Mittwoch, 24. September 2025

Jäckchen aus Stoffrest zum ärmellosen Kleid

Ich berichtete ja schon von der Entstehung meines Wollkleides. Ich besitze mehrere Trägerkleider, die ich gerne im Herbst/Winter mit Rolli usw. trage. Im Fall dieses Kleides habe ich ursprünglich nicht an Rolli gedacht, aber natürlich ist der eine Option. Ich hatte noch reichlich (und habe immer noch mehr als einen Meter) Stoff von dem Kleid übrig und habe beschlossen, ein kleines kurzes Jäckchen zum Kleid zu nähen. Ganz einfach kastig, taillenkurz, mit ähnlichen Teilungsnähten hinten wie am Kleid und mit den großen Gardinenringösen, um eine Verbindung zwischen Kleid und Jacke herzustellen.

In einer der letzten Folgen der britischen Sewing Bee gefiel mir der sehr spitze Blusenkragen der Moderatorin sehr gut. So einen Kragen konnte ich mir auch gut an der Jacke vorstellen. Das Ergebnis ist etwas weniger spitz geworden, aber doch anders als "normale" Kragen.


Auf der Rückseite sollte man eigentlich die identischen Teilungsnähte von Kleid und Jacke erkennen können. Die Gardinenösen sind am Kleidersaum und an den Ärmelsäumen. Da hatte ich vorher etwas herumprobiert. Schlussendlich habe ich auch nur einen Knopf oben angenäht, sonst wäre es mir optisch zu viel gewesen.


Letztes Wochenende fiel mir ein ganz wundervoller, dünner Baumwolljersey von Haider Ackermann in die Hände. Er lag fast 170 cm breit, so dass ich nur 60 cm gekauft habe - in der Annahme, das reicht für ein Shirt - gereicht hat es, aber nicht für einen Rolli. Schnittmuster ist Burdastyle 118 aus 11/21, siehe unten, es gab den Schnitt auch mit langen Ärmeln, die ich nochmal verlängert habe. Das Oberteil ein wenig gekürzt, damit für das breite Bündchen noch Stoff übrig ist. Ein Crunchie ist aus dem Rest auch entstanden, ohne Foto.




In dem Gesamtoutfit fühle ich mich sehr wohl, mit oder ohne Jacke, ganz wie die Temperaturen es verlangen. Was mit dem restlichen Stoff passiert, mal sehen, sicher findet sich noch etwas.


Zusammenfassung:

Schwierigkeitsgrad: einfach, eine schnelle wenig geformte Jacke ohne Anpassungsbedarf und das Shirt mit wenigen Nähten im Zickzack. Die einzige Herausforderung war das Knopfloch, aber von Mal zu Mal gelingen mir Paspelknopflöcher besser. Mit diesem bin ich erstmalig zufrieden.

Zeitaufwand: das Shirt war so schnell zugeschnitten wie der Schnitt kopiert war. Wenige Nähte, ein Abend. Die Jacke, vor allem die Konstruktion des Kragens, dauerten etwas länger, aber auch insgesamt max. 4 Stunden

Kosten: Jersey The Fabric Sales 9 Euro, Wolle Annette görtz Outlet ca. 7 Euro, Knopf, Gardinenösen, Garn aus dem Bestand.

Die kalte Jahreszeit kann kommen.

Herzlichen Gruß, Anja







Dienstag, 23. September 2025

Belgien - The Fabric Sales und Modemuseum Hasselt

Ziemlich spontan sind wir letztes Wochenende nach Belgien gefahren, mit dem ICE ist man in etwas über 2 Stunden in Lüttich, von dort ging es weiter nach Löwen, das mein Mann gerne sehen wollte, und ich bin gleich eine Station weiter nach Wezemaal gefahren, von wo ich einen schöner ruhiger Fußweg in das Gewerbegebiet Wingepark genommen habe. In Wingepark befindet sich der Show- und Verkaufsraum von The Fabric Sales, wo ich bereits ein paar Mal bestellt habe und immer sehr zufrieden war was die Qualität betraf. Zwei Mal war ich allerdings mit der Farbe unzufrieden, am Computer wird sie einfach nicht so dargestellt wie sie dann ist.

