Freitag, 31. Oktober 2025

Bustier-Gürtel-Westen-Dingsbums

Von diesem Rock hatte ich noch Stoff übrig, ca. 1 m mit angeschnittenen Teilen. also eine gute Menge, aus der noch etwas Vernünftiges werden konnte. Idealerweise passend zu dem Rock zum Kombinieren.

Die Reihenfolge der Bilder ist jetzt etwas verwirrend. Etliche meiner Nähfreundinnen rieten zu Westen oder Bustiers. Eine Weste habe ich knallhart abgelehnt, weil mich das an Business in den 90ern erinnerte und ich sogar noch 2 oder 3 Kaufwesten, so richtig klassische, passend zu den Hosenanzügen (deren Hosen nicht überlebt haben) im Schrank habe. Bustier schien mir ein guter Gedanke, aber eigentlich hatte ich zuviel Stoff für das, was ich damals aus Resten genäht habe.

Dieses Bustier aus Burda 8/2025 ist mir erst begegnet als ich schon etwas anderes zugeschnitten hatte. Sehr ärgerlich, weil es anders ist, hinten diagonal überlappend und mit dem Gürtel aus mehreren Schnittteilen interessant gebunden. Den Schnitt habe ich jetzt zum Kopieren aus der Bücherei geholt. Dieses Bustier möchte ich unbedingt noch nähen, allerdings habe ich derzeit nicht den passenden Stoffrest. Blöd gelaufen.

Natürlich habe ich vorher auch im Netz recherchiert. Caroline Herrera bot unten gezeigtes Teil an, gefiel mir irgendwie nur so semi zum Nachnähen. Doppelreiher stehen mir als Jacke nicht, vielleicht hat die Assoziation bereits gereicht.


Aus das Thema gekommen bin ich über etwas Anderes: gegen Ende der Great British Sewing Bee trug die Moderatorin neben der tollen Bluse einen spannenden Gürtel. Der verbrauchte allerdings wenig Stoff, nur eine Teilmenge des vorhandenen Rests, selbst wenn ich ihn komplett aus dem Wollrest genäht hätte. Also habe ich den Gürtel erstmal ad acta gelegt.


Dann durchsuchte ich mehrmals meine Burdas bis ich irgendwann an diesem Modell hängen blieb. Nicht so klassisch. Die Druckknöpfe gefielen mir nicht, die Kragenform auch nicht, aber alles lässt sich ändern. Gesagt, getan. Schnitt kopiert, Schnittteile ausgeschnitten und zugeschnitten. Es passte tatsächlich perfekt mit dem Rest. Es ist nur ein kleines Fitzelchen geblieben. Immerhin damit bin ich zufrieden. Unten seht ihr den Rest, aus dem ich noch den alternativen Kragen konstruiert habe.


Das Nähen zog sich ein wenig, viele Schnittteile. (Das oben gezeigte Bustier aus der August Burda ist auch nicht viel besser, unglaublich viele Schnittteile zu kopieren). Aber alles fügte sich prima zusammen, die Anleitung war klar. Im Fundus gab es noch einen passenden kontrastierenden Reißverschluss und einen Knopf als Detail im Rücken in gleicher Farbe.

Hier Tragefotos mit dem Rock. Mir etwas zu spießig, ich muss noch experimentieren und andere Unterteile suchen. Oder mit einem Rollkragen ausprobieren.





Oben noch der Knopf in groß.

Im nachhinein glaube ich, besser wäre es gewesen, wenn ich das Unterteil nicht gedoppelt hätte. Es ist jetzt ziemlich dick, der Originalstoff ist dünner und elastisch. Außerdem verzieht es den dicken Reißverschluss ein wenig. Passen tut die Weste super. Warm ist sie auch. Und eigentlich ist sie auch nicht schlecht, wenn ich nicht hinterher noch das tolle Bustier gefunden hätte.

Hier habe ich die Weste anders kombiniert, gefällt mir persönlich besser, trotzdem kein Lieblingsteil und zu dem Rock habe ich bessere Alternativen.





