Dienstag, 30. Juni 2026

TIM Augsburg - Talbot & Runhof

In sehr netter Begleitung von Gabi-Langer Faden sowie 2 Nähfreundinnen ohne Blog oder Instagram, war ich vor fast 2 1/2 Wochen im TIM in Augsburg - ein wunderbares Museum, ganz in der Nähe meiner einen Freundin, insofern immer eine schöne Gelegenheit für ein Treffen. Außerdem bietet das Museum ein tolles Beiprogramm zur Sonderausstellung Celebrating Fashion an. Leider vorwiegend während der Woche, daher konnte ich an keiner der Veranstaltungen teilnehmen. 

Aber die Talbot & Runhof Ausstellung hat sich gelohnt. Von dem Designerduo aus München (bzw. USA und Wiesbaden) hatte ich vorher am Rande gehört. Keiner von ihnen hat eine klassische Schneider- bzw. Modedesignausbildung. 

Gezeigt werden in Augsburg Modelle, die dem Museum als Dauerleihgabe überlassen wurden und die auf diversen Fashion Weeks in Paris gezeigt wurden. Es gibt auch Videos dieser Shows zu sehen. Dort ist dann ersichtlich, wie die gezeigten Stücke am Körper, in Bewegung aussehen. Die Beleuchtung in der Ausstellung war super, man konnte auch ganz nah an die Kleidung heran gehen und sich so Details wie Nähte, Säume, Stickereien usw. anschauen. In einem nachgebauten Atelier gab es die Möglichkeit, Stoffe zu befühlen, die für die Modelle verwendet wurden. Auch die Hersteller waren benannt, im wesentlichen weniger als eine Handvoll, die langjährig für Talbot&Runhof arbeiten, aus der Schweiz und Norditalien (u.a. Clerici mit dem Laden New Tess in Mailand, der auch für Endkunden geöffnet ist, dieses Kleid, diese Hose, diesen Soprabito habe ich aus Stoffen von dort genäht).

Die Kollektionen sind oft politisch. Die beiden Modelle unten sind aus Cord (Schwulenbewegung), weiter unten sind die Kollektionen mit dem Konterfei von Putin sowie ganz unten T.-Shirts mit Fake Aufschriften nach der ersten Wahl von Trump. Einen Bericht/Erläuterungen dazu gibt es hier.


Die Rückseite dieser Badeanzüge fand ich sehr spannend:


Ganz ganz viel wurde drapiert. Die Ergebnisse wie die oben gezeigte Verzierung zeigen die architektonischen Einflüsse der Designer.

Sehr witzig unten das "Schwarzwaldmädel", tolle Knopfleiste und gut mit Resten nachzubauen.



Black and White sehr plastisch:


Das Material des Mantels unten war irgendwie plastikartik, aber natürlich kein Plastik, eine Firma in der Schweiz fertigt diese besonderen Materialien, die dann verwendet werden.




Oben Hippie/Back to the Sixties and Seventies und unten ein Modell mit unfassbarer Stickerei, wir standen lange davor, um uns die Details anzuschauen....soviele verschiedene Perlen, Elemente, Kreuze, Federn, Bänder usw.


mm

Und zum Schluss möchte ich euch diesen Saum nicht vorenthalten, das können wir besser. An anderer Stelle gab es allerdings Säume, wo überhaupt nicht erkennbar war, wie die befestigt waren, komplett unsichtbar, keine Einstichstellen, nichts, vielleicht mit einer Lupe eine kleine Erhebung zu erkennen. Wahnsinn.

Damit hoffe ich, Geschmack auf die Ausstellung gemacht zu haben. später daheim ist mir auch eingefallen, dass ich schon einmal einen Rock nachgenäht habe, Mema hatte ihn und ich habe ihn kopiert. Einfach und wirkungsvoll.

Herzlichen Gruß

Anja

Montag, 22. Juni 2026

(Not-) Cropped Oberteil aus der Cartamodelli

Aus den Resten der Stoffstücke, die ich an der Hose angenäht habe bzw. eigentlich war der Jeans ja bereits ein Rest von einer Jeansjacke, die ein paar Jahre vorher genäht wurde (so ist das mit Spontankäufen, da bleibt was übrig), habe ich ein schnelles kleines sommerliches Oberteil genäht. Ich habe dieses Schnittmuster unten vom Titel der Cartamodelli vom April verwendet. Kopiert in der deutschen Größe 42 und verlängert, denn ganz so cropped wollte ich es nicht haben.

