Samstag, 30. Oktober 2021

ReDesign / Upcycling eines alten Mantel

 Den ersten Mantel, den ich genäht habe, habe ich nicht besonders häufig getragen. Zum einen ist er nicht warm genug, um an wirklich kalten Tagen getragen zu werden, er hat eine Länge, die irgendwie ungünstig für nahezu alle meine Kleider und Röcke ist, die Taschen sind sehr klein (mir ist sogar einmal das Portemonnaie rausgefallen), vermutlich habe ich sogar die rechte und die linke Stoffseite verwechselt, denn an dem Mantel blieben alle Fäden, Haare, Hundehaare hängen, grauenhaft. Irgendwann entsprach die Qualität der Verarbeitung auch nicht mehr dem, was ich gut finde, der eine Kragen ist nicht ganz identisch mit dem anderen Kragen, ich hatte schlecht gebügelt und dann Kragen und Belege auf der rechten Seite zusätzlich festgesteppt, zu allem Überfluss auch noch mit einem Garn, das einen Tick heller als der Mantelstoff war. Ach ja, und die Ärmel waren ein wenig zu kurz, vielleicht 4 - 5 cm, ich mag es im Winter gerne, wenn sie bis zum Handrücken gehen, vor allem beim Rad fahren, das war hier nicht der Fall.

So wurde der Mantel am Ende des letzten Winters weggelegt, da der Stoff noch gut war. Auch das schöne grüne Venezia Futter hat ein zweites Leben verdient. So sah er vor dem Auftrennen aus:


Nach dem Nähwochenende, über das ich am nächsten Me made Mittwoch berichte, war ich motiviert, den Mantel aufzutrennen, auf die rabiate Methode, anschneiden und reißen, das geht recht schnell. Ich hatte gehofft, die Fadenreste durch eine Wäsche auszuwaschen, das war nur semierfolgreich.

Ich wollte statt eines Mantels eine Jacke, die nicht ganz so dick ist, Jacken finde ich für die Übergangszeit geeigneter und ich habe tatsächlich nur 2 Stück. Ich habe mir ein paar Jackenschnitte rausgesucht, die aus vielen kleinen Schnitteilen bestanden, habe mich dann letztendlich für eine Jacke entschieden, die ich bereits kopiert und genäht hatte, deren Passform gut ist und deren Schnitt mir auch sehr gut gefällt. Es ist diese hier aus Burdastyle 8/2020:


Dann wurden die Schnittteile aufgelegt, der Hund verscheucht, alles passte super, die Ärmel sind nur 4 und nicht 6 cm verlängert wie beim letzten Mal, die Gesamtlänge wird vermutlich 2 cm kürzer sein, aber damit kann ich leben.

Hier die fertig zugeschnittenen Teile und der Rest zum Entsorgen:

Beim Futter schwankte ich stark zwischen einem Jaquardfutter in ultramarin/schwarz Paisley, sehr elegant, dem alten grünen Futter (schied als erstes aus, weil es zu ähnlich gewesen wäre), dem Neukauf eines roten Futters bei gleichzeitigen roten Knöpfen und Kontrastnähten in rot (wollte ich nicht, denn es geht ja auch darum, Vorhandenes zu verwerten) und dem Füttern mit einem Kuschelleostoff, dem Rest vom Hundekissen, kein klassischer Futterstoff, aber ein Hingucker und vermutlich sehr gemütlich von innen. Der Leoplüsch reichte nicht ganz, weshalb ich oben Steppfutter angestückelt habe, siehe Foto unten. Ich habe überlegt, große Leoknöpfe zu kaufen, aber zwei alte Knöpfe, die gut passen, in der Knopfkiste gefunden.

So sieht die fertige Jacke aus, die Innenseite der Tasche ist mit dem Leoplüsch gefüttert und der Stoff schaut wie eine Paspel heraus, außerdem Paspelknopflöcher, diesmal schon etwas ordentlicher als beim letzten Mal, aber da ist noch Luft nach oben:


Und obwohl es draußen nieselt, bin ich nochmal kurz vor die Tür gegangen, um bei besserem Licht Fotos zu machen, es hängen noch diverse Fussel an der Jacke und ich sehe auf dem Foto, dass auch noch ein Dampfbügeln Sinn gibt, man sieht sogar noch alte Nähte vom Mantel:



Hinten ist eine große Falte:


Ich bin mir sicher, dass ich die Jacke häufiger als den alten Mantel tragen werde.

