Montag, 20. Juli 2026

Karijini Dress - aus Seidenmix von Intrend/Max Mara

Vor etwas mehr als 2 Jahren habe ich das Karijini Dress genäht, der Schnitt hat mich begeistert, das Nähen hat Spaß gemacht, der Stoff ist toll - aber leider ziehe ich es viel zu selten an. 

Teils liegt das daran, weil der Baumwoll Waxprint nicht dünn ist und das Kleid oben gedoppelt ist. Ich finde es auch vorne recht kurz, aber all das erklärt nicht, dass es dauernd im Schrank hängt. Es gefällt mir immer noch sehr. Vielleicht sind es die auffallenden Farben, die es nicht bürotauglich machen? Und für das Wochenende zum Rumhängen, Wandern usw. ist es dann wieder zu gut.

Aber: ich hatte es kürzlich zu einem Stadtspaziergang in Wiesbaden an und bin von mehreren Seiten für das tolle Outfit gelobt worden. Eine Nähfreundin hat auch trotz des wilden Farbschemas das Potential des Schnittes erkannt - dieser zeigt sich noch mehr, wenn es in einem uni Stoff genäht wird.

In der Woche drauf habe ich das Schnittmuster heraus gekramt. Den Schnitt etwas mühselig vorne um weitere 8 - 10 cm verlängert, hinten wollte ich nicht verlängern, aber aufgrund der speziellen Konstruktion fehlte mir die Idee, wie ich das umsetzen sollte. Also habe ich erstmal alles verlängert und wollte dann hinterher schauen, ob ich auf der Rückseite noch kürzen kann.

Als Stoff kam ein wunderbarer Stoff aus dem Max Mara Outlet in Triest in Betracht: blaugrün, eine grandiose Farbe, ich habe den Stoff nur wegen dieser Farbe mitgenommen. 2,60 m einer Mischung mit 25 % Seide und 75 Polyester. Haptisch ist es wie die 100 % Seide von diesem Kleid, er verhielt sich auch beim Zuschnitt ähnlich (wie dünnes Papier), er hat Stand (vielleicht nicht die beste Wahl für das Kleid, aber das kam mir erst hinterher), die Nadel hinterließ feine Löcher, an den Rändern franste er superfein aus. Eine Diva.

Ich habe zugeschnitten und mich wieder durch die komplexe, aber verständliche Anleitung gearbeitet, aufgrund der Hitze draußen und drinnen hatte ich manchmal ein Fragezeichen im Kopf, aber zum Glück konnte ich immer an dem bereits fertigen Kleid schauen und so erschloss sich alles nach und nach. An einigen Stellen französische Nähte, aber nicht überall, dass der Stoff so franst habe ich erst gegen Ende bemerkt. Ein paar Kappnähte, die so in der Anleitung vorgesehen sind. Abnäher, Ecken, Umschläge, Falten - und fertig!

Getragen habe ich das Kleid erstmals bei dem wunderbaren Montags-Nähdelstreffen in Münster, es war frischer als ich dachte, so dass ich indoor im Wesentlichen meinen Organza Soprabito über dem Kleid anhatte. Den hatte ich an allen 3 Tagen und auf der Bahnfahrt über der jeweiligen Kleidung, insofern funktional und zu allem passend.

Für das Foto im Foyer des LWL-Museum, wo die Anderen kurz die Toilette besuchten und ich die Ablage eines Desinfektionsspenders für mein Selfie nutzte, habe ich die Jacke ausgezogen.



Bevor wir den kleinen Stadtrundgang gemacht haben, waren wir im Hutladen, daher hier noch Aufnahmen von Kleid, Soprabito und Hüten, der eine blieb bei mir:



Das Kleid trägt sich prima, macht alle Bewegungen mit, eignet sich für Tag und Abend (dafür hatte ich es ursprünglich mitgenommen, aber vor dem Abendtreffen haben wir eine Radtour gemacht und das werde ich dem Stoff erst hier zu Hause zumuten, weniger Radtour, als kurze Fahrradfahrt irgendwohin).

Bevor ich es morgen erneut zum Arbeiten anziehe, muss ich es bügeln, Tragen und Transport haben reichlich Knitterfalten erzeugt, die sich nicht aushängen lassen. Ich ergänze dann auch die Aufnahme von der Rückseite. Als ich das Foto im Museum machen wollte, kamen die beiden Begleiterinnen schon von der Toilette zurück.