Ansonsten alles wie im Schnitt vorgesehen, ohne größere Probleme genäht. Fügt sich prima in meine Garderobe ein, allerdings ist es im Moment ein wenig zu heiß für den dicken Stoff. Nicht wirklich dick, aber bei diesen Temperaturen geht nur ganz dünnes leichtes Gewebe, aka Seide.


Letzten Woche konnte ich das Oberteil noch morgens mit meiner Organza Soprabito Jacke ausführen, am späten Vormittag wurde es auch damit zu warm.



Oben das Vorderteil, die Fäden habe ich erst auf dem Foto gesehen und mittlerweile abgeschnitten. Unten die Rückseite. Die Abnäher habe ich nach außen verlegt, Teils mit Orange (analog zur Hose), teils mit Rauchblau wie die Farbe der Knöpfe abgesteppt.



Schnelle Zusammenfassung: keine Kosten, ganz einfacher Schnitt und ganz schnell genäht.

Sonnige Grüße

Anja


Freitag, 5. Juni 2026

Platz schaffen durch Nähen

In meinem Schrank stapeln sich seit einem Jahr ein bisschen viele Stoffe, das liegt an den zweimaligen Spontaneinkäufen bei Intrend/Max Mara, dem Einkauf vorletzten Herbst bei Annette Görtz und den Einkäufen bei New Tess in Mailand und The Fabric Sales in Löwen vor einem Jahr.

An sich gehöre ich zur Fraktion derer, die Stoff kaufen, wenn sie ihn brauchen. Außerdem kaufe ich nur vor Ort. Ich lasse mich auch nicht mehr von diesem und jenem Schnittmuster inspirieren, eher von etwas, das ich im Schaufenster sehe (ist aber nicht mehr so oft der Fall seit die Gassirunden durch die Goethestraße nicht mehr stattfinden), manchmal auch von einem Bild bei Instagram.

Aber da nun reichlich Stoffe herum liegen, will ich sie auch "abarbeiten", wobei das Wort dafür etwas schrecklich ist. Der nun verarbeitete Stoff ist von New Tess, von einem Grabbeltisch im Keller, auf dem es unfassbare, couturige, extrem besondere Stoffe gab. Da ich die sowieso nicht brauche, habe ich einen Stoff mitgenommen (neben Seidenorganza, schon verarbeitet, und Seidentaffetta, ebenfalls verarbeitet), der sehr in mein Farbschema passte. Ein Coupon eines technischen, sehr schweren (vermutlich ist da Metall drin) Stoffes. Er glänzt leicht, hoher Anteil Viscose, bisschen Co und dann eine Abkürzung, die ich nicht herausfinden konnte, weder online noch irgendwo sonst. Habe den Zettel nicht mehr. Haptik wie Seide, unelastisch, Nadelstiche hinterlassen Löcher, hoffentlich maschinenwaschbar, ich glaube, mich erinnern zu können, dass dem so war.

Eigentlich war der Stoff prädestiniert für ein Kleid, ich habe allerdings genug Sommerkleider, eine bunte Bluse nein danke, dann also eine bunte Hose (kürzlich bei einer Nähbekannten gesehen, dort mit seitlichen Streifen in Seide). Als Hose ausschließlich aus diesem Stoff hätte sie mich zu sehr an Pyjama erinnert. Für die Streifen an der Seite hätte ich noch Bänder oder ähnliches beschaffen müssen. Also kam mir der Gedanke, den feinen Stoff mit grobem Jeans zu vereinen. Solche Kombinationen mag ich sowieso gerne. Als ich in einem Vortrag anlässlich der Frankfurt Fashion Week bei Albrecht Ollendiek war und dieser auch hervorhob, wie gerne er Kontraste nutzt, war klar, dass ich es so machen werde.