Ein schönes Wochenende aus Frankfurt, Anja

P.S. Die Ärmel saßen ziemlich eng, ich habe erst das Innenfutter rausgenommen, dann das Leofutter rausgenommen, um mehr Platz für Winterkleidung zu schaffen. Dennoch hat die Jacke es nicht geschafft, zu einem oft getragenen Kleidungsstück zu werden. Am Ende des Winters 23/24 habe ich sie ausgemustert.







Mittwoch, 6. Oktober 2021

Me Made Mittwoch - Vogue 9112 als Herbst- und Winterversion

 Nach einem häufig getragenen Sommer V9112 und einem nur zwei Mal getragenen festlichen V9112 habe ich letzte Woche die Herbstversion genäht. Und ich bin mehr als zufrieden, auch wenn sich die dickere Wolle natürlich ganz anders verhalten hat als die beiden anderen Stoffe.


Zu den Änderungen im Vergleich zum Original: die Säume sind um ca. 5 cm verlängert (wie bei dem Waxprintmodell), der Kragen ist gedoppelt (auch wie bei dem Waxprintkleid), statt Schrägstreifen habe ich Belege an den Armausschnitt genäht, damit bin ich glücklicher, auch wenn das Armloch jetzt ca. 1 cm enger ist. Genäht habe ich Größe M bei einer Körpergröße von 176 cm. Für diese Winterversion hätte ich vermutlich nicht soviel verlängern müssen, 2 bis 3 cm wären mir jetzt fast lieber, aber ich will nicht den ganzen Saum nochmal auftrennen. Denn ich habe Belege, Kragen, Saum mit der Hand festgenäht. Das Kleid ist nicht gefüttert, ich bevorzuge Unterkleider.


Zum Stoff: ich habe ihn (100 % Wolltuch, leichte Salz und Pfeffer Optik) im Sommer 2020 auf einem "Wühltisch" mit ziemlich vielen "Anzugstoffen" im Hof bei LTS gefunden. Als ich dorthin kam, war ich erst enttäuscht, den Weg aus München angetreten zu haben und nur im Erdgeschoß Stoffe zu finden (und den Hof mit Tischen unter Plastikzelten), die oberen Etagen sollten wohl renoviert werden. Wie auch immer, nach kurzem Rundgang im Erdgeschoß, habe ich mich den unscheinbaren Tischen gewidmet - und Schätze gefunden. Einige habe ich bereits vernäht, hier und hier. Aus einem anderen Stoff plane ich Ende Oktober ein weiteres Winterkleid. Die Wolltuche fühlten sich wunderbar an, sehr hochwertig, keine zugesetzte Kunstfaser, gut gewebt. Es waren Musterstücke, denke ich, denn es waren jeweils Zuschnitte von 2 oder 3 Metern. Sie rochen sehr muffig, als ob sie schon lange in einem Keller lagen. Das völlig vergilbte Etikett verwiese auf den Hersteller: Wülfing & Sohn. Ich weiß nicht mehr, was ich bezahlt habe, Auf jeden Fall weniger als 10 Euro den Meter.

Zuhause habe ich Wülfing & Sohn gegoogelt. Die Tuchfabrik in Radevormwald hat 1996 geschlossen. Es gibt dort jetzt ein Museum, das ich mir bestimmt irgendwann einmal anschauen werde. D. h., dass mein Stoff mindestens 25 Jahre alt ist. Zuhause habe ich ihn in der Waschmaschine gewaschen, getrocknet, gebügelt und jetzt vernäht, 

Hier noch eine Ansicht von hinten, das Bügeln finde ich nicht ganz einfach, aber es muss für mich nicht perfekt sein:


Und so hatte ich es am Samstag draußen an, bei spätsommerlichen Temperaturen ohne Jacke:


Mittlerweile ist es frischer geworden. Einen schönen Me Made Mittwoch, viele Grüße

Anja


Dienstag, 13. Juli 2021

Chanel - Manifeste de Mode - Ausstellung im frisch renovierten Palais Galliera

Bis diese Woche läuft noch die Ausstellung Chanel - Manifeste de Mode. Mitten in der Corona Krise sollte sie letzten Sommer im neu renovierten Palais Galliera, dem Modemuseum der Stadt Paris, eröffnet werden, war dann immer wieder längere Zeit geschlossen und aus Deutschland war die Einreise ja sowieso schwierig bis unmöglich.


