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Montag, 20. Juli 2026

Karijini Dress - aus Seidenmix von Intrend/Max Mara

Vor etwas mehr als 2 Jahren habe ich das Karijini Dress genäht, der Schnitt hat mich begeistert, das Nähen hat Spaß gemacht, der Stoff ist toll - aber leider ziehe ich es viel zu selten an. 

Teils liegt das daran, weil der Baumwoll Waxprint nicht dünn ist und das Kleid oben gedoppelt ist. Ich finde es auch vorne recht kurz, aber all das erklärt nicht, dass es dauernd im Schrank hängt. Es gefällt mir immer noch sehr. Vielleicht sind es die auffallenden Farben, die es nicht bürotauglich machen? Und für das Wochenende zum Rumhängen, Wandern usw. ist es dann wieder zu gut.

Aber: ich hatte es kürzlich zu einem Stadtspaziergang in Wiesbaden an und bin von mehreren Seiten für das tolle Outfit gelobt worden. Eine Nähfreundin hat auch trotz des wilden Farbschemas das Potential des Schnittes erkannt - dieser zeigt sich noch mehr, wenn es in einem uni Stoff genäht wird.

In der Woche drauf habe ich das Schnittmuster heraus gekramt. Den Schnitt etwas mühselig vorne um weitere 8 - 10 cm verlängert, hinten wollte ich nicht verlängern, aber aufgrund der speziellen Konstruktion fehlte mir die Idee, wie ich das umsetzen sollte. Also habe ich erstmal alles verlängert und wollte dann hinterher schauen, ob ich auf der Rückseite noch kürzen kann.

Als Stoff kam ein wunderbarer Stoff aus dem Max Mara Outlet in Triest in Betracht: blaugrün, eine grandiose Farbe, ich habe den Stoff nur wegen dieser Farbe mitgenommen. 2,60 m einer Mischung mit 25 % Seide und 75 Polyester. Haptisch ist es wie die 100 % Seide von diesem Kleid, er verhielt sich auch beim Zuschnitt ähnlich (wie dünnes Papier), er hat Stand (vielleicht nicht die beste Wahl für das Kleid, aber das kam mir erst hinterher), die Nadel hinterließ feine Löcher, an den Rändern franste er superfein aus. Eine Diva.

Ich habe zugeschnitten und mich wieder durch die komplexe, aber verständliche Anleitung gearbeitet, aufgrund der Hitze draußen und drinnen hatte ich manchmal ein Fragezeichen im Kopf, aber zum Glück konnte ich immer an dem bereits fertigen Kleid schauen und so erschloss sich alles nach und nach. An einigen Stellen französische Nähte, aber nicht überall, dass der Stoff so franst habe ich erst gegen Ende bemerkt. Ein paar Kappnähte, die so in der Anleitung vorgesehen sind. Abnäher, Ecken, Umschläge, Falten - und fertig!

Getragen habe ich das Kleid erstmals bei dem wunderbaren Montags-Nähdelstreffen in Münster, es war frischer als ich dachte, so dass ich indoor im Wesentlichen meinen Organza Soprabito über dem Kleid anhatte. Den hatte ich an allen 3 Tagen und auf der Bahnfahrt über der jeweiligen Kleidung, insofern funktional und zu allem passend.

Für das Foto im Foyer des LWL-Museum, wo die Anderen kurz die Toilette besuchten und ich die Ablage eines Desinfektionsspenders für mein Selfie nutzte, habe ich die Jacke ausgezogen.



Bevor wir den kleinen Stadtrundgang gemacht haben, waren wir im Hutladen, daher hier noch Aufnahmen von Kleid, Soprabito und Hüten, der eine blieb bei mir:



Das Kleid trägt sich prima, macht alle Bewegungen mit, eignet sich für Tag und Abend (dafür hatte ich es ursprünglich mitgenommen, aber vor dem Abendtreffen haben wir eine Radtour gemacht und das werde ich dem Stoff erst hier zu Hause zumuten, weniger Radtour, als kurze Fahrradfahrt irgendwohin).

Bevor ich es morgen erneut zum Arbeiten anziehe, muss ich es bügeln, Tragen und Transport haben reichlich Knitterfalten erzeugt, die sich nicht aushängen lassen. Ich ergänze dann auch die Aufnahme von der Rückseite. Als ich das Foto im Museum machen wollte, kamen die beiden Begleiterinnen schon von der Toilette zurück.



Auf der Rückseite ist der hintere Zipfel besonders markant. Die Doppelung ist ganz schlicht im Oberteil mit 2 Abnähern.

Zusammenfassung:

Schwierigkeitsgrad: für Fortgeschrittene, der Schnitt ist nicht ohne, er funktioniert nur, wenn man sich genau daran hält, Abwandlungen sind nicht so einfach zu konstruieren, das Nähen mit feinem Stoff kriegt meine Maschine dank Geradstichplatte und Mikrotexnadel gut hin.

Zeitaufwand: eine Woche jeden Abend, mehrere Stunden, also eine Menge, obwohl ich den Schnitt schon kopiert und ausgeschnitten hatte.