Der Besuch bei The Fabric Sales hat mich sehr glücklich gemacht. Es war so wundervoll, in allen Stoffen, die ich aus dem Netz kannte oder die ich bereits vernäht gesehen habe, zu stöbern. Ich wollte nichts kaufen, habe dann aber mehrere hochwertige Basicstoffe mitgenommen, für eine Hemdbluse, für Unterziehrollis, das Anfassen der Wolljerseys bzw. Baumwolljerseys ist eine andere Nummer als die Gewichtsangabe im Onlinestore mit einer Qualität in Verbindung zu bringen.


Oben noch ein paar Eindrücke vom Showroom, es war Freitag Vormittag herrlich leer, das Zuschneiden meiner Auswahl hat keine 10 Minuten gedauert und dann bin ich schon wieder mit dem Zug nach Löwen gefahren (es gibt auch einen Stadtbus vom Bahnhof, der halbstündlich bis Rotselaar Rotonde fährt - falls noch jemand anders auf die Idee kommt, dorthin zu gehen).

Am nächsten Tag planten wir, uns Hasselt anzuschauen, der Ort bietet mehr als das Modemuseum, aber natürlich fiel die Auswahl auf Hasselt wegen des Museums. 

Zur Zeit läuft dort die Ausstellung "Roccoco Reboot!" - Mode von 1750 bis 1830. Es werden Modekataloge, Originalkleider für Mann und Frau gezeigt, aber es geht auch um die weniger sichtbaren Aspekte der Mode: Waschen, Ankleiden, Unterwäsche, Schminken und Hautpflege. Außerdem werden nicht nur Objekte der Oberschicht gezeigt, sondern auch, was andere Gesellschaftsschichten getragen haben.

Besonders interessant fand ich die Videos, in denen Kostüme aus Filmen (Bridgerton, Marie Antoinette) unter die Lupe genommen wurden und auf ihren Echtheitsgehalt hinsichtlich der Epoche untersucht wurden.

Meine Fotosortierung entspricht nicht dem Rundgang, im Dachgeschoß, quasi am Ende, konnte man sich selbst mit Schnittmustern beschäftigen und 3 nachgearbeitete Modelle anziehen. Sehr interessant, mal einen Rock mit Reifrock drunter zu tragen.





Neben den Originalstücken gab es Erklärungen und Beispiele aus der Gegenwart, die sich an Modellen des Rokoko orientierten - das waren doch viele, hätte ich in der Menge nicht erwartet.  Manchmal war es nicht so einfach, vor der Vitrine zu sagen, was ist neu, was ist alt?




Karikaturen der Moden der Zeit kamen mir aus den Geschichtsbüchern bekannt vor. Memes aus einer früheren Zeit. Leider kein besseres Foto, selbstverständlich sind alle Räume abgedunkelt und alle Objekte waren hinter Vitrinen.


Das rechte Kleid unten ist von Laura Ashley, das linke von damals.

Nachdenklich gemacht hat mich das Zitat von Jean-Jacques Rousseau: Frauen haben ein angeborenes Problem mit dem Konsum. Aus der Zeit des Rokoko stammt das Stereotyp der shoppingbesessenen Frau, die auch in Karikaturen verewigt wurde, während sich die Männer langweilten, deren Frauen sich beim Einkauf nicht entscheiden konnten. Doch die komplexe , geschichtete Struktur der Kleidung erfordert viele Schritte und eine hohe Aufmerksamkeit, Materialkenntniss waren notwendig, der Fall, die Lichtreflexion, Farbe und Textur sollten langlebig sein. All diese Aspekte mussten beim Kauf, beim Schneider berücksichtigt werden, schließlich sollte das Kleidungsstück lange getragen und ggf. weiter vererbt werden.

Aufmerksam geworden bin ich auf das Museum durch Manuela von Twill und Heftstich, die dort vor Jahren eine andere Ausstellung gesehen hat. Habe ich jetzt hier einfach mal verlinkt.