Zusammenfassung:

Schwierigkeitsgrad: Ich habe nicht mehr geschaut, wieviele Punkte der Schnitt hat. Ich habe nichts angepasst, sondern ihn fertig verwendet. Der Stoff ließ sich super vernähen, einzig das Einkräuseln auf den unteren Teilen auf beiden Seiten fand ich etwas schwierig, ist auch nur semi gelungen. Das ist leider beim Einkräuseln immer der Fall, obwohl ich Stichbreite verstelle, Unterfaden lockere, 2 oder sogar 3 x parallel nähe: beim Zusammenziehen wird es einfach nicht gleichmäßig.

Zeitaufwand: mehr als ich dachte, denn es waren viele Nähte und viel Bügelarbeit. Gefühlt eine ganze Woche mit Kopieren, Ausschneiden und letzten Handnähten.

Kosten: keine, Stoffrest von Annette Görtz Outlet, Reißverschluss für 1 Euro oder so aus der Karstadt Auflösung, Knopf und Garn aus dem Fundus.

Viele Grüße

Anja


Freitag, 17. Oktober 2025

Kostümwesen - Führung in den Städtischen Bühnen Frankfurt

Während ich auf die U-Bahn warte, studiere ich immer die Plakate in der Station. So fiel mir vor ziemlich langer Zeit die Kostümwesen Führung im Kalender der Oper Frankfurt auf. Sie findet alle 2 Monate statt und es gibt einen bestimmten Buchungstag, ab dem die Tickets erhältlich sind. Es brauchte einige Anläufe bis ich die Möglichkeit hatte, an der Führung teilzunehmen. Erst war ich zu spät für ein Ticket, dann passte der Termin nicht, dann war Sommerpause. Gestern hat es geklappt. Und es hat sich wirklich gelohnt. Die Gruppe war größer als erwartet, aber es passten alle in alle Räume und der Leiter der Kostümabteilung, auf dessen Podcast "Maasgefertigt" ich hier gerne verweise, hat laut, deutlich, anschaulich erzählt. Dabei ging es natürlich auch um Hintergrundinformationen zu den Produktionen, für die die Kostüme sind, die da gerade in den Räumen genäht wurden.

Vorab ist zu sagen, dass die Städtischen Bühnen Frankfurt in einem Gebäude untergebracht sind, das aus mehreren Epochen stammt und dementsprechend verschachtelt ist. Sämtliche Räume entsprechen nicht mehr dem, wie man es heute bauen würde, der Brandschutz ist ein Problem, die Barrierefreiheit ebenso. Deswegen ist seit unglaublich langer Zeit ein Neubau, Umbau oder was auch immer geplant. Schon vor 2 (oder sogar 3) Jahren wurde dazu im Architekturmuseum eine Ausstellung zu Bühnenbauten gezeigt, ich erinnere mich an tolle Beispiele aus den nordischen Ländern und absolute Fails in Köln und Stuttgart, soweit ich weiß, immer noch nicht fertig. In Frankfurt ist immerhin eine erste Entscheidung getroffen, was bleibt (Denkmalschutz) und wo das Schauspiel neu gebaut wird, wann es losgeht, wie die Übergangsphase gestaltet wird, wie es weiter geht, alles offen. 

Insofern sind die Räume in einem Zustand (den der Leiter im Vergleich zu anderen Räumen als noch ziemlich gut beschrieben hat), den ich als beengt, dunkel, oll bezeichnen würde. Ehrlich gesagt, Arbeitsbedingungen, die für mich sehr gewöhnungsbedürftig wären. Dabei geht es nicht einmal um Temperaturen, die vermutlich im Sommer in grauenhafte Höhen steigen, das will ich nicht wissen, selbst in vielen modernen Gebäuden mit sogenannten Klimadecken und vorhandener Außenverschattung erreichen die Innentemperaturen in Frankfurt im Sommer an den heißen Tagen gerne mal die 27 Grad Marke, bei der mir das Denken und Arbeiten schwer fällt. Das ganze Mobiliar, die Wandfarben, das "Gerümpel", das überall im Weg stand, aber notwendig war, die Ordnung, die für mich nicht erkennbar war, sowas hemmt meine Kreativität. Aber da ist jeder anders und meine Bekannte, die als Lehrerin in einer Schule arbeitet, meinte, dort sei es auch nicht anders.

