Mittwoch, 14. April 2021

Kurzjacke #108 aus Burdastyle 8/2020

 Am letzten Me Made Mittwoch wurden verschiedene Jacken mit Paspelknopflöchern gezeigt. Formspielerins Werke hat gleich eine kleine Bildergeschichte dazu veröffentlicht. Piek und Fein hat sie bereits am Online Nähwochende genäht.

Während der kurzen Lockdown Pause habe ich einen dicken weinroten Mantelflausch erworben (70 % Wolle, der Rest - nun ja, produzierte beim Bügeln sogar unangenehmen Geruch), die Farbe sprach für den Stoff, leicht meliert sogar. Es gab auch gleich Steppfutter in Schwarz dazu. Denn ich hatte mich entschieden nächsten Herbst eine wärmende Jacke zu nähen, nicht zu lang, damit es zu meinen Marlenehosen passt, derer ich inzwischen fünf besitze. Die Jacke sollte wirklich für Temperaturen deutlich unter 10 Grad geeignet sein. Für alles darüber habe ich genug Übergangssachen, die allerdings fast nie im Einsatz sind, denn in den letzten Jahren ist es hier entweder kalt, also zwischen 4 und ca. 8 bis 10 Grad, oder wenn es Frühling / Herbst wird und die Temperaturen steigen, wird es sehr schnell in der Sonne gleich 17 oder 20 Grad (es ist nahezu nie windig hier in der Stadt, die mittlerweile Karlsruhe als wärmste Stadt Deutschlands abgelöst hat), in dem Temperaturbereich brauche ich keine Jacke mehr, sondern binde sie mir oft um die Hüfte, weil es zu warm ist. Dazu ist zu sagen, dass ich auch nicht nur 10 oder 15 Minuten zur Bahn laufe, sondern entweder Fahrrad fahre oder mindestens eine Stunde Gassi gehe.

Das Modell aus Burdastyle 8/2020 gefiel mir auf Anhieb, ursprünglich wollte ich es schon aus Cord nähen, habe mich dann aber doch für eine andere Verwendung des Cord entschieden, gut so, denn das Kleid ist ein Dauerbrenner in meiner Garderobe.


Ich war mir nicht sicher, ob der Schnitt für Mantelstoff mit Steppfutter geeignet ist, vorsorglich habe ich eine Größe größer zugeschnitten, zwischendurch dachte ich, es wird nicht an den Ärmeln funktionieren, aber es funktioniert. Auf den Fotos habe ich sogar einen Islandpullover darunter, o.k., das geht gerade so. Mit der dicken Jeans habe ich draußen nicht ein bisschen gefroren (für das Foto habe ich allerdings die Mütze und die Handschuhe ausgezogen, ohne die war es definitiv zu frisch).



Die Jacke ist komplett nach der gut verständlichen Anleitung genäht, alle Passzeichen treffen aufeinander, es gibt derer genug, der Futterschnitt passt auch perfekt in die Jacke. Abweichend habe ich einen Aufhänger eingenäht und Paspelknopflöcher eingearbeitet. Das musste einfach sein, nachdem ich die vor einer Woche mehrmals gesehen habe. Und sie machen wirklich mehr aus einer einfachen Jacke. Ich kannte die Art, wie sie auch Formspielerin zeigt, die habe ich bei meinem Poncho angewendet, aber diesmal hätte ich besser die Methode mit den beiden Streifen angewendet, zu der es im Netz reichlich Anleitungen gibt. Das Stoffstück, das ich durch den Einschnitt ziehen musste, war unfassbar dick und ließ sich kaum gerade platzieren. Die Kellerfalte hinten muss noch gebügelt werden, der Kragen sicher auch nochmal, aber das sind Kleinigkeiten, die mich nicht vom Anziehen abhalten.


Ich bin zufrieden mit der Jacke und vor allem, dass ich mich an letzten verregneten Wochenende durchgerungen habe, sie zu nähen, denn es war und ist ja tatsächlich noch eisig kalt und ich kann sie gut gebrauchen.

Viele Grüße

Anja

Mittwoch, 7. April 2021

Burda Jeans und Burda Sweatshirt

Vor etwas mehr als 3 Wochen habe ich an dem sehr genialen virtuellen Nähwochenende, das Chrissy (nur auf Instagram) und Muriel organisiert haben, teilgenommen. Ich war von der Organisation und dem Ablauf sehr begeistert und habe in 2 Tagen (und einem Abend) soviel und so intensiv genäht wie schon ganz lange nicht mehr. 

