Montag, 16. Mai 2022

NähFrauenReise - meine Eindrücke!

Ein herrliches, aber auch recht vollgepacktes Wochenende war das NähFrauenReise Wochenende vor einer Woche. Zwischen 22 und 24 Frauen aus Deutschland und Österreich haben sich in unterschiedlicher Konstellation (eine nur am Freitag Abend, andere Freitag und Samstag, andere nur Samstag, andere Freitag, Samstag Nachmittag und Sonntag und andere von Freitag bis Sonntag Spätnachmittag - jede, wie es ihr passte) in Frankfurt getroffen. Die Gruppengröße war optimal, um mit jeder irgendwie ins Gespräch zu kommen. Wie das auf solchen Treffen so ist, das gemeinsame Hobby dominiert die Gespräche, Alter und Beruf spielen keine Rolle. Einige Frauen kannte ich schon in "echt", andere aus Online-Nähtreffen, wieder andere von ihren Blogs und eher wenige von Instagram, da bin ich nicht so aktiv. Es ist schön, die vielen unterschiedlichen Interessen und Perspektiven, was das gemeinsame Hobby angeht, zu hören, die wunderschönen Kleidungsstücke anzuschauen, über Stoffqualitäten zu sprechen und alles, alles, alles, was mit dem Nähen zusammen hängt.

Ich habe das Treffen zusammen mit Sabine, Muriel und Claudia geplant. Dafür haben wir uns fast ein halbes Jahr regelmäßig online getroffen. In dem Planungsprozess waren auch die verschiedenen Themen, die jede Einzelne in die Treffen einbrachte, spannend. Anfangs hätte ich gesagt, Programm, Essen, Unterkunft sind wichtig, aber schnell kam Digitales dazu: Newsletter, Online-Formulare, Logo, eine Domain, ein Board, auf dem wir Arbeitsstände notierten, wir brauchten Namensschilder, organisierten den Sew-Along mit einem Link Tool. Im Laufe der Planung merkten wir, dass viele unserer Themen mit Nachhaltigkeit zu tun haben: das sollte sich dann durch das ganze Wochenende ziehen (vegetarisches Essen, das Namensschild aus festem Papier, kein Plastik, die Locations (da wusste ich immerhin, dass  Tsatsas als nachhaltig deklariert wird und auch Cocolores mit Stitch by Stitch in Deutschland und mit sauberen Materialien fertigt), am einfachsten war die Anreise, es kam tatsächlich niemand auf die Idee, mit dem Auto nach Frankfurt zu fahren. So entwickelten sich die Inhalte Woche um Woche weiter.

Die Aufgaben waren super aufgeteilt, die Schwerpunkte und Zuständigkeiten ergaben sich wie von selbst. Immer hat sich jemand gefunden, der freiwillig eine Liste tippt, einen Text schreibt, alles immer pünktlich und nie aufgeschoben. Wenn in jedem Projekt so toll zusammen gearbeitet würde, wäre manch ein Unternehmen sehr glücklich über seine Teams.

Bis auf ein Restaurant mit zwar leckerem Essen, aber "unterirdischem" Service, war ich zufrieden mit dem, was wir geplant hatten. Die Zeiten passten auch ganz gut, am Ende nach der gemeinsamen Fotoaktion vom Sew Along am Mainufer franste das Treffen ein wenig aus, wir hatten versäumt, eine klare Schlusszeit bekannt zu geben, aber aus allem, was nicht perfekt ist, lernt man ja.  Tatsächlich wäre eine kleine Begrüßung mit Vorstellungsrunde anfangs auch eine gute Idee gewesen, alle wohnten im ausgesuchten Hotel. So ist noch Luft nach oben. Die Teilnehmerinnen haben jedenfalls auf den Feedbackbögen mit viel Begeisterung reagiert, danke, es war wirklich auch von meiner/unserer Seite toll mit euch!

Zum Programm findet ihr Text und Fotos bei Muriel, außerdem einen Bericht bei Manuela.

Ich gehöre zu den Menschen, für die das Programm bei so einem Treffen elementar ist. Deswegen gehe ich jetzt etwas ausführlicher auf die Tsatsas Ausstellung im Ledermuseum ein. Mir blieben noch Fragen, weshalb ich letzten Sonntag an einer Führung mit den beiden Designern Esther und Dimitrios Tsatsas teilgenommen habe. Die Presse schildert die beiden als sehr zurückhaltende, ruhige, bescheidene Menschen. Beide waren in Schwarz gekleidet, mussten immer erstmal klären, wer was sagt, wirkten eher introvertiert, haben aber dann sehr deutlich und überzeugend ihre Standpunkte vertreten. Sie ist Architektin, er Industriedesigner, "aufgewachsen" in der Täschnerwerkstatt seines Vaters in Offenbach. Ihre Taschen sind kein Modeaccessoire, sondern langlebige Objekte, der Fokus liegt auf der zeitlosen Gestaltung ohne sichtbares Markenzeichen. Alles clean und geradlinig, ganz wenig sichtbare Nähte, was in der Taschenherstellung zu einer anderen Reihenfolge in den Arbeitsschritten führt und manchmal neu gedacht werden muss.

Die Haut der Rinder stammt aus guter Haltung (sonst wären auf der Haut sichtbare Narben), die Tiere werden für die Lebensmittelindustrie getötet, das Leder ist ein "Abfallprodukt". Versuche mit veganen Ersatzprodukten scheiterten bislang an der Haltbarkeit. Eine Tsatsas Tasche hält 20 Jahre (auch Garn, Metall), wenn mal etwas kaputt geht (einem Kunden, der eine Wassermelone transportiert hat, ist mal ein Griff gerissen), wird es in der Werkstatt repariert. Die Täschner lieben es, die genähte Tasche nach Jahren der Verwendung mit ihren Spuren zu sehen und wieder in Schuss zu bringen. Man merkte bei vielem, was erzählt wurde, dass es zwischen den Taschen, der Herstellung und dem Familienbetrieb eine emotionale Verbindung gibt. Die Taschen sind wie Babies, die nach einem langen Prozess der Gestaltung und Veränderung und Probetragens, ihren Namen erhalten und in den Verkauf gehen. Manchmal gibt es auch Taschen, die aus dem Programm genommen werden (müssen, da sie sich nicht so gut verkaufen), das fällt allen Beteiligten ganz schwer. 