Ich fand die Atmosphäre im Gebäude sehr angenehm, der Rundgang war klar und logisch aufgebaut, es gab reichlich, aber nicht zuviel Anschauungsmaterial, eine gute Mischung aus Videos und Erklärtafeln (für uns die deutsche Übersetzung in einem Flyer). Auch meinem Mann, der vorher noch nie in einem Modemuseum war, hat es gefallen, wobei ihn die historische Seite und die Männerkleidung eher ansprachen, mich hingegen die Bezüge zur Gegenwart.

Herbstliche Grüße aus Frankfurt

Anja


Mittwoch, 17. September 2025

Im Stil von Celine 2013 - Phoebe Philo

Irgendwann vor ein paar Wochen wurde mir eine Seite in meinen Instagram Account gespült. Ein Kleid, wie es mir sofort gefiel, ich habe es abgespeichert und sehr schnell für so gut befunden, dass ich es sehr bald für den Herbst genäht habe.

Bei dem Kleid handelt es sich um ein Modell von Phoebe Philo für Celine aus der Herbstkollektion 2013. Diese Angaben stammen aus dem Instagram Account, der Vintage Sachen von Celine verkauft, selbst nachprüfen konnte ich das nicht. Ich habe die Kollektion nicht gefunden.

Ich mag diese schlichten Kleider, die dennoch aufgrund von einigen Besonderheiten besonders sind: Teilungsnähte, raw edges, tiefe Taschen, elegant und gleichzeitig sportlich.

Einen Stoff, der ursprünglich für einen Mantel gedacht war (Woll Doubleface grau-weinrot) aus dem Fabrikverkauf von Annette Görtz (knapp 2,5 Jahre alt, einer der alten Stoffe aus meinem Schrank, ältere habe ich nicht, daher gut abgelagert :-) Ich hatte 4 m gekauft, 30 Euro dafür bezahlt, aber der Stoff ist ziemlich dünn. Für einen Wintermantel zu dünn. Für ein Winterkleid prima. Das oben gezeigte Modell ist aus Kaschmir (-mischung?), insofern passt Wolle auch irgendwie.

Als Basis für den Schnitt habe ich ein wenig ausgestelltes A-Linien-Kleid genommen, obligatorische Schulter- und Brustabnäher eingefügt. Dann die Teilung der Vorder- und Rückenteile entsprechend der Bilder geschnitten. Im Anschluss habe ich Teile des seitlichen Rückens an das seitliche Vorderteil montiert, den dortigen Teil des Brustabnähers integriert und die große Tasche ergänzt (dort liegt der Stoff am Ende doppelt. 

Das Probeteil aus Bettwäsche passte auf Anhieb gut. Also habe ich zugeschnitten. Siehe unten.


Platzsparend wie immer, insofern blieb sehr viel Stoff übrig. Dazu in einem der nächsten Posts, denn - wie ihr euch denken könnt - ein Wollwinterkleid mit kurzen Ärmeln ist irgendwie nicht das Wahre.

In der Realität wird es (leider) in den nächsten Tagen wieder warm, so dass ich das Kleid nicht zu dem geplanten Event am Wochenende anziehen werde. Ganz ohne Bluse oder Rolli darunter - wie in den Fashion Show Bildern oben - finde ich auch ein Winterkleid sehr merkwürdig. Ich habe hier für das Foto einfach eine weiße Bluse untergezogen.



Alle Nähte sind unversäubert, der Stoff franst nicht aus. Ich habe jede Naht erneut sichtbar abgesteppt. Die ursprünglich geplante offenkantige Mitte vorn habe ich gegen eine normale Naht rechts auf rechts ausgetauscht. Die Taschen sind ein bisschen tief. Tatsächlich ist das bei dem Modell auch so, ich persönlich hätte sie jetzt allerdings lieber etwas höher.

Um dem ganzen noch ein bisschen Pfiff zu geben habe ich unten die Gardinenringe, die von meinem Mantel übrig geblieben sind, eingebaut. Ein Bandrest als Label auf der inneren Rückseite, das ist es schon.


