Dienstag, 20. Januar 2026

Beschäftigungsprojekt für lange Tage - aka eine neue Bluse ist entstanden

Ende November musste ich eine Zwangspause nehmen und zuhause sitzen, mit der Knieverletzung konnte ich auch nicht auf dem Boden zuschneiden oder die Nähmaschine bedienen. Eine Freundin fragte mich, ob ich sticke. Eher nicht. Sie brachte mir dann Bücher zur Beschäftigung vorbei, in dem unten fotografierten Band waren wunderbare Projekte - zum Sticken. An Perlen und Pailletten hatte ich dabei nicht gedacht, aber einfach geschnittene Kleidungsstücke ganz zauberhaft bestickt inspirierten mich doch, Perlen und Pailletten aus dem Fundus zu holen.



Ich habe mich für kleine Perlen, die in meiner Sammlung vorhanden waren, entschieden. Gekauft ursprünglich von meiner Tochter, die sich Ohrringe gefädelt hat. Sie passten perfekt zu einem bunten Stoff, ein Rest von diesem Kleid. Relativ freestyle habe ich die Blüten und Ranken in einen runden Stickrahmen gelegt und bestickt. Unten Details, auf dem Gesamtbild ist die Stickerei nicht erkennbar. Ob Maschinenwäsche funktioniert, keine Ahnung.

Irgendwann als mein Knie schon besser wurde, habe ich auch mehr oder weniger freestyle Vorder- und Rückenteil für ein ärmelloses Top ausgeschnitten, Abnäher hinein gebastelt, das Ganze zusammengenäht. Es passte dann nicht ganz von der Länge, zum Glück hatte ich einen Rest farblich passendes Band, das ich vorne angesetzt habe. Als sollte es so sein, gibt dem Ganzen eine sportliche Note.



Ursprünglich wollte ich hinten nichts aufsticken, wer schaut schon auf die Rückseite. Aber als ich kurz vor Weihnachten in einem Workshop eines kleinen Frankfurter Labels war und die Eigner betonten, wie außergewöhnlich es sei, dass sie auch auf der Rückseite eines Kleidungsstücks kleine Besonderheiten gestalten, habe ich auf der Rückseite auch eine lange Perlenreihe aufgestickt. Vielleicht ahnt man es auf den Fotos.



Nun ist mitten im Winter ein sommerliches Kleidungsstück entstanden. Unbeabsichtigt. So richtig wusste ich nicht, was damit anfangen und auch nicht, wie kombinieren. Bis ich - als mein Knie besser wurde - auf der Leiter die Kiste mit den ungetragenen Sachen runterholte (Lederbermudas von 1995 passt noch - juhu) und mir dieser Rock in die Hände fiel. Auf den ersten Blick krass, aber dann irgendwie doch so als ob es absichtlich diesen Mustermix wollte. Hat mich ein bisschen an Dries van Noten erinnert, wie er im Film die Stoffe nebeneinander legte und Kombinationen erarbeitete.




Zusammenfassung:

Zeitaufwand:  Das Sticken hat lange gedauert, immer mal wieder eine Stunde für eine Sequenz, das ist etwas, das man nur machen kann, wenn man wirklich Ruhe und Muße hat. Die hatte ich, da viel sitzen sollte. Das Nähen der Bluse ging fix, sind ja nur 2 Nähte und die Säume.

Schwierigkeitsgrad: Einfach, wenn man einmal raus hat, wie man am besten die Perlen aufstickt und wie lang der Faden sein darf/soll.

Kosten: Absolut keine. Und schön, wenn man im Bestand Dinge hat, die Verwendung finden.

Herzlichen Gruß

Anja


Donnerstag, 15. Januar 2026

Festliche Hose - Idee für Munich Frocktails und andere Einsatzzwecke

In meinem Winterurlaub gab es in dem kleinen Städtchen, in dem wir eine Woche waren, den Auftritt einer wirklich guten Sängerin (eigentlich ein Duo), noch genialer war die Hose, die die Sängerin (unter ihrem Wintermantel) getragen hat. Da sie ihn irgendwann aufgeknöpft hat, konnte ich mir die Hose etwas näher betrachten. Es handelt sich um eine schwarze Spitzenhose, oben waren dreieckige spitze Einsätze aus dichtem Stoff, sehr apart. Sehr festlich, sehr Dolce & Gabbana. Man kann auf dem Foto ein wenig von der Hose erahnen. Anbei, für wen es interessiert eine Verlinkung zu Devotion, einem halbstündigen Film von Giuseppe Tornatore zu den sizilianischen Ursprüngen.