Verarbeitungstechnisch sind die Taschen von allerbester Qualität, so die Einkäufer auf der Paris Fashion Week, Esther Tsatsas wusste gar nicht, ob sie das so sagen durfte, es klang ihr zu sehr nach Eigenlob. Dazu passt auch, dass in der Führung mit keinem Satz erwähnt wurde, dass Hillary Clinton im Präsidentschaftswahlkampf gegen Trump immer wieder mit einer Tasche von Tsatsas abgelichtet wurde. Das ging in Frankfurt durch die Presse und verursachte viel Wirbel, wurde aber nie weiter "ausgeschlachtet".

Vegane Ersatzprodukte halten manchmal nur 2 Jahre und dann muss Ersatz her. Langlebigkeit hat aus Tsatsas Sicht Priorität. Die ganze Ausstellung ist mit vielen Details aufwändig gestaltet. Sie soll nicht nur fertige Taschen zeigen, sondern den gesamten  Prozess vom ersten Gedanken, zufällige Veränderungen, Weiterentwicklung, Liegenlassen bis zur fertigen Tasche zeigen. Die Lederwaren sind teils wie Kunstobjekte präsentiert. Im Foyer gleich eine Vitrine mit teils zweifarbigen, teils einfarbigen Taschen aus dem Repertoire, rechts dunkelgrau, links hellgrau. Die mehrfarbigen Taschen sind Sonderanfertigungen.


Angefangen hat alles mit der auf den ersten Blick unscheinbaren Lucid, rechts unten im Bild. Zufällig entstand daraus während ein Teil der Tasche hing, das Modell Fluke, links unten im Bild. Dimitrios Tsatsas hat lange eine Tasche für sich selbst in den gängigen Geschäften gesucht, alle gut verarbeiteten hochwertigen Taschen waren altmodisch, rund und mit Schnallen, Firlefanz. Schlicht gestaltete, moderne Taschen wiederum aus minderwertigem Rohmaterial und nicht gut verarbeitet. So hat er über mehrere Jahre seine Tasche entwickelt und von seinem Vater nähen lassen, was nicht einfach war, denn da, wo üblicherweise 2 oder 3 Nähte sind, um Futter oder Reißverschluss einzufassen, wollte er nur eine Naht. Lucid (unten rechts) sieht erstmal aus wie ein klassischer Stoffbeutel mit Reißverschluss. Heute werden diese Beutel massenhaft getragen. Aber zum Zeitpunkt der Entwicklung vor 15 Jahren, war dies nicht der Fall. Es ist eine Herrentasche. Vielen Kunden wünschen sich bei Lucid und Fluke einen Schulterriemen, Versuche scheiterten, denn dann wird der unverwechselbare Fall gestört und die Tasche ist nicht mehr die, die sie sein soll.


Anhand der Tasche Tape ist der gesamte Prozess von erster Idee (komplett verworfen) über verschiedenen Größenmodelle bis hin zur fertigen Tasche (und zum Schlüsselband) gezeigt. Demnächst wird auch die Tape auf den Markt kommen, die nicht nur Clutch ist, sondern am Griff getragen werden kann (links in der Vitrine).



An dieser Wand sind exemplarisch 3 Taschen mit ihren Schnittmusterteilen gezeigt. Es wird auch klar, warum ein Portemonnaie fast genau so teuer wie eine Totebag ist, denn es besteht aus mehr Teilen und ist viel aufwändiger in der Fertigung. Das wissen alle, die schon mal ein Portemonnaie mit vielen Steckfächern genäht haben. Der Endkunde denkt oft, je kleiner, um so günstiger muss ein Produkt sein.


Nicht so gut erkennen kann man links oben das Modell Linden mit dem umlaufenden Reißverschluss. An den Seiten sind Keile eingearbeitet, so kann beim Öffnen nichts heraus fallen.

Leider nicht fotografiert habe ich die nagelneue Tasche Anvil, die nach einer Wolkenform benannt ist. In der Ausstellung schien sie mir sehr merkwürdig, aber ich habe gestern erfahren, sobald man etwas hinein packt, erweitert sich der Taschenkörper und die Tasche hängt wie eine Wolke an ihrer dünnen Kette. Interessant.

Anhand von Papiermodellen ist der aufwändige Prozess einer Handtaschengestaltung gezeigt. Länge, Breite, Gurtlänge, alle Proportionen sollen harmonisch miteinander in Verbindung stehen.


Kooperationen wurden mit David Chipperfield eingegangen, der brauchte eine luggage bag, daraus ist dann eine ganze Herrenkollektion entstanden.


Zusammen mit Raf Simons und Kvadrat entstand zum erstem Mal eine Kollektion von Fluke (und Saccar )Taschen in Kombination Leder und Textil, auch hier musste neu untersucht werden, wie sich die beiden Materialien miteinander verhalten und die Optik der Tasche verändern. 


Sämtliche eingesetzten Materialien sind langlebig, recycled, aus Deutschland (oder teils Italien), wenn es keinen passenden Beschlag gibt, unten sieht man die eingesetzten Materialien und Rohlinge.