Auf den Detailbildern sieht man ein bisschen was von der Konstruktion, die mir gut gefällt. Bei einem erneuten Versuch würde ich die Taschen höher setzen, überall etwas Länge zugeben, vor allem in der vorderen Mitte, da hatte ich später mehr weggeschnitten als ich wollte, um diese Krümmung zu erzielen. Es ist o.k. so, aber geplant war etwas länger.


Zusammenfassung:

Schwierigkeitsgrad: Die Konstruktion war sicher eine der komplexesten, die ich bisher ausgeführt habe, insofern habe ich ein wenig getüftelt, das hat Zeit gekostet, war aber nicht schwer. Es musste ja nur ein Basisschnitt zerschnitten und neu zusammen gefügt werden. Aber das ist natürlich immer subjektiv. Das Nähen einfach, ich habe mir mit dem Innenleben keine besondere Mühe gemacht, eher mit der Wirkung nach außen.

Zeitaufwand: sehr hoch, von der Recherche über das Austüfteln, kleben, Probemodell, Zuschneiden, Verändern am fertigen Modell, insgesamt eine Woche mit einem ganzen Wochenendtag und allen Abenden.

Materialkosten: Der Stoff war günstig obwohl er haptisch hochwertig ist, Wolle mit wahrscheinlich noch etwas anderem drin. Es ist noch mehr als die Hälfte übrig, also ca. 12 - 15 Euro. Garn, Gardinenringe, Band aus dem Bestand.

Herzlichen Dank fürs Schauen, viele Grüße

Anja

Mittwoch, 3. September 2025

Herbstlicher Rock - inspiriert von Odee*

 Den leichten Wollmischstoff mit den blassbraunorangen unterbrochenen Nadelstreifen habe ich bereits vor langer Zeit gekauft im Lagerverkauf von Annette Görtz gekauft, vermutlich im Mai 2023. Gleiches gilt für das orangebraune Futter. Ich hatte 2,5 m, vielleicht sogar etwas mehr. Einen Plan hatte ich damals nicht, der Stoff ist gut abgelagert.

Letzten Herbst oder vielleicht ist es noch etwas länger her, ich finde das Produkt nämlich nirgends mehr, sah ich diesen schlichten Rock der Marke Odeeh. Ich habe mir Screenshots gemacht, hinten ist er komplett gerade geschnitten. keine Mittelnaht, an der Seite ist eine Nahttasche, an der anderen vermutlich ein Reißverschluss.

Mir gefiel die spezielle Form, mit der der Streifenstoff perfekt zur Geltung gebracht werden kann.


Im ersten Schritt habe ich einen langen Bleistiftrock konstruiert, das Vorderteil entsprechend geändert, eine schräge Naht von einer oberen Seite zum anderen unteren Rand. Dieses Schnittstück dann ausgestellt und mit einem mehr oder weniger rechtwinkligen Zipfel verlängert. Die Schnittteile waren dann auch die Basis für den inneren Bund und den Futterrock, der allerdings keinen Zipfel hat. Den Futterrock habe ich unten mit der Webkante enden lassen, diesen Tipp aus einem Video von Inge Soltzyk-Sparrer finde ich sehr nützlich, weil man sich das Versäubern spart.

Hier die Schnittteile, etwas provisorisch nach dem Zerschneiden wieder zusammen gesetzt. Allerdings sind die Taillenabnäher abgeklebt.


Der hintere Rock wird im Bruch zugeschnitten, daher ist das Schnittteil so schmal.

Von meinem Stoff habe ich nur einen Bruchteil verwendet. Mir ist noch nicht klar, was ich aus dem Rest machen werde. Es ist mindestens 1 m übrig, außerdem angeschnittene Teile. Freue mich über Ideen! Pullunder, Korsett, Kurzjacke ohne/mit kurzem Ärmel?

Das Nähen ging flott voran, auch wenn ich mehrfach das Garn gewechselt habe: braunrot versus schwarz. Erst jetzt beim Schreiben des Post sehe ich, dass ich das Schnittteil mit dem Zipfel noch schräger auf den Stoff hätte legen können, bei mir laufen die Streifen nicht ganz so schräg wie beim Original. Unten ein Detailblick in den Rock, Futter und Seitennahttasche in braunrot, die Wolle Schwarz mit den leicht unterbrochenen braunroten Streifen. Der Kontrast ist nicht so gut wie bei dem schwarz-weißen Rock von Odee*.


