Freitag, 5. Juli 2019

Simplicity 7275

Den Simplicity Retroschnitt habe ich bereits zum zweiten Mal genäht. Mehrere Stoffe kamen dafür in Frage, letztendlich habe ich mich für 2,5 m eines wunderbaren damastartigen Baumwollstoffes aus dem Marc Aurel Outlet in Gütersloh entschieden. Der nachtblaue Stoff hat eine eingewebte Struktur, die man hoffentlich auf der Detailaufnahme weiter unten erkennen kann.


Das Oberteil ist gedoppelt, da der Stoff sowieso nicht so  dünn ist, eignet sich das Kleid sowieso nicht für sehr hohe Temperaturen, heute ist es bei uns kühler. Wenn es noch kälter wird, geht es auch mit einem Rolli oder einer Bluse darunter.


Das Nähen ging leicht von statten, die Anleitung und das Schnittmuster sind super verständlich und alle Markierungen treffen perfekt aufeinander. Die Anpassungen im Bereich der oberen Länge habe ich bereits bei Kleid Nummer 1 vorgenommen.


Zum Me Made Mittwoch vorgestern habe ich es nicht geschafft, Fotos zu machen. Weil es in den Wochen davor einfach zu warm für diesen festen, dichten Stoff war.

Viele Grüße

Anja

Donnerstag, 13. Juni 2019

Burdastyle 7/2018 Modell 113

In diesem ersten Heft meines inzwischen abgelaufenen Burda Abonnements waren sehr viele schöne Kleider, Röcke, Hosen und eine Bluse. Ein Wunder, dass ich davon noch nichts genäht habe. Es brauchte Stoffresteabbau, um endlich dieses ein bisschen retromäßige Kleid zu nähen.

Für den unteren Teil habe ich einen Stoffrest von einem Tochterkleid genommen, insgesamt hatte ich einen 3 m Coupon, den ich vor einem Jahr in Paris gekauft habe. Der obere Teil stammt von einem Spontankauf aus der Restekiste von C.Pauli, nicht ganz günstig, ich habe auch noch 1,5 m davon. Der Hut ist aus einem Vichystoff, insgesamt wieder ein 3 m Coupon aus Paris, vor 2 Wochen erworben. Die Grundfarbe ist jeweils ein petroltürkiser Ton, ganz meine Farbe und miteinander gut zu kombinieren.


Die Raffinesse des Kleides liegt sicherlich in dem verknoteten Oberteil und dem V-Ausschnitt im Rücken. Für mich sind die Armlöcher etwas zu klein, wobei die Größe nicht der entscheidende Mangel ist. Gravierender ist, dass dadurch die Beweglichkeit des Arms nach vorn eingeschränkt wird. Vielleicht fehlen auch die obligatorischen Schulterabnäher?

Ich habe die Brustabnäher 2 cm tiefer gelegt und das Oberteil um diese 2 cm verlängert. Das Rockteil habe ich um einige cm gekürzt. Das Oberteil ist gedoppelt, wäre nicht nötig und ist im Sommer letztendlich doch zu warm. Der Sitz der Taille könnte noch verbessert werden, ich habe nachträglich ein wenig Stoffmasse herausgenommen, aber dadurch ist leider der V-Effekt reduziert. Wenn ich das Kleid nochmal nähe, würde ich hier sorgfältiger anpassen (und natürlich die Armlöcher vergrößern).

Ein bisschen ärgere ich mich, dass ich nicht wenigstens auf den Musterverlauf im rückwärtigen Oberteil geachtet habe., die Naht verläuft ungünstig, bei sowas bin ich ziemlich pingelig. Im Vorderteil ist mir ein übler Zuschneidefehler unterlaufen, den ich nachträglich korrigiert habe. Ich habe den Bruch falsch gelegt und so hinterher die Mitte zerschnitten und neu gelegt. Die Schnittmusterteile sehen durch den Knoten und den angeschnittenen Beleg ungewöhnlich aus. Für das Futter ist ein separates Schnittmusterteil auf dem Bogen. Wer vorher alles liest und genau anschaut, dem passiert das nicht.




