Donnerstag, 21. Mai 2026

Frühlingsjäckchen Knit Along - FJKA - Overlay gehäkelt - Zwischenstand und fertiges

Ich habe im Urlaub im April ein einfaches und wunderbares Oberteil gesehen, das jedes schlichte Kleid aufpeppt. In einer kleinen Boutique, die lauter Designs aus handgewebten Stoffen herstellt, alles sehr durchdacht, klare, dennoch besondere Designs in einer Verarbeitung, die ihresgleichen sucht. Fast jedes Stück in dem kleinen Laden hat mich geflasht, weil die Besonderheit im Detail lag: der eingearbeitete Wollfaden, die anders gewebte aufgesetzte Tasche, die Fransenabschlüsse - innen alle Säume mit Hand und alle Innennähte mit Schrägband.

Spannend fand ich ein einfaches Overlay/Poncho, das Original ist aus Makramee. Leider habe ich kein Foto, ich wollte in dem Laden keine Fotos machen, weil ich die ganze Zeit im Gespräch mit der Designerin war. Ich hatte die Hoffnung auf der Website etwas zu finden. Dem ist nicht der Fall.

Ich habe noch Garnreste aus grüner Baumwolle, aufgeribbelt von einem ehemals gestrickten Pullover (ebenfalls aus einem FJKA) - das über einem schwarzen schlichten Kleid wäre eine Augenweide. Makramee habe ich noch nie gemacht, würde vermutlich dekorativer aussehen, aber bevor ich mich einarbeite und das Ganze dann auch noch ohne eine gescheite Anleitung für ein Oberteil, habe ich Google befragt, ob es irgendeinen löchrigen Poncho gibt.

Gibt es: Angel Wings von Drops

Das ist mein Plan, ich habe mir die Anleitung ausgedruckt, die Häkelnadel bereit gelegt (der Lochponcho wird gehäkelt, quasi nur mit Stäbchen und Luftmaschen, alles easy peasy) und das Baumwollgarn ebenfalls rausgesucht. Ich hoffe, den Zeitplan noch einhalten zu können. 

Ich habe mich nach dem Sichten der anderen Beiträge auch auf der Seite der Initiative Handarbeit umgeschaut, sehr schöne Sachen gibt es dort. Mir gefällt auch das Top Maren. Das grüne Baumwollgarn würde dafür nicht reichen. Und ansonsten habe ich nur Wollreste, die Richtung Winter gehen.

Ich habe irgendwann nach dem 2. Termin des FJKA angefangen zu häkeln und bin nach ca. zwei Wochen fertig geworden, überwiegend bei Fahrten in der U-Bahn und teils die langen Reihen zuhause fertig gemacht. Auf die letzte Reihe der Anleitung habe ich verzichtet, d.h. ich habe 8 Reihen gehäkelt und am Ende noch einen Mäusezähnchenabschluss gemacht. Habe noch ein wenig überlegt, ob ich Fransen dran mache, aber das wäre etwas zuviel gewesen. Ein wenig erinnert das Ganze an eine umgehängte Häkeltischdecke in Groß (musstet ihr in der Grundschule früher auch diese Häkeldeckchen zum Muttertag fertigen? Niemand brauchte sowas, aber sie lagen überall in meinem Elternhaus herum). Ein Kettenhemd für Ritter wird eventuell auch so gemacht - aus anderem Material. Nun ja. Ich war kreativ, es gefällt mir mit dem schwarzen Kleid, ein blaues einfarbiges habe ich auch. So sieht der Poncho aus, noch ungebügelt:

Hier die Fotos vom angezogenen Zustand, das schwarze Kleid ist noch von meiner Mutter genäht, vor mindestens 50 Jahren oder mehr, es gibt auch noch ein passendes Jäckchen. Ich trage das Kleid seit einigen Jahren immer mal wieder zu Anlässen:




Damit reihe ich mich - wenn auch verspätet - in den FJKA 2026 ein und verblogge es noch bevor die Zeit abläuft. Bin mir nicht sicher, ob es passt, aber Poncho, gehäkelt, allerdings schnell und einfach und sehr im Übergang zu Accessoire.

