Donnerstag, 26. März 2026

SCART - die schöne und nützliche Seite von Müll

Ich habe einige Tage in Triest verbracht und bin gleich am Anfang auf dem Weg vom Bahnhof zu meinem Zimmer an der alten Pescheria vorbeigekommen. Durch die großen Fenster konnte ich sehen, dass drinnen Kleider hingen. Nicht nur Kleider, sondern auch riesige Roboter, die interessierten mich aber weniger. Von dem Projekt SCART, das es schon seit über 20 Jahren gibt, hatte ich noch nie gehört. Wenn ihr in der Verlinkung nach ganz unten geht, gibt es den Bereich Fashion, wo noch mehr dazu steht. Irgendwie kann man es auch ins Englische umstellen. Im wesentlichen geht es darum, Müll sinnvoll weiterzuverwenden - ihn zu Kunst zu verarbeiten. In einem Video wurden auch junge Menschen gezeigt, die auf dem Recyclinghof mit Plastikhandschuhen den Müll, der gerade abgeladen wird, durchwühlen, um Dinge zu finden, die sie verwenden können. Und man kann viel verwenden, sehr viel. Mich würde interessieren, ob es so etwas auch in Deutschland gibt. Es wäre richtig cool, wenn die verschiedenen Ausstellungen, die offensichtlich bereits seit Jahren durch Italien touren, bekannter würden.

Wenn man in die Halle hineintritt, sieht es erstmal so aus, es sind gar nicht viele Kleider, aber jedes Einzelne ist ein Unikat. Deswegen habe ich diesem Post auch ziemlich viele Fotos beigefügt. 


Der Rock unten aus zerquetschten blauen Plastikflaschen:


Gefärbte gefundene Federn, an das Material des linken Kleides erinnere ich mich nicht mehr:


Lauter gefaltete Kassenzettel:


Die Rückansichten der meisten Kleider waren auch sehenswert, hier ein Beispiel, links das Kapselkleid, in der Mitte das Legokleid, rechts das Dosendeckelkleid.


Oben wurden Fischernetze, Korkreste und anderer Krimskrams verarbeitet, unten genauso, wenn man auf dem Kleid unten genau schaute, entdeckte man auch Tasten von Computern, Metallzeug, alte Knöpfe, Fransen, Ringe, alles mögliche. Der Rock ist aus Textilresten gearbeitet.
Mein Favorit unten rechts: das Crodinokleid, aus lauter Deckeln von kleinen Crodinofläschchen, ich mag den alkoholfreien Aperitiv sehr gerne. Das Kleid links besteht aus ineinandergefügten Abreißdingern von Dosengetränken. Viel Arbeit steckt in dem Verbinden der Elemente durch kleine Ringe.

Unten nochmal das Kassenzettelkleid sowie ein Kleid, das aus puscheligen rot eingefärbten Schmusetieren zusammengesetzt ist, vermutlich Produktionsüberhang.



Im Kleid oben wurden lauter Muster einer Textilkollektion miteinander verarbeitet, unten Schläuche, für einen Fahrradschlauch etwas zu breit an einigen Stellen, vermutlich ein Mischmasch von alten Schläuchen unterschiedlicher Fahrzeuge.


Ganz in Rot: unterschiedlichstes Zeug zu einem Kleid verbunden und dekoriert:



Das Kaffeekapselkleid hat mich auch sehr beeindruckt. Ich erinnere mich, dass meine Tochter bereits im Hort mit alten Kapseln gebastelt hat, wenn man sich überlegt, wieviele Kaffeekapseln jeden Tag verbraucht werden und im Müll landen, Horror!

Oben zwei kostümartige Kleider aus unterschiedlichem Zeug in einheitlicher Farbe, unten wurden alte Plastikhandschuhe gefärbt, aufgerauht, irgendwie verwandelt und miteinander verbunden, sehr cool:



Und zu guter Letzt ein Kleid aus übrig gebliebener oder abgehängtem Absperrband. Sind diese Ideen nicht allesamt der Hammer? Bei manch einem dieser Kleider habe ich gedacht, wow, absolut tragbar für eine Party. In Gedanken war ich noch ein bisschen bei Munichfrocktails, dort hätte man so etwas wirklich anziehen können. Einen Extrabericht zu den Frocktails werde ich allerdings nicht machen, ich habe einfach nur den Abend genossen, getanzt, getrunken, geredet und kein einziges Foto gemacht.