Durch diese Ausstellung bin ich nochmal inspiriert worden, das Projekt Ledertasche nähen wieder aufzunehmen. Ich finde es nämlich auch schwierig, die perfekte Tasche zu finden. Meine Stofftaschen sind sowieso schäbig, die trage ich auch höchstens noch zum Einkaufen, die Kunstledertaschen verlieren langsam ihre Beschichtung und es wäre schön gewesen, wenn ich mir zumindest bei einigen Taschen, die ich wirklich sehr gemocht habe, mehr Mühe mit der Materialsuche gemacht hätte. Meine Nähmaschine schafft Leder, zum Glück. Schön wäre es jetzt natürlich auch, innen mit dünnem Futterleder zu füttern. Tatsächlich habe ich früher in Kauftaschen beobachtet, dass das textile Futter sich irgendwann auflöst (auch in meiner Lederjacke).

Vom Ledermuseum ging es zurück nach Frankfurt. Mittagspause mit Stoffkaufmöglichkeit. Am Nachmittag begrüßte uns Olivia Dahlem, die rückblickend betrachtet hinsichtlich Farbigkeit und Ausstrahlung (soll ich es jetzt Empowerment nennen?) das völlige Gegenteil der beiden zurückhaltenden Tsatsas Designer ist, im Quartier Frau bei Sekt und Häppchen. Ich kannte ihre Geschäftspartnerin Claudia Frick, die jetzt die (Flüchtlings-) Werktstatt Stitch by Stitch leitet aus meinen Schnittentwicklungskursen bei der Volkshochschule und wusste, dass sie unglaublich offen gegenüber allen Themen sind, die nähende Frauen interessieren könnten. Wir wollten wissen, wie ein kleines Label (Cocolores) arbeitet, von der ersten Idee, dem Moodboard,  über die Auswahl der Modelle, Stoffe, Farben, Mengen bis hin zum Verkauf. Dabei wurden Händlerquellen genannt und wir ermutigt, einfach selbst "frech" zu den Stoffmessen oder Fashion Weeks zu fahren. Enthusiastisch wurden die fertigen Kleidungsstücke gezeigt, mit Taschen, mit Paspeln innen versäubert, Streifen im Jerseykleid, ordentlich aneinander genäht, man spürte die Begeisterung über die eigene Marke, das eigene Tun und den Wunsch, Frauen dabei zu helfen, schöner und selbstbewusster zu werden. Katharina von Limo Wardrobe kam etwas verspätet, sie hat ein Start-up gegründet, das überwiegend Herrenhemden aus Überschussproduktion verarbeitet, die Kleidungsstücke manchmal mit Stoffresten kombiniert, Abfallvermeidung steht im Fokus und daraus tragbare, wertige Mode zu machen. Wir konnten uns im Showroom umsehen, auch Schuhe wurden anprobiert und viele Fragen gestellt. Für mich war die Diskussion um die Mode für Avatare völlig neu, hier wurde sehr kontrovers diskutiert. Ich habe mir noch keine abschließende Meinung gebildet. 


Zurück bleiben die Eindrücke an ein tolles Wochenende mit vielen Gesprächen, Informationen, Diskussionen, aber auch Pausen, Essen, Trinken. Dass die Pandemie noch nicht ganz vorbei ist, haben wir gemerkt, als eine Teilnehmerin sonntags morgens einen positiven Test meldete. Ich habe mich am Samstag Abend angesteckt, alles mit leichtem Verlauf, aber die Isolation war nicht schön und hat die Frage aufgeworfen, wann das Leben wieder "normal" wird. Es ist jedenfalls noch nicht normal, auch wenn es den Anschein hat.

Sommerliche Grüße, Anja



Donnerstag, 12. Mai 2022

Im Zwiespalt (oder Quo Vadis 2)

Schon lange treibt mich ein Thema um. Im Oktober hat Manuela einen Post dazu geschrieben, mit vielen Kommentaren, die es sich zu lesen lohnt.

Im Vorfeld zur NähFrauenReise, über die ich noch berichten will, und den derzeit zum ich-weiß-nicht-wievielten-Mal stattfindenden Me Made May, poppte es bei mir wieder auf: was bedeutet mir mein Blog, wie intensiv will ich Instagram betreiben, wie "kommuniziere" ich mit anderen Frauen, die nähen?

Der Blog macht mir nicht viel Arbeit oder zumindest erlebe ich es nicht als Arbeit. Und ich lese immer noch sehr gerne andere Nähblogs. Die Fotos machen mir auch nicht viel Arbeit, aber ich bin auch nicht so pingelig, ich weiß, dass meine echten Kleidungsstücke besser aussehen als meine Fotos und das passt für mich. In Technik - sei es Kamera, Fotobearbeitung oder auch Bloglayout - mag ich einfach keine Energie stecken. Meine Energie stecke ich lieber in Stoffverarbeitung, Nähtechniken, Schnittmusterveränderung oder auch gerne in die Vorbereitung eines Treffens. Alles Dinge, die mir Spaß machen. Aber jeder ist anders und hat andere Lieblingsbeschäftigungen.

Für mich ist es auch rückblickend spannend, in meinem Nähtagebuch zu "blättern", die Entwicklung zu sehen, die misslungenen Stücke mit den Erfolgen zu vergleichen, Die Erfolge, das sind für mich die Kleidungsstücke, die ich wirklich gerne und oft trage. Sie ergeben sich meist nicht aus dem Blogpost, sondern oft zeigt sich erst danach, ein Jahr oder zwei Jahre später, ob ich etwas regelmäßig anziehe oder nicht. Das wird nie verbloggt. Als ich mir z.B. das Kleid, das ich für den Sew-Along der NähFrauenReise geändert habe, nochmal angeschaut habe, war ich sehr überrascht über die Kommentare, ich habe das Kleid wirklich nie mehr nach dem Foto angezogen. Der schwere Stoff eignete sich einfach nicht für den Schnitt, auch wenn es schön aussah. Die haptische Erfahrung fehlt auf Fotos. Da kann man noch soviel zur Stoffqualität schreiben. Das ist auch der Grund, warum ich keinen Stoff mehr online kaufe (es sei denn, ich habe eine Stoffprobe, aber auch da muss ich von einem kleinen Stück auf ein großes Stück schließen und mir vorstellen, wie dieser Stoff an mir wirkt, nicht immer einfach).