Im Kostümbereich arbeiten 120 Personen zzgl. Hospitanten, FSJ-ler, es gibt Azubis im Schneiderhandwerk, Schumacherhandwerk und Modistenlehrlinge. Dies, damit auch in Zukunft die Möglichkeit besteht, individuell anzufertigen.

Ausgelagert ist das Kostümdepot und ein weiteres Stoffdepot. Ich erinnere die Zahlen nicht mehr, es muss riesig sein, denn die Stoffsammlung, in der wir waren, war bereits sehr groß.

Bei 30 Neuproduktionen und 30 Wiederaufnahmen pro Spielzeit mit ggf. anderen Spielern ist ziemlich viel zu tun, entsteht auch Zeitdruck. Nicht alles wird neu hergestellt, Vor allem für die Chöre wird auf vorhandene Sachen zurück gegriffen, die dann geändert werden. 

Die Kostümbildner sind meist Externe, bringen ihre Zeichnungen mit und dann geht es los, etwa 2 Jahre vor der Premiere. Die Gewandmeisterin erstellt die Schnitte, viele Damen- und Herrenschneider setzen um. Während der Proben wird auch anprobiert, angepasst. Das Kostüm verleiht dem Schauspieler bzw. dem Sänger erst das richtige Gefühl für die Rolle, d.h. auch die, die am Ende die Kostüme tragen, werden integriert. Der ganze Prozess hat mich an Haute Couture erinnert, wo für eine bestimmte Kundin und einen bestimmten Anlass ein Kleidungsstück angefertigt wird. Im Extremfall werden auch die Schuhe maßgefertigt, wenn für die Rolle ein bestimmtes Modell notwendig ist und am Markt nicht erhältlich oder zu teuer ist, im Beispiel ging es um Schuhe, die 700 Euro gekostet hätten und das Budget gesprengt hätten.


Wie schon gesagt, es war überall sehr eng, die Stühle, an denen die Schneiderinnen vor der Nähmaschine sitzen, sehen aus wie alte Kneipenstühle. Überall hängen halbfertige Kostüme, halbfertige Hüte, unbesohlte Stiefel. Fast überall in diesem Fall Sachen für "Boris Godonov", das demnächst startet.

Auch die Obergewandmeisterin hat nicht mehr Platz, die Zuschneidetische sehr begrenzt an der Zahl. Wenn in einem Nähraum 24 Machinen rattern, möchte ich nicht wissen, wie laut es da ist. Hat mich irgendwie an die Bielefelder Wäschefabrik erinnert, wo in der Führung auf das große Fenster und die hohe Decke hingewiesen wurde - die wurde vor 100 Jahren gegründet. Nun ja, die Städtischen Bühnen sind natürlich auch irgendwie vor und nach dem Krieg gewachsen. Es waren oft Rohrleitungen an den niedrigen Decken und das Ambiente erinnerte mich eher an Kellerräume als an 3. oder 5. Obergeschoß. Es gab immerhin große Fensterfronten in den meisten Räumen. Die Ankleiden waren zwar groß mit vielen Spiegeln, einen Vergleich mit den Modehäusern darf man nicht anstellen. 


Oben ein Modell für "Punch and Judy", die Führung hat auf die Inszenierungen neugierig gemacht. Es ist gelungen, ich habe mir vorhin für 3 Vorstellungen Tickets besorgt. Auch "Punch and Judy"

Neben der Schumacherei gab es ein riesengroßes Schuhdepot. Leider war mein Foto verschwommen. Unglaublich, was es dort gab, Absätze, Sohlen, Schuhe, die Riesenfüße machen - und Laufen müssen die Schauspieler darin.


Unten einige Detailaufnahmen aus verschiedenen Räumen: Vorräte an Bändern, Borten, Knöpfen, Gummis usw. - unendlich.


Halbfertige Kostüme: schaut euch die Fahrradschläuche auf dem schwarzen Mantel unten an, Wahnsinn!