Der Schnitt ist der normale Mischmasch aus selbstkonstruiert, Burda, Inge Soltzyk-Sparrer (deren Videoanleitung ich sehr schätze). Ein Problem war das vorherige Herausfinden der richtigen Länge, denn ich wollte den Jeans mit der Webkante unten verwenden. Üblicherweise lege ich am Ende die Länge fest, aber hier musste ja alles an den Seitennähten aufeinander passen und ich wollte diese in einem Rutsch nähen. Es gab ein paar Probleme, ich habe richtig ausgemessen, aber beim Nähen hat sich was verzogen. Obwohl ich den Schnitt schon mehrfach genauso genäht habe, passte die Bundweite nicht (????), ich habe die Abnäher vorne wieder raugenommen. Ich verstehe das immer noch nicht, denn erst im März habe ich genauso eine Hose genäht, allerdings aus Samt (der ein bisschen stretchy sein könnte). Fazit: ich habe während des Nähens mehrfach den Prozess anpassen müssen.

Mit dem Ergebnis bin ich dennoch zufrieden. Ich habe eine Radtour gemacht, einen Spaziergang in einem Gelände mit dornigem Gestrüpp (da war ich supervorsichtig), bin 2 x in Regen gekommen, das Gewebe ist sehr schnelltrocknend (trekkinggeeignet) und habe sie heute zum Arbeiten casual friday mäßig an.

Die Fotos sind überwiegend gestern auf dem Spaziergang vor dem zugewachsenen Weg entstanden: ich trage dazu die uralte Jeansjacke aus einem Stoff, den ich von Küstensocke in einem Tausch bekommen habe. Die Jacke wird wirklich oft und gerne getragen.



Als die Hose frisch fertig genäht war, habe ich zuhause meine orange-rostfarbene Bluse dazu getragen, leider beim Über-den-Kopf-ziehen einen Riss im Unterarm produziert (ist mittlerweile rudimentär und semisichtbar geflickt).


Die Rückseite wird von 2 Jeanstaschen geziert. Weitere Details, Bund aus Jeans, oranger Knopf, Aufnäher usw. im Foto darunter.

Ach ja, und ganz viele orange Absteppnähte, die man mal mehr, mal weniger gut sieht, die Taschenbeutel auch in Orange.


Zusammenfassung:

Zeitaufwand: 6 - 8 Stunden, der Schnitt war schon kopiert, viele gerade Nähte, alles mit der Maschine genäht

Schwierigkeitsgrad: einfach, ein paar Gedanken für die Anpassungen im Prozess, aber die gibt es ja doch irgendwie fast immer

Kosten: der 1,60 m Coupon kostete zwischen 20 und 30 Euro, erinnere es nicht genau, alles andere aus dem Bestand, auch der Jeansstoff. Wo ich den gekauft habe, erinnere ich nicht mehr, evtl. Stoffschrottplatz Münster, also schon richtig alt. Erst wollte ich einen langen Rock meiner Tochter zerschneiden, aber den ändere ich jetzt für mich. Dieses Stück ist auch ein Rest gewesen, es ist jetzt noch gut 1 m übrig, davon werde ich irgendetwas zur Hose machen, habe schon eine Idee.

Viele Grüße und ein schönes Wochenende

Anja

Mittwoch, 3. Juni 2026

Chiffonbluse - Me made Mittwoch

Im März dieses Jahr habe ich bei Intrend/Max Mara in Triest eine ganze Menge Stoff gekauft. Die Qualität dort ist einfach atemberaubend, die Auswahl auch und die Preise sind gigantisch günstig für das, was man bekommt. Einziges Manko, die Stoffe sind bereits fertig zugeschnitten und werden als Coupons verkauft, ganz oft mit 1,5 m. Es gab Seidenchiffon in verschiedenen Farben, federleicht, transparent, sehr schön anzufassen. Ich habe mich für ein Flaschengrün entschieden, eine Farbe, die man nicht immer und überall sieht. Der Coupon kostete 23 Euro.