Die Hose oben von Dolce & Gabbana hat nicht diese spitzen Einsätze, so ein Modell wie die Sängerin getragen hat, habe ich nirgends gefunden. Aber auch das lässt sich konstruieren. Ich war nach dem Urlaub im Stoffladen, der reichlich Spitze führt, es gab auch viele Farben, aber Schwarz gerade ausverkauft (nur mit Pailletten, das wollte ich nicht). In Blau oder Grün wäre mir die Hose zu schlecht kombinierbar gewesen, also habe ich den Plan erstmal auf Wiedervorlage gelegt.

Kurz darauf zeigte Gemeine Wildrebe auf Instagram ihre Samthose, auch schön. Und Samt hatte ich zuhause liegen. Im Herbst 2024 bei Annette Görtz gekauft. Ein erinnerungsträchtiger Tag, ein erinnerungsträchtiger Stoff. Die Brennprobe ergab reine Baumwolle und das Gewebe fühlt sich weich und wertig an.

Warum nicht endlich diesen Stoff vernähen statt neuen Stoff kaufen? Gesagt, getan. Mit dem Videokurs Bundfaltenhose nähen von Inge Soltzyk machte ich mich an die Arbeit. Als Schnittmuster habe ich das von dieser Hose genommen, also eine Mischung aus Inges Hose mit meinem Grundschnitt. Diesmal habe ich die Taschen deutlich vergrößert, denn die finde ich in Inges Schnitt zu klein für meine Hände. Die Bundfalten habe ich durch Abnäher ersetzt. Bundfalten kleiden mich nicht wirklich.

Bei den Videos war ich ein wenig unkonzentriert, ich habe sie mir auch nicht parallel zum Nähen angeschaut, sondern einen Tag vorher. Der Reißverschluss ist falsch herum eingenäht, finde ich nicht schlimm. Auf das halbe Futter habe ich verzichtet, einerseits bei einer Samthose nicht notwendig, andererseits glaubte ich, mein Futterstoff hätte nicht gereicht, hätte er aber doch. Für den Bund habe ich doppelte Einlage genommen und kein Bundband gekauft. Mein Kurzwarengeschäft führt das nur in sehr dick und das hätte zu einer Samthose nicht gepasst. Auf Taschen hinten habe ich diesmal verzichtet.

Ich finde so eine Samthose nicht einfach zu kombinieren. Für alle Tage habe ich mich für diesen Mohairpullover in Oliv entschieden, der dünne braune Rolli, den ich aus Urzeiten besitze, ist mir im Winter zu dünn. 


Farblich passende Pullunder habe ich keine. Überhaupt habe ich wenig, das zu Braun passt. Da muss ich nochmal genauer schauen. Gleiches gilt für die Schuhe, Sneakers werden empfohlen, um den Look lässiger zu gestalten, im Winter bei Schnee keine echte Lösung, auch die Kombination mit Jeansjacken (habe ich nicht), das ist mir aber auch nicht winterfest genug. Die Dirndlbluse mit einem upgecycelten ehemaligen Pullover meiner Mutter (ich glaube, nie getragen, hatte einen V-Ausschnitt) ist auch nicht so schlecht. Rot geht also auch. Ich probiere weiter.


Ich war zwischendrin versucht, aus dem Marleneschnitt eine Flaredhose zu basteln, das kleidete mich allerdings nicht wirklich gut. Also habe ich alles so gelassen wie es war. Der Saum ist handgenäht, das Knopfloch allerdings maschinengenäht.

Zusammenfassung:

Zeitaufwand: Genau wie bei der ersten Hose ein Slow Sewing Projekt, fast eine Woche lang, jeden Tag ein bisschen dran gearbeitet.

Schwierigkeitsgrad: Mit der tollen Videoanleitung gut und einfach umzusetzen. Braucht nur seine Zeit, weil die Videos eben immer ausführlich sind und dauern.