Oben ein kleiner Teil der Stoffsammlung und die Färberei. Ich hätte nie und nimmer gedacht, mit welchem Aufwand Kostüme gemacht werden.

Wir sind fast 3 Stunden durch die Gänge und Räume gelaufen, es war superinteressant. Falls es so eine Führung auch in eurer Stadt gibt, geht hin. Am Ende war ich aber wirklich platt.

Schöne Grüße und ein feines Wochenende

Anja

Donnerstag, 16. Oktober 2025

Unterziehrolli - einfach, schnell und immer brauchbar

Da ich gerne und oft Trägerkleider trage und ein paar wintertaugliche kurzärmlige Kleider habe, brauche ich im Winter dünne Unterziehsachen. Vor ca. 2 -3 Jahren habe ich schon einmal eine dünne, sehr dünne Wolle von Haider Ackermann als Jersey bei The Fabric Sales bestellt und bei meinem Besuch im September dort, habe ich einen weiteren Wolljersey - vermutlich aus der gleichen Serie - gekauft. Der Preis meines Stoffes liegt weit, sehr weit unter dem, den mein Modell von Caroline Herrera kosten soll. Dabei handelt es sich allerdings auch um eine Woll-Seiden-Mischung.



Mein Schnitt ist der gleiche wie für das graue Shirt. In dem verlinkten Post, wird es weiter unten beschrieben. Identische Länge, identische Ärmellänge, nur habe ich diesmal einen Rollkragen angefertigt. Da ich keinen Ripp habe, sieht das Ergebnis dann anders aus als auf dem Bild oben, aber der Gesamteindruck wird ja durch Farbe und Form geprägt, insofern bin ich ziemlich zufrieden mit dem Ergebnis.


Ich habe den Rolli jetzt einmal mit diesem älteren Latzrock nach einem Schnitt aus La mia Boutique kombiniert. Er trägt sich sehr angenehm, weiche Wolle, schön lange Ärmel, der Rollkragen könnte am Hals ein wenig enger sitzen, aber manchmal geht es bei einer eigenen Kreation auch nicht so aus wie es soll. Bei der Anprobe des Rollkragens vor dem Festnähen schien er mir enger. 

Zusammenfassung:

Schwierigkeitsgrad: einfach, schnell, der Schnitt war bereits abgepaust, die Länge des Rollkragens ergab sich aus dem verbleibenden Stoff, er ist gedoppelt und so breit wie das Ausschnittloch, da konnte ich dann auch nichts mehr enger machen.

Zeitaufwand: 2 -3 Stunden

Kosten: ca. 15 Euro, der Stoff, Wolljersey von Haider Ackermann über The Fabric Sales, liegt fast 175 cm breit, gekauft habe ich 1,30 m, insofern habe ich ein riesiges quadratisches Stück übrig, ich weiß noch nicht, wofür ich das verwenden kann. 

Und nun widme ich mich den finalen Arbeiten (händisch Knopf annähen) an einer experimentellen Resteverwertung. Mehr dazu sicher im nächsten Post, ein spannendes Projekt. Und gestern habe ich erst erfahren, wie man das Kleidungsstück nennt.

Herbstliche Grüße aus Frankfurt

Anja

Sonntag, 28. September 2025

Karo-Fake-Wickelrock Burdastyle #117 aus 12/2018

Den Stoff von Max Mara (Outlet bei Florenz) habe ich schon vor fast 2 Jahren mit dem Ziel ein Trägerkleid daraus zu nähen gekauft. Mittlerweile habe ich ziemlich viele Trägerkleider und brauche keins mehr. Röcke habe ich zwar auch nicht wenige, aber man kann sie doch vielseitiger kombinieren als ein Trägerkleid. Insofern habe ich für den Karostoff diesen Karorock ausgewählt. Ein bisschen deshalb, weil es schnell gehen sollte und der Schnitt bereits kopiert und im wesentlichen angepasst herum lag. Diesen Rock hatte ich daraus bereits genäht. Er lag lange herum, aber letzten Herbst und Winter habe ich ihn viel und gerne in anderer Kombi mit längerem und dünnerem blauen Rolli getragen.