Zusammenfassung:

Schwierigkeitsgrad: für Fortgeschrittene, der Schnitt ist nicht ohne, er funktioniert nur, wenn man sich genau daran hält, Abwandlungen sind nicht so einfach zu konstruieren, das Nähen mit feinem Stoff kriegt meine Maschine dank Geradstichplatte und Mikrotexnadel gut hin.

Zeitaufwand: eine Woche jeden Abend, mehrere Stunden, also eine Menge, obwohl ich den Schnitt schon kopiert und ausgeschnitten hatte.

Kosten: der Coupon kostete 33 Euro, Garn aus dem Bestand

Sommerliche Grüße

Anja

Montag, 6. Juli 2026

Seidenchiffonblüschen aus Shape Shape

Ich habe vor langer Zeit einmal eine vorhandene Seidenbluse geändert und zu dem nun unten erneut genähten Blüschen vernäht. Vermutlich habe ich sie nicht verbloggt, jedenfalls finde ich sie nicht. Der Schnitt ist aus dem ersten Buch von Shape Shape, das ich in der Bücherei ausgeliehen hatte. Dabei habe ich damals die vorhandene Knopfleiste erhalten. Allerdings finde ich eine Knopfleiste im Rücken suboptimal. Die Idee der Bluse ist, dass man sie beidseitig tragen kann. Aber die geschlungene Seite ist vorne einfach viel schöner. Dann hat man allerdings hinten eine Knopfleiste. Mir war das unangenehm, wenn ich angelehnt irgendwo sitze. Insofern trug ich die Bluse selten, mittlerweile ist sie ausgemistet.

Vor ein paar Wochen habe ich eine fantastische Seide (Chiffon) mit 30 % Rabatt gekauft. Es war an einem heißen Tag, ich liebe Seide an derartigen Tage. Besitze allerdings nur Kleider, kein Oberteil. Also habe ich einfach mal 70 cm mitgenommen. Noch ohne eine Idee, was daraus werden kann. Der Schnitt sollte einfach sein, wenige Schnittteile, dennoch besonders in der Optik. Da habe ich mich an die geschlungene Bluse von damals erinnert.

Unten seht ihr grob, wie der Schnitt sich zusammensetzt. Ich habe das Teil mit den Knöpfen im Bruch zugeschnitten, was bedeutet, dass ich die Verschlingung vor dem Nähen arrangieren muss. Im Buch gibt es auch eine Anziehanleitung. Wenn man einmal verstanden hat, wie die Teile zusammen gehören, ist es machbar.

Um die wertige Seide nicht fälschlicherweise in der falschen Größe zuzuschneiden, habe ich ein Probeteil ausgeschnitten - und verdreht zusammengenäht. Was für ein Drama, mehrmals musste ich die Schulternaht auftrennen, weil ich etwas nochmal verdreht habe. Im Prinzip wollte ich die Idee schon "entsorgen" und mir einen neuen Schnitt suchen. Eine Nähfreundin brachte mich auf den Gedanken, die Teile jeweils mit Masking Tape zu markieren, also alle Ecken so wie sie später zusammen gehören. Das hat geholfen. So habe ich in kleinen Schritten 4 Nähte genäht und den Überblick behalten. Armlöcher und die ganzen Langseiten der anderen Teile sind mit Rollsaum maschinengenäht, es hat leidlich funktioniert. Nur da, wo französische Nähte waren, musste ich unterbrechen. Stört mich nicht. Mit dem optischen Ergebnis bin ich zufrieden.



Oben die Verschlingung vorn, unten das "Rückenteil" vorn. Der dünne Stoff ist blickdichter als ich dachte, natürlich kann ich auch etwas unterziehen, damit weniger Haut rausschaut. Im Laden beim Stoffkauf hatte ich übrigens auch die orange Hose an - wahrscheinlich war ich deshalb von dem Stoff so angetan.


Und jetzt noch die Rückseite, einmal gerade unten, einmal gewickelt oben. Alles möglich.


Ich bin sehr, sehr zufrieden mit der dünnen raffinierten Bluse.

Zusammenfassung:

Schwierigkeitsgrad: durch die Abwandlung mit der weggelassenen Knopfleiste tat ich mich schwer, allerdings hätte ich mich mit einer Knopfleiste in diesem Stoff auch schwer getan bzw. es ausgeschlossen, diese zu nähen.