Der Hut ist der gleiche wie im letzten Beitrag, auch Burda, andere Stoffe, Größe leicht optimiert.

Viele Grüße, Anja

Mittwoch, 5. Juni 2019

Me Made Mittwoch: Upycling, Resteverwertung. Schnittmustertest

*Werbung, da Namensnennung*

Sehr spontan habe ich vorhin noch Fotos von einigen neu entstandenen genähten Dingen gemacht. Ich sage bewusst "Dinge". Verwendet habe ich Stoffreste von Kleid, Hose meiner Tochter in mintgrün, ein fast nie getragenes Knitterkleid in Plissee, Stoffreste eines zugeschnittenen, aber noch nicht genähten Vogue Vintage Kleides.

Die Bluse mit Volantärmeln aus LMB 5/17 habe ich schon mal genäht, gerne getragen und kürzlich wegen Pilling aussortiert. Das Vichykaro sollte reichen, wobei ich den Rücken mit einer Mittelnaht versehen habe, wegen der Passform finde ich das aber sowieso besser. Fertig genäht sah das Ganze sehr nach Nachtkleidung aus, wenn man von den schönen Ärmeln absieht. Vermutlich liegt es an Stoff und Farbe. Ich habe also noch formgebende Brust- und Taillenabnäher eingefügt und den geschwungenen Saum begradigt. Außerdem war der Halsausschnitt so kahl, also habe ich eine dieser Schluppenschleifen nachträglich aufgenäht. So sieht die Bluse wie eine Bluse aus. Die Farbe macht immer noch blass. Es ist ja auch die Farbe meiner Tochter.

Was ich hingegen dringend zu brauchen glaubte, war ein Sonnenhut. Der vierte ist bereits in Planung, mittlerweile habe ich das Burda Schnittmuster aus 6/19, den kostenlos erhältlichen Sorrento Bucket Hat und eine Kombination von beiden probiert. Die Kombination ist der perfekte Hut für mich. Burda ist etwas zu klein für meinen Kopf, außerdem finde ich die Machart mit den Schrägstreifen umständlich, die Krempe des Sorrento Bucket Hats zu schmal und zu wenig geschwungen. Man kann den fertigen Hut im Übrigen wenden, worauf ich verzichte - aus oben bereits genannten Gründen. Aber ein weiterer ist - wie gesagt-  in Planung. Sobald ich einen wasserdichten Stoff habe, fertige ich auch noch einen Regenhut.


Zu einer Hose (in diesem Fall die Wrap Pants, wie ich gerade feststelle mit der aussortierten LMB Bluse) finde ich die Bluse tragbar, zu einem Rock (ich habe mehrere ausprobiert,   ein beim Foto unten ein oben abgeschnittenes und mit Gummibund versehenes ehemaliges Plissee Knitterkleid) viel zu spießig, auch ohne Hut.




Der Ärmel ist nicht gleichmäßig rund, was ihn von anderen Trompetenärmeln unterscheidet, deswegen ist er im Alltag gut einsetzbar, auch beim Essen. Ein wenig erkennt man hier vom Plissee,  immer noch schön, als Rock besser geeignet, mit einem sportlichen Oberteil etwas peppiger.

Hier unten letztendlich die ultimative Kombination, als die die Bluse vermutlich endet. Zusammen mit einer Shorts nach diesem Schnitt, ebenfalls ein Stoffrest in ganz ähnlicher Farbe, als Nachtwäsche für den Sommer.


Verlinkt beim Me Made Mittwoch.
https://memademittwoch.blogspot.com/2019/06/memademittwoch-am-5juni.html

Viele Grüße

Anja

Mittwoch, 8. Mai 2019

Latzkleiderliebe

Nein, es war bestimmt keine Liebe auf den ersten Blick. Seit längerem beobachte ich in der Blogosphäre, dass Latzröcke, -kleider und -hosen genäht werden. Das erinnert mich an meine Kindheit. Auch während meiner Schwangerschaft waren Latzhosen sehr trendy - für Schwangere.