Kosten: ich bin mir nicht mehr sicher, aber ich habe ca. 1,5 m gekauft, der Preis lag vermutlich bei 8 - 10 Euro pro Meter, ich schreibe sowas nicht auf. Alles andere aus dem Bestand.

Viele Grüße, Anja

Mittwoch, 7. Januar 2026

Meine Lieblingsstücke 2025

Hier nun meine Lieblingsstücke, die ich ständig trage, der Lederrock, fast immer in der Kombination mit dem Mohairpullover und den Stiefeln, sehr praktisch, schmutzunempfindlich, für alle Gelegenheiten ein bisschen besonders. Das kleine Loch an der Bruchfalte muss jetzt dringend mal unterfüttert werden, es hat sich leider vergrößert. Ich liebäugele schon mit dem Gedanken, mir einen weiteren Ledercoupon auf dem Stoffmarkt zu kaufen.


Im Sommer und auch im Herbst und Winter mit Strumpfhose und warmem Sweatshirt oder dickem Pullover ist der Tüllrock zu einem echten Lieblingsstück geworden, auf dem Fahrrad muss ich immer aufpassen, aber inzwischen habe ich es raus, dass der empfindliche Stoff nicht in die Speichen gerät. Ich liebe den Rock.


Das Kostüm, wobei ich das Kleid meist ohne die Jacke trage, die Jacke hängt dann über der Stuhllehne, wird ebenfalls gerne angezogen. Nicht ganz so oft wie die beiden Stücke oben, es lässt sich halt nicht so stark kombinieren, aber viel viel häufiger als die normalen Kostüme oder Hosenanzüge bestehend aus Jacke und Hose/Rock.

Auffällig finde ich, dass alle drei Lieblingsstücke nun Rot sind. Blau oder Grün sind eigentlich meine Farben (gewesen), Rot ist erst in den letzten Jahren dazu gekommen. Ich glaube, ich brauche eine neue passende Brille.

Und alle Lieblingsstücke sind selbst konstruiert, sie passen daher wirklich gut. Die Stoffe sind teils älter, teils extra gekauft. Neue Stoffe sind in 2026 nur dazu gekommen, wenn sie tatsächlich gleich vernäht wurden, eine Ausnahme mit einem Rest aus Mailand, den ich irgendwie nicht liegen lassen konnte. Der Schrank mit den Stoffen ist jedenfalls deutlich leerer geworden.

Genäht habe ich gefühlt nicht soviel, am Anfang des Jahres hatte ich keine Lust (entstanden ist ein Bustier), rund um den Mailandaufenthalt war ich dann total motiviert (entstanden sind 4 hyperluftige Sommersachen, für die der deutsche Sommer nicht heiß genug war), das dringend für den Kocherlball benötigte Dirndlblüschen im Juli und im Anschluss 2 herbstliche Röcke, 3 Basicrollis und irgendwann der Tabard (dazu fehlt immer noch eine weitere Kombihose), also doch insgesamt 16 Kleidungsstücke, hätte ich jetzt nicht gedacht. Sogar 17, die Weste, der einzige Fail, ziehe ich nicht an, war ein Versuch mit einem Stoffrest. Gebloggt habe ich viel, auch zu den Ausstellungen, in die es mich immer gerne auf Reisen zieht.

Ausgemistet habe ich nicht soviel, bei dem Steppkleid haderte ich im letzten Urlaub noch, eigentlich mitgenommen, um es am Ende der Reise "abzuwerfen", habe es dann doch nochmal mit nach Hause genommen, obwohl der Stoff anfängt, etwas speckig zu wirken. Aber das Kleid an sich ziehe ich weiterhin gerne an, den dritten Winter jetzt bereits. Das war vermutlich mein erstes rotes Lieblingskleid.

Herzlichen Gruß, ein frohes neues Jahr an alle, die dem Me made Mittwoch folgen, diesen Beitrag lesen und vor allem bleibt gesund!