Kosten: der Coupon kostete 33 Euro, Garn aus dem Bestand

Sommerliche Grüße

Anja

Freitag, 18. April 2025

Museumsbesuch mit Fashion Show

Oh mein Gott, ich bin total im Rückstand mit meinen Posts. Dieser schlummert seit ca. 3 Wochen auf der Festplatte bzw. die Fotos schlummern. Der Text kommt jetzt erst.

Im Kommunikationsmuseum Frankfurt läuft derzeit eine Ausstellung, von der ich mir mehr versprochen habe. New Realities, künstliche Intelligenz in der Mode. Viele Fotos, echte und mit KI erstellte - und ja - leider erkenne ich nur den Unterschied, wenn ich den Text dazu lese, ansonsten sieht alles sehr echt aus. Vermutlich, weil uns die bearbeitete Bilderwelt schon seit Jahren auf Litfasssäulen, Werbeflächen an der Haltestelle, aber auch auf Blogs und mehr noch auf Instagram und anderen Social Media begegnet. Vielleicht ist mein Blick nach dem Besuch der Ausstellung geschärft, jedenfalls ist mit KI so ziemlich alles möglich, was man sich vorstellen kann in der Fotoherstellung. Gezeigt wurde natürlich auch das berühmte Bild vom Papst im weißen Daunenmantel. 

In einem kleinen Office hatte man die Möglichkeit selbst zu arbeiten und Bildwelten zu erstellen, leider habe ich nicht kapiert, wie das geht, die Veritas-Nähmaschine hat auch nicht mit mir gesprochen und außerdem gab es an dem Tag, an dem ich die Ausstellung besucht habe, ein anderes wichtigeres Programm, auf das sich bereits alle konzentriert haben. Ein Überblick über die Ausstellung findet sich hier.

Die Ausstellung war für die meisten Besucher also nur eine Nebensache, das Interesse gering.

Samuel Gärtner, ein sehr junger Frankfurter Modemacher, hier kann man über den Beginn seiner Karriere nachlesen und wo ich jetzt lese, fällt mir wieder ein, dass er auch Juror bei GNTM war, sowas gibt der Karriere gleich einen Kick. Er jedenfalls zeigte seine neueste Modelinie in der Ausstellung. Die Modelle waren komplett mittels KI erstellt. Uns wurde zu Beginn erklärt, dass das dazu führte, dass die Sachen nicht immer gut passen, da die KI mit Durchschnittswerten arbeitet, wenn wir drauf achten, sehen wir zu kurze Rückenlängen, falsche Brustweiten usw. Außerdem - und das lt. Samuel Gärtner, der i.d.R. diverse Mode für alle macht - orientiert sich die KI an den perfekten Modelmaßen, schlank, groß, dünn. Deswegen gibt es diesmal keine Mode für alle zu sehen, wie das bei ihm sonst üblich ist.

Da ich wegen der Ausstellung früh da war, konnte ich mir einen Platz in der "ersten Reihe" sichern. Spannend war auch, das Publikum anzuschauen, fast noch spannender als die Ausstellung. Etliche Besucher*innen trugen ausnehmend aufregende, auffällige, interessante Outfits. Davon habe ich leider keine Bilder. Es wurden auch vorher und nachher Unmengen von Selfies und anderen Bildern gemacht, sicher, um sie irgendwo zu posten. Ich habe dann auch fotografiert als die Show begann.


Fast die gesamte Kollektion basierte auf locker offenkantig zugeschnittenem Boucle. Viele Fransen, auch mal sehr lang, die wie eine unfreiwillige Schleppe hinterher geschleift wurden. Alles war grob mit zickzack versäubert (hat mir die junge Assistentin hinterher erklärt, es ging familiär zu, man durfte auch Stoffe befühlen), tolle Stoffe, einfache Schnitte, interessante Accessoires und das Make-up, das an Außerirdische erinnert. Berichte dazu bei Instagram, da gibt es auch noch mehr Bilder.

Die Models liefen einmal durch das ganze Museum, viele Treppen, überall konnte man sitzen und stehen, da sie überall ca. 2 x oder mit Rückweg sogar 3 x vorbei kamen, gab es genug Gelegenheit, die Sachen anzugucken, das ist schließlich das, was mich interessiert.

Am Ende unter Applaus Samuel Gärtner mit Käppi und seine Assistentin oder Kollegin Giuliana Schmidt. Ich hatte den Eindruck, sie weiß über die Stoffe usw. Bescheid, er repräsentiert. Aber das ist mein persönlicher Eindruck.



Die spannendsten Stücke habe ich fotografiert, es waren nicht viele. Unten eine Kombination aus Boucle und einem auch mehrfach verwendeten Stoff, auf dem Computer, Monitore und so ein Kram gedruckt waren. Einiges kann man auch anziehen, finde ich, allerdings würde ich doch ein bisschen weniger Fransen raushängen lassen. 


Ihr seht schon, überall gleiche Stoffe, ähnliche Modelle, einfachste Schnittführung. Aber voller ungewöhnlicher Ideen in der Kombination.



Hinterher gab es natürlich noch ein Get-together, Gespräche, Fotos, nach einem Glas Wein bin ich mit dem Fahrrad nach Hause gefahren. In dem Bewusstsein, dass ich einen Kleiderschrank mit vielen tollen Stücken habe, tragbar, speziell, modisch. Eigentlich auch mit dem Gefühl, dass ich das, was da gezeigt wurde auch hätte kreieren können.