Zeitaufwand: 2 Stunden Probeteil - ohne Erfolg; 2 Stunden Nähen der Bluse nachdem ich ein System hatte, der Rollsaum funktionierte auch einwandfrei. Den Schnitt hatte ich bereits vor ewigen Zeiten kopiert.

Kosten: ca. 24 Euro für den Stoff, Garn hatte ich.

Vielen Dank fürs Schauen, sommerliche Grüße, Anja

Mittwoch, 1. Juli 2026

Bodycon Dress aus Burda 4/2024

In unserer Stadtbibliothek wurden letztens alte Burdahefte ausgemustert. Gegen eine kleine Spende habe ich einige mitgenommen, in denen interessante Schnitte waren.

An dem unten gezeigten Kleid hat mir der Ausschnitt besonders gut gefallen. Das Heft ist vom April 2024, Modell 122, das es in mehreren Varianten gibt. Auch als Oberteil. Und mit einer bebilderten Anleitung. Die wäre zwar nicht nötig, denn im wesentlichen besteht das Kleid aus ganz wenigen Nähten, wenigen Arbeitsschritten. Die Kombination weiter Ausschnitt - lange Ärmel schien mir nicht tauglich, denn gerade erst während des Me Made May habe ich eruiert, warum ich bestimmte Sachen nicht trage - dazu gehörten die, wo Schnitt, Stoff, Saison irgendwie nicht zueinander passen. Lange wärmende Ärmel würde ich nie mit einem weiten luftigen Ausschnitt tragen. Was liegt da näher als die Ärmel zu kürzen?

Den perfekten Stoff für das sogenannte Bodycon Dress (ein Begriff, den ich vorher noch nicht kannte, er bezieht sich auf körpernahe Kleidung) hatte ich letzten Sommer in Löwen bei The Fabric Sales gefunden. Einen gestreiften Jersey, nicht sehr dünn, leichte Struktur, ein wunderbarer ins Petrol gehender Blauton. Davon hatte ich - wie ich schlussendlich feststellte - 1,5 m. Zum Glück lag der Stoff sehr breit, so dass ich Vorder- und Rückenteil sowie Belege und 2 kurze Ärmel auf die volle Länge auflegen konnte. Ein Minirest für ein Scrunchie ist mir noch geblieben.


Genäht und getragen habe ich das Kleid vor der großen Hitze. Für die Hitze wäre es auch nicht tauglich, weil m.E. der Jersey zu dick ist. In dieser Woche würde es wieder gehen. Während der sehr heißen Tag habe ich dieses und dieses A-Linien-Kleider aus Seide getragen, alternativ auch dieses mit technischem Zeug versetzte Seide und dieses aus Seidentaffetta, die wirken etwas dicker, aber da sie Stand hatten, klebte nichts an der Haut. 

An meinem Arbeitsplatz war es 29 Grad warm, die Nächte kühlten bei uns nur auf 25 Grad ab und als die 40 Grad Außentemperatur erreicht waren (Wochenende bzw. freier Freitag) habe ich einmal eine luftige Hose probiert (Leinen), sie klebte nach kurzer Zeit an der Taille - no way. Fluffige Kleider sind das Beste, weil gefragt wurde, was wir bei Hitze tragen. Material definitiv Seide, notfalls Leinen, nichts Anderes.

Damit das Kleid nicht so schlicht und langweilig daher kommt, habe ich oben am Ausschnitt und am Seitenschlitz eine farblich passende Spitze zwischen gefasst. Aus dem Bestand, ursprünglich aus der Nähkiste meiner verstorbenen Mutter stammend. Die Menge reichte gerade so. Ein Minilabel am Rücken - ein Überbleibsel von Munichfrocktails et voilá:


Und ihr seht, bei mir sitzt das Bodycon Dress nicht hauteng, das hätte mir absolut nicht gefallen, ich habe einige cm Spiel zwischen Körper und Stoff gelassen. 