Da ich wirklich massenhaft Stoff hatte, habe ich auf die Rückseite eine einfache rechteckige Tasche aufgesetzt - im waagerechten Streifenverlauf.


Hier noch eine Aufnahme von der Vorderseite:


Im angezogenen Zustand sieht das Ganze dann so aus:





Die Lichtverhältnisse waren nicht perfekt, aber man kann Idee und Form erkennen, hoffe ich.

Zusammenfassung:

Schwierigkeitsgrad: ein einfach und schnell konstruierter Bleistiftrock nach meinen Maßen, Anleitung in diesem Blogpost, den ich vorne nach dem Designerrock "aufgeschnitten" habe. Wenige Nähte, einfacher gerader Futterrock, keine besondere Herausforderung

Zeitaufwand: 2 - 3 Abende, je ca. 2 Stunden, ein ratz-fatz Projekt

Kosten: Futter 2 Euro, Wolle 8 Euro, Garn, Reißverschluss, Packpapier aus dem Bestand, also 10 Euro

Und da gerade mal wieder Me Made Mittwoch ist, zeige ich den Rock in dem Zusammenhang.

Lieben Gruß
Anja


Donnerstag, 21. August 2025

Tüllrock

Beim letzten Me made Mittwoch zeigte Muriel ihren neuen Tüllrock. Und zwar nannte sie ihn alltagstauglich. Ich glaube, das Wort war es, was mich getriggert hat. Ich verbinde Tüllröcke einerseits mit Sarah Jessica Parker, die nach meiner Erinnerung in Sex and the City (damals Ende der 90er) so einen Rock getragen hat, eventuell in rosa. Andererseits ist Tüll für mich Prinzessin, Karnevalskostüm, Ballett-usw. Mädchentraum. Meistens auch in rosa.

Muriels Rock war so ganz anders. Und nach meinen verschiedenen Seiden-, Organza- und Spitzenexperimenten war mir nach einem weiteren Experiment. Muriel hat mir zur Beschaffung des weichen Tülls Selfmade (ehemals Stoff und Stil) empfohlen, wo es auch eine gute Farbpalette gab. Aus meinen Geschäften vor Ort habe ich nur diesen festen steifen Karnevalstüll erinnert.

Kurioserweise habe ich just am Wochenende nach dem Chat mit Muriel in Ostwestfalen in einer Boutique mehrere derartige Röcke in unterschiedlichen Farben und Schnitten gesehen. Alles im Sale, alles für 29 Euro. Aber mein Plan war ja, selbst zu nähen. Also habe ich die Röcke nur inspiziert. Meist 2 Lagen Tüll und eine Lage Futter. Oben ein breites Gummiband.

Ich wollte zumindest das Futter und das Gummi aus dem Bestand verwenden. Hinsichtlich des Tüll kamen also 2 Farben in Frage: Goldbraun, mein Favorit, und Weinrot. Goldbraun war im Laden dann eher Beige. Also ist es Rot geworden, nicht ganz so dunkel wie das Futter. Es war mal wieder gut, selbst die Farben anzuschauen, denn sie wichen deutlich von der Darstellung im Internet ab.

Mein einziges breites Gummiband war weiß. Ich habe es mit dem Futter ummantelt und so einen nicht so tollen Paperbag Effekt erzielt. Aber ich trage taillierte Röcke sowieso immer mit etwas, das die Taille bedeckt, da ich nicht soviel Taille habe.

Das Schnittmuster war schnell konstruiert. Als Basis dienste die Stoffbreite, leicht gerundet, und die Hüftbreite samt einem kleinen Zuschlag, damit der Rock sich bequem anziehen lässt. Es sieht so aus, jeweils im Bruch logischerweise und vorne und hinten identisch:

Das Nähen ging ratzfatz. Tüll wird nur abgeschnitten, nicht gesäumt. Das Futter ist nicht so weit wie der Rock, hätte sonst nicht gereicht und ich habe die Webkante unten als Abschluss genutzt. Französische Nähte im Tüll, ähnlich beim Futter. Macht - wenn man einmal den Bogen raus hat - auch kaum mehr Arbeit als das Versäubern mit einem Zickzackstich.