Lieben Gruß und schöne Ostern, Anja


Mittwoch, 1. Januar 2025

Jahresrückblick Nähen - mein Lieblingsteil 2024 und wo ist mein Nähflow oder bin ich gesättigt oder liegt es nur an der fehlenden Zeit?

Ich habe gerade Zeit und es wird wohl ein etwas längerer und textlastiger Post.

Vorab: als ich nachgedacht habe, was ich dieses Jahr genäht habe, fiel mir wenig ein, vor allem meine Chanelhose 

und der Rock im Sommer, dann die gestrickten Pullunder vom Herbst (noch nicht vollständig verbloggt). Bei Sichtung meines Blogs kam dann aber doch mehr zum Vorschein: völlig verdrängt hatte ich mein im Sommer gerne getragenes Kleid a la "La mia Boutique". 


Und jetzt im Winter ziehe ich auch gerne den Pseudo Missoni Rock an (im Dezember 2023 fertig gestellt und erst diesen Winter viel angezogen, zählt das noch?).


In Wirklichkeit habe ich 4 Kleider genäht (einmal für die Tochter), 2 Hosen, 3 Pullunder gestrickt (aus Restewolle), 1 Rock, 1 Tasche (beides aus Resten), 1 Pyjama, 1 Unterziehrolli. Deutlich mehr als ich in diesem nähschwachen Jahr vermutete. Aber wenig im Vergleich zu den Vorjahren. Dennoch hatte ich nicht das Gefühl, nichts zum Anziehen zu haben, es gab immer genug Lieblingsteile, die teilweise bereits viele Jahre auf dem Buckel haben und über die ich mich immer noch freue.

Woran liegt es, dass ich weniger genäht habe? Der Nähflow war nicht da, ich fühlte mich auch nicht durch irgendein tolles Schnittmuster oder Schaufenstermodell inspiriert. Es gab also nicht diesen "das muss ich unbedingt haben" Effekt".  Und es kamen Umstände dazu, die zu weniger Nähzeit führten.

An sich habe ich mich seit November/Dezember 2023 auf 2024 gefreut, wir hatten einen großen Neujahrsempfang geplant, dazu eingeladen, selbst Essen und Getränke waren bereits beschafft. Mein Mann begann seine passive Phase der Altersteilzeit und ich plante nach 14 Jahren Haushalt (erst mit Kind, später mit Hund) wieder zu arbeiten. Vorher haben sich alle Projekte als schwer realisierbar heraus gestellt und Vollzeit war wegen Hund nicht machbar (vor der Pandemie als Home Office eher der Ausnahmefall war). Jetzt kann man natürlich sagen, Hund, aber wenn man seinen Hund auslasten möchte, körperlich und geistig, dann läuft der nicht so mit und geht mal kurz an der Leine raus.

Silvester begann dann die Pechserie, erst mit dem Fahrrad in eine nicht sichtbare Straßensperrkette hinein gefahren: Rippenprellung. Dann eine Woche später vom Hund - als ich einbeinig stand, um fremde Hundekacke unter der Schuhsohle zu entfernen - über einen Baumstamm gezerrt worden: Ellenbogen gebrochen, der Neujahrsempfang am Folgetag wurde abgesagt. Den Saum der Chanelhose habe ich noch händisch eingenäht als der Bruch nicht diagnostiziert war und die Notfallambulanz meinte, erstmal bis Montag abwarten.

Operation, Schiene, dann nach Krankengymnastik, vielleicht zu intensiv, Schulterschmerzen, Unfähigkeit, den Oberarm zu heben, Kalkschulter, Dehnübungen. Gefühlsmäßig war ich armtechnisch bis April ausgeknockt.

Mein neuer Arbeitgeber erwies sich als Fail: schlechtes Betriebsklima, ausgeprägte Hierarchien, Bürokratie zum Abwinken (ich hatte das Gefühl, ich wäre bei meinem ersten Arbeitgeber nach dem Studium, damals hieß es Bundesbahn, gelandet). Dazu eine Betriebslage, die mich dramatisch an eben diesen Arbeitgeber, den ich vor 25 Jahren verlassen habe, erinnerte. Nur, dass darüber nicht ständig gesprochen wird, weil die Anzahl der Bahnreisenden viel höher als die der Flugpassagiere ist. Ich habe mich nach 2 Monaten frei stellen lassen und bin innerhalb der Probezeit gegangen. Bin dann ein wenig exzessiv herum geflogen, was nur durch den Start der hessischen Sommerferien gebremst wurde als Stand-by Flüge nicht mehr in alle Destinationen verfügbar waren.

Mir war dennoch klar, dass ich nicht mehr zuhause sein will. Mein Mann hatte sich zu dem Zeitpunkt gut zu Hause "eingearbeitet" und was sollte ich dort die ganze Zeit machen, ich bin gerne beschäftigt. Also habe ich mich nochmal bei anderen gemeldet, die ich im Herbst/Winter 23 auf meiner Agenda hatte. In einem Pharmafamilienunternehmen wurde immer noch jemand gesucht. Atmosphärisch nett, inhaltlich Freiraum, auch etwa bürokratisch (hängt von den Menschen ab, aber siehe Freiraum, ich muss nicht mit jedem).