Der Rock sollte etwas länger werden, es hätten noch einige cm mehr sein können. Ich glaube, das Problem ist, dass ich vor dem Spiegel messe und es - wenn ich von oben herab schaue - länger aussieht. Inzwischen sind schon mehrere Kleidungsstücke kürzer geworden als ich wollte - und immer wäre noch Stoff da gewesen. Aber die Länge ist o.k. Ansonsten gibt es wenig zu berichten. Der seitliche Reißverschluss ist nicht nahtverdeckt, ich habe einen aus dem Bestand verwendet. Das Futter ist grün wie die Karos (Annette Görtz Outlet). Auf dem Fotoausflug trage ich dazu einen Pullover, schon alt und immer noch sehr geliebt, aus Mohair einfach gerade gestrickt mit geradem Rollkragen , anscheinend nicht verbloggt, jedenfalls finde ich ihn nicht auf Anhieb. Weiter unten diese Manteljacke, auch sehr geliebt und gerne getragen.




Aufnahmen von hinten mit und ohne Jacke:



Karo auf Karo, ich mag Mustermix/Farbmix einfach gerne.



Etwas unzufrieden bin ich mit dem Bund. Ich glaube, bei dem dicken Stoff wäre ein angeschnittener Bund ohne Form (also nur umgeklappt) besser gewesen. Ich habe vorne, wo 2 Lagen Stoff auf 2 Lagen Bund treffen, einen ziemlichen Knubbel, habe zwar viel zurück geschnitten, aber es bleibt ja immer noch was übrig. Das finde ich doch sehr unansehnlich. Ich habe wie verrückt gebügelt, aber besser wird es nicht. Und fusseln tut der Stoff wie verrückt - auch noch nach dem Versäubern.

Zufrieden bin ich damit, dass überall die Karos aufeinander treffen oder irgendwie harmonieren, vor allem am nicht vorzeigbaren Bund. Tja. Der Rock hat heute seine Bewährungsprobe bestanden. Er ließ sich gut und komfortabel tragen.

Zusammenfassung:

Schwierigkeit und Zeitaufwand: einfach und schnell, Zuschnitt und zusammen nähen an einem Abend, der Rest an einem anderen kurzen Abend, die letzten Hand in der Nacht von Freitag auf Samstag nach einem inspirierenden Film und Wein und Essen mit Nähdels-Freundinnen.

Kosten: leider erinnere ich mich nicht mehr, was der Coupon (ca. 1,60 m) gekostet hat. Aber nicht viel, vermutlich unter 20 Euro, denn ich habe ihn eigentlich nur mitgenommen, weil alle meinten, der steht mir so gut und passt zu dem Mantelstoff usw. Wirklich gebraucht habe ich ihn nicht und meine Gepäckobergrenze war damals auch schon erreicht.

Herzliche Grüße und einen wunderbaren Herbstbeginn, Anja

Mittwoch, 24. September 2025

Jäckchen aus Stoffrest zum ärmellosen Kleid

Ich berichtete ja schon von der Entstehung meines Wollkleides. Ich besitze mehrere Trägerkleider, die ich gerne im Herbst/Winter mit Rolli usw. trage. Im Fall dieses Kleides habe ich ursprünglich nicht an Rolli gedacht, aber natürlich ist der eine Option. Ich hatte noch reichlich (und habe immer noch mehr als einen Meter) Stoff von dem Kleid übrig und habe beschlossen, ein kleines kurzes Jäckchen zum Kleid zu nähen. Ganz einfach kastig, taillenkurz, mit ähnlichen Teilungsnähten hinten wie am Kleid und mit den großen Gardinenringösen, um eine Verbindung zwischen Kleid und Jacke herzustellen.

In einer der letzten Folgen der britischen Sewing Bee gefiel mir der sehr spitze Blusenkragen der Moderatorin sehr gut. So einen Kragen konnte ich mir auch gut an der Jacke vorstellen. Das Ergebnis ist etwas weniger spitz geworden, aber doch anders als "normale" Kragen.


Auf der Rückseite sollte man eigentlich die identischen Teilungsnähte von Kleid und Jacke erkennen können. Die Gardinenösen sind am Kleidersaum und an den Ärmelsäumen. Da hatte ich vorher etwas herumprobiert. Schlussendlich habe ich auch nur einen Knopf oben angenäht, sonst wäre es mir optisch zu viel gewesen.