Dann begann die Recherche nach einem Schnittmuster. Das war komplizierter als ich dachte, in meinen vielen Zeitschriften fand ich nicht das, was ich suchte. Im Internet gab es zauberhafte Kaufblusen mit rüschigen Kragen, großen Schluppen, bauschigen Ärmeln. Rebekka nähte parallel an ihrem Chiffonkleid (8 m Stoff) für die Swissfrocktails und zauberte Rüschen ohne Ende. Und ich konnte keinen Schnitt finden, der mir wirklich zusagte. 

Stand kurz vor der Konstruktion bzw. Abwandlung eines Schnittes bis ich bei Eingabe Burda und Chiffonbluse in die Suchmaschine dieses Exemplar auch 2013 fand. Und eine Nähfreundin hatte sogar das Heft zuhause. Der Schnitt besteht nicht aus allzu vielen Teilen, ich habe ihn abgewandelt, weil klar war, dass die langen Ärmel mit 1,5 m nicht funktionieren werden



Hier das Foto aus dem Heft. Ich habe Größe 44 kopiert und sie passt gut. Irritierend fand ich, dass es eine identische Nummer 120 und Nummer 121 gab. Allerdings mit teils anderer Schnittführung, so habe ich dummerweise das Vorderteil mittig getrennt. Die Naht wird zum Glück beim Binden der Schleife verdeckt. Die Schnittteile am Rücken passten nicht zusammen, sowas ist mir noch nicht passiert. Ich habe das auch hinterher noch mal kontrolliert, das Schnittmuster ist fehlerhaft. An einer Stelle fehlt zudem die Ziffer mit der Verbindungsecke. Ich habe noch nie aus einer so alten Burda genäht, dachte erst, ich hätte falsch kopiert, aber es lag nicht an mir.


Ich habe also hinten mittig eine Kellerfalte eingelegt. Die Ärmel sind kürzer, ich habe die maximale Stofflänge genommen und unten einen kleinen Gummi eingenäht. Er ist etwas zu kurz, ich glaube, ich nehme den wieder raus, der Effekt des Bauschens ist minimal, das gefällt mir nicht so richtig. Bindebänder wären schön, aber mir ist insgesamt neben vielen kleinen Fitzeln ein Stück von ca. 20 x 30 cm übrig geblieben, das wird nicht reichen.

Da ich Knöpfe in genau der Farbe hatte (noch aus der Karstadt Auflösung vor mittlerweile einigen Jahren), habe ich einen als Dekoration vorne mittig aufgenäht und so das Loch ein bisschen zusammen gerafft.

Die Bluse trägt sich angenehm. Die riesige Schluppe gefällt mir gut und wirkt sehr besonders - egal ob als Schleife oder nur zsuammen gebunden. Erstaunlicherweise ist der Chiffon blickdichter als gedacht, zumindest auf den Fotos.


In echt sieht er schon ein wenig transparenter aus, je nachdem wie das Licht einfällt. Das Nähen hat mir nur semi Spaß gemacht. Französische Nähte, o.k., die Säume mit dem Rollfuß, keine Chance, im engen Zickzack absteppen, Fehlanzeige, also alles gebügelt und umgesteppt. Wenigstens ließ sich der Stoff sehr gut und gleichmäßig bügeln und neigt auch nicht zu späterer Fältchenbildung.



Oben mit meiner alten Jeans, ein La Mia Boutique Schnitt, dicke feste Qualität, daher nicht so oft im Einsatz.

Unten ergänzend mit einem alten Rock, den meine Mutter mir während meiner Schwangerschaft genäht hat und den ich vor vielen Jahren enger gemacht habe und in den letzten beiden Jahren gerne trage. Die Länge ist ja richtig in.


Und hier noch in einer anderen Kombination, im Rahmen des Me made May fotografiert, wo ich Sachen getragen habe, die nicht oft aus dem Schrank, in diesem Fall der Rock Delphine, ein uraltes Schnittmuster aus dem ersten Buch von Tilly Walnes:



Zusammenfassung:

Schwierigkeitsgrad: Ohne Worte, Seidenchiffon ist nochmal eine ganz andere Nummer als Organza oder Satinseide. So dünn, so fragil, so leicht, so flutschig .... ich glaube nicht, dass ich sowas nochmal in nächster Zeit vernähe.