Herzlichen Gruß, Anja


Donnerstag, 5. März 2026

Organzabluse abgewandelt - La mia Boutique - Me made Mittwoch

Upps, das ging schnell. Montag Abend habe ich in geselliger Online-Runde den Stoff zugeschnitten. Dienstag und Mittwoch Abend genäht und heute bei Sonnenlicht schnelle Indoor-Fotos gemacht. Anziehen kann man die Bluse bei den Temperaturen freilich noch nicht. So nehme ich dann auch mal wieder beim Me made Mittwoch teil. Der gerät immer mehr in Vergessenheit aus unterschiedlichen Gründen.

Es ist im Wesentlich das gleiche Modell wie dieses in diesem Post ausführlich beschriebene Teil. Selbst der Stoff ist am gleichen Tag in gleicher Menge beim gleichen Händler gekauft worden. Schwarz war geplant, im Endeffekt bin ich aber mit der anderen Farbe, Olivgrün, glücklicher. 

Vor der Fertigstellung habe ich noch überlegt, ob ich die Nähte in kontrastierender Farbe nähe, Rot zum Beispiel, habe es dann aber doch gelassen. Einfarbig lässt sich doch besser kombinieren.

Was habe ich anders gemacht als beim Organzakleid: die Länge ist die Originallänge der Bluse. Ich habe mehr Nahtzugabe geschnitten, weil ich das bei dem Überkleid aus Organza für französische Nähte knapp fand - die Bluse ist auch deutlich weiter geworden als das Kleid, fast ein bisschen mehr als ich wollte. Schon beim Auflegen auf den Stoff war klar, dass ich deutlich mehr Weite eingeplant hatte, vorstellen kann man sich das dann aber erst bei der Anprobe. Ich habe einen zusätzlichen Volant auf der anderen Seite eingesetzt, allerdings nicht über den Ärmel, sondern nur im Vorderteil über Eck. Man kann das auf den Fotos alles sehr schlecht erkennen. Das ist auf dem Foto des Originals im Schnittmuterheft in marineblau aber auch so. Dunkle Farben lassen sich einfach schlecht fotografieren.  Außerdem ist der Ärmel ohne Volant erheblich länger und weiter als im Originalschnitt. Ich habe jetzt nicht nur eine asymmetrische Form, sondern auch einen Längenunterschied. Die Volants hängen über den Saum schräg hinaus, es bilden sich unten also zwei Zipfel.


Ach ja, hinten habe ich diesmal die vorgesehene Teilungsnaht gelassen. Das hat die Knopfverschlusslösung vereinfacht. Das Original sieht einen Reißverschluss vor, wegen meiner Mehrweite hätte ich bei dieser Bluse vermutlich gar keinen Verschluss gebraucht. Aber auch das wusste ich vorher nicht. Schlimmer wäre es gewesen, wenn das Halsloch zu eng wird.


Ich habe die Bluse oben über einer Jeanslatzhose angezogen, unten über einer normalen Jeanshose:



Im Sommer gibt es sicher noch weitere Tragevarianten mit leichterer Kleidung, die noch in den Kisten verstaut ist. Aber grundsätzlich gefällt mir der Bruch, feiner Organza, derber Denim.

Die Bluse ist allerdings noch nicht fertig:

Der Beleg hinten und die Nahtzugabe am vorderen Beleg sind noch nicht befestigt. Auf diesem Foto wollte ich euch eigentlich auch noch den schönen Knopf, vermutlich Original 60er Jahre, zeigen, den ich aus dem Bestand meiner Mutter übernommen habe, der hier einen Ehrenplatz bekommen hat. Ebenfalls aus dem Bestand meiner Mutter sind die schwarzen Pailletten, die ich noch aufnähen werde, um die Belege zu befestigen, um Effekte an Vorder-/Rückenteil und an den Volants zu gestalten. Vermutlich mache ich das wieder freestyle wie mit den Perlen an dieser Bluse. Dafür nehme ich mir irgendwann Zeit.

Für die Kosten, den Schwierigkeitsgrad können einfach alle Angaben aus dem Post des Kleides übernommen werden. Zeit habe ich deutlich weniger gebraucht, weil der Schnitt kopiert war und ich im Organzanähen "drin" war und alles so übernommen habe wie vor 2 Wochen.

Gezeigt auf letzte Minute beim Me made Mittwoch im März, auch, um Manuela einen Eindruck zu verschaffen, die schon auf Bilder gehofft hat, das grüne Organzakleid nehme ich mit zu den Munichfrocktails und trage es dort nun über winterlicher Kleidung. Ein Foto packe ich dann in den alten Post von vor 2 Wochen. Hoffentlich treffe ich viele von euch in München....