Letztes Wochenende fiel mir ein ganz wundervoller, dünner Baumwolljersey von Haider Ackermann in die Hände. Er lag fast 170 cm breit, so dass ich nur 60 cm gekauft habe - in der Annahme, das reicht für ein Shirt - gereicht hat es, aber nicht für einen Rolli. Schnittmuster ist Burdastyle 118 aus 11/21, siehe unten, es gab den Schnitt auch mit langen Ärmeln, die ich nochmal verlängert habe. Das Oberteil ein wenig gekürzt, damit für das breite Bündchen noch Stoff übrig ist. Ein Crunchie ist aus dem Rest auch entstanden, ohne Foto.




In dem Gesamtoutfit fühle ich mich sehr wohl, mit oder ohne Jacke, ganz wie die Temperaturen es verlangen. Was mit dem restlichen Stoff passiert, mal sehen, sicher findet sich noch etwas.


Zusammenfassung:

Schwierigkeitsgrad: einfach, eine schnelle wenig geformte Jacke ohne Anpassungsbedarf und das Shirt mit wenigen Nähten im Zickzack. Die einzige Herausforderung war das Knopfloch, aber von Mal zu Mal gelingen mir Paspelknopflöcher besser. Mit diesem bin ich erstmalig zufrieden.

Zeitaufwand: das Shirt war so schnell zugeschnitten wie der Schnitt kopiert war. Wenige Nähte, ein Abend. Die Jacke, vor allem die Konstruktion des Kragens, dauerten etwas länger, aber auch insgesamt max. 4 Stunden

Kosten: Jersey The Fabric Sales 9 Euro, Wolle Annette görtz Outlet ca. 7 Euro, Knopf, Gardinenösen, Garn aus dem Bestand.

Die kalte Jahreszeit kann kommen.

Herzlichen Gruß, Anja







Dienstag, 23. September 2025

Belgien - The Fabric Sales und Modemuseum Hasselt

Ziemlich spontan sind wir letztes Wochenende nach Belgien gefahren, mit dem ICE ist man in etwas über 2 Stunden in Lüttich, von dort ging es weiter nach Löwen, das mein Mann gerne sehen wollte, und ich bin gleich eine Station weiter nach Wezemaal gefahren, von wo ich einen schöner ruhiger Fußweg in das Gewerbegebiet Wingepark genommen habe. In Wingepark befindet sich der Show- und Verkaufsraum von The Fabric Sales, wo ich bereits ein paar Mal bestellt habe und immer sehr zufrieden war was die Qualität betraf. Zwei Mal war ich allerdings mit der Farbe unzufrieden, am Computer wird sie einfach nicht so dargestellt wie sie dann ist.

Der Besuch bei The Fabric Sales hat mich sehr glücklich gemacht. Es war so wundervoll, in allen Stoffen, die ich aus dem Netz kannte oder die ich bereits vernäht gesehen habe, zu stöbern. Ich wollte nichts kaufen, habe dann aber mehrere hochwertige Basicstoffe mitgenommen, für eine Hemdbluse, für Unterziehrollis, das Anfassen der Wolljerseys bzw. Baumwolljerseys ist eine andere Nummer als die Gewichtsangabe im Onlinestore mit einer Qualität in Verbindung zu bringen.


Oben noch ein paar Eindrücke vom Showroom, es war Freitag Vormittag herrlich leer, das Zuschneiden meiner Auswahl hat keine 10 Minuten gedauert und dann bin ich schon wieder mit dem Zug nach Löwen gefahren (es gibt auch einen Stadtbus vom Bahnhof, der halbstündlich bis Rotselaar Rotonde fährt - falls noch jemand anders auf die Idee kommt, dorthin zu gehen).

Am nächsten Tag planten wir, uns Hasselt anzuschauen, der Ort bietet mehr als das Modemuseum, aber natürlich fiel die Auswahl auf Hasselt wegen des Museums. 