Die Farbe meines Rockes ist nicht ganz so Alltag wie Muriels Rock. Aber ich habe den Rock nach einigen motivierenden Kommentaren angezogen und mich sehr, sehr wohl darin gefühlt. Er ist leicht, er schwingt ganz herrlich, die Länge ist perfekt, der etwas große Unterschied zwischen Futter und Tüll kein Problem. Ich bin sehr angetan.


Auf dem Weg zur Arbeit hat mich das Schattenspiel fasziniert.


Und hier noch Aufnahmen von hinten:





Oben der Bund, etwas furchtbar, aber niemand sieht ihn und ich habe nichts kaufen müssen.

Zusammenfassung:

Schwierigkeitsgrad: sehr einfach zu konstruieren und zu nähen

Zeitaufwand: ich denke, max. 3 x 2 Stunden für alles

Kosten: 17,50 für 3,5 m Tüll, der Rest aus dem Bestand

Ich bin einmal abends mit dem Rock Fahrrad gefahren, das nächste Mal nehme ich mir eine Wäscheklammer mit, um ihn vorne zusammen zu klammern. Das Festhalten war suboptimal, da ich immer nur eine Hand am Lenker hatte während ich große Angst hatte, dass der Rock in die Speichen gerät, ein Loch wäre sehr ärgerlich.

Sonnige Grüße

Anja



Montag, 28. Juli 2025

Seidentaffetta A-Line Kleid

Als ich Ende Mai aus Italien zurück kam, durchblätterte ich online die Juni La mia Boutique, die ich in Deutschland leider nicht mehr im Bahnhof finde (in Mailand habe ich vergessen zu suchen). Sehr gut gefallen hat mir diese unten gezeigte Bluse. Im Übrigen habe ich auch in Mailand in der U-Bahn (da hat man Zeit, sich die gegenüberliegenden und herumstehenden Leute anzugucken) viele Blusen in sehr leichter, dünner Qualität (es war ja auch sehr heiß) gesehen, die sehr schlicht, geradlinig, aber mit irgendeinem Dekozeug vorne waren, keine Schluppen oder Schleifen, sondern andere Elemente. Ein bisschen auch wie in dem japanischen Nähbuch Pattern Magic, von dem es mehrere Bände ins Englische übersetzt gibt.


Da ich bereits mehrere Kleider/Blusen ohne Ärmel habe und ich lieber ein bisschen was über der Schulter habe, auch um Sonnenbrand zu vermeiden, fand ich die Miniärmellösung unten auch sehr schön.

Vernähen wollte ich die ca. 1,50 m Seidentaffetta in grünblau oder blaugrün, je nachdem wie das Licht fällt. Ein Rest, den ich mit 70 % Rabatt gekauft habe. Bei der Suche nach Taffettamodellen, stieß ich auf die Homepage von Katharina Hovman. Dort werden ausschließlich Modelle aus Taffetta angeboten, zeitlos, clean, ganz einfache Schnitte. A-Line gefällt mir sowieso, ein selbst erstelltes Schnittmuster hatte ich noch von einem anderen Kleid. Hinsichtlich der Länge war klar, dass ich aus 1,5 m bei meiner Körpergröße von 1,76 kein wadenlanges Kleid heraus bekomme. Reste wollte ich möglichst auch keine haben, weshalb eine Bluse suboptimal gewesen wäre.

Ich habe erstmal mit Ärmelformen experimentiert, auch mit Längen, bis ich die ideale Form als leichten Flügelärmel zugeschnitten hatte. Ein Miniprobemodell aus Bettlaken habe ich nur für den Ausschnitt und die Ärmelform erstellt. Außerdem habe ich mit den aufzunähenden Teilen experimentiert. Eine Variante wäre auch ein mit wattiertem Innenleben gewesen, aber das Wenden dieses Teils hätte mich bei der zu erwartenden größeren Anzahl überfordert. Ich bin schon eher faul, was Details angeht.