Aber manchmal kommt man an bestimmten Dingen nicht vorbei. Vor allem die im englischsprachigen Raum als Pinafore Dress bezeichneten Kleider gefielen mir. Das sind eigentlich Trägerkleider, aber bei manchen Schnitten ist die Grenze zwischen Träger und Latz nicht ganz klar, zumal wenn vorne und hinten ein Latz sind.

Zum Ausprobieren lagen noch Stoffreste von 2 Hosen herum. Der Cord stammt aus dem Winterverkauf im Karstadt, war günstig und ich hatte für die Marlenehosen reichlich mitgebracht. Den Latzrock, den Sujuti für ihre Tochter genäht hat, fand ich auch für meine Tochter prima, meine Tochter auch. Der Rest vom blauen Cord ihrer weiten Hose passte gerade für den Rock, das Futter ist allerdings aus Futtertaft, ein anderes Überbleibsel und den Träger habe ich an einer Seite gestückelt. Der Rock wurde letzten Freitag an einem Abend im Nähtreff nahezu fertig. D-Ringe und Knöpfe sind alt, alles ist grün abgesteppt, was man auf dem Foto nicht gut sieht.


Und weil es so schön war und ich regelrecht Lust bekam, mir auch ein ähnliches Teil zu nähen und, weil außerdem brauner Cord von meiner Hose übrig war, habe ich mich entschieden, den etwas erwachseneren Burdaschnitt 109 aus 8/2018 zu nähen. Dort als Westenkleid bezeichnet. Vorne breite, westenartige Träger, hinten ein normales ärmelloses Kleid.


Das Bebügeln der Faketaschen hätte ich mir sparen können, letztendlich war es nicht mehr machbar, dort durch 7 Lagen Cord zu steppen (einschließlich 2 Lagen Vlieseline), aber ich habe das Innenfutter am doppelten Beleg mit der Hand angenäht. Da ich noch einen (sehr langen) Reißverschluss aus dem Annette Görtz Stoffverkauf hatte, habe ich den auf der Rückseite montiert statt eines 60 cm Reißers. Der Brustpunkt ist minimal versetzt, ich hätte den Brustabnäher verkleinern können, auf der Rückseite habe ich mindestens 3 cm an jeder Seite heraus genommen, Größe 42 fällt bei diesem Schnitt riesig aus. Die Maße des Schnittmusters stimmen an der Taille auch in keinster Weise mit den Tabellenmaßen überein. Sowas messe ich vorher routinemäßig ab.


Das Kleid wurde bereits getragen und gefällt mir gut, ein Rockfutter wäre hilfreich gewesen, denn Cord klebt ziemlich an der Strumpfhose. Aber vom braunen Futter war alles restlos aufgebraucht. Nun ja … ich bin dennoch zufrieden. Außerdem etliche Reststoffe weniger im Schrank, die sehr sinnvoll verwendet wurden. Der Rock findet sicher nächsten Herbst weitere Einsatzmöglichkeiten. Und zum Glück ist es ja derzeit noch so frisch, dass man getrost Cord tragen kann.

Viele Grüße, Anja


Mittwoch, 1. Mai 2019

Me Made Mittwoch im Mai

In der letzten Zeit habe ich zwar genäht, gebloggt, aber den Me Made Mittwoch verpasst. Es ist doch nicht so einfach, an den Zeitplan zu denken, d. h. den Text zeitgerecht zu schreiben und vorher einigermaßen gescheite Fotos zu machen. Heute ist Feiertag und gutes Wetter, beste Bedingungen, um teilzunehmen. In der Wohnung ist es ziemlich kalt, daher trage ich eine alte genähte Strickjacke über dem neu genähten Kleid.