Zeitaufwand: Das Abpausen des Schnittmusters dauerte, da tatsächlich die Bögen der alten Burdahefte meines Erachtens unübersichtlicher sind als die neuen Hefte. Ich habe mich ab und zu in den Linien verirrt. Der Zuschnitt und das Nähen dauerte ebenfalls. Die Restarbeiten, Handnähte, Knöpfe waren nur noch Kleinkram am Ende. Mehr als eine Woche, abends und ein Wochenende immer mal wieder. Ich staune ja immer wieder, dass manch einer den Aufwand in Stunden angeben kann. Gelngt mir nicht, vielleicht sollte ich diese Rubrik irgendwann streichen, sie ist und bleibt sehr subjektiv.

Kosten: Der Stoffcoupon kostete 23 Euro, Garn und Knöpfe aus dem Bestand, immerhin hier, sehr klare Angaben.

Verlinkt beim Me made Mittwoch im Juni, danke an das Team für die Organisation desselben.

Ganz lieben Gruß

Anja

Dienstag, 2. Juni 2026

Me Made May 2026

Relativ kurz entschlossen habe ich auf Instagram beim Me Made May teilgenommen, nicht jeden Tag und nicht einmal alle Fotos sind dort gelandet. Da ich sowieso jeden Tag selbst gemachte Kleidung trage, manchmal mischt sich auch das ein oder andere Kaufteil darunter, aber im Prinzip ist immer etwas Eigenes dabei, ist der Me Made May nichts Aufregendes mehr für mich. 


Ich habe mir diesen Mai zum Ziel gesetzt, Kleiderstücke aus dem Schrank zu holen, die ich normalerweise nie, selten oder schon sehr, sehr lange nicht mehr angezogen habe. Da gibt es einiges.

Dazu gehört die Dirndlbluse unten (bisher einmal zum Kocherlball getragen), zu festlich für alle Tage, weiter unten das upgecycelte Hemd, letzten Herbst mit den Resten der Dirndlbluse verziert und nie getragen, nichts Passendes zum Kombinieren im Winter gefunden. Überzeugt bin ich nicht. Wegwerfen werde ich beide Sachen aber auch noch nicht.



Außerdem - und das ist wirklich schade - die viele Jahre alte Jeansjacke mit der tollen Rückansicht aus Resten (3 x getragen in den vielen Jahren - und diesen Mai auch 3 x, das könnte noch was werden), keine Kombikleidung vorhanden, nicht wärmend, trage eh ungerne Jeans. Ich muss einfach überlegen, wann und wo ich die Jacke mitnehmen kann. Das bedarf einer kleinen Planung.


Weiter geht es unten mit einem Oberteil, das nur 3/4 lange Ärmel hat und ich bis vor mehreren Jahren gerne in der Übergangszeit getragen habe. Immer mit einer Jeans, diese Jeans gibt es nicht mehr und damit blieb das Oberteil auf der Strecke. Hier ein Versuch mit einer grünen Hose (die Streifen auf dem Oberteil sind grün-schwarz, aus dem gleichen Stoff habe ich ein schwarzes Oberteil mit langen Ärmeln, das ich in Dauerschleife trage). Der Stoff ist sehr besonders und deswegen möchte ich das Oberteil trotz der suboptimalen Ärmellänge nicht entsorgen.

Darunter das Ninjakleid, vor sehr langer Zeit genäht und anfangs auch oft angezogen. Die Schwierigkeit dieses Kleides liegt darin, dass es langärmlig ist und m.E. mit farbiger Strumpfhose komisch aussieht. Hier habe ich eine hautfarbene an, aber ich mag diese Nylonstrumpfhosen nicht sehr. An warmen Tagen, wo man keine Strumpfhose/Leggings trägt ist es wegen der Ärmellänge suboptimal, an kalten Tagen ist der Jersey zu dünn. So wird dieses Kleid max. 3 - 4 x pro Saison angezogen.