Wunderbarerweise entstehen dennoch immer wieder neue interessante Nähblogs, die ich über den Me Made Mittwoch entdecke (eine Frau hat sogar einen Blog im Vorfeld der NähFrauenReise begonnen). Nähblogs sind eine Nische, die jedoch immer kleiner wird. Das merkt man auch daran, dass beim Me Made Mittwoch zunehmend Instagram Beiträge verlinkt sind (die kann ich auf dem Rechner oft nicht öffnen, das ist mir aber inzwischen egal), auf dem Handy mag ich mir die Beiträge nicht anschauen, dort kann ich weder die Texte vernünftig lesen noch die Fotos gut anschauen, das wäre wie früher beim Arzt im Wartezimmer oberflächlich durch eine der ausgelegten Frauenzeitschriften blättern und quer lesen.

Und genau das ist Instagram. Nun sind seit dem letzten Wochenende die Beiträge (vermutlich aufgrund eines Updates) bei Instagram noch schlechter lesbar, die Fotos sind in einen farblich passenden Hintergrund gelegt und der Text bewegt sich ins Foto - was soll das? Vielleicht habe ich auch eine falsche Einstellung, aber wie schon geschrieben, Technik umtreibt mich nicht. 

Ich habe vor 2 oder 3 Jahren einen Instagram Account meiner Tochter (der eigentlich um die Hündin ging) "bekommen" und für den Me Made May genutzt. Me Made May funktioniert nur über Instagram. Das war spannend, faszinierend, international, schnell. Aber auch sehr viel. Zuviel. Viele Bilder, wenig Informationen. Da ich überwiegend nach Zeitschriften nähe, habe ich auch nicht soviel davon, dass ich bei Instagram ein Modell suchen kann und mir anschauen kann, wie es dann an unterschiedlichen Frauen vernäht aussieht. Bestimmte Burdamodelle sind bei Instagram nämlich unauffindbar.

Aber ich habe auch gemerkt, dass sich die Community verlagert hat. Dass es eine Nähcommunity völlig ohne Blog gibt. Mit dem ersten Online Nähtreffen vor etwa einem Jahr, das über Instagram kommuniziert wurde, habe ich angefangen, Instagram etwas mehr zu nutzen. Aber - ehrlich gesagt - der Mehrwert für das Nähen hat sich mir nicht erschlossen. Für die Kommunikation in der Nähcommunity hingegen hat Instagram einen Mehrwert, da werden viele Stories gepostet, Bilder gezeigt, Fragen gestellt, Likes vergeben (aber gucken die sich das wirklich an?) schnell beantwortet, alles sofort sichtbar, keine Zeitverzögerung. So wie es in unserer schnelllebigen Welt ist. Das ist aber auch anstrengend oder kann anstrengend sein. Und zeitaufwändig. Außerdem gehen die Grenzen von öffentlich zu privat schnell verloren. Mit einem privaten Instagram Account kann man schwer an der Kommunikation partizipieren, sofern man nicht bereits integriert ist. Manche öffentlichen Accounts posten jedoch soviel Privates, dass ich verwundert bin. Ein Eldorado für Stalker. Aber vermutlich ist das auch unsere Welt, denn in der Bahn oder sonstwo werden ja auch am Mobiltelefon sehr private Dinge besprochen und der ganze Wagen kann mithören. 

Ich bin kein Profi, ich habe auch nicht vor, in meinem nächsten Leben Influencer zu werden. Ich werde weiterhin das machen, was mir Spaß macht. Manchmal ist es nicht so einfach, das herauszufinden. Instagram macht mir jedenfalls wenig Spaß. Und mit diesem komischen Update werde ich auch dem Me Made May nicht mehr so folgen wie noch vor einer Woche. Ich mache weiterhin ab und zu Fotos, aber zeige sie am Ende auch hier im Blog - wie in jedem Jahr.

Der Zwiespalt zwischen Instagram und Blog hat sich vor der NähFrauenReise noch verstärkt, ich habe das Treffen bei den Locations, wo wir waren, als Bloggertreffen angekündigt, aber die wenigsten Teilnehmerinnen haben noch einen Blog, einige hatten früher einen und ganz viele haben nur Instagram. 

Wie gehe ich damit um? Ist ein Blog noch zeitgemäß? Soll ich beides parallel betreiben (das machen fast alle, die noch einen Blog haben)? Und im aufwändigsten Fall eine Story und einen Post machen, um auf einen Blogpost aufmerksam zu machen. Nein, das ist mir wirklich zuviel Arbeit. Und mir ist klar geworden, dass mir egal ist, wenn dann eben nur einige wenige "alte" Leserinnen den Blog finden, ich will ja kein Influencer sein. Falls irgendwer, dem ich auf Instagram folge, dies liest, meine Likes werden selten, ich werde auch nicht mehr so oft hinein schauen. Aber ich bin mir jetzt darüber klar geworden, wo ich Prioritäten setze. 

In diesem Sinne, sommerliche Grüße aus Frankfurt

Anja


P.S. Das Foto oben, das mich auf dem Weg zeigt, verdanke ich übrigens Jeannette, die erst nichts, dann Instagram und erst dann einen Blog hatte. Es gibt eben viele Wege. Kontakte findet man auf all diesen Wegen.