Eine schöne Zeit, lieben Gruß, Anja


Dienstag, 19. Mai 2026

Many shades of Grès


Sehr sehr sehr spontan habe ich letzten Freitag einen Schlenker gemacht. Eigentlich war ein Wanderwochenende in meiner alten Heimat angesetzt, aber die Wetterprognose war dürftig. Ich habe also im Web gesucht, wie ich den Aufenthalt abrunden kann und neben den Verabredungen und notwendigen Erledigungen die Zeit füllen kann. Donnerstag poppte mir auf Instagram eine Ausstellungseröffnung entgegen. Oft nervt Instagram, aber von dieser Ausstellung hätte ich ohne den Algorhythmus nicht erfahren. Donnerstag Abend im Kunstgewerbemuseum in Berlin. Hmm, das bedeutet eigentlich nur ein Umweg von ca. 2 Stunden, natürlich absurd viele Kilometer, aber auf manchen Teilabschnitten sind die ICE sehr schnell und für die Hinfahrt habe ich den Sprinter gewählt, der von Frankfurt bis Berlin durchfährt. Ich habe noch überlegt, ob ich irgendwen meiner Nähbekannten in Berlin informiere, aber ich wollte auch maximal flexibel bleiben, da ich Freitag Abend in Lippe erwartet wurde. Sorry an eine liebe Leserin, die die Ausstellung sicher auch besuchen und vielleicht beschreiben wird, sie wird sich hiermit angesprochen fühlen.

Ich habe mich im Zug über die Exponate und den Hintergrund ein wenig informiert. Den Namen Madame Grès kennen wir vermutlich alle, verbinden ihn mit Paris, mit Haute Couture, mit vergangenen Zeiten. Bewusst im Original habe ich noch keine Modelle von ihr gesehen und mich auch nicht mit dem Leben von Emilie Krebs, Mademoiselle Alix, Alix Barton, Alix Grès, Madame Grès - soviele verschiedene Namen und Marken - beschäftigt.

Madame Grès - als die sie am Ende in die Modegeschichte einging - wollte eigentlich Bildhauerin werden und das wird in ihren Modellen sehr deutlich. In der Ausstellung werden einige von ihnen Skulpturen gegenüber gestellt. Die Ähnlichkeit ist frappierend.

Spannender fand ich an der Ausstellung jedoch die Gegenüberstellung mit modernen Entwürfen von Modestudenten. Deren Ideen überzeugten mich sehr und daher habe ich ihnen auch mehr Aufnahmen gewidmet.

Dekonstruierte Hemden, Kleider, Faltenwürfe, Plissee, Stick, Blechornamente. Erläutert wurde jeweils der Bezug zu Madame Grès, die Ähnlichkeit oder der Kontrast, das Material oder das genaue Gegenteil davon. So kann man natürlich eigentlich immer eine Verbindung herstellen. Überrascht hat mich im Übrigen, dass Grès mit Jersey gearbeitet hat. Bei Plissee hätte ich das nicht erwartet. Aber die Falten sind nicht eingebrannt, sondern eingenäht.


Unten ein Zweiteiler mit Maske, ein moderner Kontrast zu den weichen fließenden Gewändern von Madama Grès. Harte Kanten, architektonische Strenge, brutalistisch aufgebrochene Züge als Gegenteil von dem, was in den Modellen der Grès zu finden ist.



Im modernen (oben) und originalen (unten) Ensemble ist klar, wie der Bezug zwischen dem studentischen Entwurf und dem Original gedacht ist. Skizzen, Fotos usw. begleiteten die Modelle. Leider war der Raum sehr dunkel gehalten. Mich nervt immer, wenn es dunkel ist und man sich tief bücken muss, um Texte zu lesen. Aber so ist es leider ganz oft, wenn Kleider auf Figurinen ausgestellt sind.


Die Falten werden alle mit der Hand gelegt und fixiert, um zu halten, was für eine Arbeit. In den fließenden plissierten Kleidern steckt unfassbar viel Stoff. Im Rock oben über 8 m, im Oberteil fast 3 m. Verwendet wurde Jerseyseide, ein Material, das mir im Stoffladen noch nicht begegnet ist.