Kurz vor Schluss habe ich mir noch ein Ticket beschafft und die Fahrt mit einem Lunch mit einer alten Freundin verbunden. Von Frankfurt sind es weniger als 4 Stunden mit dem ICE, das kann man gut als Tagesausflug machen. Mehr Zeit habe ich im Moment nicht, ich will auch nicht jedes Mal übernachten und mein Ziel war insbesondere die Ausstellung.

Im gesamten Erdgeschoss waren viele, sehr viele Kleider, Mäntel, Abendkleider usw., 20er und 30er Jahre, irre gut erhalten, tolle Materialien, tolle Verarbeitung, raffinierte, aufwändige Schnitte. Die Farben allerdings überwiegend langweilig natur, braun, beige, grau .... mitternachtsblau und flaschengrün waren schon echte Ausnahmen.

Einige der Modelle würde man heute fast noch anziehen, weit, Rüschen, Schluppen, alles fast wieder modern. Seht selbst:



An diesem Mantel begeisterte mich die raffinierte Manschettenlösung und die doppelte Tasche.



Spannende Futterlösungen und tolle Materialien zeichneten viele Modelle aus.


Wenn es bunter wäre, würde dieses Kleid ganz in den Sommer 2021 passen.



Unterschiedliche Abendkleider aus den 20er und 30er Jahren, das blaue und silberne ist jeweils aus Seide (was sonst?) und komplett mit Pailletten bestickt (per Hand, wie sonst?)


Die letzte Kollektion vor dem 2. Weltkrieg endete mit diesem Abendkleid, ein Film zeigte die Herstellung im Atelier und die Schau.

Im Keller, wo es leider arg dunkel zum Fotografieren war (und viele Kleidungsstücke, vor allem die Abendmodelle, schwarz waren), gab es dann die berühmten Kostüme aus den 60er und 70er Jahren in vielen Varianten, Stoffen, Farbkombinationen. Mäntel, die der damaligen Zeit entsprachen und mich an die Kleidung meiner Mutter erinnerten, halblange Abendkleider, tailliert, neue Stoffkreationen, wo mit neuen Materialkombinationen, die chemisch hergestellt wurden, experimentiert wurde (die Stoffe waren nicht mehr so gut erhalten wie die Wolle und Seide aus den 20er Jahren). Hier einige der "untypischeren" Modelle:





Die Schnittführung im oberen Bereich ist wieder sehr raffiniert.

Der zweifarbige Schuh und die Chanel Bag 2.55 wurde gezeigt und ein unglaubliches Potpourri an Schmuck, sehr auffällig, erinnerte fast an Modeschmuck, Broschen, die man überall befestigte, übergroß, Ketten mit Riesenkreuzen, die mich an Madonna erinnerten, Colliers und riesengroße Ohrringe, unglaublich für die Zeit damals. Der Schmuck kam überwiegend aus den Vorkriegsjahren.


In einer Zeitschrift wurde in den 50er Jahren sogar einmal ein Schnitt des klassischen Chanel Kostüms mit Erläuterung veröffentlicht, sehr gut verständlich und bebildert:


Insgesamt war es viel Input, ich war fast 2,5 Stunden im Museum und wirklich dicht gefüllt mit Informationen. Zum Leben von Chanel gab es wenig Informationen, aber wahrscheinlich weiß das sowieso jeder durch die vielen Filme über ihr Leben. Auch politische Aspekte wurden nicht beleuchtet.

Insgesamt ein rundum gelungener Tag, der noch mit einem sehr kurzen Stoffshopping am Montmartre beendet wurde. 

Viele Grüße 

Anja







Mittwoch, 7. Juli 2021

Me made Mittwoch im superschnellen Sommertop

Während der kurzen Öffnung der Geschäfte (ich weiß nicht mehr genau, wann das war, jedenfalls wurde danach nochmal alles geschlossen) habe ich bei Karstadt einige stark reduzierte festliche Stoffe "abgestaubt". Von diesem habe ich 2 m gekauft, ich glaube, er kostete insgesamt 4 Euro oder so. Und er hat ganz sicher einen hohen bis 100 %igen Plastikanteil.