Der Zuschnitt verlief störungsfrei. Allerdings brauchte ich gefühlte Millionen von Probenähten, bis meine Nähmaschine den papierartig superdünnen und feinen Stoff ordentlich nähte. Ich musste sogar die Spulenspannung verstellen. Das musste ich nicht einmal bei dem Organza und bei der letzten Satinseide. Dann ging es an die Festlegung der aufzunähenden Stoffstreifen. Ich habe mich an der Vorlage orientiert, aber ein paar Elemente weniger aufgenäht. Dabei habe ich hin- und herprobiert. Da jeder Nadelstich sichtbar war, habe ich die Teile mit Tesafilm aufgeklebt, die Klammern konnte ich ja schlecht mittig auf dem Stoff platzieren. Aufgenäht habe ich später Pi x Daumen ohne zu stecken.


Überhaupt die Nadelstiche in dem Stoff, ein Drama. Selbst meine vor längerer extra für Seide gekauften superdünnen Stecknadeln hinterließen Löcher. Aber irgendwann waren alle Nähte zusammengenäht. Das Armloch musste ich nach der ersten Anprobe noch ein wenig vergrößern, ich fühlte mich eingeengt. Ggf. führt das dazu, dass der Stoff um die Brust spannt, auf dem Foto sieht es so aus, gespürt habe ich es nicht, im Gegenteil, es ist reichlich Platz und ich kann mich gut bewegen. 


Das Foto oben ist nach einer Zwischenanprobe entstanden, den Saum habe ich mit dem Blindstich genäht, an einigen Stellen etwas schrumpelig, weil durch die Rundung im Saum ein ordentliches Stecken mit dem großen Abstand zur Unterkante an den Seiten nicht möglich war. ein Handnähen hätte viel zu große Löcher hinterlassen, denn ich besaß keine Nadel, die derart fein wie die kleinste Microtexnadel war.

Mir kam dann oder eigentlich schon vorher der Gedanke, dass ich in den genähten Saum einen Gummi einnähen könnte, um die Kante unsichtbarer zu machen. Hier ein Bild der Anprobe, nicht perfekt gerafft, mit Klammern gehalten. Dazu habe ich mich vorher ein wenig mit Balenciaga beschäftigt und mir verschiedene Modelle aus den späten 50er Jahren angeschaut. Schon irgendwie cool und speziell. Aber im Endeffekt war mir das zuviel. Eine Abfrage auf Instagram ergab ein identisches Ergebnis, weswegen ich keinen Gummi eingezogen habe und auch kein Schrägband genäht habe, dass man bei Bedarf hätte ein- und wieder ausziehen können (mit so einem Stopper wie bei Kapuzen). Vermutlich hätte ich das nie genutzt und da habe ich mir diese Zusatzarbeit lieber gespart.


Bisher habe ich das fertige Kleid leider nicht  getragen, es ist für heiße Temperaturen gedacht, die wir zuletzt im Juni hatten, dafür dann wirklich perfekt wie alle dünnen Seidenkleider, so luftig und leicht. Mal sehen, ob es diesen Sommer noch etwas wird.

Zusammenfassung:

Schwierigkeit: der Schnitt, das Tüfteln, alles kein Thema, aber dieser Stoff war sehr empfindlich, sehr sehr sehr empfindlich

Kosten: ca. 1,5 m Seidentaffetta Rest von einer Rolle von New Tess, rabattiert um 70 % und bezahlt habe ich immer noch ca. 50 Euro, also handelt es sich wohl um einen sehr wertvollen Stoff.

Zeit: ich habe 2 Wochen lang immer wieder getestet und ein Wochenende zugeschnitten und genäht, aber natürlich auch noch ein paar andere Sachen gemacht.