Das Kleid, das ich zeige, ist schon sehr lange in meinem Kopf fertig gewesen. Es ist eine weitere Ausführung meines Weihnachtskleides Butterick 5556 von 2018. Mein einziges Weihnachtskleid, das leider ausnehmend selten getragen wird. Das liegt, glaube ich, wirklich daran, dass es hier entweder sehr kalt ist oder gleich sehr heiß ist. Ich merke generell, dass ich dünne langärmlige Kleidung nur noch selten trage. Die Übergangsjacken und -mäntel bleiben auch im Schrank. Es ist entweder Pulloverwetter oder sofort T-Shirt-Wetter, dazwischen gibt es nur selten. Oder wie heute: drinnen Pullover, draußen T-Shirt.

Dennoch, der Schnitt war klasse, es gab letzten Winter (also vor mehr als einem Jahr kurz nach Fertigstellung des ersten Kleides) im Karstadt WSV einen schönen Stoff (denn man braucht 4 m), der genau meinem Farbspektrum entspricht. Er ist auch etwas dünner als der Originalstoff. Insofern steigert das die Tragemöglichkeiten, hoffentlich!

Das Nähen lief routiniert, die Anpassungen habe ich vom Weihnachtskleid übernommen, den Reißverschluss weggelassen, das Kleid war diesmal deutlich schneller fertig. Der Stoff ließ sich auch besser bügeln, was bei gefühlten 15 Abnähern elementar wichtig ist (in jedem Ärmel sind bereits je 3 davon, Schulterabnäher habe ich ergänzt, brauche ich für die Passform und dann noch die normalen Brust und Taillenabnäher).

Um die Fotos zu machen, habe ich mich au mein (Herren-) Fahrrad geschwungen, wie heute am 1. Mai nahezu jeder in Frankfurt. Die, die ich gesehen habe, tragen allerdings andere Kleidung. Und dann gibt es noch die, die den Radprofis zuschauen. Die kreisenden Hubschrauber über der Stadt haben mich daran erinnert und ich habe mein Ziel angepasst. Auf Straßensperrungen hatte ich nämlich keine Lust, auf Sonntagsradler am Mainufer auch nicht.




Die Fotos sind auf der ruhigen und schattigen Rückseite der Deutschen Nationalbibliothek entstanden. Eine Notausgangtreppe ist das Stativ für mein Tablet. Ich finde weite Röcke sehr gut zum Radfahren und mir ist damit noch nie ein Malheur passiert. Enge Röcke sind dagegen komplett ungeeignet. Bei weiten Hosen habe ich mir angewöhnt, die Beine abzuklammern, denn Kettenfett lässt sich nahezu nicht mehr rauswaschen.


Bisher hatte ich auch keine Probleme mit hochhackigen Schuhen auf den Pedalen. Das war diesmal anders. Es hat den Absatz zerlegt. Ich gehe davon aus, dass das daran liegt, dass das Gummi spröde war. Denn ich habe die Pumps sehr viele Jahre nicht mehr getragen. Gekauft habe ich sie vor ca. 20 Jahren als ich in München wohnte und gerne ins Schuhoutlet nach Rosenheim gefahren bin. Irgendwann wurde die Absatzform altmodisch (jetzt ist sie wieder tragbar), dann hatte ich keine Gelegenheit mehr für tannengrüne Pumps und sie lagerten lange im Keller. Ob ich den Absatz nochmal besohlen lasse, weiß ich nicht. Der Schuh ist bequem (für die Absatzhöhe) und sieht noch gut aus.