Zu Beginn ist ein Kleid für den Sommer entstanden, das ich noch nicht getragen habe. Gleiches Schnittmuster wie dieses, Material diesmal Waxprint. Zeige ich, wenn es getragen wird. Da das Kleid so schnell fertig war, habe ich am Samstag Nachmittag noch die Burda Jeans 119 aus 3/2020 zugeschnitten und Sonntag fertig gestellt. Das ist mittlerweile die dritte Jeans, die ich genäht habe, und die mindestens siebte jeansähnliche Hose, so dass der Ablauf mittlerweile klar ist. für den Reißverschluss orientiere ich mich an einer anderen Anleitung, die Größe an Hüfte und Bund übernehme ich von meinem Grundschnitt, für die Länge gebe ich immer mindestens 5 cm zu. Ich habe außerdem den Formbund meiner La Mia Boutique Jeans angesetzt, weil ich das angenehmer finde als so ein gerader Stoffstreifen in der Taille. 

Der Stoff ist letzten Sommer bei einem Besuch des Ladens von Anita Pavani Stoffe in der Nähe von Gießen gekauft, es ist ein ziemlich schwerer, mittelblauer Jeans, vermutlich G-Star, aber sicher bin ich da nicht. Ein Erinnerungskauf. Ich habe wenig ziergesteppt, weil ich eine schlichtere Hose wollte. Der Knopf ist olivgrün (aus dem Vorrat) wie das verarbeitete Garn (kann man nicht erkennen).


Da ich diesen Winter merkte, dass mir wärmende Oberteile fehlen, habe ich - kaum dass Click and Meet möglich war - Sweatshirtstoff erworben, in ganz schlichtem langweiligen, aber kombinationsfreudigen Dunkelgrau und ziemlich schnell ein Sweatshirt genäht: Modell 116 aus Burdastyle 1/2020. Das Original hat ziemlich weite Ärmel, die habe ich deutlich verschmälert, aber nicht so stark nach unten zusammenlaufen lassen. Sie sind auch länger als im Original, aber das ist bei mir immer so, da ich überlange Arme habe. Da der Winter zurück gekehrt ist, gibt es noch Gelegenheit, warme Sachen zu tragen, welch ein Glück für mich.

Der Pulli mit dem angeschnittenen Rollkragen gefällt mir so gut, dass ich davon, wenn die Läden wieder öffnen weitere Modelle nähen werde. Ich habe hier zwar noch andere Modelle von Burda abgepaust liegen, finde aber diesen mit dem großen Rollkragen doch schöner und kuscheliger.

Das Wetter ist wieder sehr winterlich, daher fühle ich ich zur Zeit sehr wohl mit dieser Kleidung. Gezeigt beim Me Made Mittwoch, wo andere mglw. schon sommerlichere Kleidung tragen.

Viele Grüße aus Frankfurt, Anja

Montag, 5. April 2021

Watch on demand - Fashion and Textile Museum London

Statt zu reisen und in Museen zu gehen und statt in echte Veranstaltungen zu gehen, gibt es mittlerweile ein breites Angebot an Online-Veranstaltungen für jeden Geschmack.

Zu meinem digitalen Museumsbesuch habe ich im letzten Post geschrieben. Zwischendurch war es auch - zumindest in Hessen - 3 Wochen lang möglich echte Museen zu besuchen, inzwischen hat wieder alles geschlossen, so dass ich meine Planung, mir online Veranstaltungen des Fashion and Textile Museums in London anzuschauen, wieder aufgenommen habe. 

Mittlerweile habe ich 3 on-demand-you-tube-videos gebucht, 2 davon angeschaut.

Cath Kidston, die ich am Anfang meiner Nähkarriere durch ihre Bücher und verspielten Accessoires kennengelernt habe, wurde zu ihrem neuesten Buch A place called Home interviewt. Dabei gab es auch Einblicke in die Gestaltung ihres Hauses.


Orla Kiely, deren Ausstellung ich bei meiner letzten Reise nach London knapp verpasst habe, wurde zu dieser Ausstellung bzw. zu ihrem gesamten Werdegang befragt. Spannend für alle, die ihre Muster mögen, irgendwie im Stil von Marimekko, aber viel weniger bekannt.

