Dazu würde ich immer sagen "Ja", denn schließlich habe ich in Stoffauswahl, Stoffkauf Geld und Zeit investiert, ich habe einen Schnitt oder ein Schnittmusterheft gekauft und das Muster, manchmal wie diesen mühevoll, kopiert, zugeschnitten und genäht.
Ich versuche Anpassungen schon von vornherein vorzunehmen, das gelingt nicht immer, es ist bei manchen Schnitten auch nicht ganz einfach, vor allem, wenn die Abnäher ganz anders sitzen, in diesem Fall laufen die Brustabnäher aus der Raglannaht schräg nach unten. Manche Anpassungen lassen sich auch leicht im nachhinein vornehmen, vor allem wenn es um Kürzen von Ärmeln und Gesamtlänge geht. Nachdenken vor dem Nähen hilft immer, aber auch da hängt es stark von Lust, Müdigkeit und anderen Faktoren ab, ob ich es immer ausreichend mache. Nachdenken (und Erfahrung) hilft auch, wenn Schnitt und Stoff zusammen treffen (das ist hier sicher auch nicht gut gelöst, der Stoff ist zu dick und zu wenig dehnbar).
Ich habe kürzlich aufgeräumt (da bin ich sicher nicht die Einzige in diesem Jahr) und Reste eines grünen Wollstoffs gefunden, nicht viel, solche Reste lohnen eigentlich nicht aufzubewahren, also Richtung Müll. Das Kleid zu dem Stoff habe ich seit Fertigstellung einmal, eventuell ein zweites Mal angezogen, aber es war eigentlich eine echte Schrankleiche, die immer wieder hin- und hergestapelt wurde und auch in derselben Schrankaufräumaktion der Tonne zugeordnet wurde. Mich hat beim Durchsehen der alten Posts schon erschreckt, dass es tatsächlich über 2 Jahre herumlag ohne getragen zu werden.
Ich habe es nochmal vor der endgültigen Entsorgung angezogen, in diesen Tagen bei Temperaturen um die 10 Grad, angenehm warm und mollig zu tragen, nur an den Ärmeln zu kurz (dazu ist zu sagen, dass ich den Ursprungsschnitt an den Ärmeln verlängert habe, aber wohl nicht ausreichend, das Kleid hatte allerdings auch andere Mängel). Insgesamt fand ich den Sitz letzte Woche nicht perfekt, aber nicht ganz so schlimm einengend wie nach der Fertigstellung (ich habe auch abgenommen, weil ich im letzten Jahr mehr Zeit für Sport gefunden habe).
So ergab sich, dass der Stoffrest wie ein Bündchen an die Ärmel angefügt wurde und ich das Kleid bereits mehrmals angezogen habe. Gerade zuhause ist es gemütlich, die dicken Nähte an den Ärmel stören minimal, überhaupt ist der dicke Stoff für die vielen Teilungsnähte nicht optimal, aber ich kann es anziehen. In diesem Fall hat sich Aufbewahren und Ändern definitiv gelohnt.
Inspiriert zu diesem Post wurde ich durch Mix und Match von Twill und Heftstich letzte Woche.
Grüße, Anja
P.S. Irgendwie fand ich die Passform im Brustbereich suboptimal. Im Winter 23 habe ich den oberen Teil abgetrennt und das Kleid wurde zum Rock, dennoch habe ich es quasi nie getragen. Entsorgt am Ende des Winters 23/24