Oben 3 moderne, unten originale Kleider. Das Oberteil werde ich mir eventuell versuchen nachzuarbeiten, der Faltenwurf ist wirklich toll. Ich wollte mich sowieso einmal mit Drapieren beschäftigen.


Das weiße Modell unten ist eigentlich superschlicht, einfache Bahnen, die in der Taille hochgeschoppt werden. Bei diesen Modellen wurden transparente Stoffe als Overlay verwendet, mag ich sehr.



Eine tolle Rückenansicht einer studentischen Arbeit, leider konnte man in der Ecke die Vorderansicht gar nicht anschauen, Spiegel wären hilfreich gewesen. 



Zuletzt das Berlin Späti Modell mit Brustpanzer und - als spezielles Merkmal von Berlin - angeranztem und zerrissenen Stoff. Abendgarderobe der etwas anderen Art. Madame Grès hat in dieser Abteilung Modelle mit Pailletten, Steinen und aufwändigem Stick gezeigt.

Eine kleine feine Ausstellung, die noch bis Oktober andauert. Sehr genossen habe ich die Leere in den Räumen, die Lage am Tiergarten, durch den ich noch bis zur Weiterfahrt spaziert bin.

Auf bald, lieben Gruß, Anja

Freitag, 10. April 2026

Trenchrock aus Cartamodelli 4/2026

Als ich im März in Italien war, zeigte Anna von Oh Chiffon (früher Blog, jetzt Instagram) ihr neu erworbenes Heft der Cartamodelli, wir haben ein wenig getextet, ich habe bisher immer La Mia Boutique gekauft und sie hat mich überzeugt, auch mal die Cartamodelli auszuprobieren, sie sei frischer, moderner. Tatsächlich war die La Mia Boutique früher interessanter, das ist mir auch im Laufe der Jahre aufgefallen, das April Heft war noch nicht da, also habe ich das aktuelle Heft der Cartamodelli gekauft. Interessanter als Burda finde ich sie allemal, das liegt allerdings möglicherweise auch daran, dass manche Trends immer mit einem Jahr Zeitverzögerung in Deutschland ankommen.

Aus dem April Heft hat mich sofort der Trenchrock angesprochen. Vor allem, weil ich einen gut geeigneten Stoff aus einem zurückliegenden Stoffverkaufstag bei Annette Görtz herumliegen hatte, mein ältester Stoff aus 2023. Im Laden sah er weinrot aus, draußen dann eher braun. Ursprünglich für eine Hose gekauft, dann für eine Jacke als geeigneter befunden (Sybille von Feovogt bei Instagram hat daraus eine Bomberjacke genäht). Und nun wird es ein Rock, aber ein Trenchrock, für den ein Jackenstoff ja genau richtig sein dürfte. Ich hatte ca. 2,3 m, das entsprach der Stoffmenge, die benötigt wurde und die ich letztendlich auch komplett verbraucht habe. Der Stoff hat eine Köperbindung, die genaue Zusammensetzung ist bei Annette Görtz Stoffen nie bekannt, ich könnte noch eine Brennprobe machen. Aber solange die Stoffe haptisch angenehm und wertig sind, verzichte ich darauf meist.

Weiteres Material wollte ich nicht kaufen. Vor allem, weil meine Knopfkiste immer noch aus der Karstadt Auflösung gut gefüllt ist. Allerdings fehlte die richtige Farbe, man braucht hier 8 große Knöpfe. Dann kam mir die Idee, die Knöpfe zu mischen. Es gab einige, die zum Stoff passten, andere, die kontrastierten, die eine gute Größe hatten und die außerdem zusammen irgendwie gut aussahen. Das Problem: der Durchmesser schwankte zwischen 2,4 und 3,2 cm. D. h. ich musste für 3 verschiedene Knopfgrößen Knopflöcher machen. Die im Idealfall auch noch gut aussehen, also am besten Paspelknopflöcher. Dazu 2 Paspeltaschen mit Klappe. Viel zu tun, ein neues Slow-Sewing Projekt. 