Zur Zeit läuft dort die Ausstellung "Roccoco Reboot!" - Mode von 1750 bis 1830. Es werden Modekataloge, Originalkleider für Mann und Frau gezeigt, aber es geht auch um die weniger sichtbaren Aspekte der Mode: Waschen, Ankleiden, Unterwäsche, Schminken und Hautpflege. Außerdem werden nicht nur Objekte der Oberschicht gezeigt, sondern auch, was andere Gesellschaftsschichten getragen haben.

Besonders interessant fand ich die Videos, in denen Kostüme aus Filmen (Bridgerton, Marie Antoinette) unter die Lupe genommen wurden und auf ihren Echtheitsgehalt hinsichtlich der Epoche untersucht wurden.

Meine Fotosortierung entspricht nicht dem Rundgang, im Dachgeschoß, quasi am Ende, konnte man sich selbst mit Schnittmustern beschäftigen und 3 nachgearbeitete Modelle anziehen. Sehr interessant, mal einen Rock mit Reifrock drunter zu tragen.





Neben den Originalstücken gab es Erklärungen und Beispiele aus der Gegenwart, die sich an Modellen des Rokoko orientierten - das waren doch viele, hätte ich in der Menge nicht erwartet.  Manchmal war es nicht so einfach, vor der Vitrine zu sagen, was ist neu, was ist alt?




Karikaturen der Moden der Zeit kamen mir aus den Geschichtsbüchern bekannt vor. Memes aus einer früheren Zeit. Leider kein besseres Foto, selbstverständlich sind alle Räume abgedunkelt und alle Objekte waren hinter Vitrinen.


Das rechte Kleid unten ist von Laura Ashley, das linke von damals.

Nachdenklich gemacht hat mich das Zitat von Jean-Jacques Rousseau: Frauen haben ein angeborenes Problem mit dem Konsum. Aus der Zeit des Rokoko stammt das Stereotyp der shoppingbesessenen Frau, die auch in Karikaturen verewigt wurde, während sich die Männer langweilten, deren Frauen sich beim Einkauf nicht entscheiden konnten. Doch die komplexe , geschichtete Struktur der Kleidung erfordert viele Schritte und eine hohe Aufmerksamkeit, Materialkenntniss waren notwendig, der Fall, die Lichtreflexion, Farbe und Textur sollten langlebig sein. All diese Aspekte mussten beim Kauf, beim Schneider berücksichtigt werden, schließlich sollte das Kleidungsstück lange getragen und ggf. weiter vererbt werden.

Aufmerksam geworden bin ich auf das Museum durch Manuela von Twill und Heftstich, die dort vor Jahren eine andere Ausstellung gesehen hat. Habe ich jetzt hier einfach mal verlinkt.

Ich fand die Atmosphäre im Gebäude sehr angenehm, der Rundgang war klar und logisch aufgebaut, es gab reichlich, aber nicht zuviel Anschauungsmaterial, eine gute Mischung aus Videos und Erklärtafeln (für uns die deutsche Übersetzung in einem Flyer). Auch meinem Mann, der vorher noch nie in einem Modemuseum war, hat es gefallen, wobei ihn die historische Seite und die Männerkleidung eher ansprachen, mich hingegen die Bezüge zur Gegenwart.

Herbstliche Grüße aus Frankfurt

Anja


Mittwoch, 17. September 2025

Im Stil von Celine 2013 - Phoebe Philo

Irgendwann vor ein paar Wochen wurde mir eine Seite in meinen Instagram Account gespült. Ein Kleid, wie es mir sofort gefiel, ich habe es abgespeichert und sehr schnell für so gut befunden, dass ich es sehr bald für den Herbst genäht habe.

Bei dem Kleid handelt es sich um ein Modell von Phoebe Philo für Celine aus der Herbstkollektion 2013. Diese Angaben stammen aus dem Instagram Account, der Vintage Sachen von Celine verkauft, selbst nachprüfen konnte ich das nicht. Ich habe die Kollektion nicht gefunden.

Ich mag diese schlichten Kleider, die dennoch aufgrund von einigen Besonderheiten besonders sind: Teilungsnähte, raw edges, tiefe Taschen, elegant und gleichzeitig sportlich.