Ich bin sicher, dass der Nähflow wieder irgendwann kommt. Die Zeit nehme ich mir, wenn der Flow da ist. Stoff ist auch reichlich da, es war schön, wieder einige Nähbloggerinnen bei Ausstellungsbesuchen und beim Annette Görtz Stoffverkauf im Herbst zu treffen. Ich freue mich auf 2025, wo wieder ein paar Treffen sein werden.

Allen Me Made Mittwoch TeilnehmerInnen und -LeserInnen wünsche ich jedenfalls ein super Jahr.

Herzlichen Gruß, Anja

Mittwoch, 3. April 2024

Me made Mittwoch - Karijini Dress

Als ich im Januar die Übersicht der am liebsten getragenen Kleider von Carolyn & Cassie sah, schockverliebte ich mich in ein Kleid. Aber ich habe es in ihrem Shop nicht gefunden und auch sonst nirgends gefunden. Es geriet dann in Vergessenheit, bis ich diesen Blogbeitrag gelesen habe: das Karijini Dress ist nun erhältlich - das war das Kleid, das Carolyn bereits mehrfach genäht hat und das ich unbedingt nachnähen wollte. Ich habe es mir sofort gekauft und zum Plotten geschickt. Den richtigen Stoff dazu, einen Waxprint, hatte ich 2 Wochen zuvor im bekannten Laden in der Steprathstraße in Köln erworben (leider finde ich keine Homepage dieses Minigeschäfts mit Afrikatextil). Da das Schnittmuster mehrfach überlappt braucht man nicht wenig Stoff, da kam mir das Panje Waxprint gerade recht.


Ostern hatte ich freie Nähzeit und so ist mein erstes Sommerkleid 2024 fertig geworden. Fehlen nur noch die Temperaturen, um es zu tragen.



Auf den nächsten Fotos erkennt man vielleicht besser den raffinierten asymmetrischen Schnitt mit den gedoppelten locker fallenden Elementen:




Das Kleid hat komfortable Taschen. Ich habe die Größentabelle studiert. Da mein Stoff nicht so locker fällt, wollte ich keinen Sack, die Fertigmaße bei Größe 38 schienen mir genau richtig und sie passen perfekt (normalerweise hätte ich Größe 42 genäht). Ich habe das Kleid bei 176 cm Körpergröße ca. 3 cm verlängert, ich hätte es vielleicht noch weitere 2 cm verlängern können, beim nächsten Mal.

Der Nähprozess gestaltete sich nicht ganz einfach. Auch wenn hier keine Reißverschlüsse, Knöpfe nötig sind, war es notwendig Step by Step der Anleitung zu folgen. Und richtig viel zu bügeln. Mit dem Übertragen der Markierungen bin ich manchmal etwas nachlässig, das führte zu Problemen beim Festnähen des vorderen Überwurfs auf das Vorderteil, aber ich konnte noch ungefähr feststellen, wohin die Naht sollte. Die beiden Briefecken sind super erklärt. Überhaupt ist alles perfekt erklärt, viele kleine Einschnitte erleichtern das Zusammennähen und Übereinanderstülpen der Teile.

Insgesamt bin ich sehr begeistert und bereue keine Sekunde, den Schnitt gekauft zu haben. Ein neues Lieblingskleid ist entstanden.

Zusammenfassung:

Schwierigkeitsgrad: wenn man der Anleitung ganz exakt folgt, einfach, aber die Anleitung ist in Englisch und manchmal musste ich doch 2 oder 3 mal lesen, bevor ich verstanden habe, was ich tun soll. Die Bilder verdeutlichen den Prozess aber sehr gut. Ich habe auch keine Fehler entdeckt, wie zuletzt häufig bei Indie Schnittmustern.

Kosten: 35 Euro; Schnittmuster mit Rabatt 11 Euro, Plotter 9 Euro, Stoff 15 Euro, aber vom Stoff ist noch was übrig und sicher werde ich den Schnitt noch weitere Male nähen

Zeitaufwand: 2 Tage

Und damit verlinke ich diesen Beitrag beim Me Made Mittwoch im April. Bis dahin, Anja


Dienstag, 15. August 2023

Kleider aus (Weiden-) Geflecht - auf der Durchreise in Lichtenfels/Oberfranken

Sonntag habe ich auf der Rückfahrt von Bayreuth nach Frankfurt einen kleinen Stopp in Lichtenfels gemacht. Ich bin schon mehrfach dort vorbei gefahren und fand, dass der Ort von der Bahn immer sehr hübsch aussah, so wollte ich ihn mir einmal genauer anschauen. Vorher habe ich etwas recherchiert und festgestellt, dass es sich um eine alte Korbflechterstadt mit der einzigen Berufsfachschule für Flechtkunst handelt. Wenn man es nicht vorher gelesen hätte, hätte man spätestens am Bahnhof, aber noch massiver in der Stadt gemerkt, dass hier alle geflochten ist: Abfalleimer, Blumenkörbe, Sitzbänke, Leuchtenummantelungen, einfach alles!