Gedacht war er für ein mögliches Kleid für meine Tochter, aber zwischenzeitlich wurde das aus einem anderen Stoff genäht. Dieser sehr spezielle Stoff wäre doch zuviel des Guten an einem ganzen Kleid gewesen. So wurden daraus erstmal zwei identische Tops (die ganz sicher niemals zusammen von meiner Tochter und mir getragen werden), ganz schlicht, ohne Abnäher, französiche Nähte. Es ist noch Stoff da, keine Ahnung, was daraus werden kann. 


Nach dem Zuschnitt, wo reichlich Fäden auf dem Boden landeten, habe ich die Stellen, wo genäht wird, von den restlichen Fäden "befreit", um einigermaßen glatt nähen zu können. Ähnlich würde man es auch bei Pailletten machen. Über die Fäden kann man aber theoretisch noch nähen, ich wollte nur nicht, dass sie sich mit dem Unterfaden und in der Spule verfangen. Ich habe eine Microtexnadel und die Geradstichplatte benutzt, also ähnlich wie für Seide. An sich hatte ich vor den Saum mit diesem Füßchen zu nähen, das ihn nur knapp einschlägt (mir ist der Name gerade entfallen), aber das hat überhaupt nicht funktioniert, also blieb die herkömmliche Methode oder Handnähen. Ich habe mich für Maschine entschieden.

Besonders oft getragen habe ich die Bluse noch nicht, das liegt sicher am Wetter, ich finde sie lässt sich gut kombinieren, auch wie hier mit einer Jeans. Der Schnitt (auch der der Jeans) ist aus einem recht alten Heft der La mia Boutique, aber für das Oberteil hätte es keinen Schnitt gebraucht, theoretisch könnte man auch zwei Rechtecke verwenden und einen Ausschnitt nach Belieben einformen. Hier sind allerdings kleine Ärmelansätze im Schnitt vorgesehen.


So, und jetzt beschäftige ich mich weiter mit der Reiseplanung, ich habe gerade ewig gebraucht, um meinen Velib Account zu reaktivieren, Von der Ausstellung berichte ich dann.


Ja, und verbloggt mit dem Me made Mittwoch. Hoffentlich komme ich heute Abend noch dazu, bei den Anderen herein zu schauen.

Viele Grüße aus Frankfurt, Anja

Mittwoch, 23. Juni 2021

Dress Code in der Bundeskunsthalle Bonn

Letztes Wochenende bin ich spontan (insbesondere um der großen Hitze auszuweichen) in klimatisierten Zügen in ein klimatisiertes Museum gefahren. Über Piek&Fein wurde ich auf die Ausstellung aufmerksam. Und es hat sich so gelohnt! Es war die beste Modeausstellung, die ich seit sehr, sehr langer Zeit gesehen habe, unbedingt empfehlenswert. Es war außerdem sehr leer, die Eintrittskarten inkludieren den ÖPNV und der (nichtklimatisierte) Telekom Express vom Fernbahnhof Siegburg/Bonn (erreichbar in einer Stunde von Frankfurt) hält quasi vor der Tür des Museums.

Auf der Startseite zur Ausstellung gibt es einen kleinen Übersichtsfilm, auf einer App zur Bundeskunsthalle kann man sich die digitale Führung anhören. Das geht - glaube ich - auch, ohne dass man die Ausstellung besucht. Die Objekte sind hochkarätig, die Bereiche vielfältig, der Aufbau großzügig und übersichtlich, dazu viele, fast zu viele Fotos und das Fashion Lab, wo man ausprobieren kann, sich virtuell oder wie eine Anziehpuppe Kleidungsstücke probieren kann. Man muss sich wirklich Zeit nehmen, ich war hinterher fast ein wenig erschlagen von all den Eindrücken.