Lieben Gruß, Anja

Freitag, 20. Februar 2026

Organzaliebe

Nachdem ich letztes Jahr meine Organza Hemdblusenjacke (in Italien ein gebräuchliches Kleidungsstück, jedenfalls tauchen diese Soprabiti in den Sommerheften der La mia Boutique wiederholt auf) genäht habe, war ich von dem Material und den Tragemöglichkeiten sehr angetan, so angenehm an warmen Sommertagen, so vielseitig zu kombinieren, so edel anzuschauen, so nobel das Tragegefühl.

Ich war dann bei Selfmade, ehemals Stoff & Stil, wo ich online Seidenorganza gesehen habe und habe sehr spontan 2 x 2 m Organza gekauft, einmal in schwarz (das war der Plan) und einmal in olivgrün (gab es nur im Laden), die Haptik des Stoffes war identisch mit dem von New Tess, ich habe allerdings den Eindruck, dass der günstige von Selfmade beim Nähen mehr ausfranste. Er kostete die Hälfte, lag allerdings nicht so breit, ca. 100 cm. Einen Plan hatte ich nicht, für eine Bluse sollten 2 m sicher reichen.

Der Stoff lag eine Weile in einer Tüte herum. Kürzlich zeigte Rebekka (bei Instagram Gemeine Wildrebe) ihre Bluse aus dem Organza von New Tess, den sie am gleichen Tag dort gekauft hat wie ich meinen blauen Organza. Da ich sowieso gerade im Nähflow war, holte ich meinen Stoff aus dem Schrank, durchforstete die Schnittmusterhefte und fand diesen Schnitt in einer La mia Boutique vom April 2017. Meine Schnittteile konnte ich genauso wie unten auflegen trotz schmalerer Stoffbreite und problemlos zu einem Kleid verlängern, um die Stoffmenge optimal zu nutzen.


Auf dem Foto unten kann man den Volant nur erahnen. Wie ihr seht, gehört noch eine Hose mit Volant zu der Kombination. Sehr cool das Ganze. Eine Organzahose brauche ich jetzt nicht, aber der Schnitt schien mir hinreichend simpel (wenige Teilungsnähte) und doch besonders, um den Organza zur Geltung zu bringen.


An einem verschneiten Tag war ich fast fertig. Der Stoff ruft nach Sommer. Dieser Winter ist wirklich unendlich lang. Deswegen gibt es auch erstmal keine Tragefotos, denn alles, was ich darunter tragen könnte, ist in den Kisten auf dem Schrank und ich müsste eine Leiter holen und ziemlich räumen.

Hier das fertige Kleid auf dem Bügel. Ich habe mich nur teilweise an die Anleitung gehalten. Ein Beleg wurde zu einem weiteren kleinen Volant am Halsausschnitt vorne. Hinten schließt das Kleid mit einem Knopf statt einem Reißverschluss. Die Seiten- und Schulternähte sind als französische Naht gearbeitet. 

Das Rollsäumen hat beim Volant nicht geklappt, die gebogene Linie wollte nicht mitfassen, also habe ich mich bei allen Säumen und der Dreifachnaht Vorderteile/Volant für einen ganz engen Zickzackstich entschieden. Das gibt dem durchscheinenden Organza einen etwas robusten Abschluss. 

Noch Fotos von einigen Details, Knopf und Saumabschluss:




Wie trägt man nun so ein Soprabito? 

Meistens mit einem Slipdress darunter, ich habe ein anthrazitfarbenes Unterkleid, das könnte gehen. Es geht aber vermutlich auch mit Hose/Jeans und Shirt/Top in gleicher Basisfarbe.

Möglich ist auch ein Etuikleid, das schwarze, das ich auch unter dem blauen Soprabito in der Verlinkung trage, geht sicherlich. Auch das gemusterte schlicht geschnittene Top ist prima, es enthält ein ähnliches Grün, Rock/Hose muss ich dazu noch finden

Aber insgesamt finde ich, sind das einige Möglichkeiten. Wenn ich im Frühjahr/Sommer die Kisten mit der luftigen Kleidung hervorhole, kommen mir sicher weitere Ideen.