Missoni Art & Colour habe ich gebucht, aber noch nicht angeschaut. Dabei handelt es sich wohl eher um einen Ausstellungsrundgang mit dem Kurator. Es gibt inzwischen weitere spannende Veranstaltungen, die man per Termin buchen kann, dann ist man live dabei, kann Zuschauerfragen stellen usw., aber alle Veranstaltungen scheinen auch im nachhinein immer als on-demand eingestellt zu werden. 

Das Prozedere ist ganz einfach, buchen, wenn man will einen Account anlegen, per Kreditkarte bezahlen (ich glaube, andere Methoden funktionieren nicht), und nach ca. einer Stunde kommt per E-Mail eine Bestätigung mit einem link zu dem Video, dass man sich 3 Monate lang anschauen kann.

Das Museum sammelt derzeit noch dringend Geld, um den Erhalt abzusichern. Auch aus den Gesprächen kann man entnehmen, dass der Lockdown und die wirtschaftlichen und sozialen Folgen in Großbritannien eine ganz andere, schärfere Qualität haben, als in Deutschland.

Die Bildqualität ist o.k., man muss sich vergegenwärtigen, dass es sich um eine mitgeschnittene Microsoft Teams Veranstaltung handelt. Gutes Englisch ist Voraussetzung, aber es macht auch Spaß zuzuhören, ich finde, man kommt gut mit, klar fehlt die ein oder andere Vokabel, aber das Meiste ergibt sich aus dem Kontext. Natürlich steht und fällt die Freude mit dem Interesse am Thema, meiner Tochter, die sich grundsätzlich für Mode / Fashion interessiert, war der Talk mit Orla Kiely viel zu speziell. Man muss schon die Person bzw. das Design des Interviewten mögen, um zuzuhören.

Diese on-demand Interviews sind eine wirklich gute Gelegenheit, Designer besser kennen zu lernen, derartige Veranstaltungen haben wir hier in Frankfurt äußerst selten, einmal war ich bei einer Buchpräsentation von Barbara Vinken, die über Mode referiert hat, aber letztendlich sitzt man da auch im Zuschauerraum und hört zu. Gestik und Mimik werden durch die Kamera genauso übertragen.

Da es jetzt wieder richtig kalt wird, eine gute Gelegenheit, die Zeit drinnen mal anders zu nutzen.

Viele Grüße, Anja

Samstag, 6. März 2021

Ausstellungen digital .... Karl Lagerfeld in Halle


Das, was ich in den verschiedenen Lockdowns wirklich am meisten vermisse und wofür ich bisher keinen echten Ersatz gefunden habe, sind Museumsbesuche.

Im Sommer zwischen den beiden Lockdowns gab es einige Ausstellungsbesuche - zum Glück habe ich alles, was ich sehen wollte, gesehen, dort, wo es Bezug zu Stoff und Mode gibt, auch hier im Blog beschrieben.

Im Herbst hatte ich auf meiner Agenda die Wiedereröffnung des Palais Galliera mit der Chanel Retrospektive in Paris, es war jedoch schon im Oktober ziemlich klar, dass eine Reise dorthin unrealistisch sein wird.

Durch einen Blog, leider erinnere ich nicht mehr welchen, wurde ich darauf aufmerksam, dass es in Halle an der Saale eine Karl Lagerfeld Fotoausstellung gibt, auf der "Durchreise" wollte ich dort einen Stopover machen, dann war aber im Oktober irgendeine Bahnbaustelle und die Direktzüge zwischen Frankfurt und Halle fielen aus, langes Umsteigen in Erfurt, nein danke. Ich dachte, das wird auch später im Jahr noch was, denn ich fahre mehr oder weniger regelmäßig durchs Land. Stattdessen haben die Museen am 1. November wieder zugemacht und sind es überwiegend noch.

Bald wird jedoch geöffnet, bei einer Recherche fand ich heraus, dass die Lagerfeld Ausstellung nicht mehr verlängert wird. Aber: es gibt eine digitale Alternative. So kam ich heute Nachmittag zu meinem ersten digitalen Museumsbesuch. Es ist eine Alternative, aber nicht vergleichbar mit der Atmosphäre, die man in einem Gebäude bei der Betrachtung (großer) Fotografien hat. Dafür viele Texte, Videos, Audios, die ich mir in Ruhe angucken konnte, bei Bedarf kann ich unterbrechen (das Ticket ist 48 Stunden gültig), zwar nicht ins Museumscafe oder in den Shop gehen, aber ein bisschen Bewegung zwischen der Betrachtung der Räume hat mir gefehlt.