Ziel meiner kleinen Stadtbesichtigung war das Museum im Stadtschloss, dort gibt es neben traditionellem Flechtwerk, hier eine Tasche des diesjährigen Absolventenjahrgangs

ziemlich coole Kostüme aus verschiedenen geflochtenen Materialien. Es handelt sich um die 7 Salix und 7 Plejaden, auf der Website der Künstlerin Berit Ida gibt es das Begleitheft mit Fotos und Erläuterungen. Hier die Übersicht aus der Ausstellung:

Neben den Puppen liefen Videos, die die Kostüme am Körper und in Bewegung zeigten. Wahnsinn (nach Wahnfried und Wahnfood). Ich konnte mich nicht entscheiden, welche Fotos ich hier zeige, deswegen sind es mehrere geworden:







Die Öffnungszeiten des Museums sind leider ziemlich dürftig (ich habe vorher noch eine längere Wanderung unternommen, um nicht zu früh dort zu sein), aber falls man in der Nähe ist, lohnt es sich unbedingt reinzugehen. Spannend, was es manchmal in der Provinz zu entdecken gibt.

Viele Grüße

Anja

Donnerstag, 13. Juli 2023

20th Century Fashion mit Schnittmustererstellung

Beim Brunch während der Nähdelsreise nach Stuttgart hat Muriel mich darauf gebracht (danke nochmal dafür): Alice&Co Patterns haben eine Reihe, in der die Mode des 20. Jahrhunderts vorgestellt wird, den Behind the Seams Club, Muriel glaubte, dass mich das interessieren könnte und ja, sie hatte Recht. Letzten Montag habe ich mir die Folge zur Mode der 60er Jahre angeschaut, das ist bereits Session 10 (vor dem 20. Jahrhundert gab es auch noch die Jahrhunderte davor, die mich allerdings nicht so interessieren).

Alice, Modedesignerin, und ihre Tochter Lilia, die im Victoria und Albert Museum im Kostümbereich arbeitet, stellen einmal im Monat online ein Modejahrzehnt vor. Ich bin erst ziemlich spät eingestiegen, aber die Session hat mich so begeistert, dass ich mir nachträglich die anderen Sequenzen "gekauft" habe, um mir die Aufzeichnungen der 20er - 50er Jahre in Ruhe anzuschauen. Und dann freue ich mich schon auf die Zeit der 70er, 80er und 90er Jahre, die ich viel bewusster mit erlebt habe. 

Der "Kurs" dauert knapp 2 Stunden und ist in 3 Teile unterteilt: als erstes wurden die typischen Merkmale der Mode der 60er Jahre vorgestellt, Minirock, A-Linie, Cut-Outs, PVC-Stoffe usw., es wurden  verschiedene Designer vorgestellt, die in der Zeit populär geworden sind, auch Modeikonen, Materialien, typische Schnitte (aus dem englischsprachigen Raum). Ich erinnere mich noch an diese Zeit aus meiner Kindheit (mein roter Plastikregenmantel mit Hut, ein Karominirock, die Kleidung, die die Barbiepuppen, mit denen ich spielte, getragen haben), allerdings habe ich das Gefühl, dass manche Trends erst Ende der 60er Jahre, vielleicht sogar erst Anfang der 70er Jahre Deutschland erreichten. Abschließend gab es auch einen Ausblick auf Elemente der 60er Jahre, die in neueren Kollektionen auf dem Laufsteg gezeigt werden. Seit der Jahrtausendwende gibt es m.E. ja nicht mehr arg viel Neues, sondern immer wieder Elemente der früheren Jahrzehnte unterschiedlich miteinander kombiniert, anderer Mustermix, für die Jugend ist das aber alles irgendwie neu und die 90er Jahre Mode kann man inzwischen in Vintageläden in Frankfurt kaufen.

Hier Screenshots aus dieser Sequenz (mit Erlaubnis), damit ihr einen Eindruck bekommt, es war informativ, aber nicht überladen:



Im zweiten Teil zeigten Alice und Lilian eigene Stücke, die sie anhand der Mode der 60er Jahre gefertigt haben, einige der Teilnehmerinnen des Online Kurses hatten auch Kleider aus der Mary Quant Ausstellung, die vor ein paar Jahren in London zu sehen war, genäht. Man konnte und kann sich immer noch Schnitte irgendwo auf der Website herunterladen. Zwischendurch waren jederzeit Kommentare und Fragen möglich. Aber eigentlich wurde alles gesagt, Mutter und Tochter ergänzten sich bestens.

Teil 3 war dann für mich wieder ein Highlight: ich merke einfach, dass ich Schnittkonstruktion und das Verständnis, wie Schnittmuster funktionieren und das Einbringen der eigenen Kreativität zum Abwandeln derselben, viel interessanter finde als das manchmal fummelige und ordentliche Nähen und Erstellen eines handwerklich perfekten Kleidungsstückes. Ich verliere leider auch schnell die Lust, Auftrennen ist mir verhasst, ich gebe mich oft mit einem Zustand zufrieden, den andere suboptimal finden. Solange man die Unregelmäßigkeiten nicht sieht, sind sie mir ziemlich egal.