Zusammenfassung:

Schwierigkeitsgrad: da ich mich letztes Jahr bereits mit Organza beschäftigt habe, wusste ich auf was ich zu achten habe und was mich erwartet. Organza ist ein wenig steif, insofern nicht rutschig und flutschig wie Seide, das Nähen ist viel einfacher. Der gebogene Volant war schwierig, Rollsaum klappte garnicht, zum Glück funktionierte der enge Zickzackstich gut und hat keinen Stoff eingezogen. Der Schnitt ist an sich simpel.

Zeitaufwand: manchmal finde ich, das Kopieren eines Schnittmusters, das Anpassen (Abnäher verlegen, Weite kontrollieren, vor allem am Halsausschnitt) und der Zuschnitt brauchen mehr Zeit als das eigentliche Nähen, das war hier so.

Kosten: Grünes Garn hatte ich, Knöpfe auch, der Stoff kostete 35 Euro für 2 m

Herzlichen Gruß und anziehen werde ich das Teil - in welcher Kombi auch immer - hoffentlich bei Swissfrocktails, zu dem ich mich wagemutig angemeldet habe,

Anja


P.S. Ich hatte mein Organza Overlay jetzt in München dabei und am Tag nach den Munichfrocktails in dieser Kombination an:







Dienstag, 17. Februar 2026

Klassische Hemdbluse - mit einigen Hindernissen

Kürzlich hat Tina ihre Hemdbluse beim Me made Mittwoch präsentiert und ein Kommentar lautete, dass eine weiße Hemdbluse die Königsdisziplin beim Nähen sei. Und bereits letzten Sommer beim von Tina und Manuela initiierten Hemdblusenkleid-Sew-Along stieß ich im Vorfeld auf diese Bluse aus der damals frisch im Urlaub erworbenen La mia Boutique. Ich bin eigentlich keine Hemdblusenträgerin, die Kaufhemdblusen, die ich jemals hatte, sind im Wesentlichen ausgemistet, Kombination und Bügeln bereiteten mir Schwierigkeiten. Ich ziehe lieber dehnbare dünne Rollis an. Aber das Nähen einer derartigen Bluse hat mich damals doch irgendwie angefixt. So ganz normal klassisch sollte sie allerdings nicht sein, das gibt der italienische Schnitt mit Brusttaschen, Klappen, Riegeln, interessanter Knopfposition und Teilungsnähten zum Glück her.


Im August fand ich den richtigen Stoff auf einer Belgienreise bei The Fabric Sales, eine rotorangeterrakottafarbene Baumwollpopeline, die sich super anfühlte, vor dem Spiegel mit anderen Hemdstoffen deutlich besser abschnitt als andere Rottöne (Weiß kam eh nicht in Frage, Blau besitze ich noch/schon).

Die Größenentscheidung ist immer schwierig, bei einer Bluse neige ich dazu, mich am Brustmaß zu orientieren. Bei diesem Schnitt habe ich dabei leider außer Acht gelassen, dass der Schnitt Richtung Taille und Hüfte nicht gerade herunter geht, sondern - ähnlich wie bei Tinas Hemdbluse - eine Sanduhr bildet. Insofern war die erste Anprobe am Oberkörper ernüchternd. Da ich glücklicherweise noch Stoff hatte, habe ich an den Seiten zwischen Rücken- und Vorderteil Streifen eingesetzt, um Mehrweite zu gewinnen, am Ärmel hatte ich reichlich Nahtzugabe, so dass das Ärmelloch einigermaßen aufging.

Kragen, Manschetten (habe ich mit einem der zahlreichen Videos aus dem Internet gemacht), Säumen klappte dann nähtechnisch problemlos. Bis es an die Knopflöcher ging. Die wollte ich besonders ordentlich machen, klappte auch, wenn man von dem obersten vorne absieht. Nur leider habe ich die beiden Knopflöcher an der Manschette (wegen des Hinweises in dem Video, dass man sie nicht zu nah an den Rand machen soll, weil die Knöpfe dann ggf. unschön über den Rand hinaus ragen) zu weit nach innen genäht. Um das auszugleichen, sind die Knöpfe sehr weit außen, ich kann einigermaßen in den geschlossenen Ärmel schlüpfen, aber 1 cm Mehrweite wäre prima. Außerdem steht die Manschette auch ein wenig ab. Nun ja, aus Fehlern lernt man. Für neue Manschetten hätte mein Stoff nicht mehr gereicht, die Ärmel sind absichtlich etwas länger, das mag ich so, in diesem Fall führt es natürlich dazu, dass der Ärmel etwas staucht.