 

Montag, 9. Mai 2022

NähFrauenReise - Sew Along Finale

 

Ein ganz wunderbares Wochenende ist gestern Nachmittag zu Ende gegangen. Meinen Mitorganisatorinnen Muriel, Sabine und Claudia (ohne Blog, bei Instagram @kaffebrod) herzlichen Dank, die Vorbereitung hat wirklich viel Spaß gemacht. Den Teilnehmerinnen auch vielen Dank, es war schön, soviel positive Stimmung und Freude zu erleben. Da ist die Arbeit im Vorfeld ganz schnell vergessen.

Über die einzelnen Programmpunkte berichte ich demnächst gesondert. Der Sonderausstellung im Ledermuseum widme ich dann möglicherweise etwas mehr Raum, weil ich mich spontan zu einer Führung nächstes Wochenende mit den beiden Designern angemeldet habe. Außerdem muss ich nochmal dahin, um mir die Ledertaschen in einem unscheinbaren "Schlüsseldienst" gegenüber vom Museum anzuschauen, der ist mir völlig entgangen.

Nach dem ausgiebigen Frühstück am Sonntag haben wir die fertig gestellten Stücke aus dem Sew-Along mit dem Thema Nachhaltigkeit gegenseitig fotografiert. Wobei Nachhaltigkeit weit gefächert war. Ich habe - wie bereits hier beschrieben - aus einem Kleid einen Rock gemacht. Sehr banal, aber ich glaube nach ersten Zweifeln, es wird ein tragbares Stück werden. Der Stoff ist schwer und fest, damit nicht wirklich für den Sommer geeignet.

Auf diesem Bild mit einem Burda Shirt, danke an Tina für das tolle Foto.


Noch stimmiger ist für mich allerdings diese Kombination mit einem ebenfalls selten getragenen Pullover, die Farben passen sehr gut, dazu eine Strumpfhose, Boots und der Blumen-Omarock ist gleich viel tragbarer. Gestern bei mindestens 25 Grad wollte ich den Pullover allerdings nicht mitnehmen.


Da ich große Zweifel hatte, ob mir der Rock überhaupt gefällt und ich ihn anziehe, habe ich in einer Nacht-und-Nebel Aktion noch ein Kleid aus einer Seide, die ich vor ca. 2 Jahren bestellt habe, genäht. Auch hier hatte ich bei der ersten Anprobe erhebliche Zweifel, ob mir der Stoff mit dem Blumenmuster noch gefällt. Sarah brachte mich dann darauf, es mit einer Jeansjacke zu versuchen. Ich besitze zwar keine klassische Jeansjacke, aber diese, die ich aus einem zerschnittenen Rock/Jacke und diversen Jeansresten genäht habe, perfekt im Sinne der Nachhaltigkeit (und leider fast nie getragen mangels Kombinationsmöglichkeiten). Wenn man es weiß und genau schaut, sieht man die farblichen Unterschiede im blauen Denim.




Bedauerlicherweise habe ich es Samstag versäumt, mich fotografieren zu lassen. Ich habe die Jacke auch nur morgens auf dem Hinweg getragen, danach war es einfach zu warm. Aber damit und mit Sportschuhen habe ich mich wohl gefühlt. 

Ich verlinke den Post mit dem Finale unseres Sew-Alongs bei Muriel.

Lieben Gruß, Anja

Mittwoch, 4. Mai 2022

Me Made Mittwoch im Me Made May

 Nächstes Wochenende ist das Nähfrauen-/Bloggertreffen hier in Frankfurt. Ziel des gemeinsamen Sew-Along war Nachhaltigkeit. Dazu hatte ich einige Ideen, ich habe auch ein Kleid geändert, bin aber mit dem Ergebnis nur semizufrieden. Da am Sonntag eine gemeinsame Abschlussfotoaktion geplant ist, poppte bei mir die Angst auf, nichts anzuziehen zu haben. Das ist natürlich totaler Quatsch. Kurzfristig habe ich letzten Sonntag noch eine vor langer Zeit gemeinsam mit diesem Stoff gekaufte Seide angeschnitten und beim gemeinsamen virtuellen Montagsnähen fleißig genäht, gestern dann weiter genäht und gerade eben schnelle Fotos gemacht. Nachhaltig haben wir definiert auch durch Vernähen von Stoffen aus dem Bestand.  Die Suche nach Schnittmuster und mindestens dreimaliges Durchblättern meiner Heftsammlung hat zu zwei potentiellen Schnitten geführt. Den einen hätte ich noch kopieren müssen (mein Kopierpapier ist leider komplett verbraucht), der andere war kopiert und ist mehrfach genäht worden. So kam es zur Auwahl des Aybikleides aus Burda 7/2020.

Nun finde ich es eigentlich langweilig, den gleichen Schnitt zum dritten Mal zu nähen, andererseits sind alle Änderungen bereits bekannt und erprobt. Gerade bei hochwertigem Stoff kann es sonst Überraschungen geben (ich nähe ja nie Probeteile, bin dazu einfach zu faul). Hier musste ich nur die Nahtzugaben wegen der französischen Nähte ändern. Bedauerlicherweise habe ich mich verrechnet und am Ende passte das Taillenband hinten nicht an das fertige Rockteil. Oben wird gekräuselt, nun habe ich unten auch ein paar Kräusel eingebaut, wer den Schnitt kennt, weiß, dass die nicht dahin gehören, ansonsten stört es mich nicht.