Zu einer Session erhält man einen "Miniblock", mit dem ein fiktiver Grundschnitt abgewandelt werden kann. Bei dem gesamten 20th Century Bundle ist ein richtiger Schnitt in Körpergröße dabei. Den werde ich noch mit meinem Grundschnitt aus der Anfangszeit meines Nähens abgleichen. Es ist ein anderes Schnittmustererstellungssystem verwendet worden als Hofenbitzer aus meinem VHS Kurs damals, bei Alice&Co ist im Rücken ein Abnäher vorgesehen, bei mir ist die hintere Mitte eingestellt, aber auch das kann man leicht miteinander vergleichen. Am Bildschirm wird dann sehr anschaulich gezeigt, was ich tun muss, um die Abnäher zu verschieben, so wie ich es vor Jahren mit Schere und Klebeband gemacht habe. Es wird mit einfachen Worten erklärt, wie man den Schnitt mit Hilfe von Einschnitten und Zusammenkleben verändern kann. Das war ein toller Fresh-Up, denn in meinen beiden Wochenendkursen haben wir uns primär mit Grundschnitterstellung beschäftigt und die Varianten nur kurz gestreift. Ich habe zwar auch Bücher zu dem Thema, aber ich finde das Lesen von Büchern doch umständlicher als das Anschauen eines Kurses. Ich glaube auch, dass es für jemanden, der sich noch nicht mit Schnittkonstruktion beschäftigt hat, verständlich ist. Das Video von Alice&Co kann ich mir immer wieder anschauen, außerdem gibt es ein hinterher ein Dokument mit den Beispielen der Schnittveränderung. Dabei dienen Bilder von Original Schnittmustern der 60er Jahre als Grundlage.



Nach einem sehr heißen und anstrengenden Tag letzten Montag, hat mir der Kurs richtig Spaß gemacht. Wieviel Arbeit man sich hinterher noch macht, liegt an einem selbst. Ich bin jedenfalls im Moment wieder hochmotiviert, an Schnittmustern zu arbeiten. Dieser interessante Latzrock gefällt mir sehr und ist nicht schwer zu konstruieren. Ich staune auch immer wieder, wieviele sich ähnelnde Schnittmuster verkauft werden und wer die alle kauft. Es ist wirklich nicht schwer, selbst zu konstruieren. Allerdings sind die Sachen der 60er Jahre auch besonders einfach, Alice verwies auch darauf, dass Mary Quant eine geniale Geschäftfrau war, denn die damalige Mode war schnell zu nähen und verbrauchte wenig Stoff, dadurch steigt logischerweise die Gewinnspanne.

Auf bald, Anja



Montag, 13. Februar 2023

Hauptsache Hüte - ein Ausstellungsbesuch

Als ich mit einer Freundin aus München in der Handschuhausstellung war, meinte sie, das nächste Mal treffen wir uns in München, wo eine Hutausstellung stattfindet. Es gibt bereits einen wunderbaren Bericht über diese Ausstellung von Petersilie und Co., wo auch über einen Hutworkshop berichtet wird.

Hüte oder Hauben sind nicht gerade das, an was ich bei Mode denke. Für mich sind Kopfbedeckungen in erster Linie ein Sonnen-, Kälte- oder Nässeschutz oder manchmal nutze ich auch einen Helm zum Ski- oder Radfahren. Als Schmuck habe ich sie nie wirklich gesehen. Ich kann mich auch nicht erinnern, jemals einen Hut - außer zum Fasching - aufgesetzt zu haben.

Zu dem Bericht von Silvia Franziska habe ich nicht viele Ergänzungen. Ein Ausstellungsbesuch ist immer auch subjektiv. Mich interessieren weniger die historischen Hüte, auch wenn ein Blick in die Geschichte auf jeden Fall sinnvoll ist. Ich persönlich fand, dass im Verhältnis weniger historische Hüte der Ausstellung gut getan hätten. Es war einfach sehr, sehr umfangreich und bis ich dann in der "Neuzeit", die für mich mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts anfängt, angekommen war, war ich langsam "müde" und mochte nicht mehr jede Schautafel genau lesen. Begleitet hat uns übrigens Tina vom Blog Sie näht schon wieder, immer schön, wenn virtuelle Bekanntschaften zu echten Treffen führen.

Super waren die Erklärfilme zur Hut- und Mützenherstellung von Stetson (in einem Nebenraum am Beginn der Ausstellung, alles sehr verschachtelt, insofern habe ich diese Filme erst am Ende angeschaut). Ein echtes Highlight war für mich der "Anprobierraum", wo man ganz viele verschiedene Hutmodelle aufsetzen konnte. Da wurde mir so richtig klar, dass wie bei Kleidung auch bei Hüten die Passform ein Thema ist, ich trage bei Helmen eine große Größe, aber die meisten Hüte saßen bei mir nicht richtig, offensichtlich habe ich einen schmalen, aber langen Kopf. Dann muss der Hut zur Brille passen oder mit der Brille gut am Kopf sitzen, auch ein nicht unbedeutendes Thema. In dem tollen Spiegelsaal konnte man auch super fotografieren.