Zu den Knöpfen, ich wollte welche aus dem Bestand verwenden: An den Manschetten sind 4 identische weiße, die gleichen sind auf dem Riegel, vorne habe ich 4 orange aus der Kiste und 3 weiße in gleicher Größe verwendet, eine Alternative wären sicher bezogene Knöpfe gewesen, ich habe auch noch solche Rohlinge, habe aber das Beziehen nicht in bester Erinnerung. Auf das Outsourcen bin ich nicht gekommen, ich glaube, so einen Laden gibt es hier in Frankfurt auch.

 

Hinten habe ich mittig ein kleines silbernes Herz aufgenäht, aus irgendwelchen Ketten-Fädel-Restbeständen. Auf der blauen Kaufhemdbluse ist auch sowas, das sieht tatsächlich wertig aus. Könnte 2 cm tiefer sein, so verschwindet es fast unter dem Kragen (unter den Haaren sowieso), aber bei sowas geht es ja um das Wissen, dass da noch was Besonderes ist.



In die farblich passende, aber selten getragene Hose bin ich nach Fertigstellung der Bluse schnell zuhause geschlüpft, fühle mich nur semiwohl, das liegt an der Hose mit dem Gummizug, der hinten sichtbar ist.

Mit dem Rock ist das Gefühl schon deutlich besser. Ich durchforste weiter meinen Kleiderschrank nach Kombinationen, grundsätzlich kommen wahrscheinlich auch alle Trägerkleider in Frage.




Zusammenfassung:

Schwierigkeitsgrad: schwierig, in der La mia Boutique ist auch ein Hinweise "per esperte", das kann ich nur unterstreichen. Wenn ich nicht schon mehrmals einen Kragen genäht hätte und die Videos zur Manschette gehabt hätte, wäre ich verloren gewesen.

Zeitaufwand: etwa eine Woche, fast jeden Abend, immer ein bisschen, das Schnitt kopieren mit den vielen Teilen, dann der Zuschnitt, viele Nähte, Gedanken zur Anpassung, das brauchte seine Zeit

Kosten: 1,5 m Baumwollpopeline von The Fabric Sales, nicht mehr erhältlich, insgesamt 18 Euro, alles andere aus dem Bestand.

Herzlichen Gruß, Anja


Montag, 26. Januar 2026

Ursula Niehaus - der Stoff, aus dem die Bilder sind

Über einen Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung bin ich auf diese Ausstellung aufmerksam geworden. Gestern bin ich ins 30 Minuten entfernte Bad Soden gefahren - und war ein bisschen überwältigt. Deshalb hier eine Bilderflut, ich konnte mich nicht entscheiden, was ich poste, deswegen ist es viel geworden. Keine große Künstlerin, nicht bekannt, sie schreibt auch Bücher über textile Materialien, historische Romane, ihr könnt sie googeln bei Interesse.

Die Motive sind fast alltäglich - und doch ein bisschen besonders. Momentaufnahmen. Es werden keine Farben verwendet, es handelt sich ausschließlich um Collagen aus Stoff, das Mädchen im Bild unten trägt z.B. eine Jeansshorts aus Jeansstoff. Die gesamte Leinwand ist mit Stoff bezogen, darauf weitere Stoffschichten in verschiedenen Farben. Die Schatten jeweils dunkler. Das Bild ist in echt ziemlich groß, vielleicht 120 x 70. Im Prinzip sind alle Bilder, auf denen mehrere Personen sind größer. Die Bilder, auf denen nur Gesichter sind, haben etwa eine Größe von 70x70.


Viele Frauenmotive, oft Frauen, die gestylt wirken, fast wie Models aus einem Modeheft. Viel Rot, Rosa, Grau, aber vereinzelt auch andere Farben. Viel Baumwolle, Uni, manchmal gemusterte Stoffe, wo das Muster in das Motiv integriert wurde. Ab und zu Stoffe mit anderer Haptik, Fell, Leder, Jeans.



Es gab auch sehr viele Bilder von Stewardessen, ob die Künstlerin einen Bezug zur Luftfahrt hat, weiß ich nicht, der Gedanke kam mir allerdings.




Im Bild unten ist der Mantel aus Fell. Auf den Fotos sind die Strukturen leider nicht erkennbar. Die Großaufnahme darunter verdeutlicht nochmal, wie der Stoff geklebt ist. 



Gut gefiel mir, dass es ein halbfertiges Bild in der Ausstellung gab, der Prozess erinnert mich an Malen nach Zahlen. Stoff aufkleben, vorgezeichnete Felder. 