Einen schönen Maifeiertag und hallo auf dem Me Made Blog.
https://memademittwoch.blogspot.com/2019/05/mmm-am-01-mai-2019.html
Viele Grüße

Anja


Dienstag, 23. April 2019

Vom Laufsteg in den Kleiderschrank

Meine Tochter wünschte sich eine Paperbag Hose. Ich habe zwar ein Schnittmuster gefunden, sogar kopiert (aus der Burda Easy vom letzten Herbst), aber so richtig überzeugt hat mich der Schnitt nicht. Es handelte sich um eine Gummizughose mit verknotetem Band vorne, recht banal und ich stellte mir vor, dass man das dann immer in Form zuppeln muss. Ein Paperwaistbund muss doch eigentlich in Falten gelegt werden, oder? Ein besseres Schnittmuster ist mir nicht begegnet, also beschloss ich selbst zu machen, aber vorher sollte meine Tochter mir ein Foto der Hose suchen, die sie haben wollte. Das war nicht ganz einfach, denn soviele Paperbag Hosen gab es doch nicht wie sie dachte. Letztendlich meinte sie, diese Hose (Foto unten) soll es sein. Ein Modell von Alberta Ferretti für dieses Frühjahr. Am liebsten in der gleichen Farbe, aber nicht im gleichen Material (die Originalhose enthält Leinen und das war meiner Tochter zu sperrig). Da ich mit Leinen sowieso schlechte Erfahrungen gesammelt habe (Einlaufen!) war ich sehr einverstanden, einen anderen Stoff zu nehmen. Um die richtige Farbe zu finden, haben wir mehr als ein Stoffgeschäft in der Stadt besucht.


Den geeignetsten Stoff gab es dann im ersten Stoffgeschäft, Viscose in einem Grünton, der sehr gewünscht war. Die Viscose fällt leichter und ließ sich schwerer vernähen als die anderen Stoffe, die wir befühlt haben, aber die Farbe stimmte genau. Ich habe dann ein Schnittmuster einer weiten Hose in der Größe meiner Tochter abgewandelt, Falten oben, hinten, Tasche hinein, Länge mit in Falten gelegtem Bund unten, breiter Bund oben, Knöpfe aus dem Bestand statt Druckknöpfen. Aus altem Bettzeug wurden vorher 2 Probehosen genäht, sehr provisorisch, insbesondere um den Fall an der Hüfte in richtige Bahnen zu lenken. Es gibt auch noch eine Falte in Kniehöhe zwischen Vorder- und Hinterhose. Dann wagte ich den Zuschnitt. Eine weitere Herausforderung war der Bund, der passte nämlich nicht, erst zu weit, dann habe ich seitlich einiges weggenommen, dann zu eng (vermutlich wegen der nicht dehnbaren Einlage), dann wieder vorne verlängert, das Ergebnis definiere ich als Stilmittel. Die Knöpfe sind jetzt nicht mittig, aber an einem bestimmten Punkt wollte ich fertig werden. Benötigt wird jetzt noch ein Cropped Shirt / Bluse zum Kombinieren, dafür ist sie gerade mit den Freundinnen Shoppen.


Die Rückansicht nicht ganz identisch, denn die Unterteilung der rückwärtigen Beine habe ich ignoriert.


Fazit: eine luftig, leichte Hose in einer Lieblingsfarbe, die so nicht jeder hat und die sicher gerne in Schule und Freizeit getragen wird.

Viele Grüße, Anja


Sonntag, 21. April 2019

Contemporary Muslim Fashions

Nachdem es bereits vor 2 Jahren im Frankfurter Museum für Angewandte Kunst eine Modeausstellung über die Designerin Jil Sander gegeben hat, ist seit 2 Wochen eine Ausstellung über Modest Fashion von San Francisco hierher gekommen. Näheres zu der Ausstellung und auch der kontroversen Diskussion im Vorfeld findet man in diversen Presseartikeln von TAZ über FAZ bis zur SZ. Die Diskussion ist ein bisschen an mir vorbei gegangen, denn tatsächlich habe ich eine Modeausstellung erwartet und keine politische Ausstellung. Natürlich hätte man das kombinieren können, aber bei Contemporary Muslim Fashions handelt es sich um eine Ausstellung, die genau so in San Francisco gezeigt wurde, nicht auf deutsche oder europäische Verhältnisse angepasst wurde (wenn man davon absieht, dass einige Exponate von deutschen Designerinnen ergänzt wurden) und bei der die Kuratoren offensichtlich selbst von der Diskussion überrollt wurden. Nun passieren die Besucher eine Sicherheitsschleuse am Eingang, müssen sogar ihre PET -Flaschen abgeben, die Wartezeiten liegen aber im Rahmen. Letztendlich habe ich den Eindruck, dass die Besucherzahlen höher sind als bei irgendeiner anderen Ausstellung. So ist das eben manchmal, wenn viel Wirbel gemacht wird.