Schnelle Zusammenfassung:

Schwierigkeitsgrad: sehr einfach; Zeitaufwand: sehr schnell; Kosten: ca. 23 Euro für den Stoff, alles andere aus dem Bestand

Präsentiert beim Me Made Mittwoch im Juli, herzlichen Gruß

Anja

Dienstag, 30. Juni 2026

TIM Augsburg - Talbot & Runhof

In sehr netter Begleitung von Gabi-Langer Faden sowie 2 Nähfreundinnen ohne Blog oder Instagram, war ich vor fast 2 1/2 Wochen im TIM in Augsburg - ein wunderbares Museum, ganz in der Nähe meiner einen Freundin, insofern immer eine schöne Gelegenheit für ein Treffen. Außerdem bietet das Museum ein tolles Beiprogramm zur Sonderausstellung Celebrating Fashion an. Leider vorwiegend während der Woche, daher konnte ich an keiner der Veranstaltungen teilnehmen. 

Aber die Talbot & Runhof Ausstellung hat sich gelohnt. Von dem Designerduo aus München (bzw. USA und Wiesbaden) hatte ich vorher am Rande gehört. Keiner von ihnen hat eine klassische Schneider- bzw. Modedesignausbildung. 

Gezeigt werden in Augsburg Modelle, die dem Museum als Dauerleihgabe überlassen wurden und die auf diversen Fashion Weeks in Paris gezeigt wurden. Es gibt auch Videos dieser Shows zu sehen. Dort ist dann ersichtlich, wie die gezeigten Stücke am Körper, in Bewegung aussehen. Die Beleuchtung in der Ausstellung war super, man konnte auch ganz nah an die Kleidung heran gehen und sich so Details wie Nähte, Säume, Stickereien usw. anschauen. In einem nachgebauten Atelier gab es die Möglichkeit, Stoffe zu befühlen, die für die Modelle verwendet wurden. Auch die Hersteller waren benannt, im wesentlichen weniger als eine Handvoll, die langjährig für Talbot&Runhof arbeiten, aus der Schweiz und Norditalien (u.a. Clerici mit dem Laden New Tess in Mailand, der auch für Endkunden geöffnet ist, dieses Kleid, diese Hose, diesen Soprabito habe ich aus Stoffen von dort genäht).

Die Kollektionen sind oft politisch. Die beiden Modelle unten sind aus Cord (Schwulenbewegung), weiter unten sind die Kollektionen mit dem Konterfei von Putin sowie ganz unten T.-Shirts mit Fake Aufschriften nach der ersten Wahl von Trump. Einen Bericht/Erläuterungen dazu gibt es hier.


Die Rückseite dieser Badeanzüge fand ich sehr spannend:


Ganz ganz viel wurde drapiert. Die Ergebnisse wie die oben gezeigte Verzierung zeigen die architektonischen Einflüsse der Designer.

Sehr witzig unten das "Schwarzwaldmädel", tolle Knopfleiste und gut mit Resten nachzubauen.



Black and White sehr plastisch:


Das Material des Mantels unten war irgendwie plastikartik, aber natürlich kein Plastik, eine Firma in der Schweiz fertigt diese besonderen Materialien, die dann verwendet werden.




Oben Hippie/Back to the Sixties and Seventies und unten ein Modell mit unfassbarer Stickerei, wir standen lange davor, um uns die Details anzuschauen....soviele verschiedene Perlen, Elemente, Kreuze, Federn, Bänder usw.


mm

Und zum Schluss möchte ich euch diesen Saum nicht vorenthalten, das können wir besser. An anderer Stelle gab es allerdings Säume, wo überhaupt nicht erkennbar war, wie die befestigt waren, komplett unsichtbar, keine Einstichstellen, nichts, vielleicht mit einer Lupe eine kleine Erhebung zu erkennen. Wahnsinn.

Damit hoffe ich, Geschmack auf die Ausstellung gemacht zu haben. später daheim ist mir auch eingefallen, dass ich schon einmal einen Rock nachgenäht habe, Mema hatte ihn und ich habe ihn kopiert. Einfach und wirkungsvoll.

Herzlichen Gruß

Anja

Montag, 22. Juni 2026

(Not-) Cropped Oberteil aus der Cartamodelli

Aus den Resten der Stoffstücke, die ich an der Hose angenäht habe bzw. eigentlich war der Jeans ja bereits ein Rest von einer Jeansjacke, die ein paar Jahre vorher genäht wurde (so ist das mit Spontankäufen, da bleibt was übrig), habe ich ein schnelles kleines sommerliches Oberteil genäht. Ich habe dieses Schnittmuster unten vom Titel der Cartamodelli vom April verwendet. Kopiert in der deutschen Größe 42 und verlängert, denn ganz so cropped wollte ich es nicht haben.