Unten eine Auswahl der Knöpfe: es sind jetzt 2 schwarze Knöpfe von Karstadt, 2 riesige grüne aus der Knopfkiste meiner Mutter (mglw. abgetrennt von einem grünen Mantel, den ich in meiner Jugend getragen habe und der von meiner Tante kam - Original 60er, ein Traumstück, den ich supergerne mal nachnähen würde), 3 graue dicke Knöpfe, die an meinem ersten Businesskostüm waren, das meine Mutter 1992 für mich genäht hat und 2 weitere Knöpfe, deren Herkunft ich nicht klären kann.

Da ich generell wenig Lust habe, Probeteile zu nähen und auch Probeknopflöcher oft nicht den gewünschten Erfolg bringen, habe ich mich an Richtwerten für Paspelknopflöcher aus dem Internet orientiert, die die Länge und die Dicke der Knöpfe berücksichtigen und so die Maße festgelegt. Das einmal außen und auch noch innen. Dort habe ich die Löcher mit einem rostroten Baumwollstoff unterlegt und dabei einen Denkfehler gemacht. Da der Stoff viel dünner ist als der Originalstoff, habe ich die Löcher etwas kleiner gemacht - in der Annahme, dass der dicke Stoff sich schlechter durch das Loch ziehen lässt als der dünne Stoff und ich am Ende die gleiche Lochgröße habe. Leider war dem nicht so. Die inneren Knopflöcher sind teils zu klein. Bei einem Knopfloch (oben links, siehe Foto) so sehr, dass ich den geplanten Knopf wieder abgetrennt habe und einen kleineren Ersatzknopf verwendet habe. Bei allen anderen Knopflöchern geht es gerade so, die muss ich auch nicht ständig auf- und zumachen, so dass ein enges Knopfloch zu ertragen ist. Im Endeffekt hätte ich mir natürlich auch einige Knopflöcher sparen und die Knöpfe nur zur Dekoration aufnähen können. Aber Paspelknopflöcher üben schadet ja nie. So viel Erfahrung habe ich damit nicht und ich umgehe sie gerne, wenn es möglich ist. Nachträglich habe ich dann ausgerechnet, dass sich durch diese 8 Knopflöcher die Anzahl meiner genähten Paspelknopflöcher verdoppelt hat. Es ist noch Luft nach oben, aber durch die vielen Knopflöcher diesmal sinkt meine Hochachtung. Übung macht eben doch den Meister.

Einen weiteren Fehler habe ich an der einen Paspel für die Tasche gemacht, sie ist zu knapp eingenäht. Ich dachte, das es schon reicht, aber beim Einklappen sieht man Fäden, Auftrennen und neu Einnähen bei einem vorhandenen Einschnitt finde ich schwierig, also habe ich die Ecke mit einem Gadget von den Munichfrocktails überdeckt. Nicht der Aufnäher, den man oben auf dem Bild sieht, sondern letztendlich en kleines rundes silbernes Ding mit dem Text "Handmade".

Dann hat meine Spule verrückt gespielt, die Fadenspannung stimmte weder oben noch unten, ich habe mindestens eine Stunde Probenähte gemacht, die Maschine geölt, anderes Garn verwendet, die Nadel ausgetauscht bis ich wieder einigermaßen mit dem Nahtbild zufrieden war. Insofern habe ich auf allzu viele Steppnähte verzichtet. Anfangs hatte ich noch die Idee alles mit Grau zu betonen, habe dann aber doch braunes Garn gefunden. Ich werde wahrscheinlich beim nächsten Auspacken der Maschine noch vorne an der Knopflochleiste eine Ziernaht aufsteppen, damit der Beleg besser hält. Bei den Knöpfen reicht der Abstand zur Kante nicht und das Teil ist ja auch verdeckt.

Zu guter Letzt habe ich beim Gürtel vergessen, ein Band zum Wenden einzunähen. Demzufolge hat das Wenden und Rausziehen des beidseitig mit Vlieseline bezogenen Gürtels auch etwa 1 Stunde gedauert. Auf die Schnalle mit Dorn verzichte ich, ich verwende einen vorhandenen in der Größe passenden Schieber. Das Üben der Gürtelerstellung spare ich mir für die Zukunft auf.