Weiter geht es mit den Schrankleichen in der zweiten Maiwoche:

Zu Beginn habe ich geschaut, was ich schon sehr lange nicht mehr anhatte: dieser Rock aus Samt mit Cordresten und einer Bommelborte gehört zu meinen ersten genähten Stücken, ich habe ihn als meine Tochter in der Grundschule war (sie hatte einen gleichen Rock) wahnsinnig gerne getragen, auch danach noch (nie im Partnerlook allerdings), aber jetzt seit mehreren Jahren nicht mehr. Der Stoff war hochwertig und die Farben sind überhaupt nicht ausgeblichen, wunderbar an sich. Aus dieser Zeit habe ich noch 2 weitere schöne Röcke, die ich quasi nie mehr anziehe, aber die sehr schön ist. Irgendwann mag ich sie vielleicht wieder sehen. Und irgendwann passt bunt auch wieder besser in meinen Alltag.


Dann änderte sich das Wetter - die Winterstücke waren schon weggepackt, das nächste Bild/Kleidungsstück passt nicht in den Kontext der wenig getragenen Stücke, ich hatte die Kombi mehrere Tage auf einer Kurzreise an. Trage den Rock seit mehreren Jahren wahnsinnig gerne. Das Sweatoberteil fängt schon an zu pillen.


Das Grasserkleid unten - als Probekleid gedacht - wird in dieser Version auch fast nie getragen, für den Winter nicht dick genug, es handelt sich um einen Fake-Wollstoff. Die Ärmel sind auch zu kurz, um in die vorgesehenen Löcher zu greifen, die Taille ein bisschen zu hoch. Bei der finalen Sweatversion habe ich all das geändert und die wird im Winter gern getragen. Jetzt mit den komischen Maitemperaturen, nicht kalt, nicht warm, funktioniert dieser Stoff einigermaßen gut. Mein Problem ist allerdings, dass ich auch keine braunen Schuhe dazu habe bzw. ich habe braune Schuhe, aber die gefallen mir längst nicht mehr. Habe sie trotzdem an dem einen Tag getragen. An sich schade um das Kleid. 


Ähnliches Problem: zu dicker Stoff, kurze Ärmel, ein Winterkleid, das im Winter wenig Anlass findet. Es geht nur mit Stulpen oder einer Jacke darüber oder auch einem Shirt, aber das sind lauter suboptimale Lösungen. Der Stoff war ein Rest von Malhia Kent, sehr toll, aber leider nicht genug, um lange Ärmel zu nähen.


Am Monatsende wurde es deutlich wärmer, eigentlich hätte ich gerne noch 2-3 Sachen getragen, wo ich mir auch nicht sicher bin, ob sie überhaupt bleiben dürfen. Aber die Temperaturen waren anderer Meinung:


Der fast nie getragene Seidenrock Delphine hat mich mit seinem Muster animiert, ihn in die Kusama Ausstellung anzuziehen. Mich stört die Form und der breite Bund, aber meine Nähbegleiterinnen fanden die Form gerade gut, mit der neuen Bluse habe ich auch eine Kombination gefunden, die funktioniert.

Das war mein kleiner Einblick, die kleine Zusammenfassung auf dem Blog.

Viele Grüße, Anja

Donnerstag, 21. Mai 2026

Frühlingsjäckchen Knit Along - FJKA - Overlay gehäkelt - Zwischenstand und fertiges

Ich habe im Urlaub im April ein einfaches und wunderbares Oberteil gesehen, das jedes schlichte Kleid aufpeppt. In einer kleinen Boutique, die lauter Designs aus handgewebten Stoffen herstellt, alles sehr durchdacht, klare, dennoch besondere Designs in einer Verarbeitung, die ihresgleichen sucht. Fast jedes Stück in dem kleinen Laden hat mich geflasht, weil die Besonderheit im Detail lag: der eingearbeitete Wollfaden, die anders gewebte aufgesetzte Tasche, die Fransenabschlüsse - innen alle Säume mit Hand und alle Innennähte mit Schrägband.

Spannend fand ich ein einfaches Overlay/Poncho, das Original ist aus Makramee. Leider habe ich kein Foto, ich wollte in dem Laden keine Fotos machen, weil ich die ganze Zeit im Gespräch mit der Designerin war. Ich hatte die Hoffnung auf der Website etwas zu finden. Dem ist nicht der Fall.