Das Kleid fällt durch den leichten fluffigen Stoff ganz anders als die Vorgängermodelle, damit habe ich gerechnet, das ist ok so. Dadurch sieht es eben doch wie ein anderes Kleid aus. Die Belege oben muss ich noch händisch mit einigen Stichen befestigen. Der Saum ist noch nicht gemacht. Für einen feinen Rollsaum brauche ich maximale Konzentration. Da geht also noch ein bisschen von der Länge runter, aber nicht mehr viel. Burda gibt übrigens für das Kleid 3,65 m an, ich bin mit 2,70 ausgekommen und habe den Rock noch verlängert. Allerdings habe ich das rückwärtige Rockteil diesmal nicht im Bruch zugeschnitten, sonst hätte es nicht gereicht. Die Ärmel sind auch evtl. ein oder zwei cm schmaler geworden.

Unter dem Kleid trage ich auch eines meiner nie getragenen Unterkleider, dieses goldene war mein erstes, aber ich brauche sowas eigentlich nicht. Schnitt ist ein Slipdressschnitt aus einer Burda, habe ich nie verbloggt. Sorry.

Fazit 1: Ich besitze nun zwei Seidenkleider und eine Seidenbluse, die ich voraussichtlich fast nie tragen werde. Das ist nicht sehr nachhaltig. Aber damals als ich den Stoff gekauft habe, wollte ich auf dem nächsten Level nähen und das Material ausprobieren. Crepeseide (wie diese) lässt sich besser schneiden und vernähen als Satinseide. Trotzdem passt das Material nicht in meinen Alltag. Schon, wenn ich auf einer Bierbank sitze, habe ich Angst, dass es Fäden zieht. Beim Fahrradfahren bin ich supervorsichtig und achte drauf, dass nichts in die Speichen kommt. Der Hund darf mich auf keinen Fall anspringen usw., das nervt alles in allem. Ich werde sicher keine Seide mehr kaufen. Ah, da fällt mir ein, ich besitze noch zwei ältere Röcke aus Dupionseide, die ist nicht so empfindlich und passt besser in mein Leben.

Fazit 2: Mit dem geblümten Stoff, den ich unbedingt haben wollte und bei Maxlau auf Instagram (kann das Bild irgendwie nicht einfügen) entdeckt habe, entwickele ich die gleichen Bauchschmerzen wie mit dem geblümten geänderten Kleid/Rock. Es hat etwas omamäßiges. Vermutlich hat sich mein Geschmack doch auf klare Linien, graphische Muster, uni geändert. Die tiefgrüne Farbe gefällt mir auch nicht mehr so gut wie vor 2 Jahren als ich sie gekauft habe. Gut, dass ich beschlossen habe, mein Stofflager abzubauen und (möglichst) keine Stoffe mehr auf Vorrat zu kaufen.

Fazit 3: Ich weiß immer noch nicht, was ich dann am Sonntag anziehen werde.

Und nun verlinke ich diesen Post noch rechtzeitig zum Me Made Mittwoch, wo auch Ina ein nicht ganz fertiges Teil zeigt.

Viele Grüße, Anja

Montag, 25. April 2022

Sew Along NähFrauenReise - Zwischenstand bzw. erster Abschluss

 Am Wochenende habe ich Klarheit gewonnen: aus dem geänderten Blazer aus diesem alten Leinenblazer


wird erstmal nichts (obwohl ich tatsächlich auf meiner Festplatte noch eine Jacketänderung in ähnlicher Art schon vor Jahren gespeichert hatte, es ist ein Modell von Rei Kawakubo)


Fast das, was ich auf Pinterest gefunden habe. Warum ich das erstmal nicht mache, hat zwei Gründe: ich bezweifele, dass ich in nächster Zeit (außer zum Foto machen am Ende des Sew Along) Tragegelegenheit dafür habe und es wäre tätsächlich eine Heidenarbeit gewesen, wenn ich es ordentlich gemacht hätte, d. h. ich hätte das Futter an Ärmeln und Körper auftrennen müssen und dann an all diesen Teilen nach der Kürzung wieder händisch zusammen nähen müssen. Das kriege ich im Moment zeitlich einfach nicht hin. Damit ist das Projekt aufgeschoben.

Der Rock aus dem Kleid hingegen ist fertig. Ich habe das Rockteil abgetrennt, und dann einen Bund aus den überschnittenen dran Ärmeln genäht, gedoppelt und Gummizug eingezogen. Habe noch überlegt, ob ich mir etwas mehr Mühe mache und Falten lege und Reißverschluss einnähe, aber es wären sehr wenige Falten geworden, da es sich bereits um einen Bahnenrock handelte.

Ich habe den Rock bereits zwei Mal getragen, obwohl die Optik wirklich dem Lunatica Rock ähnelt, fühle ich mich anders damit. Aber immer noch besser als in dem Kleid, insofern hat sich die Änderung gelohnt. Ein Lieblingsstück ist es dennoch nicht geworden.


Vermutlich liegt es am Stoff, der hat durch die Blumen etwas Hausbackenes, die Farbe war früher mal meine Lieblingsfarbe, inzwischen nähe ich auch andere Farben und mag die Abwechslung, Das Material fühlt sich synthetisch an und sieht synthetisch aus. So einen Stoff würde ich heute nicht mehr kaufen.

Ich will den Rock eigentlich nicht zum Treffen im Mai anziehen, ich bezweifele allerdings, dass ich jetzt noch in den verbleibenden 2 Wochen eine Alternative produziere. Nun ja, nackt muss ich nicht kommen, ich habe noch genug Sachen zum Anziehen.

Im Übrigen habe ich aus den Resten des langärmligen Oberteils, dass ich auf dem Foto trage, am Wochenende ein ganz schnelles schlichtes ärmelloses Top genäht (auch nachhaltig, den Rest aufzubrauchen). Erst dachte ich es für meine Tochter, aber der Schnitt aus La mia Boutique fiel ziemlich groß aus, es passt mir definitiv besser als es ihr passen würde. 