Ich habe viel gelernt bei diesem Projekt, insofern sind Fehler ja auch gut.

Trenchröcke gibt es auch zu kaufen, hier ist dem Rock ein ganzer Artikel gewidmet, das war bereits 2025, gesehen habe ich solche Röcke bisher nirgends. In der U-Bahn fällt mir auf, dass jetzt ganz viele Trenchjacken tragen. Die gab es auf dem Titelbild der Märzausgabe der Cartamodelli.

Die Anprobe ergab, dass die Weite gut passt (das habe ich vorher ausgemessen, lt. Größenangabe für das Schnittmuster wäre es eigentlich ein wenig zu eng), aber der Rock ist viel zu lang. Ich bin 176 cm groß und die Länge lt. Schnittmuster ginge bei mir bis zur Schuhsohle. Ich habe dann 11 cm gekürzt, um auf Knöchellänge wie auf dem Bild zu kommen. Als alles zusammengefügt war, habe ich nochmal an den Seitennähten und der hinteren Mittelnaht Korrekturen vorgenommen und je ca. 1 cm, also doch insgesamt in der Taillenweite 6 cm reduziert. D. h. der Schnitt ist ein bisschen arg groß.

Mit dem fertigen Rock bin ich trotz der Vorgeschichte und des suboptimalen Zustands der Knopflöcher und des Innenlebens (Taschenbeutel, Taillenbeleg usw., alles nur mit Zickzack abgesteppt, aber unsichtbar) zufrieden. Form, Länge, Stylingmöglichkeiten gefallen mir. Er ist ebenfalls fahrradtauglich dank des Schlitzes hinten. Leider beginnt nun die Jahreszeit, wo vermutlich dünnere Stoffe zum Einsatz kommen, aber an kühlen Sommertagen geht das Material auch.

Zusammenfassung:

Schnittmuster: Im Vergleich zur La Mia Boutique (und auch zur Burda) schneidet das Papierschnittmuster schlechter ab, das Blatt war dichter bedruckt, die Linien dünner und schlechter kopierbar, es gibt weniger Größen, die Knöpfe und Knopflöcher sind bei allen Größen an gleicher Stelle, für die Gürtelschlaufen muss man die Position selbst bestimmen, alle rechtwinkligen Teile muss man selbst zeichne), das ist alles machbar, ist mir aber aufgefallen. 

Die Anleitung ist viel weniger strukturiert als bei La Mia Boutique, wo ich mit der italienischen Anleitung gut zurecht komme. Ok, hier ging es gleich mit der Paspeltasche los, ich habe irgendwo aufgegeben und nach Gutdünken genäht, was dazu führte, dass ich mit den Belegen oben ein Problem hatte, da ich vorher die Knöpfe angenäht und die Knopflöcher gemacht hatte, ich konnte den Beleg nicht mehr gescheit umklappen. Insgesamt scheinen die Schnitte schwieriger zu sein (viele Paspel-/Leistentaschen), aber eine Einstufung auf Basis eines Stern- oder Punktesystems fehlt. 

Anna von Oh Chiffon interessierte sich für die Passform: ich habe Weite und Länge heraus genommen. Und das bei einem Rock (normalerweise gebe ich immer Weite und Länge zu, vor allem an Taille und Bauch), ich habe keine Standardfigur und passe immer irgendwas an, insofern würde ich bei Cartamodelli alle Maße kontrollieren bevor ich einen Stoff zerschneide.

Zum Schnitt selbst: wenn ich vorher drauf geachtet hätte, hätte ich die Knopflöcher einen Tick weiter unten positioniert, das oberste ist halb unter dem Gürtel, auf dem Foto verdeckt das Model diesen Bereich, außerdem hätte ich die Knopflöcher weiter nach innen gelegt. Das kann natürlich daran liegen, dass ich deutlich größere Knöpfe habe als vorgesehen (teils 3,2 statt 2,4 cm Durchmessen, insofern ist bei mir alles dicht an die Kante gerutscht).