Ansonsten alles wie im Schnitt vorgesehen, ohne größere Probleme genäht. Fügt sich prima in meine Garderobe ein, allerdings ist es im Moment ein wenig zu heiß für den dicken Stoff. Nicht wirklich dick, aber bei diesen Temperaturen geht nur ganz dünnes leichtes Gewebe, aka Seide.


Letzten Woche konnte ich das Oberteil noch morgens mit meiner Organza Soprabito Jacke ausführen, am späten Vormittag wurde es auch damit zu warm.



Oben das Vorderteil, die Fäden habe ich erst auf dem Foto gesehen und mittlerweile abgeschnitten. Unten die Rückseite. Die Abnäher habe ich nach außen verlegt, Teils mit Orange (analog zur Hose), teils mit Rauchblau wie die Farbe der Knöpfe abgesteppt.



Schnelle Zusammenfassung: keine Kosten, ganz einfacher Schnitt und ganz schnell genäht.

Sonnige Grüße

Anja


Freitag, 5. Juni 2026

Platz schaffen durch Nähen

In meinem Schrank stapeln sich seit einem Jahr ein bisschen viele Stoffe, das liegt an den zweimaligen Spontaneinkäufen bei Intrend/Max Mara, dem Einkauf vorletzten Herbst bei Annette Görtz und den Einkäufen bei New Tess in Mailand und The Fabric Sales in Löwen vor einem Jahr.

An sich gehöre ich zur Fraktion derer, die Stoff kaufen, wenn sie ihn brauchen. Außerdem kaufe ich nur vor Ort. Ich lasse mich auch nicht mehr von diesem und jenem Schnittmuster inspirieren, eher von etwas, das ich im Schaufenster sehe (ist aber nicht mehr so oft der Fall seit die Gassirunden durch die Goethestraße nicht mehr stattfinden), manchmal auch von einem Bild bei Instagram.

Aber da nun reichlich Stoffe herum liegen, will ich sie auch "abarbeiten", wobei das Wort dafür etwas schrecklich ist. Der nun verarbeitete Stoff ist von New Tess, von einem Grabbeltisch im Keller, auf dem es unfassbare, couturige, extrem besondere Stoffe gab. Da ich die sowieso nicht brauche, habe ich einen Stoff mitgenommen (neben Seidenorganza, schon verarbeitet, und Seidentaffetta, ebenfalls verarbeitet), der sehr in mein Farbschema passte. Ein Coupon eines technischen, sehr schweren (vermutlich ist da Metall drin) Stoffes. Er glänzt leicht, hoher Anteil Viscose, bisschen Co und dann eine Abkürzung, die ich nicht herausfinden konnte, weder online noch irgendwo sonst. Habe den Zettel nicht mehr. Haptik wie Seide, unelastisch, Nadelstiche hinterlassen Löcher, hoffentlich maschinenwaschbar, ich glaube, mich erinnern zu können, dass dem so war.

Eigentlich war der Stoff prädestiniert für ein Kleid, ich habe allerdings genug Sommerkleider, eine bunte Bluse nein danke, dann also eine bunte Hose (kürzlich bei einer Nähbekannten gesehen, dort mit seitlichen Streifen in Seide). Als Hose ausschließlich aus diesem Stoff hätte sie mich zu sehr an Pyjama erinnert. Für die Streifen an der Seite hätte ich noch Bänder oder ähnliches beschaffen müssen. Also kam mir der Gedanke, den feinen Stoff mit grobem Jeans zu vereinen. Solche Kombinationen mag ich sowieso gerne. Als ich in einem Vortrag anlässlich der Frankfurt Fashion Week bei Albrecht Ollendiek war und dieser auch hervorhob, wie gerne er Kontraste nutzt, war klar, dass ich es so machen werde.

Der Schnitt ist der normale Mischmasch aus selbstkonstruiert, Burda, Inge Soltzyk-Sparrer (deren Videoanleitung ich sehr schätze). Ein Problem war das vorherige Herausfinden der richtigen Länge, denn ich wollte den Jeans mit der Webkante unten verwenden. Üblicherweise lege ich am Ende die Länge fest, aber hier musste ja alles an den Seitennähten aufeinander passen und ich wollte diese in einem Rutsch nähen. Es gab ein paar Probleme, ich habe richtig ausgemessen, aber beim Nähen hat sich was verzogen. Obwohl ich den Schnitt schon mehrfach genauso genäht habe, passte die Bundweite nicht (????), ich habe die Abnäher vorne wieder raugenommen. Ich verstehe das immer noch nicht, denn erst im März habe ich genauso eine Hose genäht, allerdings aus Samt (der ein bisschen stretchy sein könnte). Fazit: ich habe während des Nähens mehrfach den Prozess anpassen müssen.