Digital ist besser als nichts und ich habe einen guten Eindruck von der Ausstellung bekommen. Schön wäre es gewesen, wenn ich die Bilder einzeln und noch größer hätte betrachten können. 

Im Übrigen gibt es inzwischen viele Ausstellungen digital. Auf Dauer ist das nichts für mich, das habe ich gemerkt. Als Zwischenlösung ganz o.k.

Auf meiner Agenda stehen auch noch Veranstaltungen des Fashion and Textile Museums in London, dort finden regelmäßig Gespräche statt, die man auch hinterher noch gegen geringen Kostenbeitrag abrufen kann. Die Auswahl ist groß und gut. Ich fange erst langsam an, in die digitale Welt einzutauchen (ich glaube, die Met Costume Gallery hat auch Programme, bin aber noch nicht tiefer eingestiegen). 

Gruß, Anja

Dienstag, 2. März 2021

Ändern von Kleidung - lohnt es sich?


Dazu würde ich immer sagen "Ja", denn schließlich habe ich in Stoffauswahl, Stoffkauf Geld und Zeit investiert, ich habe einen Schnitt oder ein Schnittmusterheft gekauft und das Muster, manchmal wie diesen mühevoll, kopiert, zugeschnitten und genäht.

Ich versuche Anpassungen schon von vornherein vorzunehmen, das gelingt nicht immer, es ist bei manchen Schnitten auch nicht ganz einfach, vor allem, wenn die Abnäher ganz anders sitzen, in diesem Fall laufen die Brustabnäher aus der Raglannaht schräg nach unten. Manche Anpassungen lassen sich auch leicht im nachhinein vornehmen, vor allem wenn es um Kürzen von Ärmeln und Gesamtlänge geht. Nachdenken vor dem Nähen hilft immer, aber auch da hängt es stark von Lust, Müdigkeit und anderen Faktoren ab, ob ich es immer ausreichend mache. Nachdenken (und Erfahrung) hilft auch, wenn Schnitt und Stoff zusammen treffen (das ist hier sicher auch nicht gut gelöst, der Stoff ist zu dick und zu wenig dehnbar).


Ich habe kürzlich aufgeräumt (da bin ich sicher nicht die Einzige in diesem Jahr) und Reste eines grünen Wollstoffs gefunden, nicht viel, solche Reste lohnen eigentlich nicht aufzubewahren, also Richtung Müll. Das Kleid zu dem Stoff habe ich seit Fertigstellung einmal, eventuell ein zweites Mal angezogen, aber es war eigentlich eine echte Schrankleiche, die immer wieder hin- und hergestapelt wurde und auch in derselben Schrankaufräumaktion der Tonne zugeordnet wurde. Mich hat beim Durchsehen der alten Posts schon erschreckt, dass es tatsächlich über 2 Jahre herumlag ohne getragen zu werden. 

Ich habe es nochmal vor der endgültigen Entsorgung angezogen, in diesen Tagen bei Temperaturen um die 10 Grad, angenehm warm und mollig zu tragen, nur an den Ärmeln zu kurz (dazu ist zu sagen, dass ich den Ursprungsschnitt an den Ärmeln verlängert habe, aber wohl nicht ausreichend, das Kleid hatte allerdings auch andere Mängel). Insgesamt fand ich den Sitz letzte Woche nicht perfekt, aber nicht ganz so schlimm einengend wie nach der Fertigstellung (ich habe auch abgenommen, weil ich im letzten Jahr mehr Zeit für Sport gefunden habe).

So ergab sich, dass der Stoffrest wie ein Bündchen an die Ärmel angefügt wurde und ich das Kleid bereits mehrmals angezogen habe. Gerade zuhause ist es gemütlich, die dicken Nähte an den Ärmel stören minimal, überhaupt ist der dicke Stoff für die vielen Teilungsnähte nicht optimal, aber ich kann es anziehen. In diesem Fall hat sich Aufbewahren und Ändern definitiv gelohnt.

Inspiriert zu diesem Post wurde ich durch Mix und Match von Twill und Heftstich letzte Woche.

Grüße, Anja



Dienstag, 9. Februar 2021

Vogue 9112 - Traumkleid? Ja!

Vor sehr, sehr langer Zeit sah ich dieses Kleid in diesem Post und habe mich augenblicklich darin verliebt. Nun sind Vogueschnitte ziemlich teuer und teilweise nicht so einfach zu beschaffen (jedenfalls hatte mein Karstadt Kaufhaus diesen nicht in seinen Schubladen).