Ich habe noch Garnreste aus grüner Baumwolle, aufgeribbelt von einem ehemals gestrickten Pullover (ebenfalls aus einem FJKA) - das über einem schwarzen schlichten Kleid wäre eine Augenweide. Makramee habe ich noch nie gemacht, würde vermutlich dekorativer aussehen, aber bevor ich mich einarbeite und das Ganze dann auch noch ohne eine gescheite Anleitung für ein Oberteil, habe ich Google befragt, ob es irgendeinen löchrigen Poncho gibt.

Gibt es: Angel Wings von Drops

Das ist mein Plan, ich habe mir die Anleitung ausgedruckt, die Häkelnadel bereit gelegt (der Lochponcho wird gehäkelt, quasi nur mit Stäbchen und Luftmaschen, alles easy peasy) und das Baumwollgarn ebenfalls rausgesucht. Ich hoffe, den Zeitplan noch einhalten zu können. 

Ich habe mich nach dem Sichten der anderen Beiträge auch auf der Seite der Initiative Handarbeit umgeschaut, sehr schöne Sachen gibt es dort. Mir gefällt auch das Top Maren. Das grüne Baumwollgarn würde dafür nicht reichen. Und ansonsten habe ich nur Wollreste, die Richtung Winter gehen.

Ich habe irgendwann nach dem 2. Termin des FJKA angefangen zu häkeln und bin nach ca. zwei Wochen fertig geworden, überwiegend bei Fahrten in der U-Bahn und teils die langen Reihen zuhause fertig gemacht. Auf die letzte Reihe der Anleitung habe ich verzichtet, d.h. ich habe 8 Reihen gehäkelt und am Ende noch einen Mäusezähnchenabschluss gemacht. Habe noch ein wenig überlegt, ob ich Fransen dran mache, aber das wäre etwas zuviel gewesen. Ein wenig erinnert das Ganze an eine umgehängte Häkeltischdecke in Groß (musstet ihr in der Grundschule früher auch diese Häkeldeckchen zum Muttertag fertigen? Niemand brauchte sowas, aber sie lagen überall in meinem Elternhaus herum). Ein Kettenhemd für Ritter wird eventuell auch so gemacht - aus anderem Material. Nun ja. Ich war kreativ, es gefällt mir mit dem schwarzen Kleid, ein blaues einfarbiges habe ich auch. So sieht der Poncho aus, noch ungebügelt:

Hier die Fotos vom angezogenen Zustand, das schwarze Kleid ist noch von meiner Mutter genäht, vor mindestens 50 Jahren oder mehr, es gibt auch noch ein passendes Jäckchen. Ich trage das Kleid seit einigen Jahren immer mal wieder zu Anlässen:




Damit reihe ich mich - wenn auch verspätet - in den FJKA 2026 ein und verblogge es noch bevor die Zeit abläuft. Bin mir nicht sicher, ob es passt, aber Poncho, gehäkelt, allerdings schnell und einfach und sehr im Übergang zu Accessoire.

Eine schöne Zeit, lieben Gruß, Anja


Dienstag, 19. Mai 2026

Many shades of Grès


Sehr sehr sehr spontan habe ich letzten Freitag einen Schlenker gemacht. Eigentlich war ein Wanderwochenende in meiner alten Heimat angesetzt, aber die Wetterprognose war dürftig. Ich habe also im Web gesucht, wie ich den Aufenthalt abrunden kann und neben den Verabredungen und notwendigen Erledigungen die Zeit füllen kann. Donnerstag poppte mir auf Instagram eine Ausstellungseröffnung entgegen. Oft nervt Instagram, aber von dieser Ausstellung hätte ich ohne den Algorhythmus nicht erfahren. Donnerstag Abend im Kunstgewerbemuseum in Berlin. Hmm, das bedeutet eigentlich nur ein Umweg von ca. 2 Stunden, natürlich absurd viele Kilometer, aber auf manchen Teilabschnitten sind die ICE sehr schnell und für die Hinfahrt habe ich den Sprinter gewählt, der von Frankfurt bis Berlin durchfährt. Ich habe noch überlegt, ob ich irgendwen meiner Nähbekannten in Berlin informiere, aber ich wollte auch maximal flexibel bleiben, da ich Freitag Abend in Lippe erwartet wurde. Sorry an eine liebe Leserin, die die Ausstellung sicher auch besuchen und vielleicht beschreiben wird, sie wird sich hiermit angesprochen fühlen.