Erst danach ging es zu den moderneren Hüte, die mich schon faszinierten. Wie bei der Handschuhausstellung hatte ich am Ende den Eindruck, dass der Hut mehr als nur ein Schutz ist, sondern wirklich ein stylishes Accessoire sein kann. Mit ganz vielen Einsatzmöglichkeiten und Stylingvarianten. Allerdings völlig in Vergessenheit geraten. Ich bin durch die Ausstellung für ein ganz neues Thema sensibilisiert.

Hier noch einige Eindrücke einiger faszinierender moderner Hüte, besonders gefielen mir die Hüte der 50er und 60er Jahre, ansonsten verweise ich auf den Blogbeitrag von Silvia Franziska mit vielen Fotos:





Einen Hut zu tragen, kann ich mir derzeit nicht vorstellen. Er muss für mich zu einem bestimmten Einsatzzweck passen, den sehe ich in meinem Tagesablauf derzeit nicht. Da bleibe ich doch lieber bei Mützen, irgendwo ist noch eine Baskenmütze, und ich suche auch einmal den Wickelturban aus Samt, den ich von meiner Mutter bekommen habe. Mal schauen, ob ich damit etwas machen kann. Ja - und bei den Sonnenhüten besteht auch Handlungsbedarf. Die kann ich im Sommer gut einsetzen.

Viele Grüße

Anja


Sonntag, 4. Dezember 2022

Kurztrip nach Antwerpen - Wiedereröffnung des MoMu

Als mein Mann vor mehreren Jahren mehrmals in Belgien war und mich fragte, ob ich mit will, recherchierte ich ein wenig und stellte fest, in Antwerpen gibt es ein ziemlich gutes Modemuseum. Allerdings befand es sich zu dem Zeitpunkt im Umbau und sollte letzten Winter wieder eröffnet werden. Es wurde dann wiedereröffnet und noch einmal für mehrere Monate geschlossen. Diesen Oktober fand dann die hoffentlich endgültige Wiedereröffnung statt.

Das Museum gibt es schon etwa 100 Jahre. An vielen Orten wurden früher Kostüme und Trachten gesammelt. Richtig interessant für "moderne" Mode wurde das Museum aber erst als in den 80er Jahren die Antwerp Six, also 6 junge DesignerInnen (allen bekannt sind sicher Demeulemaster, Bikkembergs, van Noten, Margiela), die an der Royal Academy of Fine Arts in Antwerpen Mode studiert hatten, berühmt wurden. Die Sammlung wurde aufgestockt. Nicht nur um Werke der Belgier, auch der 2. und mittlerweile 3. Generation der Antwerpener Modedesigner, sondern auch um Werke der Modehäuser, in denen die Designer gearbeitet haben. Der Modemarkt hat sich für Designer dieser 2. und 3. Generation radikal verändert (Fast Fashion als Stichwort), so dass sie sich oft Arbeitsmöglichkeiten suchen mussten, die nicht mit einem eigenen Label verbunden waren. Gleichzeitig standen die großen Modehäuser durch Nachfolgeprobleme (und einem Wirtschaften, dass die Veränderungen der Welt nicht genug berücksichtigte) vor Krisen, die sie mit neuen jungen Designern lösen wollten (bekannt ist vor allem Raf Simons bei Dior).

Antwerpen ist in Teilen eine prächtige, pompöse Stadt, gleichzeitig aber auch an vielen Ecken verunstaltet. Zu meinem nicht so positiven Eindruck vom Stadtbild hat sicher auch das nasskalte Wetter beigetragen und eine Touristenmasse, die ich so (eine Woche vor Eröffnung eines Weihnachtsmarktes) nicht erwartet hätte. Aber mein Besuch gestern (die Bahnfahrt hat perfekt geklappt, es sind knapp 4 Stunden mit einem Umstieg in Brüssel) diente auch weniger der Stadt als dem Modemuseum und dem Fashion Quartier, in dem sich das Museum befindet. Die meisten Menschen fahren nicht deswegen nach Antwerpen.

Im Fashion Quartier gibt es noch einige zauberhafte Läden von bekannten Designern, alteingesessene Handschuhmacher, coole Vintageläden und wenige lokale Modelabels. Mitten drin ist das MoMu. Es bietet auch Rundgänge zur Historie der Mode in Antwerpen (vor allem der Antwerp Six) an, die sind leider nur auf Holländisch. Im Museum sind aber alle Tafeln auf Holländisch, Französisch und Englisch. Es gibt auch eine kostenlose App zum Herunterladen, ich habe mir Teile davon auf der Rückfahrt angehört, es geht eher um allgemeine Dinge, nicht um die einzelnen wie damals in Bonn.

Ich habe angefangen mit der Dauerausstellung, die mir auch am besten gefiel, sie hätte gerne noch etwas größer sein können. Und die Beleuchtung heller, aber das Problem kennt man ja aus anderen Textilausstellungen. Gewöhnungsbedürftig war die "Beschilderung" der Objekte, die in großen Vitrinen ausgestellt waren. Nicht an der Vitrine, sondern an der Wand im Rücken des Betrachters, standen die Designer und das Jahr der Kollektion. Wirklich sehr besucherunfreundlich, weil man sich ständig umdrehen musste.