Anja




Freitag, 21. November 2025

Lederrock statt Lederhandschuhen

Vor mindestens 3, wenn nicht sogar 4 Jahren, habe ich auf dem Stoffmarkt Holland, wo es einen Lederstand gibt, ein größeres Stück dünneres Leder gekauft. Keine Handschuhqualität, aber doch so, dass es für Handschuhe geeignet schien. Ich wollte mir gerne Handschuhe nähen, die weit bis zum Ellenbogen reichen. Lt. dem Lederhändler hatte mein Stück Rockgröße. Ein Weinrot, das ein wenig ins Bräunliche geht, d.h. bei Tageslicht Rot, bei Kunstlicht leicht Braun. Das habe ich aber erst zuhause festgestellt. Ich habe noch einen anderen Stoff, der zuhause nicht mehr Rot war, sondern eher Braun wirkte, aber das ist ein anderes Thema.

Voller Elan habe ich damals die Größe bestimmt, ein Schnittmuster aus einem Handschuhnähbuch kopiert und einen Probehandschuh genäht: aus einem haptisch ähnlichen Stoff mit ähnlicher Dicke. Was für ein Fail! Was für eine Fisselbarbeit! Dann viele Handstiche, sehr exaktes Arbeiten gefordert! Nein, das war so gar nicht meins. Also landete das Leder wieder im Schrank. Immer mal wieder angefasst, ausgemessen, wird es eine Tasche, reicht es für den schönen Rock, den Carola diesen Herbst vorstellte? Alles Fehlanzeige.

Aber da das Leder wirklich zu den ältesten "Stoffen" in meinem Schrank gehört und mir bei der Recherche oft Leder begegnete (übrigens auch interessante Oberteile) ging es los, ein ganz schlichter Rock sollte es werden, für mehr hätte das Stück auch nicht gereicht. Ich habe ebenfalls Teilungsnähte in die Mitte genäht, denn ohne diese wäre der Rock sehr kurz geworden. 

Unten meine Inspiration:


Und nun zum Ergebnis:







Von hinten knittert der Rock leider sehr, so ist das Leben nach 3 Stunden auf dem Stuhl:



Da man Ledernähte nicht flachbügeln kann, habe ich alle Nähte beidseitig abgesteppt, siehe Detailfoto unten. Der Saum ist abgesteppt, der Reißverschluss doppelt gesteppt, ich hatte nicht genug Material, um noch einen Innenbund zu nähen, daher habe ich oben ganz schmal umgeklappt und umgesteppt, damit das Futter nicht herausschaut. Da ich sicher niemals etwas trage, was ich in den Rock hinein stecke, kann ich mit der etwas unsauberen Lösung leben.

Ursprünglich habe ich mit einer Ledernadel angefangen zu nähen: entweder diese einzige Nadel, die mir noch nicht gebrochen ist, war zu dick oder das Leder eben doch sehr viel feiner als alle bisherigen Leder, die ich vernäht habe. Die Naht war total unsauber, fiel fast auseinander, Unter- und Oberfaden verbanden sich nicht. Ich bin dann zu einer Jeansnadel umgeschwenkt, was funktioniert hat.

Ich habe wirklich versucht das Maximum an Länge herauszuholen. Leider habe ich kein Foto davon, wie ich die selbst konstruierten Bleistiftrockstücke aufgelegt habe, aber glaubt mir, es passte so gerade.

Leder hat zwar keinen Strich, aber offiziell soll man es schon in einer Richtung auflegen, in Wuchsrichtung. Vor langer Zeit recherchiert und nie beachtet.

Ich bin ganz zufrieden mit dem sehr schlichten Rock. Durch das Material hat er doch etwas Besonderes. Im Endeffekt ist die Farbe schön herbstlich und vermutlich trage ich den Rock genauso oft wie ich Handschuhe tragen würde.

Einen Makel habe beim Sitzen in der U-Bahn bemerkt. An einer Stelle, siehe Foto, schimmert die Strumpfhose durch, da sind zwei kleine Löcher in einer Linie, wo mal ein Faltenbruch oder ähnliches war (auf dem Foto ganz links etwas oberhalb des Saums erkennbar). Habe ich weder beim Kauf noch beim Zuschnitt gemerkt. Ich hoffe nun, dass die Löcher erstmal nicht größer werden bzw. sich nicht miteinander verbinden.



Zusammenfassung: 

Zeitaufwand: Ich habe eine ganze Woche jeden Abend etwa 2 Stunden an dem Rock gearbeitet, Schnittkonstruktion, Zuschnitt planen, Futterrock und Rock nähen, Reißverschluss einigermaßen ordentlich einsetzen. Alle Nähte umkleben und steppen. Eine Menge Zeit für einen einfachen Bleistiftrock. Das Material lässt grüßen.