In der Ausstellung war ein Eimer, jeder war aufgefordert, Stoffreste oder Altkleider mitzubringen, insbesondere in der Farbe Rosa, die zur Neige geht. Leider wusste ich das nicht, sonst hätte ich gerne irgendwas abgegeben.


Ein Bild mit Frauen an Nähmaschinen.



Auch hier oben, das Orange ist richtig dickes Kunstfell. Ich bin richtig motiviert, sowas auch mal auszuprobieren. Eine tolle Art der Stoffresteverwertung. 

Ich merke, dass ich fast nur die Frauenbilder fotografiert habe. Es gab auch eine Serie mit Villen, die an Kalifornien erinnerten. Irgendwie fand ich die nicht so gelungen. Sie wirkten weniger echt. Ein bisschen erinnert der Stil auch an Pop-Art, denke ich gerade.

Viel Spaß beim Schauen und ich denke, dass ich das auch mal auprobieren werde.

Lieben Gruß, Anja



Dienstag, 20. Januar 2026

Beschäftigungsprojekt für lange Tage - aka eine neue Bluse ist entstanden

Ende November musste ich eine Zwangspause nehmen und zuhause sitzen, mit der Knieverletzung konnte ich auch nicht auf dem Boden zuschneiden oder die Nähmaschine bedienen. Eine Freundin fragte mich, ob ich sticke. Eher nicht. Sie brachte mir dann Bücher zur Beschäftigung vorbei, in dem unten fotografierten Band waren wunderbare Projekte - zum Sticken. An Perlen und Pailletten hatte ich dabei nicht gedacht, aber einfach geschnittene Kleidungsstücke ganz zauberhaft bestickt inspirierten mich doch, Perlen und Pailletten aus dem Fundus zu holen.



Ich habe mich für kleine Perlen, die in meiner Sammlung vorhanden waren, entschieden. Gekauft ursprünglich von meiner Tochter, die sich Ohrringe gefädelt hat. Sie passten perfekt zu einem bunten Stoff, ein Rest von diesem Kleid. Relativ freestyle habe ich die Blüten und Ranken in einen runden Stickrahmen gelegt und bestickt. Unten Details, auf dem Gesamtbild ist die Stickerei nicht erkennbar. Ob Maschinenwäsche funktioniert, keine Ahnung.

Irgendwann als mein Knie schon besser wurde, habe ich auch mehr oder weniger freestyle Vorder- und Rückenteil für ein ärmelloses Top ausgeschnitten, Abnäher hinein gebastelt, das Ganze zusammengenäht. Es passte dann nicht ganz von der Länge, zum Glück hatte ich einen Rest farblich passendes Band, das ich vorne angesetzt habe. Als sollte es so sein, gibt dem Ganzen eine sportliche Note.



Ursprünglich wollte ich hinten nichts aufsticken, wer schaut schon auf die Rückseite. Aber als ich kurz vor Weihnachten in einem Workshop eines kleinen Frankfurter Labels war und die Eigner betonten, wie außergewöhnlich es sei, dass sie auch auf der Rückseite eines Kleidungsstücks kleine Besonderheiten gestalten, habe ich auf der Rückseite auch eine lange Perlenreihe aufgestickt. Vielleicht ahnt man es auf den Fotos.



Nun ist mitten im Winter ein sommerliches Kleidungsstück entstanden. Unbeabsichtigt. So richtig wusste ich nicht, was damit anfangen und auch nicht, wie kombinieren. Bis ich - als mein Knie besser wurde - auf der Leiter die Kiste mit den ungetragenen Sachen runterholte (Lederbermudas von 1995 passt noch - juhu) und mir dieser Rock in die Hände fiel. Auf den ersten Blick krass, aber dann irgendwie doch so als ob es absichtlich diesen Mustermix wollte. Hat mich ein bisschen an Dries van Noten erinnert, wie er im Film die Stoffe nebeneinander legte und Kombinationen erarbeitete.




Zusammenfassung:

Zeitaufwand:  Das Sticken hat lange gedauert, immer mal wieder eine Stunde für eine Sequenz, das ist etwas, das man nur machen kann, wenn man wirklich Ruhe und Muße hat. Die hatte ich, da viel sitzen sollte. Das Nähen der Bluse ging fix, sind ja nur 2 Nähte und die Säume.

Schwierigkeitsgrad: Einfach, wenn man einmal raus hat, wie man am besten die Perlen aufstickt und wie lang der Faden sein darf/soll.

Kosten: Absolut keine. Und schön, wenn man im Bestand Dinge hat, die Verwendung finden.

Herzlichen Gruß

Anja