Mit Uniformen, klassisch, aber auch weniger klassisch, begann der Rundgang:


Es folgte ein Ausblick in die Kleidung der Arbeiter, die Jeans und das, was heute daraus gemacht wird, außerdem Bikerjacken, stark verfremdet (auch die rote Jacke ist eine Bikerjacke von Watanabe):


Anleihen von Militär (Trench und Camouflage) setzten die Ausstellung fort, es folgte die Arbeitsuniform der Damen, Kostüme in vielen Variationen:


Festliche Mode:


Ein Kapitel über Marken, Logos und deren Bedeutung in der heutigen Zeit:


Durch eine Art Bullauge ein Rückblick zu den Herrenanzügen (und einigen identischen Damenanzügen):


Besonders gut gefiel mir der Abschnitt Mode und Kunst bzw. Kunst in der Mode, hier das Mondrian Kleid von YSL und Drucke von "ich weiß leider nicht mehr wem"


Das Arcimboldokleid, gemischt mit niederländischen Meistern von Watanabe:


Und letztendlich mein Lieblingsrock, Watanabe hat eine Kollektion in Kooperation mit Marimekko gemacht, es gibt sie auch online komplett zu sehen, sehr toll. Schade, dass der Marimekkoladen bei mir um die Ecke mit sensationellen Stoffsales im ersten Lockdown geschlossen hat. Da würde ich gerne einige Teile nacharbeiten.


Ich bin immer noch inspiriert von den vielen schönen Sachen, die ich gesehen habe und habe große Lust bekommen, weitere Ausstellungen zu besuchen bzw. zu nähen. 

Viele Grüße, Anja

Dienstag, 22. Juni 2021

Abiballkleid zum Abigrillfest

Mein Kind ist mit der Schule fertig und in etwa solange, wie mein Kind zur Schule gegangen ist, nähe ich jetzt. Mit Beginn der Grundschulzeit vor 12 Jahren habe ich arbeitstechnisch sehr deutlich mein Pensum reduziert und nach einer gewissen Orientierung angefangen, Kindersachen zu nähen. Damals erschien gerade das englischsprachige Buch von Farbenmix "Sewing Clothes Kids Love", ich war begeistert, die Grundschullehrerinnen meiner Tochter auch, meine Tochter hat die Sachen angezogen (Hose Dortje, Kleid Feliz, Rock Insa, alles irgendwie bunt, gerüscht, verziert, ich habe tolle Erinnerungen an diese Kleidungsstücke), zum Glück hat sich der eigene Wille, insbesondere der nach identischer Kleidung wie alle anderen Mädchen, erst in der weiterführenden Schule herausgebildet, ich konnte mich also fast 4 Jahre auf einer bunten Nähspielwiese austoben.

Irgendwann entstanden Sachen für mich, erst auch bunt, sogar mit Farbenmix Webband verziert, dann entwickelte sich ein Stil, der irgendwo zwischen den Businesssachen, die ich früher getragen habe und dem bunten Freizeitlook aus meiner Frühzeit des Nähens liegt, der aber auch Änderungen unterworfen ist.

Darum geht es hier nicht. Seit ein paar Jahren darf ich gerne wieder für die Tochter nähen, allerdings sucht sie im Internet nach einer Vorlage (das ist üblicherweise kein Schnittmuster, sondern ein Foto), die ich dann in einer Farbe bzw. einem Stoff ihrer Wahl passgenau umsetzen darf. Das ist eine ganz andere Herausforderung als für mich selbst ein Schnittmuster zu vernähen. Dabei ist sie ziemlich pingelig, nicht was die Verarbeitung angeht (ein Glück!), sondern was die Optik des fertigen Kleidungsstücks und die Passform angeht.

Für das Schulabschlusskleid lagen 3 Stoffe im Depot, außerdem hatte ich sogar mal 2 Schnittmuster ihrer Wahl bei Vogue bestellt. Da lange wegen der Pandemie nicht klar war, ob es überhaupt einen Anlass geben wird, habe ich nicht weiter nach Stoffen oder Schnitten geschaut, sondern abgewartet. Vor 2 Wochen wurde bekannt gegeben, dass es ein Fest mit Dresscode Abendkleidung geben wird.

Der Geschmack von vor 1,5 Jahren (als ich die Schnitte aus den USA mitbestellt habe) hat sich geändert, es sollte nun die Kopie eines Kleides von Jason Wu sein, allerdings mit kleinerem Ausschnitt und hinten ganz ohne Ausschnitt. Ein schlichtes Kleid, einfach umzusetzen, grüner Seidentaft (2,20 m) vom Stapel bei Karstadt eignete sich perfekt, etwas mehr Stoff wäre sicher gut gewesen, aber mit Stückeln machbar.