Bei einem Spaziergang durch die Goethestraße entdeckte ich Mitte Juli  A-Linien Kleider von Valentino, für round about 3000 Euro, merkwürdige Farbe das eine und merkwürdige Schleifendrappage an beiden. In der ersten Folge der Great British Sewing Bee wurden auch mehrere genäht, überwiegend mit Falten, das war die Aufgabe, sehr schöne Exemplare, aber dafür hätte mein Stoff nicht gereicht und die Folge kam auch zu spät, mein Kleid war schon fertig.



Viele Grüße, Anja


Dienstag, 22. Juli 2025

Schnelles und einfaches Dirndlblüschen

Mitte letzter Woche habe ich den Wetterbericht für München Sonntag Morgen 6 Uhr gecheckt und festgestellt, dass ich für meine geplante Kocherlball-Kombination doch besser noch ein Blüschen unterziehe, es könnte sonst evtl. zu frisch werden. Ich habe mich dann im Netz mit den Blusen beschäftigt und beschlossen auf dem Weg in Augsburg aus dem Zug zu steigen und eine zu kaufen. Dafür, dass ich diese Bluse nur einmal anziehen wollte, sollte sie nicht zu teuer sein. Unter 40 Euro habe ich nichts gefunden. Und nachdem ich alles angeschaut hatte, fand ich, dass zu meiner Kombi eine rote Bluse super passen würde, die gibt es noch seltener und daher kostet sie noch ein wenig mehr. Also Donnerstag im Stoffladen angerufen, es gibt elastische Spitze (in so eine Spitzenbluse hatte ich mich derweil verliebt), nach der Arbeit hin und es gab sie sogar im gleichen Ton wie meine Schürze aus Venezia Futter.

Aus dem Grundschnitt ein verkürztes Oberteil gefertigt, hinten eine Naht, ein Knopf, fast ellenbogenlange Ärmel und ein kleiner Rollkragen. Ich habe möglichst viele Webkanten ausgenutzt, um auf das Säumen zu verzichten. Das Probeteil aus Bettwäsche saß besser als das fertige Blüschen aus dünner Spitze, einige Nähte wurden im Anschluss noch enger genäht, insbesondere an den Ärmeln, auch der Rollkragen bekam 2 Abnäher an den Seiten. Bei einer zweiten Bluse würde ich diese Änderungen alle in den Schnitt integrieren. Aber für mich ist die Optik entscheidend und die stimmte in diesem Fall. Alles in allem habe ich 3 Stunden an der Bluse gearbeitet und 80 cm Stoff verbraucht (9,40 Euro), Garn und Knopf aus dem Bestand. Alles easy, auch das Vernähen der Spitze, lt. Internetrecherche  alles mit Zickzackstich. Da gibt es immer genug Hinweise.


Ich war sehr angetan von meiner fertigen Bluse und ich glaube, ich kann sie auch in anderer Kombination tragen. In meiner Kiste mit den Winterkleidern gibt es auch noch einige ärmellose Exemplare. Hier habe ich ein schwarzes Etuikleid angezogen, das der Dirndlbluse einen völlig anderen Look verleiht:


Und hier nochmal die Dirndlversion, geschwitzt habe ich arg in den Sachen, es ist halt keine Sportkleidung und 4 Stunden in Bewegung bei später doch großer Wärme, sind bei lauter Polysachen nicht wirklich perfekt. Nach dem Kocherlball sind wir zum Schwimmen zum Eisbach gelaufen, ich bat meine Freundin, ein Foto von mir vor dem Monopteros zu machen, da lief gerade diese Damengruppe (ebenfalls vom Kocherlball kommend) vorbei und winkte mich zu sich:


Nach dem Baden habe ich normale Kleidung angezogen, abends trudelte ich dann in Dinkelsbühl ein, wo gerade ein traditionelles Ortsfest zur Befreiung der Stadt nach dem Dreißigjährigen Krieg gefeiert wurde, dort habe ich mein Kleid wieder angezogen und noch ein paar Selfies gemacht. Ich fühlte mich damit kurioserweise eher einheimisch als touristisch. Auf dem größeren Bild könnt ihr mehr erkennen, von hinten wie von vorne, ausführlich habe ich die Entstehung der Kombination hier bereits geschildert:


Viele Grüße, mittlerweile wieder aus Frankfurt, Anja