Schwierigkeitsgrad: Schwierig, ich habe es mir durch die Knopflöcher noch etwas schwieriger gemacht.

Zeitaufwand: Für meine Verhältnisse lange, insgesamt immer mal wieder innerhalb von 2 Wochen. Viel Handarbeit. An sich hätte ich auch die Belege und den Saum mit der Hand genäht, aber dazu hatte ich am Ende keine Lust mehr.

Kosten: Ich erinnere den Meterpreis nicht mehr, vermutlich irgendwo zwischen 6 und 10 Euro, also für alles 15 bis 25 Euro.


Waldspaziergang geht auch mit dem Rock.

Das war jetzt eine Menge Text, es gab auch mehr als sonst zu schreiben.

Viele Grüße, Anja





Mittwoch, 1. April 2026

Corsage 106 aus Burda 8/2025 - Me made Mittwoch im April

Letztes Frühjahr habe ich eine Corsage oder ein Bustier (was ist hier eigentlich genau der Unterschied?) genäht, die ich neben einer Kaufcorsage sehr gerne anziehe, peppt sie doch einfach schlichte Kleidung auf und wärmt außerdem ein bisschen den Körper. Wo ich das schreibe merke ich, dass ich dafür meine Strickpullunder diesen Winter viel seltener, fast nie eigentlich angezogen habe. Nun ja. Die Corsage von Burda wurde letzten Sommer im Heft gezeigt und hat mir sofort gefallen. Allerdings würde ich sie nicht auf nackter Haut tragen, auch nicht aus einem anderen Stoff, das ist einfach nicht meins. 

Der Schnitt war bereits kopiert, in Größe 42. Nachprüfen konnte ich das nicht mehr, denn ich hatte das Heft aus der Bücherei entliehen. Insofern konnte ich schnell mit Zuschnitt und Nähen starten, als ich vor 2 Wochen den passenden Stoff und geeignetes Futter gefunden hatte. Knöpfe und eine Schnalle hatte ich im Bestand, passendes Nähgarn auch. Ich habe mich akribisch an die Anleitung gehalten, irgendwo musste ich mir die Bilder im Netz mehrfach anschauen, um zu verstehen, wie das mit dem Fake Gürtel gemeint ist, ich habe es aber wohl richtig verstanden.

Das Nähen war - wegen der vielen Teile - etwas mühselig. Wenn ich den Schnitt selbst konstruiert hätte - was ich bei der Corsage letztes Frühjahr gemacht habe - hätte ich wohl auf die ganzen Belege verzichtet, die zu kleinen Ungenauigkeiten führten. Das liegt nicht am Schnitt, die Teile passten genau aufeinander, das habe ich im nachhinein nochmal überprüft, sondern daran, dass ich Pi mal Daumen mit der Nahtzugabe von 1 cm zuschneide, was ggf. auch mal 1, 2 cm oder 0,8 cm sein können. Außerdem nähe ich dann auch nicht superakkurat zusammen. Am Ende fügte sich alles mit einigen Korrekturen irgendwie. 

Vor dem Verbinden von Futter und Außenstoff musste ich allerdings Anpassungen vornehmen. Im Brustbereich habe ich bestimmt insgesamt 6 cm weggenommen, an der Seitennaht und an den Nähten, wo das Mittelteil auf die seitlichen Vorderteile trifft. Da der Stoff eine geringe Menge Elasthan hat, leiert es oben etwas aus, obwohl alle Besätze brav mit Vlieseline bebügelt sind. Die Knopflöcher sind nicht als Paspelknopflöcher gearbeitet, das wäre bestimmt schöner gewesen, habe ich aber im Prozess nicht rechtzeitig bedacht. Der Burdaschnitt sieht Druckknöpfe vor.