Ich habe einen einfachen Bahnenrock konstruiert, etwas schwierig war es, die richtige Länge zu definieren und den Saum gleichmäßig zu nähen. Dass das Oberteil gedoppelt wird, war eigentlich klar, aber die Stoffmenge gab das nicht her, ich stand vor der Entscheidung, anders zu füttern, nur Belege zu konstruieren oder soviel wie vorhanden innen einzunähen, habe mich für die letzte Lösung entschieden und außerdem Stoffstücke zusammen genäht, damit es einigermaßen reicht. Es reichte auch noch für ein Haarband, aber mehr nicht.

Für das Oberteil habe ich einen einfachen ärmellosen La Mia Boutique Kleiderschnitt genommen, mit Abnähern, die Brust musste nach oben verlegt werden, außerdem etwas verkleinert, Hohlkreuzanpassung - und als der Reißverschluss hinten eingesteckt war, saß das Ganze besser als bei der Anprobe vor dem Füttern und dem Einnähen des Reißverschlusses. Voila!




Die Saumlänge wird natürlich eigentlich mit dem endgültigen Schuhwerk bestimmt. Hier gibt es keine neuen Schuhe, sondern es werden flache vorhandene Sandalen mit so ein bisschen Perlengedöns auf dem Fuß getragen. Meine Tochter hätte gerne Riemchensandalen gekauft, alle, die ihr gefielen, hatten so einen Absatz mit ca. 10 cm, die von uns erlaubte Maximalhöhe lag bei ca. 6 cm (in dieser Höhe gibt es allerdings nur "Omamodelle"), außerdem sah sie dann ein, dass es unter Nachhaltigkeitsaspekten Blödsinn ist, Schuhe zu kaufen, die man selten bis nie anzieht. Der sogenannte Abiball ist eine  Gartenparty ohne Tanzen (verboten wegen Pandemie) auf einer Wiese am Mainufer, da sind flache Schuhe sowieso besser.

Getragen sah das Kleid dann so aus, geht wunderbar mit flachen Schuhen:


Viele Grüße, Anja

Mittwoch, 2. Juni 2021

Me Made Mittwoch - Vogue 9112

Fast hätte ich angefangen, auf Englisch zu schreiben, so nah ist der Me Made May noch. Am letzten Tag war es endlich sommerlich und ich hatte Gelegenheit mein relativ neues noch nicht getragenes Kleid aus Waxprint vom Online Nähtreffen mit Muriel und Chrissy anzuziehen. So habe ich etwas Neues, das ich am Me Made Mittwoch zeigen kann. Im Vergleich zu der ersten Version dieses Kleides (das ich bedauerlicherweise noch gar nicht getragen habe - außer zu Fotografieren) habe  ich den Saum weiter nach unten verlegt, etwa 7 oder 8 cm, genau erinnere ich mich nicht mehr. Das führte dazu, dass an einigen Teilen innen viel Stoff war, weil die Schnittteile ja alle irgendwie gebogen sind. Aber man sieht das Innenleben ja nicht.


Den Fake Waxprint habe ich extrem günstig in Paris erstanden, vor mindestens 2 Jahren. Fake deshalb, weil er nur einseitig bedruckt ist und doppelt breit lag, aber die Haptik entspricht Waxprint, etwas steif also, reine Baumwolle (in einem Afrikaladen habe ich tatsächlich mal Waxprint aus Polygemisch erstanden und es erst hinterher gemerkt).


Ich mag den Schnitt seit ich ihn das erste Mal gesehen habe, ich kann mir noch viele verschiedene Versionen aus unterschiedlichen Stoffen vorstellen. Das Zuschneiden und Nähen kostet etwas Zeit, aber das Ergebnis ist einfach toll. Diesmal habe ich den Kragen übrigens entgegen der Anleitung gedoppelt, das sieht einfach ordentlicher aus. Hier noch die Schnittzeichnung und der Stoff im Detail.


Viele Grüße, Anja

Review im Herbst 2024:

Das Kleid war und wird vermutlich noch ein bis zwei Sommer ein Hitzedauerbrennerkleid sein. Sehr oft und gerne getragen. Leider verliert der Stoff bereits ein wenig die intensive Farbigkeit durch die Wäsche. Dann muss unbedingt Ersatz her. Der Schnitt ist toll, das Stoffmuster war es auch. Die Stoffqualität, dieser Fake Wax Print leider nicht gut.