Schwierigkeitsgrad: einfach, die Konstruktion eines Rockes ist keine große Sache, selbst konstruiert passt er dann auch, das Einnähen des Reißverschlusses in der gekrümmten Seitennaht etwas tricky, nachdem ich die richtige Nadel hatte, funktionierte auch das Zusammennähen gut.

Kosten: Futterrest von Annette Görtz, 2 Euro, Reißverschluss aus der Karstadt Auflösung, 1 Euro, Leder vom Stoffmarkt: 60 oder 70 Euro, erinnere es nicht mehr genau.

Herbstliche Grüße

Anja






Montag, 17. November 2025

Catwalk: The Art of the Fashion Show - im Vitra Design Museum in Weil am Rhein

Mein Bruder lebt in Freiburg, ich fahre generell gerne nach Baden. Und auch wenn sich sonst niemand in seiner Familie für Design interessiert, schaue ich immer, was im Vitra Museum gerade geboten wird. Mal abgesehen davon, dass der ganze Campus ein wunderbares Ausflugsziel ist, ständig neue kleine Gebäude entstehen, es ein schönes Café gibt und die Umgebung zum Wandern in den Weinbergen einlädt. Im Übrigen kann man von dort auch sehr schön nach Riehen (Fondation Beyeler) oder bis zum Badischen Bahnhof in Basel laufen.

Nun also: diese Ausstellung.


Um den Tag zu komplettieren, habe ich noch einen Workshop gebucht. Das Ticket für die Ausstellung hätte 16 Euro gekostet, der Workshop mit Ausstellungsbesuch 20 Euro. Überhaupt fand ich das gesamte Beiprogramm ziemlich cool. Leider für mich zu weit weg, um mehr Termine wahrzunehmen.

Die Ausstellung blickt auf etwa 100 Jahre zurück: Worth mit ersten Präsentationen für Kundinnen, Lucille mit aufwändigeren Shows, Chanel, die ihre Spiegeltreppe geschickt nutzte. Über alle Epochen liefen raumhohe Videos und zusätzlich kleine Monitore, die man mit Kopfhörer nutzen konnte. Die Filmdauer lag zwischen 2 und 20 Minuten. Viel anzuschauen, ich habe mich auf Fragmente beschränkt, weil ich nicht soviel Zeit eingeplant hatte.

Es gab Eintrittskarten (manchmal waren stattdessen auch Objekte verwendet worden, gerade später, als die Shows aufwändiger wurden), Skizzenbücher, Stuhlmodelle, Menüreihenfolgen, Architekturmodelle von Räumlichkeiten, natürlich auch vereinzelt besondere Kleidungsstücke.

Auf dem Tuch von Dior unten sind die Stühle, auf denen damals die Kundinnen Platz nahmen, gedruckt. Es handelt sich um besonders schmale Stühle, damit viele Gäste in den kleinen Atelierräumen sitzen konnten.




Oben Farbpaletten mit Modellen von Balenciaga, anhand dieser Karten wurden die Modelle in den Raum geschickt, sie bildeten in der Frühzeit die Reihenfolge ab.

Anhand der Videos konnte man wunderbar verfolgen, wie sich der Charakter von einfachem ruhigen Schreiten und exakter Präsentation der Modelle in kleinen Ateliers mit einem Conferencier, dann in größer werdenden Sälen, über mehr Bewegung mit klassischer Musikbegleitung, ganz viel wilden Tanz in Boutiquen und Diskotheken (60er Jahre) hin zu den heute üblichen Fashion Shows während der Fashion Weeks an immer entfernteren oder mindestens besonderen oder skurrilen Orten (Chinesische Mauer, Glasstege auf der Fontana di Trevi, Lagerhallen in Vororten von Paris, Grand Palais) mit opulenter Dekoration verändert hat. Es war auch eine Zeitgeschichte der Mode, von der Haute Couture zum Pret-a-Porter.

So wie sich die Mode im letzten Jahrhundert verändert hat, unten Metallkleider von Paco Rabanne, deren Präsentation auf dem Laufsteg sichtlich schwierig war. Ebenso bei Victor&Rolf und anderen Designern, deren Namen ich noch nie gehört hatte.