Viele Grüße, Anja



Samstag, 2. April 2022

SewAlong NähFrauenReise - Refashion - Upcycling - Rückblick - Ausblick


Nachhaltigkeit ist im Trend. Seit einer Weile versuche ich möglichst nur noch Kleidungsstücke zu nähen, für die ich auch wirklich Verwendung habe. Ich bemühe mich, Stoffe möglichst vollständig zu verwenden, oft kaufe ich weniger als für einen Schnitt angegeben wird (bei Burda wird IMMER zuviel angegeben). Ich schneide auch selten so zu wie der Zuschneideplan emfiehlt, ganz oft geht es platzsparender. Aus Stoffresten nähe ich schon immer Tischsets, Kosmetiktäschchen, Buchhüllen, was an Kleinkram und Geschenk gerade in Frage kommt. Für solche Sachen würde ich auch nie nie nie Stoff kaufen, denn kleine Reste, die irgendwie zusammen kombiniert werden können, finden sich immer. Jerseyreste wurden auch schon mal zu Unterhosen. Knöpfe und Reißverschlüsse verwerte ich eigentlich immer wieder.

Natürlich (besser leider) entstehen auch manchmal Schrankleichen. Das bleibt nicht aus, wenn man nicht anprobieren kann, nicht weiß, wie einem das genähte Kleidungsstück steht usw. Mit den Jahren habe ich natürlich hinzugelernt. Inzwischen weiß ich ungefähr, was ich besser nicht für mich nähe, wo ich Stoff kaufe, wieviel ich brauche und meine genähten Kleidungsstücke passen auch immer besser, weil ich vorher ausmesse, anpasse, genug Spielraum für nachträgliche Änderungen lasse.

Hier ein paar Beispiele von Kleidungstücken, die ich verändert habe und die dadurch tatsächlich wieder tragbar geworden sind:

Dieses Kleid  aus warmem gemütlichem innen angerautem Stoff hatte zu kurze Ärmel, was im Winter total ungemütlich ist. Mit einem Stoffrest habe ich unten einfach ein breites Bündchen angesetzt und ja, ich habe das Kleid schon ziemlich häufig angezogen. Langsam fängt der Stoff schon an zu pillen.

Mein erster Mantel entsprach nach etlichen Jahren nicht mehr meinen Qualitätsansprüchen, damals habe ich ihn einfach so nach Anleitung genäht, abgesehen davon, dass ich die blaue Seite nicht mehr mochte (der Stoff war doubleface) war das Material noch super erhalten. Ich entschied mich, aus dem Mantel eine Jacke zu machen, dabei die graue Innenseite als Außenseite zu verwenden. Ein Stoffrest vom Hundekissen kam als aufregendes Futter herein: Eine graue Jacke aus einem blauen Mantel, für die ich deutlich mehr Verwendung in diesem Winter hatte.

Es gibt noch ein oder zwei Kleider, die zu Röcken geworden sind, ich habe keine Fotos, eine eingelaufene Hose, die zur Culotte wurde und tatsächlich wieder gerne getragen. Von diesem veränderten Kleid gibt es leider nur ein Nachher-Bild.

Eine Zeitlang war es sehr populär, ausrangierte Herrenhemden upzucyceln (kann man das so schreiben?), dabei erinnere ich mich, dass mir schon meine Mutter als Teenager aus alten Hemden Blusen genäht hat, die habe ich dann mit Simplicol eingefärbt.

Früher (vor der Homeoffice Zeit) sind bei meinem Mann haufenweise Herrenhemden aussortiert worden. Zu schade, um sie immer wegzuwerfen, meist sind Kragen oder Manschetten beschädigt. Hier einige Blusen ( Bluse Bluse Bluse Bluse ), die ich umgearbeitet habe. Ich würde einige der Exemplare immer wieder nähen. Die blau gefärbte wurde oft getragen, die orange fast nie, falsche Farbe, die weißen auch immer wieder gerne als schlichte Basicbluse, eine ist bereits auseinander gefallen. Einzig die tunikaartige wird kaum getragen, sie ist nicht mein Stil. Hier noch der Versuch aus einer alten Seidenbluse eine neue Bluse zu machen, das Ergebnis liegt nur im Schrank herum, irgendwie ist das nicht wirklich tragbar, noch ist mir die Seide zu schade zum Entsorgen.

Aus einem zerschnittenen Jeansrock der Tochter, einer zerschnittenen Jeansjacke und diversen Jeansstoffresten (wenn man sich die Jacke aus der Nähe anschaut, sieht man, dass der Blauton nicht ganz identisch ist) habe ich diese Jacke genäht, leider leider leider ziehe ich sie auch fast nie an. Es ist eben ein Jäckchen zum hübsch aussehen, nicht praktisch, wärmend oder welche Anforderungen ansonsten an eine Jacke gestellt werden.

Zu unserer NähFrauenReise im Mai nach Frankfurt gibt es einen Sew Along, Informationen und Termine dazu findet ihr ab heute auf dem Blog von Muriel, da ich verreise nehme ich am ersten Treffen nicht teil, aber ich teile jetzt schon meine Pläne.

Sehr einfach ist es, aus einem Kleid einen Rock zu machen, die habe ich selten verbloggt, z. B. ist mein gern getragener Plisseerock ein abgeschnttenes Kleid mit einem Gummizug. Dieses Kleid habe ich genau einmal zum Fotografieren getragen, der Stoff ist für den Frühling zu dick, es wird ein wadenlanger Rock. Selbst wenn ich die vielversprechenden Kommentare von damals lese, ich bin mit dem Kleid nicht warm geworden. Vermutlich schneide ich es einfach ab und nähe ebenfalls einen breiten Gummi in die Taille, denn sonst werde ich es nicht über die Hüfte bekommen. Ich stelle mir den Rock dann so ähnlich vor wie den Lunatica Rock, den ich wirklich gerne und oft anziehe.