Mit dem Ergebnis bin ich dennoch zufrieden. Ich habe eine Radtour gemacht, einen Spaziergang in einem Gelände mit dornigem Gestrüpp (da war ich supervorsichtig), bin 2 x in Regen gekommen, das Gewebe ist sehr schnelltrocknend (trekkinggeeignet) und habe sie heute zum Arbeiten casual friday mäßig an.

Die Fotos sind überwiegend gestern auf dem Spaziergang vor dem zugewachsenen Weg entstanden: ich trage dazu die uralte Jeansjacke aus einem Stoff, den ich von Küstensocke in einem Tausch bekommen habe. Die Jacke wird wirklich oft und gerne getragen.



Als die Hose frisch fertig genäht war, habe ich zuhause meine orange-rostfarbene Bluse dazu getragen, leider beim Über-den-Kopf-ziehen einen Riss im Unterarm produziert (ist mittlerweile rudimentär und semisichtbar geflickt).


Die Rückseite wird von 2 Jeanstaschen geziert. Weitere Details, Bund aus Jeans, oranger Knopf, Aufnäher usw. im Foto darunter.

Ach ja, und ganz viele orange Absteppnähte, die man mal mehr, mal weniger gut sieht, die Taschenbeutel auch in Orange.


Zusammenfassung:

Zeitaufwand: 6 - 8 Stunden, der Schnitt war schon kopiert, viele gerade Nähte, alles mit der Maschine genäht

Schwierigkeitsgrad: einfach, ein paar Gedanken für die Anpassungen im Prozess, aber die gibt es ja doch irgendwie fast immer

Kosten: der 1,60 m Coupon kostete zwischen 20 und 30 Euro, erinnere es nicht genau, alles andere aus dem Bestand, auch der Jeansstoff. Wo ich den gekauft habe, erinnere ich nicht mehr, evtl. Stoffschrottplatz Münster, also schon richtig alt. Erst wollte ich einen langen Rock meiner Tochter zerschneiden, aber den ändere ich jetzt für mich. Dieses Stück ist auch ein Rest gewesen, es ist jetzt noch gut 1 m übrig, davon werde ich irgendetwas zur Hose machen, habe schon eine Idee.

Viele Grüße und ein schönes Wochenende

Anja

Mittwoch, 3. Juni 2026

Chiffonbluse - Me made Mittwoch

Im März dieses Jahr habe ich bei Intrend/Max Mara in Triest eine ganze Menge Stoff gekauft. Die Qualität dort ist einfach atemberaubend, die Auswahl auch und die Preise sind gigantisch günstig für das, was man bekommt. Einziges Manko, die Stoffe sind bereits fertig zugeschnitten und werden als Coupons verkauft, ganz oft mit 1,5 m. Es gab Seidenchiffon in verschiedenen Farben, federleicht, transparent, sehr schön anzufassen. Ich habe mich für ein Flaschengrün entschieden, eine Farbe, die man nicht immer und überall sieht. Der Coupon kostete 23 Euro.

Dann begann die Recherche nach einem Schnittmuster. Das war komplizierter als ich dachte, in meinen vielen Zeitschriften fand ich nicht das, was ich suchte. Im Internet gab es zauberhafte Kaufblusen mit rüschigen Kragen, großen Schluppen, bauschigen Ärmeln. Rebekka nähte parallel an ihrem Chiffonkleid (8 m Stoff) für die Swissfrocktails und zauberte Rüschen ohne Ende. Und ich konnte keinen Schnitt finden, der mir wirklich zusagte. 