Ich habe das Teil, als es fertig war angezogen,, es passte schon, siehe unten, dennoch hatte ich das Gefühl, das es ein wenig locker sitzt. Insbesondere rutschte es, wenn ich mich gebückt habe und danach wieder aufgerichtet habe. Das eignet sich nicht für meinen Alltag, in dem ich mich bewegen möchte und nicht an meiner Kleidung herumzuppeln will. Ich habe also einen weiteren Versuch gestartet, um an den Seitennähten Stoff zu reduzieren, an jeder Seite bin ich von ca. 1,5 bis 2 cm ausgegangen, was nochmal 6 - 8 cm insgesamt ausmacht. Dabei habe ich das Teil über das Loch, durch das der Gürtel gezogen wird, gewendet und enger genäht. Sicher nicht die feine saubere Art, aber die mit dem geringsten Arbeitsaufwand. 


Danach saß es wesentlich enger, körpernäher und verrutschte auch weniger. Hinten wird es schon eng gezogen, sieht man auf der Aufnahme unten von der Rückseite. Aber die Trageeigenschaften sind besser als vorher, wo alles schön ordentlich aufeinanderlag. Im Burda Original ist die Corsage aus meiner Sicht auch zu weit, für ein Foto reicht es, im Alltag sollte sowas besser sitzen.


An der Seite habe ich einen kleinen Einnäher aus der Goodie Bag von den Munichfrocktails eingefasst.


Die passende Handtasche besitze ich auch, ich nutze sie viel zu selten.



Der Rock oben ist uralt, von meiner Mutter für mich vor ca. 24 Jahren für die Schwangerschaft genäht, dann in der Weite mehrfach geändert, lange ungetragen, jetzt wieder schick. Denn man hat diese fast wadenlangen Röcke wieder. 

Und hier noch eine weitere Tragevariante mit der Wollhose (Vogueschnitt), einen dünnen Rolli werde ich sicher auch noch ausprobieren, evtl. auch die blaßblaue Bluse, die ich habe oder die dünnere grüne Hose, die noch bei den Sommersachen liegt.



Zusammenfassung:

Schwierigkeitsgrad: Insgesamt ist so ein Kleidungsstück, das wirklich gut passen muss, schwierig zu nähen. Da gibt es eine Menge Anpassungen, die idealerweise auch gut in den Originalschnitt eingefügt werden. Das ist mir hier mit den nachträglichen Abnähern und dem enger Nähen nicht  perfekt gelungen, dennoch ist ein tragbares Kleidungsstück entstanden. 

Zeitaufwand: Der Schnitt besteht aus einer Unmenge von Teilen, das Kopieren hat ewig gedauert, ebenso das Zuordnen der Schnittteile und der Vlieselinestücke. Man musste schon ziemlich aufpassen, alles richtig zusammen zu setzen. Das finale Nähen und Versäubern war dann relativ schnell erledigt bis es an die Anpassungen ging. Kein schnelles Projekt, mehrere Abende.

Kosten: Den Oberstoff, ein 0,8 m Rest von Max Mara (frisch bei Intrend in Triest gekauft), kostete 9 Euro, von dem Futter (ebenfalls Intrend) habe ich ca. 0,4 m verbraucht, also 2 Euro, insgesamt mit den alten Knöpfen und dem grünen Garn aus der Karstadtauflösung max. 12 Euro.

Ich zeige die Corsage am 1. April beim Me made Mittwoch, wo ich schon ein bissel gestöbert habe, bevor ich den Post fertig gemacht habe. Zu der grünen Hose hatte ich wenig passende Oberteile, die Corsage passt perfekt.




Frohe Ostern und herzlichen Gruß, Anja


Donnerstag, 26. März 2026

SCART - die schöne und nützliche Seite von Müll

Ich habe einige Tage in Triest verbracht und bin gleich am Anfang auf dem Weg vom Bahnhof zu meinem Zimmer an der alten Pescheria vorbeigekommen. Durch die großen Fenster konnte ich sehen, dass drinnen Kleider hingen. Nicht nur Kleider, sondern auch riesige Roboter, die interessierten mich aber weniger. Von dem Projekt SCART, das es schon seit über 20 Jahren gibt, hatte ich noch nie gehört. Wenn ihr in der Verlinkung nach ganz unten geht, gibt es den Bereich Fashion, wo noch mehr dazu steht. Irgendwie kann man es auch ins Englische umstellen. Im wesentlichen geht es darum, Müll sinnvoll weiterzuverwenden - ihn zu Kunst zu verarbeiten. In einem Video wurden auch junge Menschen gezeigt, die auf dem Recyclinghof mit Plastikhandschuhen den Müll, der gerade abgeladen wird, durchwühlen, um Dinge zu finden, die sie verwenden können. Und man kann viel verwenden, sehr viel. Mich würde interessieren, ob es so etwas auch in Deutschland gibt. Es wäre richtig cool, wenn die verschiedenen Ausstellungen, die offensichtlich bereits seit Jahren durch Italien touren, bekannter würden.