Zwar schade um die ganze Arbeit, die in dem aufwändig zu nähenden Oberteil lag, aber was nützt das Kleid, wenn es nur herum liegt.

Dann habe ich zwei alte Blazer zum Umarbeiten, ein sommerlicher, von meiner Mutter genähter Leinenblazer, die dazugehörige Weste und Hose sind längst aussortiert, der Blazer ist noch völlig in Ordnung, weswegen ich es bisher nicht übers Herz bringen konnte, ihn wegzuwerfen. Die Farbe ist eigentlich moosgrün, getragen habe ich das ganze Set in den 90er Jahren:


Und ein Kaufblazer, den ich auch bestimmt 15 Jahre nicht mehr getragen habe, die Hose ist längst aussortiert, die Weste dazu habe ich noch. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich mich trauen werde, ihn kaputt zu schneiden....es könnte ja nochmal ein Anlass kommen....Den Anzug habe ich seit Mitte der 90er Jahre und wirklich oft und gerne getragen. Aber seit Mitte der 0er Jahre benötige ich beruflich nicht mehr so formelle Kleidung und habe auch angefangen, verstärkt Kleider zu tragen (und zu nähen). 

Anregungen für das Upcycling von Blazer habe ich auf Pinterest gefunden, diese Variante schwebt mir vor:


Sehr schick finde ich auch dieses Modell, aber dafür brauche ich einen Oversize Herrenblazer, die stehen derzeit (noch) nicht zur Verfügung:


Aber auch bei meinem Mann wird seit Beginn der Pandemie und der Veränderung der Kleiderordnung im Office eher Casual Business getragen, so dass bald mit zahlreichen Jackets und Hosen zu rechnen ist. Hemden natürlich auch. Aus den Hosen werde ich wohl als erstes dieses Kleid nähen, aber nicht mehr rechtzeitig zum Treffen in Frankfurt.

Ich bin in den Ferien, weswegen ich meine Gedanken zum SewAlong noch nicht verlinke. Wir sehen uns beim zweiten Treffen des Sew Alongs am 16.4. Beim Ausräumen meines kleineren Urlaubsportemonnaies habe ich gestern Morgen Quittungen der letzten richtigen Reise gefunden, vom 9.1.2020, solange schon her.

Viele Grüße, Anja

Update vom 15.4.: Ich bin zurück, mit sehr gemischten Gefühlen, was das Reisen angeht (eines meiner liebsten Hobbies, wenn ich auf die letzten 40 Jahre zurück blicke), dazu passt ganz gut, dass ich im Sommer einen Bildungsurlaub zu Nachhaltigkeit im Tourismus/Massentourismus/Tourismus unter Covid Bedingungen mache. Aber das Thema hier ist ja ein anderes: Meine Entscheidung auch hinisichtlich meines vorhandenen Zeitbudgets ist: Kürzen des grünen Leinenblazers und Rock aus dem 40er Jahre Kleid, das sollte zu machen sein. Verlinkt mit Muriel Nahtzugabe beim Zwischenstand.





Mittwoch, 23. März 2022

Das Aybi Burdakleid zum Zweiten



Dass dieses Kleid , hier näher beschrieben, in den letzten beiden Sommern zu meinen absoluten Favoriten zählte, hatte ich schon geschrieben. Letzten Sommer habe ich in Paris einen 3 m Coupon Madraskaro gekauft, um das Kleid nochmal zu nähen, die Idee war, zu versuchen, den Stoff im schrägen Fadenlauf zu schneiden, um dem Original nahe zu kommen, aber dafür waren 3 m dann doch zu wenig. Oder ich hätte Rock und Ärmel kürzen müssen, was ich nicht wollte. Also habe ich normal zugeschnitten und mich bemüht, das Karo an den Kanten und beim Ärmel symmetrisch zuzuschneiden.

Der Zuschnitt ist gelungen, leider ist mir allerdings am mittleren Bund ein Fehler unterlaufen, den ich erst bemerkt hatte als ich sämtliche Fäden für die Rüschen bereits heraus gezogen hatte und den Bund an das Unterteil gesteckt habe. Ich habe beim vorderen und hinteren Bund leider einmal oben und unten vertauscht. Ich dachte noch, durch Drehen und Wenden ließe sich der Fehler beheben, aber nein, ich hätte alles wieder auftrennen müssen. Das wollte ich dann doch nicht. 

Vielleicht trug dazu bei, dass ich am Vormittag desselben Tages eine ganze Strecke hinter einer Frau mit einem Kaufkaromantel gegangen bin, der unten am Saum schief war, also man sah superdeutlich, dass das Karo über den gesamten Rücken schief verlief, das hätte mich furchtbar gestört. Ganz so schlimm ist die Musterverschiebung beim Bund nicht, ich kann auch argumentieren, dass erst dadurch erkennbar wird, dass hier mehrere Schnittteile aufeinander treffen.

Im Vergleich zu Nummer 1 ist der Rock unbeabsichtigt etwa 2 cm länger geworden, also nochmal deutlich länger als das Modell im Heft, mir gefällt es so. Die Ärmel habe ich etwas länger als bei Modell 1 zugeschnitten, das ist trotzdem noch kürzer als im Heft. Nahttaschen sind ergänzt.

Die größte Veränderung zum Original, ich habe hinteren Rock und hinteres Oberteil im Bruch zugeschnitten, ich komme ohne Brille mit dem Kopf durch den Ausschnitt (das wusste ich von Kleid 1) und konnte mir den Verschluss sparen. So habe ich auch hinten keine störenden Nähte.


Die Belege sind sehr ordentlich festgenäht und am Vorderteil unsichtbar an einigen Stellen angenäht.


Der Sommer kann für mich jetzt kommen.

Viele Grüße, Anja