Als Langvideos gab es Shows von Chanel, hier wurden Accessoires präsentiert. Außerdem sah man, mit welchem unglaublichen Aufwand der Grand Palais innen verändert wurde. Passende Deko, passende Musik (Rocket Man während eine fiktive Rakete startet). Der Zusammenhang zwischen Kleidungsstücken und Showambiente war gering aus meiner Sicht. Es gab immer die gleichen Tweedsachen von Chanel, nur die Accessoires waren an das Ambiente (unten Supermarkt) angepasst. Die milchtütenförmigen Taschen wird es vermutlich nie im Laden gegeben haben.



Auf architektonische Elemente bei Kleidung wurde auch Bezug genommen. Leider habe ich vergessen, von wem das Oberteil unten ist.



Oben ein Pullover, der während der Show angezogen wurde, die Anleitung jeweils daneben, es gab dann mehrere Varianten, wie man ihn tragen kann.

Politik in der Mode, unten Bezüge zum Europaparlament, Kleidung in Europablau und/oder Anzüge, die Politiker so wirklich tragen, die Show entlang eines dem Parlament ähnlichen Saals. Auch wurden Videos der Klimakatastrophenshows (Überflutung, Schneesturm) gezeigt. War das Gucci, ich weiß nicht mehr. Sehr eindrucksvoll, wenn auch die Mode total im Hintergrund stand, bei den Schneesturmshows war eigentlich nichts erkennbar.


Ja, und um 14 Uhr startete dann meine Lecture Class: The Art the Image: Photography and Styling. Es handelte sich mehr um einen Workshop für Studenten, 3 Masterstudenten führten kurz anhand einer semi Powerpoint Präsentation in das Thema ein, insbesondere wurde auf einen britischen Underground Designer verwiesen, dessen Namen ich leider auch schon vergessen habe. Sein Styling ist extrem exzentrisch. Die Gesichter erinnerten an Karneval. 

Danach wurden wir in Gruppen eingeteilt und alle anderen "erwachsenen" Besucher, außer mir noch 3 Herren, die vermutlich auch über die Ausschreibung auf der Website auf die Lecture gestoßen sind, merkten, dass das nicht das war, was sie erwarteteten. Oder der Style doch sehr abwegig war.

Ich habe noch eine Weile beim Schminken zugeschaut, beim Perücken und Hutdinger drapieren, es gab auch viele Glitzer, Plastik und sonstige Teile, die man oben herum anziehen konnte. Für den Abschluss war ein Shooting in einer Photo Box geplant.





Oben ein paar Anregungen, wie wir uns stylen und später posen könnten.

Ich habe es dann vorgezogen, noch im Hellen zum Bahnhof zu gehen. Es war dennoch interessant. allerdings frage ich mich schon, was all diese Bachelor- und Mastermodestudenten später für Mode kreieren. Nicht für meine Generation. Oder sie werden in Jobs landen, wo sie Geld verdienen, aber kaum ihre Träume ausleben können. Aber das ist ein anderer Diskurs.

Auf bald, Anja


Mittwoch, 5. November 2025

Celine - Phoebe Philo - Tabard aus der Resort Collection 2016 - nachgenäht

Über die Seite Archive Dot auf Instagram oder so ähnlich, wo Sachen aus älteren Kollektionen von Celine/Phoebe Philo verkauft werden, bin ich auf mein zuletzt genähtes Kleid gestoßen und auch auf dieses interessante Kleidungsstück, für das ich den letzten Rest des Stoffes von Annette Görtz verwendet habe.

Ich hatte mir ein paar Screenshots gemacht, oben eine kleine Zusammenstellung. Später habe ich dann gezielt gesucht, mir fehlte eine Bezeichnung, was das eigentlich ist: kein Pullunder, kein Kleid, kein Poncho .... so kam ich auf eine andere Seite, in der eben jenes Kleidungsstück in Grün abgebildet war, beide entstammen der Resort Collection 2016 und heißen Thabard oder Tabard oder Tappert oder auf Deutsch Wappenrock. Stimmt, an so etwas erinnert das Teil. Bei Celine werden noch die Cut-outs erwähnt, es sind aber keine Cut-outs, sondern es wird eindeutig geknöpft.