Einen Stoff, der ursprünglich für einen Mantel gedacht war (Woll Doubleface grau-weinrot) aus dem Fabrikverkauf von Annette Görtz (knapp 2,5 Jahre alt, einer der alten Stoffe aus meinem Schrank, ältere habe ich nicht, daher gut abgelagert :-) Ich hatte 4 m gekauft, 30 Euro dafür bezahlt, aber der Stoff ist ziemlich dünn. Für einen Wintermantel zu dünn. Für ein Winterkleid prima. Das oben gezeigte Modell ist aus Kaschmir (-mischung?), insofern passt Wolle auch irgendwie.

Als Basis für den Schnitt habe ich ein wenig ausgestelltes A-Linien-Kleid genommen, obligatorische Schulter- und Brustabnäher eingefügt. Dann die Teilung der Vorder- und Rückenteile entsprechend der Bilder geschnitten. Im Anschluss habe ich Teile des seitlichen Rückens an das seitliche Vorderteil montiert, den dortigen Teil des Brustabnähers integriert und die große Tasche ergänzt (dort liegt der Stoff am Ende doppelt. 

Das Probeteil aus Bettwäsche passte auf Anhieb gut. Also habe ich zugeschnitten. Siehe unten.


Platzsparend wie immer, insofern blieb sehr viel Stoff übrig. Dazu in einem der nächsten Posts, denn - wie ihr euch denken könnt - ein Wollwinterkleid mit kurzen Ärmeln ist irgendwie nicht das Wahre.

In der Realität wird es (leider) in den nächsten Tagen wieder warm, so dass ich das Kleid nicht zu dem geplanten Event am Wochenende anziehen werde. Ganz ohne Bluse oder Rolli darunter - wie in den Fashion Show Bildern oben - finde ich auch ein Winterkleid sehr merkwürdig. Ich habe hier für das Foto einfach eine weiße Bluse untergezogen.



Alle Nähte sind unversäubert, der Stoff franst nicht aus. Ich habe jede Naht erneut sichtbar abgesteppt. Die ursprünglich geplante offenkantige Mitte vorn habe ich gegen eine normale Naht rechts auf rechts ausgetauscht. Die Taschen sind ein bisschen tief. Tatsächlich ist das bei dem Modell auch so, ich persönlich hätte sie jetzt allerdings lieber etwas höher.

Um dem ganzen noch ein bisschen Pfiff zu geben habe ich unten die Gardinenringe, die von meinem Mantel übrig geblieben sind, eingebaut. Ein Bandrest als Label auf der inneren Rückseite, das ist es schon.


Auf den Detailbildern sieht man ein bisschen was von der Konstruktion, die mir gut gefällt. Bei einem erneuten Versuch würde ich die Taschen höher setzen, überall etwas Länge zugeben, vor allem in der vorderen Mitte, da hatte ich später mehr weggeschnitten als ich wollte, um diese Krümmung zu erzielen. Es ist o.k. so, aber geplant war etwas länger.


Zusammenfassung:

Schwierigkeitsgrad: Die Konstruktion war sicher eine der komplexesten, die ich bisher ausgeführt habe, insofern habe ich ein wenig getüftelt, das hat Zeit gekostet, war aber nicht schwer. Es musste ja nur ein Basisschnitt zerschnitten und neu zusammen gefügt werden. Aber das ist natürlich immer subjektiv. Das Nähen einfach, ich habe mir mit dem Innenleben keine besondere Mühe gemacht, eher mit der Wirkung nach außen.

Zeitaufwand: sehr hoch, von der Recherche über das Austüfteln, kleben, Probemodell, Zuschneiden, Verändern am fertigen Modell, insgesamt eine Woche mit einem ganzen Wochenendtag und allen Abenden.

Materialkosten: Der Stoff war günstig obwohl er haptisch hochwertig ist, Wolle mit wahrscheinlich noch etwas anderem drin. Es ist noch mehr als die Hälfte übrig, also ca. 12 - 15 Euro. Garn, Gardinenringe, Band aus dem Bestand.

Herzlichen Dank fürs Schauen, viele Grüße

Anja