Die Dauerausstellung, die wechseln wird, begann mit dem Thema Handwerk. Ich nahm gleich das Modell von Minju Kim Herbst/Winter 20/21wahr. Wo ich doch gerade eine (Weihnachts-) Hose aus Stepper genäht habe. So neu ist die Verwendung von Steppstoff für anderes als Winterjacken doch nicht. Die Antwerp Six haben sich auf hochwertige Verarbeitung und/oder Verwendung von von hochwertigen Materialien fokussiert.


Surrealismus lautete das Oberthema einer weiteren Vitrine: Hier Hüte von Stephen Jones Herbst/Winter 10/11 bzw. 17/18 (ich hoffe, der Toast mit Erdnussbutter ist erkennbar).


Das weiße Herrenhemd in Verfremdung wurde von einigen der eher klassisch orientierten Designer gerne als Grundlage für ihre Kollektion genommen. Es ging nicht um Upcycling, aber theoretisch ist das möglich. Einige Vorschläge sprachen mich sehr an, aber wann soll man das alles anziehen?


Die zweite Ausstellung beschäftigte sich mit dem Thema Von 2D zu 3D und dann auch wie 3D präsentiert wird, an der Puppe ohne Bewegung, am Avatar in Bewegung. Dazu haben Kuratoren und Studenten (auch aus London) 6 "klassische" Kleider von bekannten Designern (Halson, Balenciaga, Vionnet usw.) zerlegt. All diese Stücke eint, dass das beim Zerlegen entstandene Schnittmuster extrem simpel war, aber oft besondere Stoffe (80 m Tüll in einem Fall) oder geschickte Drapierung das Modell auszeichneten. Das Schnittmuster dieses Kleides von Rei Kawakubo ist ein ganz langes Stück Stoff (geht nach rechts noch gut 6 m weiter), durch einige Nähte und Wickeln wird daraus ein Kleid, dass man unterschiedlich tragen kann und in der Bewegung immer wieder anders interessant "fliegt".


Die dritte Ausstellung "Mirror Mirror" handelt vom Selbstbild und Fremdbild desjenigen, der Mode trägt. Erwartet hatte ich irgendwas zu Bodypositivity oder so, auch viel Text, vielleicht neigen aber auch wir in Deutschland dazu, dem Thema viel Text beizumessen. Aber es war ganz anders. Aus meiner Sicht hätte man dahingehend - auch im Kontext der muslimischen, afrikanischen usw. Mode noch mehr aus der Ausstellung heraus holen können. Dennoch fand ich den Blickwinkel interessant. Im ersten Teil wurden Kleidungsstücke gezeigt, die anders waren, als das, was meist auf dem Laufsteg präsentiert wird.


Bei diesen Kleidern geht es darum, dass sich die Trägerin mehr Raum nimmt, ausladende Stoffe, Verarbeitung, Verbreiterung des Mantels unten usw. führen automatisch zu mehr Größe, mehr Sichtbarkeit. 


Die Kollektion von Margiela war in Räumen der Heilsarmee in Paris präsentiert worden. Das Publikum saß zwischen Second Hand Kleidern. Die eng geschnittenen und anliegenden Shirts und Leggings wurden umhüllt von Plastikfolien, die üblicherweise von Reinigungen verwendet werden. Sie dienen der Verfremdung der Kleidung, gleichzeitig geben sie der Trägerin weiteren Raum, sie sollen auch dazu beitragen die Frage zu schmaler Taille und engen Hüften neu zu stellen. 


Rei Kawakubo hat in ihrer Kollektion The Body Meets Dress, Dress Meets Body im Frühling/Sommer 97 den weiblichen Körper durch zusätzliche Polster an ungewöhnlichen Stellen verfremdet und dadurch vom klassischen Körperbild abgelenkt.


Im zweiten Teil der Ausstellung wurde stärker der Blickwinkel, also das Selbstbild einzelner Designer, präsentiert. Ein Highlight für mich die Barbiepuppen, die Margiela im Alter von 13 Jahren heimlich eingekleidet hat. Er hat ihnen auch die Haare (als Sohn eines Friseurs) passend zur Kleidung gefärbt. Das Jacket war von Yves Saint Laurent inspiriert, er war damals bereits der Meinung, dass er sowas auch kann. Weiße Kontrastnähte und übergroße Druckknöpfe erinnern an seine späteren Arbeiten im Maison Martin Magiela.


Diesen pinken Look hat Margielas Großmutter für ihn, inspiriert von Cardin, kreiert. Die passende Haarfarbe hat Margiela ergänzt.


Sehr spannend und sehr umfassend war die Bibliothek im oberen Geschoss des Museums, ihr glaubt nicht, welche Vielfalt an Zeitschriften und Büchern dort verfügbar war. In einem hinteren Raum arbeiteten Studenten an ihren Werken. Diverse Outfits waren verhüllt, wie gerne hätte ich einen Blick unter die Laken geworfen.



Das war ein toller Besuch an einem ansonsten trüben Dezembertag. Schade, dass man oft reisen muss, andererseits ist es auch schön, eine andere Stadt zumindest ein wenig anzuschauen. Als zum Black Friday lauter günstige Flugangebote der BA bei mir aufpoppten war ich versucht, demnächst einen Trip nach London ins V&A zu machen, ich bin nicht in Versuchung geraten.

Viele Grüße
Anja