Wenn man in die Halle hineintritt, sieht es erstmal so aus, es sind gar nicht viele Kleider, aber jedes Einzelne ist ein Unikat. Deswegen habe ich diesem Post auch ziemlich viele Fotos beigefügt. 


Der Rock unten aus zerquetschten blauen Plastikflaschen:


Gefärbte gefundene Federn, an das Material des linken Kleides erinnere ich mich nicht mehr:


Lauter gefaltete Kassenzettel:


Die Rückansichten der meisten Kleider waren auch sehenswert, hier ein Beispiel, links das Kapselkleid, in der Mitte das Legokleid, rechts das Dosendeckelkleid.


Oben wurden Fischernetze, Korkreste und anderer Krimskrams verarbeitet, unten genauso, wenn man auf dem Kleid unten genau schaute, entdeckte man auch Tasten von Computern, Metallzeug, alte Knöpfe, Fransen, Ringe, alles mögliche. Der Rock ist aus Textilresten gearbeitet.
Mein Favorit unten rechts: das Crodinokleid, aus lauter Deckeln von kleinen Crodinofläschchen, ich mag den alkoholfreien Aperitiv sehr gerne. Das Kleid links besteht aus ineinandergefügten Abreißdingern von Dosengetränken. Viel Arbeit steckt in dem Verbinden der Elemente durch kleine Ringe.

Unten nochmal das Kassenzettelkleid sowie ein Kleid, das aus puscheligen rot eingefärbten Schmusetieren zusammengesetzt ist, vermutlich Produktionsüberhang.



Im Kleid oben wurden lauter Muster einer Textilkollektion miteinander verarbeitet, unten Schläuche, für einen Fahrradschlauch etwas zu breit an einigen Stellen, vermutlich ein Mischmasch von alten Schläuchen unterschiedlicher Fahrzeuge.


Ganz in Rot: unterschiedlichstes Zeug zu einem Kleid verbunden und dekoriert:



Das Kaffeekapselkleid hat mich auch sehr beeindruckt. Ich erinnere mich, dass meine Tochter bereits im Hort mit alten Kapseln gebastelt hat, wenn man sich überlegt, wieviele Kaffeekapseln jeden Tag verbraucht werden und im Müll landen, Horror!

Oben zwei kostümartige Kleider aus unterschiedlichem Zeug in einheitlicher Farbe, unten wurden alte Plastikhandschuhe gefärbt, aufgerauht, irgendwie verwandelt und miteinander verbunden, sehr cool:



Und zu guter Letzt ein Kleid aus übrig gebliebener oder abgehängtem Absperrband. Sind diese Ideen nicht allesamt der Hammer? Bei manch einem dieser Kleider habe ich gedacht, wow, absolut tragbar für eine Party. In Gedanken war ich noch ein bisschen bei Munichfrocktails, dort hätte man so etwas wirklich anziehen können. Einen Extrabericht zu den Frocktails werde ich allerdings nicht machen, ich habe einfach nur den Abend genossen, getanzt, getrunken, geredet und kein einziges Foto gemacht.

(Ergänzung vom 2.5.2026):

Zufällig bin ich einen Monat später in eine ähnliche Ausstellung "gestoplpert", sie sollte an sich Mitte April enden, aber dann konnte man die Bilder aus Müll doch noch Ende April im Teatro Margherita anschauen. Blicke auf das Kino, lauter Ikonen des italienischen und ein bisschen des internationalen Films: 





Hat mir fast noch besser gefallen als die Kleider, weil man diese Bilder wirklich gerne haben möchte.

Herzlichen Gruß, Anja