Das Schnittmuster ist sehr einfach. Mein Problem war die Stoffbreite, denn ich bekam nicht beide Stücke mit angeschnittenen Knopf-/Knopflochriegeln nebeneinander auf meinen Stoffrest (es ist der Rest von Kleid/Jacke, nur habe ich die andere, die graue Stoffseite verwendet). Also entschied ich mich, die Riegel separat zuzuschneiden und anzunähen. Gerne hätte ich alles gedoppelt, aber nur der rückwärtige Riegel ist gedoppelt, für alles andere hatte ich nicht genug Stoff. Ein echtes Resteprojekt. Gerade noch genug, um für die Paspelknopflöcher Wendestücke zuzuschneiden.


In meiner Konstruktion waren ein paar Denkfehler: besser hätte ich die Riegel unter der rechten Seite angenäht, damit wären die Nähte weniger sichtbar gewesen. Und noch besser hätte ich die Knopfteile auf die hinteren Riegel genäht, wie im Original. Bei mir schaute man von vorne auf die Öffnung. Ich habe aber keine Lust, alles nochmal aufzutrennen. Dann kam mir der Gedanke, dass ich das Kleidungsstück einfach drehe und Hinter- und Vorderteil tausche. Die Schnittteile sind identisch. Ich habe lediglich den Halsausschnitt vorne weiter aufgeschnitten und gesäumt (das aufgenähte Label wurde abgetrennt und auf die neue hintere Mitte platziert). So geht es.

Ich muss sowieso schauen, wie und wann ich das Teil anziehen kann. Es wird ausschließlich mit Hosen getragen, scheint mir. Wichtig ist auch eine Kontrastfarbe. Jeans habe ich, wären geeignet, sind für mich aber nur in der Freizeit eine Option. Gut wärmen tut der Tabard in jedem Fall.

Einen ersten Versuch habe ich mit der blauen Cordhose und dem dunkelblauen Rolli gestartet. Ein noch größerer Kontrast wäre noch besser, damit man die Cut-Outs richtig sieht.

Der Text des Labels, das Tina selbst gemacht hat und uns allen zum Nähdelstreffen in Frankfurt mitgebracht hat, lautet: Wunderbar. Frankfurt 2025. Danke nochmal an dieser Stelle.




Der Tabard wärmt gut, passt zum Glück unter einen sehr übergroßen von meinem Vater übernommenen Wintermantel und jetzt brauche ich eigentlich weitere einfarbige Hosen. Nein, so ist nicht die Idee. Aber ich trage ihn und habe bereits Komplimente bekommen.

Gezeigt beim Me Made Mittwoch im November, einem Monat, in dem das Kleidungsstück gerne getragen wird, Lagenlook ist einfach super. Weitere Kombinationen stehen noch vor dem Ausprobieren.

Zusammenfassung:

Schwierigkeitsgrad: die größte Schwierigkeit war die Denkleistung hinsichtlich meiner eingeschränkten Stoffmenge und ob das überhaupt Sinn gibt oder für den Mülleimer ist. Zu gerne hätte ich alle Riegel gedoppelt. Zu gerne hätte ich es an einem Stück zugeschnitten.

Zeitaufwand: 4 Tage, jeden Abend, zzgl. Handstiche für 6 Paspelknopflöcher und 4 Knöpfe

Kosten: keine, Stoffrest, für den ich sonst keine Verwendung gehabt hätte, Garn, Knöpfe aus dem Bestand. Und es ist wirklich max. ein Stück 20 x 30 cm übrig geblieben.

Viele Grüße

Anja

Freitag, 31. Oktober 2025

Bustier-Gürtel-Westen-Dingsbums

Von diesem Rock hatte ich noch Stoff übrig, ca. 1 m mit angeschnittenen Teilen. also eine gute Menge, aus der noch etwas Vernünftiges werden konnte. Idealerweise passend zu dem Rock zum Kombinieren.

Die Reihenfolge der Bilder ist jetzt etwas verwirrend. Etliche meiner Nähfreundinnen rieten zu Westen oder Bustiers. Eine Weste habe ich knallhart abgelehnt, weil mich das an Business in den 90ern erinnerte und ich sogar noch 2 oder 3 Kaufwesten, so richtig klassische, passend zu den Hosenanzügen (deren Hosen nicht überlebt haben) im Schrank habe. Bustier schien mir ein guter Gedanke, aber eigentlich hatte ich zuviel Stoff für das, was ich damals aus Resten genäht habe.