Stand kurz vor der Konstruktion bzw. Abwandlung eines Schnittes bis ich bei Eingabe Burda und Chiffonbluse in die Suchmaschine dieses Exemplar auch 2013 fand. Und eine Nähfreundin hatte sogar das Heft zuhause. Der Schnitt besteht nicht aus allzu vielen Teilen, ich habe ihn abgewandelt, weil klar war, dass die langen Ärmel mit 1,5 m nicht funktionieren werden



Hier das Foto aus dem Heft. Ich habe Größe 44 kopiert und sie passt gut. Irritierend fand ich, dass es eine identische Nummer 120 und Nummer 121 gab. Allerdings mit teils anderer Schnittführung, so habe ich dummerweise das Vorderteil mittig getrennt. Die Naht wird zum Glück beim Binden der Schleife verdeckt. Die Schnittteile am Rücken passten nicht zusammen, sowas ist mir noch nicht passiert. Ich habe das auch hinterher noch mal kontrolliert, das Schnittmuster ist fehlerhaft. An einer Stelle fehlt zudem die Ziffer mit der Verbindungsecke. Ich habe noch nie aus einer so alten Burda genäht, dachte erst, ich hätte falsch kopiert, aber es lag nicht an mir.


Ich habe also hinten mittig eine Kellerfalte eingelegt. Die Ärmel sind kürzer, ich habe die maximale Stofflänge genommen und unten einen kleinen Gummi eingenäht. Er ist etwas zu kurz, ich glaube, ich nehme den wieder raus, der Effekt des Bauschens ist minimal, das gefällt mir nicht so richtig. Bindebänder wären schön, aber mir ist insgesamt neben vielen kleinen Fitzeln ein Stück von ca. 20 x 30 cm übrig geblieben, das wird nicht reichen.

Da ich Knöpfe in genau der Farbe hatte (noch aus der Karstadt Auflösung vor mittlerweile einigen Jahren), habe ich einen als Dekoration vorne mittig aufgenäht und so das Loch ein bisschen zusammen gerafft.

Die Bluse trägt sich angenehm. Die riesige Schluppe gefällt mir gut und wirkt sehr besonders - egal ob als Schleife oder nur zsuammen gebunden. Erstaunlicherweise ist der Chiffon blickdichter als gedacht, zumindest auf den Fotos.


In echt sieht er schon ein wenig transparenter aus, je nachdem wie das Licht einfällt. Das Nähen hat mir nur semi Spaß gemacht. Französische Nähte, o.k., die Säume mit dem Rollfuß, keine Chance, im engen Zickzack absteppen, Fehlanzeige, also alles gebügelt und umgesteppt. Wenigstens ließ sich der Stoff sehr gut und gleichmäßig bügeln und neigt auch nicht zu späterer Fältchenbildung.



Oben mit meiner alten Jeans, ein La Mia Boutique Schnitt, dicke feste Qualität, daher nicht so oft im Einsatz.

Unten ergänzend mit einem alten Rock, den meine Mutter mir während meiner Schwangerschaft genäht hat und den ich vor vielen Jahren enger gemacht habe und in den letzten beiden Jahren gerne trage. Die Länge ist ja richtig in.


Und hier noch in einer anderen Kombination, im Rahmen des Me made May fotografiert, wo ich Sachen getragen habe, die nicht oft aus dem Schrank, in diesem Fall der Rock Delphine, ein uraltes Schnittmuster aus dem ersten Buch von Tilly Walnes:



Zusammenfassung:

Schwierigkeitsgrad: Ohne Worte, Seidenchiffon ist nochmal eine ganz andere Nummer als Organza oder Satinseide. So dünn, so fragil, so leicht, so flutschig .... ich glaube nicht, dass ich sowas nochmal in nächster Zeit vernähe.

Zeitaufwand: Das Abpausen des Schnittmusters dauerte, da tatsächlich die Bögen der alten Burdahefte meines Erachtens unübersichtlicher sind als die neuen Hefte. Ich habe mich ab und zu in den Linien verirrt. Der Zuschnitt und das Nähen dauerte ebenfalls. Die Restarbeiten, Handnähte, Knöpfe waren nur noch Kleinkram am Ende. Mehr als eine Woche, abends und ein Wochenende immer mal wieder. Ich staune ja immer wieder, dass manch einer den Aufwand in Stunden angeben kann. Gelngt mir nicht, vielleicht sollte ich diese Rubrik irgendwann streichen, sie ist und bleibt sehr subjektiv.

Kosten: Der Stoffcoupon kostete 23 Euro, Garn und Knöpfe aus dem Bestand, immerhin hier, sehr klare Angaben.

Verlinkt beim Me made Mittwoch im Juni, danke an das Team für die Organisation desselben.

Ganz lieben Gruß

Anja