetrennt habe und einen kleineren Ersatzknopf verwendet habe. Bei allen anderen Knopflöchern geht es gerade so, die muss ich auch nicht ständig auf- und zumachen, so dass ein enges Knopfloch zu ertragen ist. Im Endeffekt hätte ich mir natürlich auch einige Knopflöcher sparen und die Knöpfe nur zur Dekoration aufnähen können. Aber Paspelknopflöcher üben schadet ja nie. So viel Erfahrung habe ich damit nicht und ich umgehe sie gerne, wenn es möglich ist. Nachträglich habe ich dann ausgerechnet, dass sich durch diese 8 Knopflöcher die Anzahl meiner genähten Paspelknopflöcher verdoppelt hat. Es ist noch Luft nach oben, aber durch die vielen Knopflöcher diesmal sinkt meine Hochachtung. Übung macht eben doch den Meister.
Einen weiteren Fehler habe ich an der einen Paspel für die Tasche gemacht, sie ist zu knapp eingenäht. Ich dachte, das es schon reicht, aber beim Einklappen sieht man Fäden, Auftrennen und neu Einnähen bei einem vorhandenen Einschnitt finde ich schwierig, also habe ich die Ecke mit einem Gadget von den Munichfrocktails überdeckt. Nicht der Aufnäher, den man oben auf dem Bild sieht, sondern letztendlich en kleines rundes silbernes Ding mit dem Text "Handmade".
Dann hat meine Spule verrückt gespielt, die Fadenspannung stimmte weder oben noch unten, ich habe mindestens eine Stunde Probenähte gemacht, die Maschine geölt, anderes Garn verwendet, die Nadel ausgetauscht bis ich wieder einigermaßen mit dem Nahtbild zufrieden war. Insofern habe ich auf allzu viele Steppnähte verzichtet. Anfangs hatte ich noch die Idee alles mit Grau zu betonen, habe dann aber doch braunes Garn gefunden. Ich werde wahrscheinlich beim nächsten Auspacken der Maschine noch vorne an der Knopflochleiste eine Ziernaht aufsteppen, damit der Beleg besser hält. Bei den Knöpfen reicht der Abstand zur Kante nicht und das Teil ist ja auch verdeckt.
Zu guter Letzt habe ich beim Gürtel vergessen, ein Band zum Wenden einzunähen. Demzufolge hat das Wenden und Rausziehen des beidseitig mit Vlieseline bezogenen Gürtels auch etwa 1 Stunde gedauert. Auf die Schnalle mit Dorn verzichte ich, ich verwende einen vorhandenen in der Größe passenden Schieber. Das Üben der Gürtelerstellung spare ich mir für die Zukunft auf.
Ich habe viel gelernt bei diesem Projekt, insofern sind Fehler ja auch gut.
Trenchröcke gibt es auch zu kaufen, hier ist dem Rock ein ganzer Artikel gewidmet, das war bereits 2025, gesehen habe ich solche Röcke bisher nirgends. In der U-Bahn fällt mir auf, dass jetzt ganz viele Trenchjacken tragen. Die gab es auf dem Titelbild der Märzausgabe der Cartamodelli.
Die Anprobe ergab, dass die Weite gut passt (das habe ich vorher ausgemessen, lt. Größenangabe für das Schnittmuster wäre es eigentlich ein wenig zu eng), aber der Rock ist viel zu lang. Ich bin 176 cm groß und die Länge lt. Schnittmuster ginge bei mir bis zur Schuhsohle. Ich habe dann 11 cm gekürzt, um auf Knöchellänge wie auf dem Bild zu kommen. Als alles zusammengefügt war, habe ich nochmal an den Seitennähten und der hinteren Mittelnaht Korrekturen vorgenommen und je ca. 1 cm, also doch insgesamt in der Taillenweite 6 cm reduziert. D. h. der Schnitt ist ein bisschen arg groß.
Mit dem fertigen Rock bin ich trotz der Vorgeschichte und des suboptimalen Zustands der Knopflöcher und des Innenlebens (Taschenbeutel, Taillenbeleg usw., alles nur mit Zickzack abgesteppt, aber unsichtbar) zufrieden. Form, Länge, Stylingmöglichkeiten gefallen mir. Er ist ebenfalls fahrradtauglich dank des Schlitzes hinten. Leider beginnt nun die Jahreszeit, wo vermutlich dünnere Stoffe zum Einsatz kommen, aber an kühlen Sommertagen geht das Material auch.
Zusammenfassung:
Schnittmuster: Im Vergleich zur La Mia Boutique (und auch zur Burda) schneidet das Papierschnittmuster schlechter ab, das Blatt war dichter bedruckt, die Linien dünner und schlechter kopierbar, es gibt weniger Größen, die Knöpfe und Knopflöcher sind bei allen Größen an gleicher Stelle, für die Gürtelschlaufen muss man die Position selbst bestimmen, alle rechtwinkligen Teile muss man selbst zeichne), das ist alles machbar, ist mir aber aufgefallen.
Die Anleitung ist viel weniger strukturiert als bei La Mia Boutique, wo ich mit der italienischen Anleitung gut zurecht komme. Ok, hier ging es gleich mit der Paspeltasche los, ich habe irgendwo aufgegeben und nach Gutdünken genäht, was dazu führte, dass ich mit den Belegen oben ein Problem hatte, da ich vorher die Knöpfe angenäht und die Knopflöcher gemacht hatte, ich konnte den Beleg nicht mehr gescheit umklappen. Insgesamt scheinen die Schnitte schwieriger zu sein (viele Paspel-/Leistentaschen), aber eine Einstufung auf Basis eines Stern- oder Punktesystems fehlt.
Anna von Oh Chiffon interessierte sich für die Passform: ich habe Weite und Länge heraus genommen. Und das bei einem Rock (normalerweise gebe ich immer Weite und Länge zu, vor allem an Taille und Bauch), ich habe keine Standardfigur und passe immer irgendwas an, insofern würde ich bei Cartamodelli alle Maße kontrollieren bevor ich einen Stoff zerschneide.
Zum Schnitt selbst: wenn ich vorher drauf geachtet hätte, hätte ich die Knopflöcher einen Tick weiter unten positioniert, das oberste ist halb unter dem Gürtel, auf dem Foto verdeckt das Model diesen Bereich, außerdem hätte ich die Knopflöcher weiter nach innen gelegt. Das kann natürlich daran liegen, dass ich deutlich größere Knöpfe habe als vorgesehen (teils 3,2 statt 2,4 cm Durchmessen, insofern ist bei mir alles dicht an die Kante gerutscht).
Schwierigkeitsgrad: Schwierig, ich habe es mir durch die Knopflöcher noch etwas schwieriger gemacht.
Zeitaufwand: Für meine Verhältnisse lange, insgesamt immer mal wieder innerhalb von 2 Wochen. Viel Handarbeit. An sich hätte ich auch die Belege und den Saum mit der Hand genäht, aber dazu hatte ich am Ende keine Lust mehr.
Kosten: Ich erinnere den Meterpreis nicht mehr, vermutlich irgendwo zwischen 6 und 10 Euro, also für alles 15 bis 25 Euro.
Das war jetzt eine Menge Text, es gab auch mehr als sonst zu schreiben.
Viele Grüße, Anja


















