Also träumte ich immer mal wieder von dem Kleid, vergaß es irgendwann auch, es gab ja auch genug andere tolle Schnitte. Außerdem träumte ich wahrscheinlich nicht nur von dem Schnitt sondern auch von dem Stoff. Jedenfalls mit der Möglichkeit auf Instagram andere Modelle dieses Schnittes zu sehen, fand ich vor allem die Kombination von Stoff und Schnitt besonders toll. Und so einen Stoff habe ich hier noch nie gesehen. Beim Bestellen habe ich schon diverse schlechte Erfahrungen, was Haptik und Farbe betrifft, gemacht, daher kommt Bestellen für mich eigentlich nicht in Frage (außer mit vorheriger Bestellung einer Stoffprobe, aber das macht das Ganze schon wieder umständlich).

Vor etwa 3 Jahren begegnete mir auf einer Kurzreise zwecks Familienbesuch im Stoffverkauf von Annette Görtz in Rheda-Wiedenbrück ein interessanter schimmernder Stoff, der sehr steif fiel, aber dennoch dünn war, eine Mischung aus braun, bronze, manchmal leicht bläulich, je nach Lichteinfall. 2 m für 12 Euro, mitgenommen! Das Label am Rand wies auf einen Hersteller technischer Stoffe hin, nie davon gehört, klang interessant. Aus was mein Stoff besteht, keine Ahnung. Ich vermute aufgrund der Beschriftung handelte es sich um ein Muster, das Annette Görtz bestellt hatte.

Vor etwas mehr als einem Jahr machte mich eine Bekannte gegen 22 Uhr darauf aufmerksam, dass es in den USA einen Vogue Schnittmuster Sale gab, bis 24 Uhr (wahrscheinlich US-Zeit, welche auch immer), jedenfalls habe ich danach noch mitten in der Nacht Schnittmuster, Porto, Verzollung usw. gecheckt und letztendlich (rechtzeitig) eine größere Bestellung aufgegeben. Irgendwann nach 10 - 20 Tagen trafen die Schnittmuster bei mir ein, selbst mit den hohen Portokosten ein akzeptabler Preis. Ich habe die Bestellung auf 2 Briefe aufgeteilt, dadurch konnte ich die Verzollung umgehen und musste nur Porto zahlen. Das hing vom Warenwert ab, der blieb bei 3 Schnittmustern genau unter der Obergrenze.

Und dann brauchte es nochmal richtig lange bis ich angefangen habe zu nähen. Obwohl ich immer genau wusste, das Stoff und Schnitt füreinander geschaffen sind, für ein tendenziell festliches Kleid, ich werde es zur Abschlussfeier meiner Tochter diesen Sommer in der Schule anziehen (ich gehe davon aus, dass es eine Feier gibt, letztes Jahr gab es jedenfalls eine Abiturzeugnisverleihung, schlimmer kann es dies Jahr auch nicht kommen). Es liegt dann auch noch Schnittmuster für ein Abiballkleid von Vogue herum, einen Abiball wird es vermutlich nicht geben. Für das Kleid hätte ich 10 m Stoff gebraucht und es wäre auch eine echte Herausforderung gewesen. Der stelle ich mich erstmal nicht.

Der Schnitt Vogue 9112 besteht aus ziemlich vielen Teilen, wie man am Foto unten sehen kann. Das Ausschneiden der Teile (Größe M) dauerte ziemlich lange. Ich hatte danach auch keine Lust mehr auf Verlängern des Schnittes irgendwo im Brust- oder Taillenbereich wegen der Proportionen (3 cm wären schon ganz gut gewesen, der Saum ist jetzt nur ca. 0,7 cm eingeschlagen und es ist ziemlich kurz).

Das Nähen war einfach, die Anleitung wie immer bei den amerikanischen Schnittmustern sehr gut und verständlich, alles passte perfekt zusammen, es reichten etwa 1,60 m Stoff (2,1 m waren angegeben).

Hier das Ergebnis (heute mal mit guten Licht, zum 3. Mal in 2021 Sonne):


Ich plane auf jeden Fall, das Kleid nochmal zu nähen, ich kann es mir gut im Winter (nächsten Winter) aus einer Wolle vorstellen, wie auf den Fotos mit einem Rolli, im Sommer aus leichter Baumwolle (das ist ja eigentlich die Idee), schneide ich vielleicht demnächst zu, ob ich die Möglichkeit Stoffe verschiedener Muster miteinander zu kombinieren wie ich es im Netz gesehen habe, eher nein.