Ich konnte vorher mit dem Begriff Modest Fashion wenig anfangen. Dachte dabei auch primär an Kopfbedeckungen. Aber man wird in der Ausstellung eines Besseren belehrt (ohne bewusst belehrt zu werden). Es geht um körperbedeckende Kleidung und kaum um Kopfbedeckungen. Dabei werden die Bereiche Sport, die verschiedenen Kulturen (Asien, Afrika, Arabische Länder), in den man sich modest kleidet, betrachtet, außerdem Einblicke in die repräsentative Kleidung einer Scheichsgattin und viele, viele Fotos vom Streetstyle der Musliminnen von USA über UK und Iran bis Malaysia.


Es gibt ziemlich viele coole Schnitte und interessante Interpretionen zu sehen. Der Überrock oben geschnitten wie ein Herrenhemd z. B. Alle Modelle sind langärmlig, die Beine der Hosen sind oft sehr weit, wie es aber auch der heutigen Mode entspricht. Lagen Look ist verbreitet, die Farben sind mal bunter, mal gedeckter, je nach Anlass. Im Bild unten wertvoll bestickte Festkleidung. Teilweise von großen Labels, die den Modest Markt für sich entdecken und auf dortigen Fashion Weeks spezielle Kollektionen anbieten. Die Umsatzzahlen im Modest Fashion Bereich sind auch nicht ganz ohne. Konkrete Zahlen für Deutschland gab es aber nicht, ich glaube, hier kommt das Thema erst noch. Deutsche Designerinnen wie sind wenig bekannt. Die Vogue hat sich des Themas im letzten Herbst angenommen.

Wie man an den Modellen sieht, gibt es unterschiedliche Interpretationen der Kopfbedeckung, die vielen Varianten der Turbane gefielen mir sehr. Eine ungewöhnliche Variante unten. Je nach religiöser Einstellung kann man variieren. Manche Muslima variiert auch von Tag zu Tag. Hier im Straßenbild in Frankfurt dominiert allerdings der klassische Hijab, also das, was wir meist mit Kopftuch meinen. Aus modischer Sicht schade, finde ich.


Ich persönlich würde viele der Kleidungsstücke selbst tragen. Sie stehen der konventionellen Mode in nichts nach. Am vergangenen Wochenende gab es ergänzend zu der Ausstellung ein kleines Symposium, das die kontroverse Diskussion auffangen sollte und tieferen Einblick in die Ausstellung geben sollte. Ich habe teilgenommen und durch die Vorträge und Gruppendiskussionen hat sich mein Bild der islamischen Frau verändert. Sicherlich haben nur bestimmte Menschen an dem Forum teilgenommen, aber es gibt immer mehrere Seiten einer Medaille. Und ich als völlig unbedarfte Deutsche, die sich eher grün, links, feministisch einordnet und keine Muslima im Freundeskreis hat, habe viel mitgenommen.


Die Ausstellung ist nicht groß, eine Etage, in einer Stunde ist man gut durch gegangen, die Informationen sind sehr klein geschrieben und manchmal würde man sich mehr Text wünschen. Aber für alle die, die sich für Fashion interessieren und schnitttechnisch andere Kleidung anschauen möchten, gibt es etwas zu entdecken. Am letzten Samstag im Monat ist immer freier Eintritt im Museum.

Eine Zusammenfassung des Symposiums soll noch auf der Homepage des MAK veröffentlicht werden, ich habe es bisher nicht gefunden.

Ostergrüße aus Frankfurt

Anja