Dieses Bustier aus Burda 8/2015 ist mir erst begegnet als ich schon etwas anderes zugeschnitten hatte. Sehr ärgerlich, weil es anders ist, hinten diagonal überlappend und mit dem Gürtel aus mehreren Schnittteilen interessant gebunden. Den Schnitt habe ich jetzt zum Kopieren aus der Bücherei geholt. Dieses Bustier möchte ich unbedingt noch nähen, allerdings habe ich derzeit nicht den passenden Stoffrest. Blöd gelaufen.

Natürlich habe ich vorher auch im Netz recherchiert. Caroline Herrera bot unten gezeigtes Teil an, gefiel mir irgendwie nur so semi zum Nachnähen. Doppelreiher stehen mir als Jacke nicht, vielleicht hat die Assoziation bereits gereicht.


Aus das Thema gekommen bin ich über etwas Anderes: gegen Ende der Great British Sewing Bee trug die Moderatorin neben der tollen Bluse einen spannenden Gürtel. Der verbrauchte allerdings wenig Stoff, nur eine Teilmenge des vorhandenen Rests, selbst wenn ich ihn komplett aus dem Wollrest genäht hätte. Also habe ich den Gürtel erstmal ad acta gelegt.


Dann durchsuchte ich mehrmals meine Burdas bis ich irgendwann an diesem Modell hängen blieb. Nicht so klassisch. Die Druckknöpfe gefielen mir nicht, die Kragenform auch nicht, aber alles lässt sich ändern. Gesagt, getan. Schnitt kopiert, Schnittteile ausgeschnitten und zugeschnitten. Es passte tatsächlich perfekt mit dem Rest. Es ist nur ein kleines Fitzelchen geblieben. Immerhin damit bin ich zufrieden. Unten seht ihr den Rest, aus dem ich noch den alternativen Kragen konstruiert habe.


Das Nähen zog sich ein wenig, viele Schnittteile. (Das oben gezeigte Bustier aus der August Burda ist auch nicht viel besser, unglaublich viele Schnittteile zu kopieren). Aber alles fügte sich prima zusammen, die Anleitung war klar. Im Fundus gab es noch einen passenden kontrastierenden Reißverschluss und einen Knopf als Detail im Rücken in gleicher Farbe.

Hier Tragefotos mit dem Rock. Mir etwas zu spießig, ich muss noch experimentieren und andere Unterteile suchen. Oder mit einem Rollkragen ausprobieren.





Oben noch der Knopf in groß.

Im nachhinein glaube ich, besser wäre es gewesen, wenn ich das Unterteil nicht gedoppelt hätte. Es ist jetzt ziemlich dick, der Originalstoff ist dünner und elastisch. Außerdem verzieht es den dicken Reißverschluss ein wenig. Passen tut die Weste super. Warm ist sie auch. Und eigentlich ist sie auch nicht schlecht, wenn ich nicht hinterher noch das tolle Bustier gefunden hätte.

Hier habe ich die Weste anders kombiniert, gefällt mir persönlich besser, trotzdem kein Lieblingsteil und zu dem Rock habe ich bessere Alternativen.





Zusammenfassung:

Schwierigkeitsgrad: Ich habe nicht mehr geschaut, wieviele Punkte der Schnitt hat. Ich habe nichts angepasst, sondern ihn fertig verwendet. Der Stoff ließ sich super vernähen, einzig das Einkräuseln auf den unteren Teilen auf beiden Seiten fand ich etwas schwierig, ist auch nur semi gelungen. Das ist leider beim Einkräuseln immer der Fall, obwohl ich Stichbreite verstelle, Unterfaden lockere, 2 oder sogar 3 x parallel nähe: beim Zusammenziehen wird es einfach nicht gleichmäßig.

Zeitaufwand: mehr als ich dachte, denn es waren viele Nähte und viel Bügelarbeit. Gefühlt eine ganze Woche mit Kopieren, Ausschneiden und letzten Handnähten.

Kosten: keine, Stoffrest von Annette Görtz Outlet, Reißverschluss für 1 Euro oder so aus der Karstadt Auflösung, Knopf und Garn aus dem Fundus.

Viele Grüße

Anja