Jedenfalls habe ich wieder Lust bekommen, zu nähen und mich mit dem Inhalt meines Stoffschranks zu beschäftigen. Das ist in letzter Zeit ziemlich zu kurz gekommen. Dafür treibe ich mehr Sport und nutze jede Gelegenheit, um mit dem Hund in den Schnee zu gehen

Viele Grüße

Anja

Mittwoch, 2. Dezember 2020

Me made Mittwoch - neuer Strickpullover aus Islandwolle

Vor 2 Jahren habe ich Lettlopi, isländische Schafwolle, für insgesamt 3 traditionelle Islandpullover aus dem Supermarkt in Reykjavik mitgebracht, das rote Strickkleid für mich wurde ganz schnell fertig, aus den beiden Pullovern, die meine Tochter noch stricken wollte, wurde erstmal nichts. Letzten Winter habe ich dann einen klassischen Pullover für meinen Mann gestrickt, aus Farben, die ihm gefielen, d. h. ich habe teils neue Wolle, teils Reste verwendet. Ich musste ja auch aus den Mengen für die Tochter einen Pullover für den Mann stricken.

Mit den verbleibenden Knäuel Lettlopi, die jetzt farblich auch nicht mehr alle aufeinander abgestimmt waren, wollte ich mir zuerst einen schlichten grauen Pullunder stricken, aber dann hätte ich noch mehr Reste in diversen Farben gehabt. Und ein Pullover ist im Winter eigentlich praktischer. Ich habe erst mal mit dem grau, von dem 6 Knäuel vorhanden waren, begonnen, wohlwissend, das das nicht so ganz reichen wird, oben wollte ich dann eine Passe stricken, mglw. aus mehreren Farben, vielleicht aus einem wunderbar graublauen blassen Ton, von dem 2 Knäuel vorhanden waren, auf jeden Fall mit Rollkragen. Es zeichnete sich aber im Verlauf des Strickens ab, dass ich für den oberen Teil mindestens 3 Knäuel brauchte, auch ohne Rollkragen. Also hieß es umdisponieren.

Ich fand diesen schlichten Pullover, von dem ich nur das mittlere Muster verwendete. Für die Abnahmen im oberen Bereich habe ich mich an den klassischen Anleitungen für Lopapeysa (Islandpullover) orientiert. Mit dem unteren Teil, Länge, Weite, auch mit den Ärmeln, Länge, bewusst etwas weiter als sonst bin ich zufrieden, Aber: Offensichtlich habe ich oben lockerer gestrickt, was ziemlich blöd ist, selbst durch Nassmachen und Spannen ließen sich die Beulen nicht reduzieren. Es ist so wie es ist. Da die Wolle sehr stark filzt, ist aufribbeln keine Lösung, sonst würde ich das machen. Beim nächsten Mal bin ich klüger.

Gestrickt habe ich Größe XS, die Lopapeysa sind üblicherweise riesig konzipiert. Ich stricke locker und ich glaube, ich habe diesmal Nadel 4 statt Nadel 3 genommen, denn bei gleicher Maschenzahl und gleicher Wolle, ist das Gestrick nicht soviel enger wie es nach meinen Berechnungen im Vergleich zu meinen anderen Lopapeysa hätte sein müssen.

Zu dem Pullover habe ich - eher zufällig - einen uralten Wollrock an. Meine Mutter hat in den 80er Jahren ein Kostüm genäht, die doppelreihige Blazerjacke mit Samtkragen, hatte ich in der zweiten Hälfte der 80er bis mindestens zur Mitte der 90er Jahre getragen. Ich wusste gar nicht, dass dazu ein Rock existierte. Nach Aussage meiner Mutter fand ich den Rock damals häßlich, scheußlich, untragbar.

Da meine Mutter immer wieder Sachen ausräumt, stieß sie kürzlich auf den Rock, der ihr mittlerweile fast bis auf den Boden reicht. Ich fand ihn - als ich letztes Wochenende in Ostwestfalen war, sehr tragbar, sehr modern, er ist unglaublich warm (Wolle), ich habe ihn mit nach Frankfurt genommen und ziehe ihn gerne bei den jetzigen Temperaturen an. Man soll doch nie etwas wegwerfen. Zumindest wenn das Material eine gewisse Qualität hat.

So, nun verblogge ich diesen Text noch und verlinke ihn mit dem Me made Mittwoch

Auf bald, viele Grüße, Anja