Ich habe mich im Zug über die Exponate und den Hintergrund ein wenig informiert. Den Namen Madame Grès kennen wir vermutlich alle, verbinden ihn mit Paris, mit Haute Couture, mit vergangenen Zeiten. Bewusst im Original habe ich noch keine Modelle von ihr gesehen und mich auch nicht mit dem Leben von Emilie Krebs, Mademoiselle Alix, Alix Barton, Alix Grès, Madame Grès - soviele verschiedene Namen und Marken - beschäftigt.

Madame Grès - als die sie am Ende in die Modegeschichte einging - wollte eigentlich Bildhauerin werden und das wird in ihren Modellen sehr deutlich. In der Ausstellung werden einige von ihnen Skulpturen gegenüber gestellt. Die Ähnlichkeit ist frappierend.

Spannender fand ich an der Ausstellung jedoch die Gegenüberstellung mit modernen Entwürfen von Modestudenten. Deren Ideen überzeugten mich sehr und daher habe ich ihnen auch mehr Aufnahmen gewidmet.

Dekonstruierte Hemden, Kleider, Faltenwürfe, Plissee, Stick, Blechornamente. Erläutert wurde jeweils der Bezug zu Madame Grès, die Ähnlichkeit oder der Kontrast, das Material oder das genaue Gegenteil davon. So kann man natürlich eigentlich immer eine Verbindung herstellen. Überrascht hat mich im Übrigen, dass Grès mit Jersey gearbeitet hat. Bei Plissee hätte ich das nicht erwartet. Aber die Falten sind nicht eingebrannt, sondern eingenäht.


Unten ein Zweiteiler mit Maske, ein moderner Kontrast zu den weichen fließenden Gewändern von Madama Grès. Harte Kanten, architektonische Strenge, brutalistisch aufgebrochene Züge als Gegenteil von dem, was in den Modellen der Grès zu finden ist.



Im modernen (oben) und originalen (unten) Ensemble ist klar, wie der Bezug zwischen dem studentischen Entwurf und dem Original gedacht ist. Skizzen, Fotos usw. begleiteten die Modelle. Leider war der Raum sehr dunkel gehalten. Mich nervt immer, wenn es dunkel ist und man sich tief bücken muss, um Texte zu lesen. Aber so ist es leider ganz oft, wenn Kleider auf Figurinen ausgestellt sind.


Die Falten werden alle mit der Hand gelegt und fixiert, um zu halten, was für eine Arbeit. In den fließenden plissierten Kleidern steckt unfassbar viel Stoff. Im Rock oben über 8 m, im Oberteil fast 3 m. Verwendet wurde Jerseyseide, ein Material, das mir im Stoffladen noch nicht begegnet ist.




Oben 3 moderne, unten originale Kleider. Das Oberteil werde ich mir eventuell versuchen nachzuarbeiten, der Faltenwurf ist wirklich toll. Ich wollte mich sowieso einmal mit Drapieren beschäftigen.


Das weiße Modell unten ist eigentlich superschlicht, einfache Bahnen, die in der Taille hochgeschoppt werden. Bei diesen Modellen wurden transparente Stoffe als Overlay verwendet, mag ich sehr.



Eine tolle Rückenansicht einer studentischen Arbeit, leider konnte man in der Ecke die Vorderansicht gar nicht anschauen, Spiegel wären hilfreich gewesen. 



Zuletzt das Berlin Späti Modell mit Brustpanzer und - als spezielles Merkmal von Berlin - angeranztem und zerrissenen Stoff. Abendgarderobe der etwas anderen Art. Madame Grès hat in dieser Abteilung Modelle mit Pailletten, Steinen und aufwändigem Stick gezeigt.

Eine kleine feine Ausstellung, die noch bis Oktober andauert. Sehr genossen habe ich die Leere in den Räumen, die Lage am Tiergarten, durch den ich noch bis zur Weiterfahrt spaziert bin.

Auf bald, lieben Gruß, Anja